Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Weinsberg/Kapitel B 34

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 33 Beschreibung des Oberamts Weinsberg [[Beschreibung des Oberamts Weinsberg/|]] »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Wüstenroth,


Gemeinde II. Cl. mit 603 Einwohnern. Zur bürgerlichen und Schulgemeinde gehören: 2) Bernbach, Weiler, 26 Einw. 3) Hasenhof, Weiler, 83 Einw. 4) Neuhütte im Joachimsthal, 6 Einw. 5) Spatzenhof mit dem Löwensteiner Stollenhof: Weiler, 108 Einw. 6) Stollenhof, Weiler, 84 Einw. (8 Kath.) 7) Unterhals, Weiler (mit Oberhals) 112 Einw. 8) Weihenbronn, Weiler, 147 Einw. (11 Kath.) Zur bürgerl. Gemeinde gehören, bilden aber eine eigene Schulgemeinde: 9) Altfürstenhütte, Weiler, 187 Einw. (4 Kath.), dazu gehören 10) Böhringsweiler, Weiler, 39 Einw. 11) Oberhals, Weiler (s. Nro. 7). 12) Knickenhöfle, 6 Einw. 13) Kuhnweiler, Weiler, 29 Einwohner. Ebenso, wie Nro. 9, eigene Schulgemeinde: 14) Stangenbach, Weiler, 236 Einw., wozu gehören: 15) Greuthof, Weiler, 102 Einw. 16) Lohmühle, 10 Einw. 17) Schmellenhof, Weiler, 78 Einw. Gesammtzahl der bürgerlichen Gemeinde 1856, worunter 30 Katholiken, Filialisten von Pfedelbach, und 37 Dissent. (Baptisten).

Wüstenroth liegt 5 Stunden (geom.) südöstlich von der Oberamtsstadt, 1711′ (württ.) über der Meeresfläche, demnach 1003′ höher als die Mittelstraße von Weinsberg, an einer leichten Senkung dieses hohen Gebirgsplateau’s gegen das südöstlich hinziehende Roththal, wohin es auch einen kleinen Bach (genannt Tiefenbach) sendet. Mit der Oberamtsstadt ist der Ort verbunden durch die Poststraße von Heilbronn–Löwenstein–Mainhardt und eine von dieser bei der Horkenbrücke (Bernbach) südöstlich abzweigende Vicinalstraße, mit Backnang, Mainhardt und Hall durch die alte, nunmehr verlassene Poststraße, welche vom Thale bei Neulautern schlangenförmig auf die Höhe des Mainhardter Waldes heraufführt und am südöstlichen Fuße des Reitelbergs gegen das Dorf wieder leicht herabsinkt, wobei früher in Wüstenroth der Sitz einer Post war. – Die neue Straße hat die nähere Richtung von Sulzbach über Berwinkel und Großörlach nach Mainhardt eingeschlagen. – 1/4 Stunde nordwestlich vom Dorfe erhebt sich der Stangenberg über das Gebirgsplateau und gewährt eine treffliche Aussicht gegen Südosten auf die Alb und gegen Nordwesten auf den Odenwald.

Eine breite, gekandelte, gegen Nordwesten abhängige und daher meist reinliche Straße mit stattlichen Häusern zu beiden Seiten giebt dem Dorfe ein freundliches Ansehen.

Im unteren Theile des Dorfes, an der gedachten Straße, durch eine Mauer über sie erhaben, liegt die Kirche, in den Jahren 1732 bis 35 bedeutend gegen Süden erweitert und im Jahr 1846 gründlich reparirt, hell und geräumig, doch in Beziehung auf den Styl nach diesen mehrfachen Veränderungen nichts Bemerkenswerthes darbietend. Die Fenster der Kirche sind rundbogig ohne Füllung. Vom| Langhause führt ein spitzer, mehr viereckiger als Rundbogen, in den durch eine Emporbühne verstellten, etwas finstern Chor, welcher ohne Gewölbe gedeckt und im Erdstocke des gegen Osten stehenden Thurmes ist. Der unten viereckige Thurm hat einen achteckigen Aufsatzstock von Holzbau und ein Kuppeldach. Auf demselben hängen zwei Glocken, von welchen die größere die Jahrszahl 1741 trägt. Neuerdings sind zwei Bilder von Luther und Melanchthon in Goldrahmen an der Wand des Thurms aufgehängt, an welcher auch die Kanzel angebracht ist. Die Baulast liegt dem sehr herabgekommenen pium Corpus ob.

Unweit davon, auf der anderen Seite der Straße, steht das zweistockige Pfarrhaus mit steinernem Unterstock und Ökonomiegebäuden, mit Hofraum und einem großen Gras- und Gemüsegarten, in welchem ein kleiner Weiher ist. Die Unterhaltung der Pfarrgebäude liegt der Finanzverwaltung ob.

