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Beschreibung des Oberamts Welzheim/Kapitel B 3

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3. Gemeinde Groß-Deinbach,
bestehend aus 15 Parcellen, mit 1147 Einwohnern.
Die Gemeinde liegt theilweise auf dem südöstlichen Ausläufer und den Abhängen der Hochfläche des welzheimer Waldes, welcher an das Oberamt Gmünd und an die Stadtmarkung von Gmünd selbst grenzt, theilweise ferner auf der Hochstraße (oben S. 5) und theilweise auf einem Bergrücken des linken Ufers der Rems, die den Gemeindebezirk durchschneidet und welcher entlang die schöne und sehr lebhafte Staatsstraße von Lorch nach Gmünd führt. In dieselbe mündet über Hangendeinbach die Straße von Groß-Deinbach ein, indeß südlich eine Straße von Sachsenhof nach Hohenstaufen führt. Die Gemeinde für sich hat die Verbindungsstraße von Pfersbach nach Muthlangen mit 2000 fl. Kosten gebaut. Südlich grenzt die Markung von Hohenstaufen im OA. Göppingen an. Die Länge des Bezirkes beträgt 13/4, die Breite kaum 1 Stunde. Der Ziegerhof liegt fast ganz über der Grenze, im Oberamt Gmünd. Die Parcellen auf der rechten Seite der Rems haben ein weniger mildes Klima und minder fruchtbaren Boden. An Wasser ist kein Mangel, indem auch hier der Boden von quellenreichen Schluchten durchschnitten ist. Es sind 282 Gebäude vorhanden, worunter 118 Nebengebäude. Groß-Deinbach und Kirchenkirnberg sind die geringstbevölkerten Bezirke. Die Bewohner des Waldes sind kräftig, doch weniger geweckten Geistes, als die andern. Ackerbau und Viehzucht sind fast die einzigen Nahrungsquellen. Doch wird auch viel Reps und Flachs gebaut und der Obstbau in Aufnahme gebracht. | Durchschnittlich ist der Preis von 1 Mrg. Ackers 100–200 fl., Garten 200–300 fl., Wiesen 150–250 fl., Waldes 200 bis 300 fl. Die Äcker werden beinahe überall flürlich gebaut. Die Thalorte haben bessern Boden und mehr Feld und gehören zu den wohlhabenderen; durchschnittlich wird nur vierfach geerntet. In Lenglingen und Pfersbach sind größere Gutsbesitzer. Die übrigen Orte sind größtentheils wenig bemittelt. Die Farrenhaltung liegt theils einzelnen Güterbesitzern, theils einigen Orten ob. Nach dem Herbste wird noch ausgetrieben. Der Verkehr mit Gmünd ist in dem ganzen Bezirke von Bedeutung. Ausgeführt werden Vieh und Flachs. Von Wasserwerken ist nur eine Sägmühle vorhanden.

Der Bezirk gehört in das Forstamt Lorch. Die Zehenten stehen, wo nichts Anderes hienach bemerkt ist, wegen des Klosters Lorch dem Staate zu. Einige Rechte und Gefälle zu Radelstetten gehören zu dem Rittergute Wäschenbeuren. An denen des Staates hat die Gemeinde seit 1817 für 2678 fl. 56 kr. abgelöst. Die Parcellen 1–4, 6, 9 bis 12, 14, 15 und die Evangelischen in 8 und 13 sind nach Lorch, die Parcellen 5 nach Alfdorf und 7 nach Hohenstaufen eingepfarrt. Die Katholiken von 8 gehören zur Kirche Muthlangen, die von 10 zu der nach Gmünd und die von 2 und 11 zu jener nach Wäschenbeuren. S. auch unten Wetzgau. Schulen sind in Groß-Deinbach und Wetzgau. Die Thalorte halten zu den Schulen in Gmünd, Unterkirneck, Maitis und Hohenstaufen, beide letztere im Oberamt Göppingen.

