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Bremens edle Tochter

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Textdaten
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Titel: Bremens edle Tochter
Untertitel: Ein herrliches Beispiel, aber auch wie selten!
aus: Clausthalischer allgemeiner Harz-Berg-Calender auf das Jahr 1805
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1804
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Erscheinungsort: Clausthal
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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Bremens edle Tochter.
(Ein herrliches Beyspiel, aber auch wie selten!)

In Bremen lebten drey Geschwister, deren sterbender Vater eine große Schuldenlast hinterließ. Die älteste Tochter von diesen Geschwistern hatte einen Pächter zum Manne, und nahm sich der Ehre ihres Vaters nicht an. Der Bruder war Kaufmann und hatte berechnet, daß dabey nicht viel zu gewinnen sey. Der Bankerott des Vaters brach aus. Die Jüngste von den drey Geschwistern hätte gern die Ehre des Vaters gerettet, und den Bankerott verhütet; aber sie war die ärmste, und konnte nichts thun. Zum Glück hatte sie in der Hollandischen Lotterie ein halbes Loos, und erhielt den beträchtlichsten Gewinnst. So wenig sich jemand vorher um ihre Hand bewarb, denn es war ja ein armes Mädchen, so fanden sich jetzt, da sie ein ansehnliches Vermögen hatte, Freyer in Menge. Aber sie schlug alle Anträge aus, und erklärte sich, daß sie erst alle Schulden ihres Vaters bezahlen und seinen ehrlichen Namen retten wollte. Bliebe dann noch so viel übrig, daß sich jemand getraute an ihrer Hand leben zu können, so wolle sie es überlegen ob es wohlgethan sey. Sie gab einem Advocaten die Vollmacht, mit einigen von den Gläubigern die Sache zu unterhandeln. Dieser wiederrieth es ihr und schlug ihr vor, um doch einen Theil ihres Vermögens zu retten, mit den Kreditoren zu akkordiren; diese würden, da sie nicht verbunden sey zu zahlen, einen solchen Akkord sehr gern eingehen. Allein sie beharrte dabey daß jedem Gläubiger, nebst Interessen, gezahlt werden sollte, was der Vater ihm schuldig geblieben sey. Dieß sind ihre eigenen Worte, welche sie dem Advokaten schrieb: „Ein Akkord ist immer ein mißlich Ding in den Augen eines redlichen armen Mannes, und ein Betrug. Sollte ich auch mein letztes Kleid verkaufen, so will ich es gern hingeben, wenn nur keiner mehr sagen kann, er sey von meinem Vater betrogen worden. Ein Kind kann nie zu viel für seine Eltern thun.“ Und sie bezahlte ohne Ausnahme die Schulden ihres Vaters!