Auf der Seite der Kirche, etwas rückwärts, steht das Schulhaus, welches zwei große Lehrzimmer und die Wohnung des Lehrers zu ebener Erde, im oberen Stocke das Raths- und Registraturzimmer, auch ein Wohnzimmer für den Gehülfen enthält und i. J. 1856 auf Kosten der Gemeinde einer bedeutenden Reparatur unterworfen werden mußte. Es bestehen für 182 Kinder zwei Schulen, an welchen ein Lehrer und ein Gehülfe arbeiten. Die Orte, welche der Schulbezirk umfaßt, sind oben zusammengestellt. Seit 1845 besteht hier auch eine Industrieschule.

An Armenhäusern ist in der Gemeinde Wüstenroth nur 1.

Der Gottesacker ist seit Ende vorigen Jahrhunderts außerhalb des Orts an der nach Mainhardt führenden Straße. Er wurde auf Kosten der Kirchengemeinde, welcher die Baulast obliegt, im J. 1835 bedeutend erweitert.

Zur Kirchengemeinde gehört noch als Filial: Vorderbüchelberg, Gemeinde Spiegelberg, O.A. Backnang, mit 220 Seelen. Wegen allzugroßer Seelenzahl wurde 1846 exparochirt: Großhöchberg, 263 Seelen, nach Spiegelberg getheilt; 1851–52 Finsterroth, 547 Seelen (s. oben Finsterroth); 1854 Neufürstenhütte und Kleinerlach, 372 Seelen, nach Großerlach, Oberamts Backnang.

Gutes Trinkwasser liefern 3 laufende öffentliche und etliche Pumpbrunnen, welche von den nahen Bergen, Reitelberg und Stangenberg, herkommen. Sonst sind auf der Markung keine besondern Quellen vorhanden. Sog. Hungerbrunnen kommen nicht vor.

Für Feuersgefahr ist oberhalb des Dorfes an der Straße nach Lautern ein besonderer See von 1/2 Morgen, welcher abgelassen und| durch das ganze Dorf geleitet werden kann. Er gehört der Ortsgemeinde Wüstenroth und ist für Fischzucht – vorzüglich mit Karpfen, Hechten etc. – zu deren Gunsten verpachtet.

Die Einwohner sind im Allgemeinen gesunde, kräftige Leute, frei von dem sog. Verbutten, welches die schwere Arbeit in den Weinbergen mancher anderer Bezirksorte mit sich führt. Von Cretinismus fand Dr. Rösch im Jahre 1844 hier keine Spur. Ihr Charakter ist rauh, wie das Klima, in dem sie wohnen, und die Zerstreutheit ihrer Wohnplätze, die Entfernung von Bezirks- und Ortsbehörden, von Kirche und Schule, das Wald- und Händlerleben gewöhnt Manche von Jugend auf an eine nicht liebenswürdige Libertinage, die sich gerne dem Gesetz und der Ordnung zu entziehen sucht. Ein Hauptmangel ist bei gar Vielen Verwahrlosung der Kinderzucht und in dessen Folge Mißachtung der Schule, deren Besuch bei Werk- und Sonntagsschülern oft nur durch die ernstlichsten Maßregeln erzwungen werden kann. Der Kirchenbesuch wird Vielen durch die Entfernung vom Mutterort und durch ungünstige Witterung im hier längeren Winter, durch Schneestürme und Schneewehen erschwert, von Anderen als willkommene Gelegenheit zum Wirthshausbesuche im Mutterorte angesehen. Jüngere, besonders ledige Leute, hat vor einiger Zeit weniger das religiöse Bedürfniß, als Libertinismus und Neugierde zum Besuche benachbarter Baptistenversammlungen veranlaßt.

Die Haupterwerbsquellen der Einwohner sind Feldbau, Viehzucht und bei einem sehr großen Theile Waldarbeiten, Holzmachen, Holzführen, Besen- und Schindelnmachen, Handelschaft damit in die weite Umgegend, besonders nach Heilbronn und Hall, Silbersandhandel etc. Zur Zeit der früher einfallenden Rheinerndte wandern ganze Caravanen jüngerer Leute beiderlei Geschlechtes dahin mit Sichel und Dreschflegel, um sich dort etwas mit Taglohnarbeit zu verdienen, wobei übrigens der Geldbeutel mehr als die Sittlichkeit gewinnt. Von den Vermöglicheren besitzt der Begütertste 120 bis 130 Morgen, die Mittelklasse 20–30 Morgen, der Geringste 3–4 Morgen. Sehr Viele, welche zu den oben genannten Erwerbsquellen greifen, sind ganz unbemittelt, besonders in Stangenbach, Hals, Hasenhof, Weihenbronn. Ganz alte, arbeitsunfähige Leute werden auf öffentliche Kosten unterstützt. Durch die letzten Nothjahre ist die Gemeinde so herabgekommen, daß sie im Jahr 1856 unter unmittelbare Staatsfürsorge genommen und ein Staatsschultheiß aufgestellt wurde. Seit der Wiederkehr der besseren Jahre hat sich ihr Zustand bereits wieder bedeutend gehoben.

| Das Klima des Orts ist vermöge seiner hohen Lage sehr rauh, weßhalb der Winter immer fast 14 Tage früher eintritt, als in dem unteren Theile des Bezirks, und der Frühling so viel später. Man fährt hier oben nicht selten noch im Schlitten, während unten der erste Pflug in’s Feld geht. Nach allen Seiten den Winterstürmen offen, werden die Hohlwege oft Mannstief vom Schnee verschüttet. Der Boden fast der ganzen Markung ist mit Thon gemengter Sandboden, für keine Kultur zuträglicher, als für Kartoffeln, weniger günstig wegen Mangels an Humustheilen für Getreidebau und Wieswachs.