Der Gemeindebezirk wurde aus Haselbach, Pfersbach, Sachsenhof und Waldau, welche bis 1803 ganz, und aus einem Theil von Groß-Deinbach, Wetzgau und Wüstenrieth, welche bis dahin theilweise zum Gebiete der Reichsstadt Gmünd gehörten, eines Theils, und dann aus den andern Antheilen von Groß-Deinbach, Wetzgau und Wüstenrieth, sowie aus den übrigen, bis dahin zum Stabe Lorch gehörig gewesenen, Parcellen der Gemeinde andern Theils, 1811 gebildet und | 1819 der Sitz des Gemeinderathes, der bis dahin in Lenglingen war, nach Groß-Deinbach verlegt.

1) Groß-Deinbach, Dorf mit 323 Einw., worunter 51 kath., liegt auf der Höhe in einer Mulde, südöstlich 21/2 St. von Welzheim, auf dem vorerwähnten Ausläufer des Waldgebirges. Von hieraus ziehen sich 3 Thalschluchten abwärts nach Westsüdwest. Der Ort ist weitläufig gebaut und nicht reinlich. Von den Gebäuden verdient nur das alte Kirchlein zu St. Bernhard Erwähnung, welches für den evang. Gottesdienst benützt und von dem Ortsheiligen im Bau erhalten wird. Die ältere Kirche oder Capelle war 1496 erbaut und am 7. Juli 1497 von dem bischöflichen Generalvicar unter Ertheilung eines 40tägigen Ablasses für die Besuchenden am Tage der Heiligen, in der Ehre der heil. Maria und der Heiligen Bernhard und Katharina eingeweiht worden. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1671 abgebrochen und sofort die jetzige erbaut. Der Ort war schon 1497 Filial ecclesie in villa Lorch. Die Geistlichen von Lorch haben hier von 3 zu 3 Wochen Predigt zu halten. Die Schule ist in einem eigenen 1821 erbauten Hause untergebracht, das der Ort dem vormaligen Abgeordneten des Oberamtes zur Ständeversammlung, Geh. Legationsrath v. Pistorius, zu danken hat, der überdieß zur Besoldung des Schulmeisters 300 fl. stiftete.

Die drei Orte Deinbach – früher Thainbuch, Donbuch, Thainbach – waren ursprünglich Stammgut der Hohenstaufen, von denen sie theils an Vasallen und Verwandte, und theils an das Kloster Lorch kamen. Wie Conrad der Wascher 1271 seine Rechte zu „Tainbuch“ diesem abtrat, haben wir oben S. 102 gesehen. Egino miles de Stoiphen verzichtet 1275 zu Gunsten des Klosters auf sein Vogtrecht über die Höfe des Ersteren „in Thainbuch.“ Daß sich von diesen Orten ein ritterliches Geschlecht schrieb, das im Gefolge der Staufen zu finden ist, wird sich hienach zeigen. In dem dem Kloster Lorch von dem Grafen Eberhard von Württemberg ertheilten Schutzbriefe von 1293 wird unter andern Kirneck als solcher Ort bezeichnet, die dem Grafen Vogtrecht gebe; das Dorf Lorch, „Pfahlbrunnen, Klozhen, Wigmar, Rot, Frickenhofen, Geggingen, Mutlangen,“ (sowie in jenem von 1322) Bruck, Braitenfürst, Renharz, Enderbach, drei Donbuch, Legnang, Uttstetten, Mittelbrunn, Iggingen, Zimmern, Hussenhofen, Lindach und Wüstenrieth sollen dagegen von jeder vogteilichen Leistung an die Grafen frei bleiben. In Groß-Deinbach waren nicht nur Lorch, sondern auch Rechberg und Gmünd begütert. Diese machten 1480 als Vogtsherrn eine Dorfordnung, welche fünf von der Gemeinde gewählte „Schiedmannen“ aufrecht erhalten sollten. Das Kloster Lorch besaß 1683 hier 7 Höfe | und Lehen, mit aller Hohheit und Obrigkeit. Was die Rechte Gmünds betrifft, so hatte die Stadt über 5 Güter dieselbe Gewalt. Conradus magister de Gamundia, canonicus secularis ecclesie in Lorch stiftete 1326 eine ewige Messe in der Pfarrkirche Gmünd und schenkte dazu „hubam dictam Ruplinslehen in majori Tainbuch.“ Rechberg wird zu Anfang des 17. Jahrhunderts nicht mehr genannt. Es kommen aber auch noch 2 „Freimaier“ 1722 hier vor, da sich diese seit den frühesten Zeiten erhalten hatten, während andere sich in Abhängigkeit ergaben. So erwarb Lorch noch 1568 und 1576 Güter von Bauern, die „vngültbar, zinsfrei, ledig vnd aigen, auch Niemand vogtbar, gerichtbar, steuerbar noch mit einiger Jurisdiction vnterworfen waren.“ Ein Anderer vermachte 1481 sein freies Gut der Stiftskirche Lorch, damit ihm da ein ewiger Jahrtag gehalten werde. – Alle drei Deinbach waren schon 1539 reformirt; die Einwohner kehrten aber bald zur alten Lehre zurück, so weit sie nicht lorchisch waren. – Im Jahr 1579 hatten das Kloster Lorch, St. Barbara Pfründe zu Gmünd, der Heilige zu Wetzgau und eine augsburgsche Stiftspfründe zu Lorch Theil am Zehenten. Der gmündsche Theil des Ortes kam 1803 an Württemberg. – Von Groß-Deinbach aus genießt man die schönste Aussicht auf das ganze Alpgebirge.

