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Brigitte B.

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Frank Wedekind
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Titel: Brigitte B.
Untertitel:
aus: Die vier Jahreszeiten
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 68–70
Kurzbeschreibung:
Aus dem Zyklus Sommer.
Erstdruck in »Simplicissimus« Jg. 1, Nr. 19, 1896. Siehe auch Dirnenlieder
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Bearbeitungsstand
fertig
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[68] Brigitte B.

Ein junges Mädchen kam nach Baden,
Brigitte B. war sie genannt,
Fand Stellung dort in einem Laden,
Wo sie gut angeschrieben stand.

5
Die Dame, schon ein wenig älter,

War dem Geschäfte zugetan,
Der Herr ein höherer Angestellter
Der königlichen Eisenbahn.

Die Dame sagt nun eines Tages,

10
Wie man zu Nacht gegessen hat:

Nimm dies Paket, mein Kind, und trag es
Zu der Baronin vor der Stadt.

Auf diesem Wege traf Brigitte
Jedoch ein Individium,

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Das hat an sie nur eine Bitte,

Wenn nicht, dann bringe er sich um.

[69] Brigitte, völlig unerfahren,
Gab sich ihm mehr aus Mitleid hin.
Drauf ging er fort mit ihren Waren

20
Und ließ sie in der Lage drin.


Sie konnt’ es anfangs gar nicht fassen,
Dann lief sie heulend und gestand,
Daß sie sich hat verführen lassen,
Was die Madam begreiflich fand.

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Daß aber dabei die Turnüre

Für die Baronin vor der Stadt
Gestohlen worden sei, das schnüre
Das Herz ihr ab, sie hab’ sie satt.

Brigitte warf sich vor ihr nieder,

30
Sie sei gewiß nicht mehr so dumm;

Den Abend aber schlief sie wieder
Bei ihrem Individium.

Und als die Herrschaft dann um Pfingsten
Ausflog mit dem Gesangverein,

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Lud sie ihn ohne die geringsten

Bedenken abends zu sich ein.

Sofort ließ er sich alles zeigen,
Den Schreibtisch und den Kassenschrank,
Macht die Papiere sich zu eigen

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Und zollt ihr nicht mal mehr den Dank.


[70] Brigitte, als sie nun gesehen,
Was ihr Geliebter angericht’,
Entwich auf unhörbaren Zehen
Dem Ehepaar aus dem Gesicht.

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Vorgestern hat man sie gefangen,

Es läßt sich nicht erzählen wo;
Dem Jüngling, der die Tat begangen,
Dem ging es gestern ebenso.

Erläuterungen (Wikisource)

Roger Stein, Das Deutsche Dirnenlied, 2006, S. 165-167 macht darauf aufmerksam, dass in den Werkausgaben der wichtige Refrain (nach Str. 2, 4 usw.) weggelassen wurde, der den "lakonisch-satirischen Ton" des Gedichts bestimme. Der Refrain lautet nach Frank Wedekind, Ich hab meine Tante geschlachtet. Lautenlieder. München/Wiern 1920, S. 124:

Ach Gott! Mein Gott!
Dideldideldumda, dideldideldumda
Dideldideldumda, dideldideldumda
Dum dum da!