Die 5264 Morgen große Gemeindemarkung enthält 65 Morgen Gärten und Länder, 943 Morgen willkührlich (nicht flürlich) gebaute Äcker, 163 Morgen zweimähdige (hauptsächlich im Thale von Stangenbach) und 847 Morgen nur einmähdige Wiesen, 2411 Morgen Laub-, 181 Morgen Nadel- und 381 Morgen gemischten Wald, wovon 1816 Morgen dem Staate und 31 Morgen der Ortsgemeinde gehören, 116 Morgen Weiden, 8 Morgen Öden. 975 Morgen Wald sind Privateigenthum.

Die Landwirthschaft wird, seit neuerer Zeit auf höhere Anregung, mit Anwendung verbesserter Ackergeräthschaften, namentlich des Belgischen Pfluges, der Brabanter Egge und der Doppelwalze, so gut betrieben, als der magere Sandboden und der Mangel an Düngungsmitteln gestattet. Mit Unterstützung der Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereins hat man letzterem Mangel durch Anlegung von Güllenbehältern und durch Überführung der Felder mit Mergel abzuhelfen gesucht. Laubstreue vom Staate aber fehlt. Gebaut wird vorzugsweise Dinkel, Weizen, Roggen, Gerste und Haber. Der durchschnittliche Ertrag eines Morgens wird auf 3 Scheffel Dinkel, 11/2 Scheffel Roggen und Gerste, 3 Scheffel Haber geschätzt. Von Absatz nach Außen ist nicht die Rede, da die Meisten kaum den eigenen Bedarf erzielen.

Eine eigentliche Brache besteht nicht, da keine flürliche Bewirthschaftung üblich ist, wegen zu großer Vertheilung der Güter. In Folge eines neueingeführten, geregelteren Turnus wird nun auch dreiblätteriger, weißer und Hopfenklee gebaut und die Centralstelle hat mit Staatsunterstützung den Anbau von Frühmais, Runkeln und Riesenmöhren angeregt. Letztere sind seit Erholung der Kartoffeln abgegangen. Kraut und Hanf wird in den Ländern kaum für den eigenen Bedarf zureichend gezogen. Eine Hauptkultur sind die Kartoffeln, welche wegen ihrer Vorzüglichkeit auch vom Thale aus gesucht werden.

| Der höchste Preis eines Morgens Acker beträgt 200 fl., der mittlere 75 fl., der niederste 5 fl.

Von den Wiesen sind 163 Morgen zweimähdig, dagegen 847 Morgen nur einmähdig und zum Theile versumpft, wogegen man in neuester Zeit durch Drainirung zu helfen suchte, oder andern Theils so gelegen, daß keine Bewässerung möglich ist. Der Ertrag des zweimähdigen Morgens kann deßwegen höchstens auf 10 Ctr. Heu und 4 Ctr. Öhmd geschätzt werden. Das Nachgras der einmähdigen wird einzeln abgeweidet. Die Preise eines Morgens Wiese bewegen sich zwischen 250 und 100 fl.

Für die in früheren Zeiten ganz vernachlässigte Obstbaumzucht ist erst im letzten Jahrzehnte auf Anregung der Centralstelle und mit Staatsunterstützung Vieles geschehen und durch Anpflanzung veredelter junger Obstbäume von Hohenheim und andern Orten der Beweis geführt worden, daß auch diese hohe Gegend bei zweckmäßiger Pflege für die Obstkultur nicht so ungeeignet ist, als es Manchen scheinen wollte. Die Hohenheimer Bäume haben sich aber nicht acclimatisirt und sind fast alle zu Grunde gegangen, worauf man Stämmchen von Weil der Stadt bezog. Ihr Wachsthum gedeiht - der Erfolg muß erst abgewartet werden. Im Jahr 1854 zählte man auf der ganzen Markung 2260 Kern- und 260 Steinobstbäume, worunter im niedriger und günstiger gelegenen Greuthofe allein 580 und 50, mit im Ganzen 536 und 85 Simri Ertrag.

An Waldung besitzt die Ortsgemeinde nach Obigem 31 Mrg., deren Ertrag zum Grundstocke der Ortskasse gehört.

An Weiden besitzt die Ortsgemeinde 91 Morgen, welche zum Theile an einzelne Bürger zum Umbruch verpachtet, zum Theile zur Schafweide benützt werden. Die Sommerschafweide wird um 100–110 fl. an einen Schäfer verpachtet. Die 43 Bastardschafe, welche bei der letzten Aufnahme gezählt wurden, gehören einem einzelnen Bürger, haben sich aber seither vermindert. Der Pachtschäfer darf die Schafweide mit 100–125 Stücken beziehen.