2) Beutenhof, H. mit 29 Einw., worunter 18 kath., liegt links der Rems, am westlichen Gebirgsabhange über dem Beutenbachthälchen, von Wald umgeben, 11/4 St. von Groß-Deinbach. Der Hof ist zehentfrei und gibt nur wenige Grundgefälle zum Staat und der Heiligenpflege Hohenstaufen. Er gehörte seit den ältesten Zeiten zu der Pfarrei Hohenstaufen, führte auch den Namen „Felixenhof“ und war ein Bestandtheil des Ämtchens Staufen (Beschr. des OA. Göppingen, S. 231). Die nahegelegene Beutenmühle dagegen gehörte stets zur Herrschaft Wäschenbeuren, s. unten.

3) Haldenhof, H. mit 6 evang. Einw.; dieser sog. Hof liegt auf der Markung des nächstfolgenden Weilers, die bis zur Staatsstraße herabreicht, und theilt auch alle seine Verhältnisse mit demselben. Er hieß früher auch Remshalde und wurde 1724 angelegt.

4) Hangen-Deinbach, W. mit 56 evang. Einw., liegt an dem Waldgebirge rechts der Rems, 3/4 St. von Groß-Deinbach entfernt, und hat den Namen von seiner hängenden Lage. Die Lage zwischen Obstbäumen ist recht freundlich. Außer dem Kloster Lorch, das 2 Güter besaß, war nur noch eine augsburgische Stiftspfründe von Lorch im Besitze eines Lehens. S. auch Groß-Deinbach.

Oberhalb dieses Ortes, an dem Grenzwalle, wurden 1842 Reste eines Thurmes gefunden, der wohl auf dem Grunde eines römischen | Grenzkastelles gestanden. Vielleicht ein Überbleibsel der Burg der Herren von Thainbuch. Von ihnen finden wir: „Conradus de Thainbach“ als Zeugen in der Urkunde der Kaiserin Irene, welche sie 1208 auf Hohenstaufen ausstellte. Später siedelten sie nach Gmünd über, wo wir 1384 und 1400 einen „Ulrich von Thainbuch“ als Städtmeister treffen.

5) Haselbach, oder Haselbachhaus, Hs. mit 7 kath. Einw., liegt mehr nördlich am Haselbach, von dem zur Gemeinde Alfdorf gehörigen Weiler Haselbach nur durch einen Bach getrennt. Der Ort liegt auf der Markung von Wetzgau und theilte stets alle Verhältnisse mit diesem.

6) Klein-Deinbach, W. mit 118 Einw., worunter 37 kath. Die Lage des Ortes ist wie die des nahen Hangen-Deinbach, doch auf einem nahen Gebirgsvorsprunge, der das von Groß-Deinbach in nördlicher Richtung herabziehende Seitenthälchen begrenzt. Die Zehent- und grundherrlichen Rechte sind zwischen dem Staate und den Nachfolgern des Domstiftes Augsburg getheilt. Conrad der Malse von Husen (Rechberghausen) verkaufte 1329 dem Kloster Lorch um 38 Pfd. Heller eine Hube in „Clain Tainbach.“ Ein anderes Gut kaufte dasselbe 1572 von einem Bauern, der es bis dahin als ganz frei und keiner Obrigkeit unterworfen, besessen hatte. Drei weitere Güter gehörten einer augsburgschen Stiftspfründe in Lorch. Auch die Stadt Gmünd hatte hier zwei Güter, die sie, bis dahin in die Waibelhub gehörig, 1556 von den Schenken von Limpurg erworben. S. auch Groß-Deinbach.

