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Bettlerin an der Via Appia

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Textdaten
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Titel: Bettlerin an der Via Appia
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 129, 140
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[129]

Bettlerin an der Via Appia.
Nach dem Oelgemälde von Prof. Gabriel Max.

[140] Bettlerin an der Via Appia. (Mit Illustration S. 129.) Es ist ein trübes Geheimniß, ein Weh, das nicht so leicht in Worte zu kleiden ist, eine tief in Schleier gehüllte Trauer, was die Seele dieses Mädchens bewegt, dämmernd und hoffnungslos wie die verödete Landschaft, in der sich dies Zusammenbrechen eines unglücklichen, verwaisten Herzens abspielt. So wenig der Künstler uns die mächtigen Silhouetten der vom letzten Tageslichte erhellten Trümmerreste der altrömischen Leichenstraße deutlich erkennen läßt, so wenig läßt sich jedes Detail dieses Schicksals mit Zuverlässigkeit ablesen. Wir sehen auch hier nur die Umrisse und einige Abtönungen, – und gerade dies völlige Harmoniren des dargestellten Menschenloses mit dem Charakter der Scenerie ist ein besonders wirksamer Zug des Max’schen Gemäldes.

Ueber die Eigenart dieser Scenerie sei uns eine kurze Notiz gestattet. Im Alterthum war die Strecke zwischen Rom und dem Albanergebirg ein prangender Garten, mit Villen und Lusthäusern aller Art übersät; auf der Via Appia wogte und rollte es von Fuhrwerken jeder Art; überall die blühendste Vollkraft, das lebendigste Leben. Nur die Grabmäler, die nach römischer Sitte vor den Wohnungen angebracht waren, erinnerten an Tod und Vergänglichkeit. Jetzt hat allenthalben der Tod das Leben verschlungen. Grau und einförmig liegt die sanft gewellte Ebene vor dem Beschauer, nur durch die bröckelnden Trümmer zu beiden Seiten der Straße und die Bogenreihen der altrömischen Wasserleitung in ihrer starren Monotonie unterbrochen. Kein Baum belebt diese Landschaft, keine noch so dürftige Blume. Nur spärliches Gras bietet den Ziegen der Campagnolen eine armselige Nahrung. Fern aber in den bräunlichen Dünsten, die über diesem welthistorischen Kirchhofe brodeln, lauert das hohläugige Gespenst der Malaria, das blutvergiftende Fieber.

Es ist dem Künstler gelungen, diese Stimmung der Via Appia treulich wiederzugeben: einmal in der todten Natur und dann in der schmerzlich bewegten Mädchengestalt, die am Wege sitzt. Der kaum noch erkennbare Wagen, der da im Hintergründe davonrollt, als könne er dem Bereich dieser Trostlosigkeit nicht eilig genug entrinnen – trägt er vielleicht eine letzte Hoffnung, ein hohes, unerreichbares Glück der Vergessenen für alle Zeiten hinweg? Und ist sie erst jetzt im vollen Sinne des Wortes, was sie von Kindheit gewesen, ohne es recht zu begreifen: eine hilflose Bettlerin?

Die Ausspinnung dieses Gedankens überlassen wir der Einbildungskraft unserer Leser.