Die früher bedeutende, in den verflossenen Nothzeiten sehr herabgekommene Viehzucht hat sich neuerdings wieder gehoben. Es wurde eine Viehleihkasse gegründet, von welcher 30 Stücke angeschafft wurden. Sie ist noch jetzt im Gange. Es waren bei der Aufnahme am 1. Januar 1859 vorhanden: 218 Ochsen und Stiere, 160 Kühe, 165 Stück Schmalvieh, für die Nachzucht 2 Farren, deren Haltung vor nicht langer Zeit noch dem Pfarrgute oblag. Seit 1843 aber ist die Last durch Vertrag auf die Gemeinde übergegangen, welche dermalen zwei Farren hält und für deren Haltung 180 fl. bezahlt.

| Viehhandel wird theils auf dem eigenen, theils auf dem benachbarten Heilbronner Viehmarkte getrieben.

Pferde werden nicht gezüchtet, gehalten aber wurden bei der jüngsten Aufnahme 36.

Schweinemastung war früher ein bedeutender Nahrungszweig. Außer dem eigenen Hausverbrauche wurden die gemästeten an Weihnachten abgesetzt und der Erlös für andere Bedürfnisse verwendet. Bei der letzten Aufnahme waren vorhanden: 36 Mastschweine, 120 Stück Läufer und Milchschweine, im Ganzen 156 St.

Ziegen, von den Unbemittelten gehalten, zählte man 51 St.

Nicht unbedeutend ist die Bienenzucht, jedoch ohne neuere, rationelle Methode. Es waren hier bei der letzten Aufnahme 96 Stöcke, die größte Zahl derselben in dieser Gegend.

Außer den gewöhnlichen, für den Lokalbedarf arbeitenden Gewerben sind 4 Schildwirthschaften in Wüstenroth, 1 Schild- und 1 Speisewirthschaft in Stangenbach, 1 Schildwirthschaft in Altfürstenhütte, 1 in Bernbach und 1 in Weihenbronn zu nennen; ferner im Mutterorte 2 bedeutende Kaufläden, 1 Krämerei in Stangenbach, 1 Ziegelhütte im Stollenhof und 2 Mühlen: die Lohmühle (Nr. 16) mit 2 Mahlgängen und 1 Gerbgang und die Schloßmühle (s. unten bei Nr. 10).

Wüstenroth hat das Recht, am 12. März, 4. Juni und 26. November einen Vieh-, Gespinnst- und Krämermarkt zu halten. Diese Märkte wurden zum erstenmal im Jahr 1802 gehalten.

Armenstiftungen sind nicht vorhanden, außer der neuen Schuler’schen von Heilbronn im Betrag von 800 fl.

Der Ortsschulfonds hat ein Vermögen von 600 fl.

Wüstenroth gehörte zur Burg Böhringsweiler, deren Schicksale in Beziehung auf die Oberherren es theilte.

Gemeinde-Parzellen:

2) Bernbach, ob der Horkenbrücke am Horkenberg, mit 26 Einwohnern, etwas über 1/2 Stunde vom Mutterort entfernt, am Scheidewege, wo die Vicinalstraße von Wüstenroth in die Land- und Poststraße Löwenstein–Mainhardt ausmündet, nachdem letztere die Ebene des Gebirgsgrathes gewonnen hat. Die ziemlich niedrigen Häuser, wovon Eines eine Schenke und Bäckerhaus ist, sind vom Ackerfeld und vom ganz nahen Waldessaume umgeben. 2 Pumpbrunnen liefern den Einwohnern gutes Trinkwasser.

3) Der Weiler Hasenhof, mit 83 Einwohnern, liegt etwas über 1/2 Stunde nördlich vom Mutterort entfernt, jenseits der| Land- und Poststraße und unweit derselben, fast zusammenhängend mit dem zu Neuhütten gehörenden Weiler Bärenbronn, über einem der mehrfachen, dichtbewaldeten Thaleinschnitte, welche den aus mehreren Quellen und Waldklingen zusammenfließenden Bernbach in der Richtung von Süden nach Norden dem Hambach bei Unterheimbach zuführen. Über diese waldigten, durchschnittenen nördlichen Abhänge des Gebirges hinweg öffnet sich ein Ausblick in das Brettachgebiet, und über dieses hinweg auf die Höhen zwischen Kocher und Jagst bis an den Odenwald. Gutes Trinkwasser liefert dem Weiler ein Pumpbrunnen. Tiefer Sand bedeckt die Nebenwege und der Grund der Äcker und Wiesen ist Sandboden. Grundherr ist der Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein.