7) Lenglingen, früher Legnang und Legnath, W. mit 63 evang. Einw., liegt links der Rems auf dem Gebirge, welches den Fuß des nahen Hohenstaufens bildet, 21/2 St. von Großdeinbach. Der große und kleine Zehente steht theils der Pfarrei Straßdorf, OA. Gmünd, theils dem Staat zu. An dem hübschen Ort führt die Straße von Staufen nach Gmünd vorüber. Der Boden ist sehr gut und die Einwohner sind wohlhabend. Bis zur Reformation Filial von Straßdorf wurde der Weiler nun nach Hohenstaufen eingepfarrt. Er ist eine alte Besitzung des Klosters Lorch und bestand aus 5 Lehengütern. Der Abt machte 1478 eine „Ordnung der Bauerschaft“ dieses Ortes, wodurch der Verwüstung der gemeinen Hölzer Einhalt gethan und bei Strafe von „4 Schff. Habern vnd 2 Barchet Tücher“, dem Abt verfallen, das Offenhalten der Wiesen, so lange sie nicht im Banne sind, befohlen wurde.

Auf der Markung lag noch 1680 ein Weiher. Über das Bergwerk, das früher hier betrieben worden s. oben S. 48.

8) Pfersbach, früher Pfärisbach, auch Pferisbach, W. mit 109 kath. Einw., liegt auf der Hochstraße (oben S. 5) nördlich | 3/4 St. von Groß-Deinbach. Der große Zehente steht zu 2/3 der Kirchen- und Schul-Pflege in Gmünd und zu 1/3 dem Staat, der auch noch einen privativen Zehenten bezieht, zu. Der kleine Zehente gehört der Pfarrei Muthlangen; Heuzehent wird nicht gereicht. In die übrigen Grundgefälle theilen sich die Großzehentherren. Der Ort ist wohlhabend und namentlich die Rindviehzucht von Belang. Er gehörte bis 1803 zum Gebiete der Reichsstadt Gmünd; die Vogtei und Grundherrlichkeit aber war früher vielfach getheilt. Im Jahr 1505 waren die „Herrschaften“ des Ortes: die Stadt Gmünd, das Predigerkloster daselbst, das Kloster Gotteszell und die von Rechberg zu Hohen-Rechberg und Weissenstein. Peter Oppolt, Lesemeister der heil. Schrift, stiftet an eine ewige Frühmesse in das Prediger-Kloster 1450 einen Hof und 1431 kauft dieses von Barbara Clausen von Horkheim Wittwe zu Gmünd einen Hof. Zuletzt waren die Stadt Gmünd, das Kloster Gotteszell, das Dominikaner- und das Augustiner-Kloster daselbst und die Pfarrei Straßdorf begütert.

Bei dem Orte stand, wie wir bei Waldau finden werden, eine Burg, über deren frühere Besitzer und Schicksale weitere Nachrichten fehlen.

9) Radelstetten, früher Radolstetten, W. mit 38 evang. Einw., 11/2 St. von Groß-Deinbach. Der Ort hat eine freie, hübsche Lage, auf derselben Bergstufe, wie Lenglingen. Die Zehenten stehen dem Staat und der Grundherrschaft von Wäschenbeuren zu. Rindvieh- und Schaf-Haltung sind von größerem Umfang. Von den 5 Höfen, woraus der Ort zusammengesetzt ist, gehörten 2, die der Pfarrei Hohenstaufen als Grundherrin zustanden, zur Herrschaft Hohenstaufen (Beschr. des OA. Göppingen, S. 245), 1 dem Kloster Lorch, 1 dem Kloster Adelberg und 1 zur Herrschaft Wäschenbeuren, welche die grundherrlichen Rechte noch besitzt (S. Wäschenbeuren). Die Hohheit über den ganzen Ort stand wegen Hohenstaufen Württemberg zu; die Vogtei aber war zwischen diesem, dem Kloster Lorch und der Herrschaft von Wäschenbeuren, das übrigens über sein Gut 1759 die Hohheit ansprach, gemeinschaftlich. Die Zehenten, den vorgedachten Hof und die Zehenten in Hundsholz erwarb das Kloster Adelberg 1555 durch Tausch von dem Hochstift Augsburg, welchem es dagegen alle seine Zehentrechte zu Wäschenbeuren, die zu Lindenbronn ausgenommen, abtrat.

