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Bitte für die Nothleidenden in Oberschlesien

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Textdaten
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Titel: Bitte für die Nothleidenden in Oberschlesien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 40
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Bitte für die Nothleidenden in Oberschlesien.

Wenn unser Hülferuf für die Nothleidenden in Oberschlesien erst heute kommt, so liegt die Ursache für diese Verzögerung theils in der Unsicherheit der vielfach widerspruchsvollen Nachrichten vom Schauplatze des Nothstandes, welche uns ein sicheres Bild von der Lage längere Zeit nicht gewinnen ließen, theils aber auch in der schonenden Rücksicht auf unsere Leser, deren Mildthätigkeit wir erst eben für die Beschädigten von Zwickau in Anspruch genommen hatten und an die wir erst dann auf’s Neue appelliren zu sollen glaubten, wenn die Mittheilungen über die Oberschlesische Calamität festere Umrisse annähmen und in ihren Einzelheiten größere Glaubwürdigkeit gewännen.

Heute stehen wir leider vor der sicher verbürgten Wahrheit, daß die Noth in Oberschlesien eine große und weitgreifende ist.

Wenn demnach auch spät, so kommt doch unsere Bitte nicht zu spät. Eine Noth, welche bei ihrem Beginne schon die arme Bevölkerung mehrerer Kreise, also Tausende von Menschen umfaßte, wird nicht so rasch vollständig gestillt, daß Gaben der Liebe bereits unnöthig geworden sein sollten. Es war beim ersten Auftreten der Kälte, als der Nothstand hier und da schon zu Hülferufen zwang, welche sich heute als durchaus berechtigt erweisen; der furchtbarste Feind der Armuth, der Winter, hat seitdem durch zwei Monate an Strenge und Härte derartig zugenommen, daß selbst die Summen, welche für öffentliche Arbeiten bestimmt wurden, von der darbenden Bevölkerung nicht verdient werden konnten. Wo aber Tausende unserer Mitmenschen, die sogar in den für sie günstigen Zeiten von allen höheren und edleren Genüssen des Menschenlebens ausgeschlossen sind, zu allen gewohnten Entbehrungen auch noch dem Hunger und dem Frost preisgegeben sind, da ist es für Jeden, den das Schicksal weicher gebettet hat, doppelt Pflicht, zu helfen.

Unsere Leser haben noch nie gefehlt, wo werkthätige Liebe eine patriotische Pflicht war; sie werden auch diesmal unsern Opferstock nicht leer stehen lassen. Die Quittirung der Gaben wird stets gewissenhaft erfolgen.
Die Redaction der „Gartenlaube“.