4) Neuhütte im Joachimsthal, mit nur 6 Einwohnern, liegt 7/8 Stunden (geom.) westlich vom Mutterort, im oberen engen Thale der Lauter, unweit der Straße, die von Löwenstein durch das Lauterthal nach Spiegelberg und Backnang führt, am westlichen Fuße des Lustheimer Waldes. Ein in großer Abgeschiedenheit stehendes, vom nahen Walde fast rund umschlossenes Haus, umgeben von guten Äckern, Gärten und Wiesen, von deren Ertrag die Bewohner leben. Der Name Joachimsthal kommt wohl von einem früheren Bewohner oder Glasfabrikanten her, und die vielen Hütten dieser Waldgegend, wie zwei Neuhütten, Alt- und Neufürstenhütten, gehörten einer in alten Zeiten hier weit verbreiteten Glasfabrik an, woher das benachbarte Neulautern in früheren Zeiten Glas-Lautern hieß. Ohne Zweifel wurde die Glashütte von Zeit zu Zeit verlegt, wenn der Holzvorrath der Umgegend verbraucht war. So findet sich schon im Jahr 1431 eine Glashütte an dem Wege von Hall nach Heilbronn, welche der Kirche zu Affaltrach gehörte, wie der Wald im Besitze des Johanniterordens war. So war noch im Jahr 1804 eine solche in der Linmandsklinge bei Grab (jetzt Murrhardter, früher Böhringsweiler Amts), mit Gütern, einem kleinen See und einem Taglöhnerhäuschen, welche seit Langem der Familie Wenzel gehörten. – In kirchlicher Beziehung gehört Neuhütte zur evangelischen Pfarrei Löwenstein.

5) Der Spatzenhof liegt 3/8 Stunden (geom.) und der Löwensteiner Stollenhof (Neustollenhof) 1/2 Stunde (geom.) nordwestlich vom Mutterort, ersterer auf einer kleinen Anhöhe unweit der Vicinalstraße, welche von Wüstenroth auf die Poststraße führt, in Süden und Osten vom nahen Walde umgeben, und letzterer zu beiden Seiten der Poststraße, die hier auf dem Gebirgsgrathe von| Löwenstein nach Mainhardt zieht. Sie bilden zusammen einen Weiler von 108 Einwohnern. Grundherr ist der Fürst von Löwenstein. Der Spatzenhof hat gutes Trinkwasser in etlichen Pumpbrunnen und gute Felder, Obstgärten und Wiesen um sich herum. Obstbäume giebt es viele. – Der Neustollenhof hat nicht unansehnliche, der Straße entlang zerstreute Gebäude und oft einen nicht unbedeutenden Holzvorrath dabei, wegen der hier befindlichen Ziegelei, mit welchem die Bewohner – zum Theil selbst Waldbesitzer – Handel treiben. Die Felder, welche den Hof umgeben, sind ergiebig. Gutes Wasser geben einige Pumpbrunnen. An der Straße ist hier eine Schildwirthschaft zum Hirsch. Obstbäume sind auf dieser freien Höhe allen Stürmen ausgesetzt und finden deßhalb nur kümmerliches Gedeihen. Frühsorten erfrieren meist schon in der Blüthe.

Vom Neustollenhof aus hat man, wie vom Hasenhof aus, einen weiten Ausblick über den gerade unter ihm gegen Norden ziehenden waldigten Thaleinschnitt des Bernbaches, über die untere Brettach hinweg auf die Höhen zwischen Kocher und Jagst bis an den Odenwald.

6) (Alt-) Stollenhof, Weiler mit 84 Einwohnern, worunter 8 Katholiken, liegt auf demselben Niveau mit Neustollenhof, in derselben Entfernung vom Mutterort, an der Land- und Poststraße, und ist fast nur eine fortgesetzte Häuserreihe des Ersteren mit bedeutenden Zwischenräumen. Man kommt von Bernbach bis zum Hasenhof eine halbe Stunde lang alle 3 bis 5 Minuten wieder an einem größeren oder kleineren Wohnhause vorüber. Zwischen denselben ist ziemlich gutes Ackerfeld oder dünnwüchsiger Wiesenplatz. Wasser hat dieser Weiler nur von einem Pumpbrunnen. Erwerbsquelle ist vorzüglich der Holzhandel.

7) Unterhals (mit Oberhals 112 Einw.) liegt 3/4 Stdn. (geom.) östlich vom Mutterorte, links ab von der alten Poststraße, die von Wüstenroth nach Mainhardt führte, auf einer kleinen Anhöhe über dem, hier mit dem von Finsterroth herziehenden Thaleinschnitt sich vereinigenden Roththale. Wenige unansehnliche, meist einstockigte Häuser zwischen mageren Ländern und Feldern. Wasser gibt kein laufender, aber ein Pumpbrunnen. Erwerbsquelle ist Kleinhandel, besonders auch Handel mit Schweinen von Hall.