10) Sachsenhof, H. mit 11 Einw., wovon 5 Kath. Im Remsthal, an der Hauptstraße von Lorch nach Gmünd gelegen, 3/4 St. von Groß-Deinbach. Die Zehenten und übrigen Gefälle gehören dem Hospital in Gmünd. Die Rindviehhaltung ist auf diesem großen Hofe namhaft. Er wurde 1810 von Wetzgau nach Gmünd umgepfarrt. Conrad von Rechberg, der Biedermann, eignet am | 3. December 1328 dem gedachten Hospital seinen Hof zu Sachsenhoven und verordnet, daß der Ertrag desselben am Weihnachtabend den armen Siechen von Bette zu Bette ausgetheilt werde, worauf ihm am 19. d. M. der Hospital erlaubte, einen armen Mann zur lebenslänglichen Verpflegung dorthin zu geben. An demselben Tage trat Conrad auch die hiesige Mühle dem Hospital ab und erhielt sofort das gleiche Recht auf eine zweite Pfründe. Diese Rechte üben die Grafen noch jetzt aus. Der Hof gehörte zum Gebiete der Stadt Gmünd. Herzog Ulrich von Württemberg gestattete zwar 1510 dem damaligen Besitzer, auf einem freien Stücke Feldes eine Herberge zu bauen, welches Gmünd verweigert hatte, und verpflichtete ihn, seiner Hohheit sich zu unterwerfen und 4 Schff. Schirmhaber zu entrichten; die Reiter des Ritters Franz von Sickingen, der damals in Gmünd lag, brannten aber 1519 die Herberge nieder; und so blieb der Hof bis 1803 gmündisch.

11) Schnellhöfle, H. mit 26 Einw., worunter 5 kath., liegt links der Rems, an einem Abhang über dem Beutenbachthälchen 11/4 St. von Groß-Deinbach. Dieses ganz kleine Hofgütchen ist zehentfrei und wird von Holzhauern bewohnt. Es ist aus dem Beutenhof hervorgegangen.

12) Waldau, früher auch Schillingshöfe und Waldauerhöfe genannt, W. mit 44 Einw., worunter 6 evang., liegt ebenso, etwas südlicher, wie Wetzgau, 1/2 St. von Groß-Deinbach. Den großen Zehenten bezieht der Hospital in Gmünd, den kleinen die Pfarrei in Wetzgau. Heuzehent wird nicht gereicht. Die übrigen Grundgefälle stehen der Stadt Gmünd zu. Der Weiler ist durch die hier gestandene Burg Waldau, welche wahrscheinlich auf dem Grunde eines römischen Grenzkastells errichtet worden, entstanden, wovon einiges Gemäuer noch sichtbar ist. Im Jahr 1301 gehörte sie einem Crafto de Klingenfels, der dem Kloster Lorch „ripam prope suum castrum Waldow“ schenkte. Nachmals war sie im Besitze der Herren von Rechberg. Wilhelm von Rechberg von Hohen-Rechberg trug für die Eigenmachung der Burg Bargau 1393 die Burg Waldau dem Grafen Ulrich von Hohenlohe zu Mannlehen auf. Nach der Vermuthung des verstorbenen Dekan Rink wurde sie wahrscheinlich 1449 in der Fehde, welche Württemberg mit Gmünd führte und in welche auch Ulrich von Rechberg zu Hohen-Rechberg, der sie damals besaß, verwickelt worden, von den Gmündern verbrannt. Am Freitag nach Medardi 1540 verkaufte endlich Wolf von Rechberg von Hohen-Rechberg zu Weissenstein an die Stadt Gmünd um 4500 fl.: a) die Burg Waldau, sammt dem Bauholz darunter, 400 Jauchert groß, und den in zwei Theile getheilten Schillingshof; b) den Bach unter der Burg, unter Muthlangen anfangend | und bis an den Erlenbach gehend; c) den Thurm und Burgstall zu Pförsbach; sammt dem Gut daran und 1 Pfd. Heller aus dem Reiffersberg, d) 61/2 Gulden und 61/2 Böhmisch von einer Weide zu Unter-Bettringen; und e) 1 Gulden und 1 Böhmisch von einer Weide zu Unter-Bettringen; Alles mit hoher und niederer Obrigkeit. Waldau theilte von nun an alle seine Geschicke mit Wetzgau, und Gmünd trägt die Höfe heute noch von Hohenlohe zu Lehen. Es mag seyn, daß Wetzgau in alten Zeiten zu der Burg gehört hatte. Die Kirche Waldau (S. 107) gehört ohne Zweifel nicht diesem Orte an.