8) Weihenbronn (Ober- und Unterweihenbronn), 1/8 Stunde von einander entfernt, ersteres 5/8 Stunden, letzteres 1/2 Stunde nordöstlich vom Mutterorte, mit 147 Einwohnern, worunter 11 Katholiken. Oberweihenbronn liegt von Wüstenroth jenseits,| Unterweihenbronn an der Land- und Poststraße, die von Löwenstein nach Mainhardt führt. – Oberweihenbronn hat meist unansehnliche einstockige Häuser, Unter-Weihenbronn ansehnlichere, besonders eine an der Straße stehende Schenke. Die Felder sind nicht gar ergiebig. Haupterwerbsquellen sind Holzhandel und Fuhrwesen. Oberweihenbronn hat nur einen Pumpbrunnen; Unterweihenbronn dagegen hat an einem östlichen kleinen Abhange an der Poststraße eine reichlich fließende Quelle, die dem Orte den Namen gab. Dieselbe galt für heilkräftig und wurde um 1430 Wallfahrtsort. Aus dem Opfergeld wurde eine Kapelle zum h. Johannes dem Täufer und der Jungfrau Maria gebaut und die Pfründe mit einem Johanniterpriester besetzt; der benachbarte Wald gehörte nämlich dem Johanniterhause zu Hall. Solche Wallfahrt währte bis zum Städtekrieg (1450); die Kapelle, im Bauernkrieg von 1525 äußerst beschädigt, zerfiel. (Georg Widemann Syndicus in Comburg in seiner um 1550 geschriebenen, ungedruckten Haller Chronik, Auszug daraus bei Crusius Annal. Suev. 3, 358.) Erwerbsquelle der Einwohner ist neben unbedeutendem Feldbau Kleinhandel mit Holzwaaren, Porzellain etc. Grundherr war früher der Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein.

9) Altfürstenhütte, Weiler mit 187 Einwohnern, worunter 4 Katholiken, bildet eine eigene Schulgemeinde mit Nr. 10 bis 13. Der Weiler liegt 11/8 Stunde (geom.) südöstlich vom Mutterorte, auf einer kleinen, aber steilen Anhöhe des rechten Ufers der Roth, welche Anhöhe bei Böhringsweiler, von der alten Poststraße aus, auf einem schmalen, durch Sandsteinfelsen gebrochenen Fahrwege erklommen wird. Wenige ansehnliche, meist niedere Häuser mit steinernem Stock. Ein Bäckerhaus ist zugleich Schildwirthschaft.

Das erst in Folge des neuen Schulgesetzes vom Jahre 1836 von Stein erbaute einstockige Schulhaus, in der Mitte des Weilers gelegen, mußte wenige Jahre nachher wegen Ausbruchs des laufenden Schwammes mit bedeutenden Kosten reparirt werden, was der armen Gemeinde ohne bedeutende Staatsunterstützung so wenig möglich gewesen wäre, als der Neubau. Lehrzimmer und Lehrerwohnung sind zu ebener Erde und über dem Dach ist ein Thürmchen mit Glocke, deren Läuten der isolirten Umgegend zugleich früh und spät und zu Mittag die Zeit bezeichnet, da weit und breit keine Uhr gehört wird.

Die Felder dieser Gegend sind verhältnißmäßig ergiebiger, als auf den übrigen Höhen, und die Thalwiesen an der Roth und am Kulmbach liefern als zweimähdig zureichendes Futter. Gutes Trinkwasser erhält der Ort durch einige Pumpbrunnen.

| Auch hier war, worauf der Name des Orts hinweist, in früherer Zeit eine herrschaftliche, dem Herzog eigene Glashütte, nach dem Landbuche schon 1624, später verpachtet; in dem benachbarten Neufürstenhütte bis 1771.

Das nur 1/4 Stunde entfernte Neufürstenhütte, O.-A. Backnang, welches langher auch zu der Pfarrei Wüstenroth gehörte, ist im Jahr 1857 exparochirt und der neuerrichteten Parochie Groß-Erlach zugetheilt worden. Es bildet eine eigene politische Gemeinde.

10) Böhringsweiler, Weiler mit 39 Einwohnern, liegt 1 (geom.) Stunde südöstlich vom Mutterort an der von Wüstenroth nach Mainhardt führenden ehemaligen Poststraße, in dem hier sehr schmalen und noch nicht tiefen Roththale.

Das hier auf einem Hügel stehende Schlößchen, von welchem jetzt nur noch zweistockige Ruinen mit ausgebrochenen Fensteröffnungen sichtbar sind, war bis zum Jahr 1826 der Sitz des Unter- oder Stabsamts, zu welchem die Schultheißereien Finsterroth, Greuthof, Lachweiler, Maienfels, Mainhardt und Wüstenroth gehörten. Nach Aufhebung des Stabs wurde es 1826 nebst den Gütern an Privaten verkauft und abgebrochen.

Böhringsweiler (d. i. Beringersweiler) wird 1251 erstmals erwähnt (s. VII, 1). Der Ort gehörte zur Herrschaft Weinsberg, wurde aber mit allen Zugehörungen, auch dem Jagdrecht, am 15. April 1330 von Engelhard von Weinsberg und seiner Hausfrau Anna für 700 Pf. Heller an Kraft von Hohenlohe verkauft und K. Ludwig bestätigte dem letzteren am 17. Juni 1334 diese Erwerbung (Hanselmann Landeshoheit 1, 440).

Als die Herrschaft Weinsberg an die Kurpfalz gelangt war, machte die letztere – der Hohenlohe’schen Herrschaft gegenüber – Rücklösungsansprüche auf Böhringsweiler, Mainhardt und Gleichen, in deren Folge durch den Vertrag vom 11. März 1471 dem Pfalzgrafen Friedrich das Schloß Böhringsweiler mit allen Zu- und Eingehörungen (dabei Wüstenroth, auch mehrere Orte benachbarter, jetzt württembergischer Oberämter) überlassen wurden, Kraft von Hohenlohe dagegen Mainhardt und Gleichen erhielt. Dabei wurde wegen des Bergwerks zu Wüstenroth festgesetzt, daß es zwischen Pfalz und Hohenlohe zu gleichen Theilen gemeinschaftlich verbleiben solle. Wolle der eine Theil nicht mitbauen, so stände dem andern das Recht zu, das Ganze allein zu betreiben.

Im Jahr 1425 erhält Heinz von Rudelsberg von Graf Albrecht von Hohenlohe das Bergwerk, vom schwarzen Agstein genannt, zu| Böhringsweiler im Büchelbach zu einem Erbbestand gegen die bedingte Abgabe des 40sten Theils von dem erbeuteten Silber, Kupfer oder Erz (Hanselmann 1, 492). Das Bergwerk wurde aber als unergiebig bald wieder aufgegeben. An Württemberg kam Böhringsweiler 1504 mit Weinsberg.

Von den Herzogen von Württemberg-Neuenstadt wurde das von Herzog Christoph erbaute Schloß als Jagdhaus benützt und diente sonst, ehe der Amtmann hier wohnte, zum Sitz der Forstmeister des Böhringsweiler Forstes; es hatte 4 Flügel, 6 Zimmer, viele Kammern (in zwei Stockwerken), Fruchtboden, Küche, 1 gewölbten Keller, Stallungen, 2 Einfahrtsthore und im Hofe einen laufenden Brunnen. Am Hügel umher gehörten dazu 11/4 Morgen Küchen-, Gras- und Baumgarten, im Thale 281/4 Morgen Wiesen, auf der Höhe, Altfürstenhütte gegenüber, 20 Morgen Äcker und Egarten. Neben dem Eingang in’s Schloß lag ein ziemlich großer, jetzt trocken gelegter See.

In Böhringsweiler ist als Sohn des Amtmanns den 26. Februar 1749 geboren Carl Christoph Hofacker, ausgezeichneter, weithin berühmter Professor der Rechte in Tübingen seit 1774, gestorben als solcher den 20. April 1793. S. [Jac. Fried. Abel] Über Hofackers Leben und Charakter. Tübingen 1793. 8.

Eine weithin bekannte Leinwandbleiche erhält sich bis in die neueste Zeit bei guter Kundschaft.

Hinter dem Schloßhügel liegt an der Roth eine Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang, sammt Nebengebäude, wozu 21/2 Morgen Gärten, 8 Morgen Wiesen und 13 Morgen Ackerfeld gehören. Ohne Zweifel früheres Eigenthum der Grundherren, waren die Güter größtentheils steuerfrei und nur mit einem Forstzins belastet. Im Jahr 1785 wurde die Mühle einem Carl Ernst Riegelsbacher wegen Schulden verkauft, ebenso im Jahre 1839 dem Christian Weidemann, wo zur Mühle noch gehörten 11/2 Viertel Gärten, 3 Morgen Wiesen, 5 Morgen Äcker, 23 Morgen Wald.

Die Güter dieses kleinen Orts sind ergiebig, besonders die durch die Roth bewässerungsfähigen und die in den 40ger Jahren durch Drainirung entwässerten Wiesen.

Trinkwasser hat der Ort in dem oben berührten Schloßbrunnen, welcher eingegangen ist und jetzt bei der Schloßmühle quillt.

11) Oberhals, Weiler (vergl. Nro. 7 oben), 7/8 Stunden (geom.) südöstlich vom Mutterorte, 1/8 Stunde oberhalb Böhringsweiler, an der oft gedachten alten Poststraße von Wüstenroth nach| Mainhardt. Grundherr ist hier der Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein. Daher gehörte der Weiler früher auch bis 1856 zur gleichfalls fürstlichen Gemeinde Ammertsweiler. Niedrige, einstockige Häuser von meist armseligem Ansehen. Güter ziemlich steril. Haupterwerbsquelle der Bewohner Holzhandel und Schweinhandel. Trinkwasser gibt den Bewohnern ein Ziehbrunnen.

12) Knickenhöfle. Ein einzeln stehendes kleines Haus mit 6 Einwohnern, 11/8 Stunde (geom.) vom Mutterort, 1/8 Stunde vom Schulort Altfürstenhütten entfernt. Es liegt einsam am Fuße des Knickenwaldes auf einer kleinen Anhöhe über dem rechten Ufer der Roth und bekommt sein Trinkwasser aus der Quelle, die von der Höhe des besagten Knickenwaldes ihm zuströmt, aber nicht gefaßt ist. An Feldgütern sind nur 15 Morgen Äcker und Wiesen dabei.

13) Kuhnweiler, Weiler mit 29 Einwohnern, 7/8 Stunden vom Mutterort entfernt, unweit Oberhals, auf der rechten Seite der alten Poststraße an einer Anhöhe gelegen und von dem Schulort Altfürstenhütten durch den Thaleinschnitt des Kuhbaches (1/4 Stunde) geschieden. Zerstreute, einzeln stehende Häuser von ziemlich ansehnlichem Aussehen. Nicht ergiebige Feldgüter, daher Nebenerwerb Holzmachen und Holzhandel. Gutes Trinkwasser von 1 Ziehbrunnen.