13) Wetzgau, kath. Pfarrweiler mit 174 Einw., worunter 23 evang. Auf der Hochfläche der Hochstraße, südlich gegen das Remsthal und nördlich ins Haselbacherthal abgedacht, an der Grenze des Oberamts Gmünd, 1/2 St. von Groß-Deinbach, in einer sanften Mulde gelegen. Der große Zehent gehört dem Hospital Gmünd, der kleine dem Ortsheiligen; Heuzehent wird nicht gereicht. In die übrigen Grundgefälle theilen sich der Staat und der erwähnte Hospital. Die Lage ist rauh und die Luft kalt und feucht, die Aussicht gegen Südwest sehr schön. Die im nördlichen Theile des Ortes stehende Pfarrkirche zum heil. Märtyrer Colloman scheint im vierzehenten Jahrhundert erbaut worden zu seyn: sie ist klein und dunkel. Der pyramidalförmige Thurm hat die Jahrszahl 1675. Die Baulast hat der Heilige. Das daneben stehende 1787 erbaute Pfarrhaus hat ebenderselbe zu erhalten. Der für die Pfarrgenossen gemeinschaftliche nahe gelegene Kirchhof wurde 1837 angelegt. – Die Wiesen liefern gutes Futter und der Kleebau wird sorgfältig betrieben. Alle Einwohner haben ihr zureichendes Auskommen und die größere Zahl ist wohlhabend. – Das Patronat, bis 1803 gmündisch, ist königlich. Der Pfarrsprengel begreift 10 Orte, davon 1 im Oberamt Gmünd. An der Schule steht ein Schulmeister.

Der Name des Ortes wurde im Lauf der Zeit ganz umgestaltet. Ursprünglich Weggeshein, dann Wegsheim und Wexheim wurde er um 1600 in Wetzgan und dann in Wetzgau umgeformt. Auch hier war immer ein Condominat; 1483 waren das Kloster Lorch, das Predigerkloster zu Gmünd, das Kloster Gotteszell und Rechberg zu Hohen-Rechberg Herrn von „Weckshein.“ Syfried der Turn, genannt der Schön, Bürger zu Gmünd, verkaufte 1352 ein Gut zu „Wexheim“ an Lorch. Das dortige Predigerkloster kaufte 1443 zwei Güter von Hans Hörners, Bürgers zu Gmünd, Wittwe, welche zuvor Ulrich von Rechberg zu Hohen-Rechberg vom Lehensverband frei machte. Einen Beringer von Weggeshaine vom Jahr 1266 werden wir bei Kirchenkirnberg treffen. B. dictus Wexhain, scultetus in Lorch ist 1301 Zeuge. Wetzgau kam 1803 ganz an Württemberg. | In der ersten Hälfte Aprils 1634 ward es durch die schwedisch weimarschen Truppen ganz verheert und ausgeplündert.

Die Pfarrei ist von höherem Alter; 1509 starb Johannes Back, der sogar „plebanus in Strasdorf et in Wexhain decanus“ genannt wird (s. S. 108). Hans Wolf von Rechberg von Hohen-Rechberg zu Heuchlingen verkaufte am 22. Februar 1552 dem Hospital in Gmünd um 3400 fl. den großen Zehenten zu „Wetzghain“ mit dem Kirchensatz und der Kastvogtei der Pfarrei und Kirche daselbst und allen Rechten, ausgenommen jene, welche die Pfarrei bei oder auf dem Kloster Gotteszell hatte. Unter den dazu gehörigen Gütern werden ein Falllehen und ein Erblehen in Wetzgau und zwei in Thainbuch genannt. Von nun an wurde die Pfarrei excurrendo von einem Geistlichen von Gmünd versehen und erst 1751 wieder ein eigener Pfarrer ernannt. Die Reformation fand nur in Wüstenrieth dauernde Aufnahme. – Die Hälfte des Zehenten trugen 1424 die gmünder Bürger Häberling von Rechberg zu Lehen. Den ganzen kleinen Zehenten und einen Theil des großen hier, zu Waldau, Rehnenhof, Wüstenrieth und Haselbachhaus verkaufte die Ortspfarrei 1821 um jährlich 152 fl. an die hiesige Heiligenpflege.

14) Wüstenrieth, W. mit 121 Einw., worunter 7 kath. Die Lage ist ganz wie Wetzgau, nur südlicher, 1/2 St. von Groß-Deinbach. Den großen Zehenten beziehen der Staat und die Nachfolger des Domstiftes Augsburg je zur Hälfte; der kleine Zehent steht dem Staat allein zu. Drei Häuser liegen 200 Schritte nördlich und heißen Sieh dich für. Außer einer Ziegelhütte ist ein vormaliges Schlößchen, nun Wirthshaus, zu bemerken. Die Verhältnisse sind wie in Wetzgau. So weit die Nachrichten zurückgehen, finden wir hier beinahe lauter freie Grundeigenthümer, die erst im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert den Schutz eines Mächtigeren suchten. So wurden – wie wir 1561 sie finden – Württemberg, das Kloster Lorch und die Reichsstadt Gmünd Herren des Ortes. Die Rechte Württembergs bestanden aber damals nur in dem Bezug von je 3 Pfennigen aus 2 Gütern, deren Besitzer in seinen Schirm sich begeben und weder zu steuern, noch zu huldigen hatten; Gmünd besaß einige Güter und Lorch zwei Höfe, welche in dessen Amt Täferroth gehörten. Ein Freigut kaufte 1612 Georg Friedrich von Gaisberg von einem Bauern; es wurde nun, nacheinander im Besitze mehrerer Edelleute, ein „freiadeliges kaiserliches Freigut“ genannt und das oben erwähnte Schlößchen erbaut; der damalige Besitzer, der bayerische Oberstwachtmeister J. Joachim Garb, wollte 1688 sogar die Jurisdiction und ein Asylrecht sich anmaßen, jedoch ohne Erfolg. Ein v. Löwenfeld verkaufte endlich das Gut 1746 an zwei Kaufleute in Gmünd. – Der Ort kam 1803 vollends ganz an Württemberg.

| In der Nähe, und wie es scheint auf der jetzigen Ortsmarkung, lag Yttingkofen, oder Vtinkofen, ein schon 1514 abgegangener Ort. Edle von Vtinkofen s. bei Lorch.

15) Ziegerhof, H. mit 18 evang. Einw. Dieser, nicht mit dem sog. katholischen, zur Gemeinde Wäschenbeuren gehörigen, Ziegerhof zu verwechselnde, Hof liegt in südöstlicher Richtung von letzterem, 1/2 St. von demselben, links der Rems, nicht ferne vom Rechberg, 11/2 St. von Groß-Deinbach. Er bildet eine fast abgeschlossene, im OA. Gmünd gelegene, Exclave. Die Lage ist schon ziemlich hoch und frei und die Fernsicht schön. Den großen Zehenten bezieht die Pfarrei Straßdorf, die übrigen Gefälle der Staat. Der Hof ist eine alte Besitzung des Klosters Lorch und kommt in älteren Documenten auch unter dem Namen des nahegelegenen Schönbronn, OA. Gmünd, vor.

Der Pfahlgraben zieht unter dem Namen „Teufelsmauer“ von Wüstenrieth her an Klein- und Hangen-Deinbach ganz hart vorüber gegen Lorch hin. Doch heißt auch eine Zelge von Wüstenrieth „hinterm Pfahl“; ebenso wird dort die „Pfahlhecke“ und der Heidenäcker, sowie ein Wiesendistrikt bei Groß-Deinbach, die „Rommelmad“ genannt.



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