14) Stangenbach, Weiler mit 236 Einwohnern, bildet seit 1837 eine eigene Schulgemeinde mit Nro. 15 bis 17. Der Ort liegt 1/2 Stunde (geom.) westlich vom Mutterort, in einer ziemlich engen Thalschlucht, in welche man vom Mutterorte durch einen schönen Laubwald über Sandfelsen hinabklettern muß. Der aus mehreren Gebirgsquellen zusammenfließende klare frische Bach, der Stangenbach, bricht sich einen Ausweg aus dieser Schlucht gegen Südwesten und mündet bei der Lohmühle, zwischen Alt- und Neu-Lautern, in die Lauter. Durch die umliegenden Berge allerseits geschützt und gegen Süden offen, ist die Lage für Feld- und Wiesenbau eine günstige, besonders für letzteren wegen des Quellenreichthums, und auch der Obstbau ist in diesem milderen Thälchen begünstigter, als auf den angränzenden Höhen. Die ökonomischen Verhältnisse sind deßwegen bei den meisten Einwohnern besser, als auf den sterileren Höhen, was schon in ansehnlicheren Wohngebäuden sich kundgibt. Gutes, reines Trinkwasser hat der Ort in zwei laufenden Brunnen im Überfluß, da die Quellen von 3 Seiten, vom Stangenberg, Horkenberg, dem Kloster- und Lustheimerwalde dem Thale zuströmen. Die Schule ist – nebst der Lehrerwohnung -,| nachdem das alte, engräumige und feuchte Haus verlassen worden, so ziemlich in der Mitte des Orts in einem erkauften geräumigen Hause. Das Thurmglöckchen der Schule muß auch in diesem einsamen Thälchen die Zeit des Aufstehens, des Mittagessens, der Vesper und des Abendgebets bezeichnen. Eine benachbarte Lehmgrube setzte früher und setzt noch jetzt mehrere Hafner in’s Brod, deren Geschirr in der Umgegend und weiterhin Absatz findet.

Eine Mühle s. unt. Nro. 16.

In Stangenbach erscheint schon im 8. Jahrhundert begütert das Kloster Fulda, welches allhier und in der Umgegend im Jahre 779 von einem Grafen Kunibert und um dieselbe Zeit noch von Andern beschenkt wurde (Stangbach, Stangebah. Wirt. Urkd.-Buch 2, 437. Tradit. Fuldenses s. v. Dronke 7).

Im Jahr 1609 war hier noch, wie in vielen Orten der waldigten Umgegend, eine Glashütte (vergl. Weihenbronn und Altfürstenhütte). Sie ist aber längst abgegangen.

Von Stangenbach ist seit 1852 eine gute Vicinalstraße gebaut, die auf die Löwenstein–Backnanger Staatsstraße ausmündet.

15) Der Greuthof hat sich zu einem Weiler mit 102 Einwohnern erweitert. Er liegt 3/4 Stunden (geom.) vom Mutterorte, 1/8 Stunde westlich von Stangenbach entfernt, auf einer Anhöhe, die vom Stangenbachthälchen gegen den Lustheimer Wald aufsteigt. Es sind mehr vereinzelte Höfe, als ein zusammenhängender Weiler, und diese schauen aus den sie umgebenden Baumgärten und Wiesen recht freundlich in’s Thal herab.

Den Hintergrund der Landschaft bilden schöne Laubwaldungen, und über ihnen erhebt der Stocksberg sein Haupt. Die dazu gehörigen Felder sind sehr gut und ergiebig. Die Wiesen werden von den Quellen der höher liegenden Berge überrieselt. Obstbau findet hier in bedeutender Ausdehnung statt. Erwerbsquellen der Einwohner sind Landwirthschaft und Weberei, auch Handel. Trinkwasser gibt ein Pumpbrunnen und einige nicht gefaßte Quellen.

Früher, zur Zeit des Stabsamts Böhringsweiler, bildete der Greuthof mit mehreren Parzellen eine eigene Schultheißerei und war mit Bernbach Filial der im Jahr 1811 aufgehobenen Pfarrei Lichtenstern.

16) Die Lohmühle mit 10 Einwohnern liegt einsam an der Ausmündung des Stangenbachthales in das Lauterthal, 3/4 Stunden vom Mutterorte und 3/8 Stunden (geom.) südwestlich vom Schulorte Stangenbach entfernt, von höheren Waldbergen umschlossen.| Die Mühle hat zwei Mahlgänge und einen Gerbgang. An guten Gütern sind 20 Morgen bei der Mühle. Die dazu gehörigen Gärten und Wiesen sind besonders gut.

17) Der Schmellenhof hat sich wie der Greuthof, zu einem Weiler mit 78 Einwohnern erhoben. Er liegt 1/2 Stunde nordwestlich vom Mutterorte, 1/8 Stunde nördlich von Stangenbach entfernt, auf einer kleinen Anhöhe, welche vom linken Ufer des Stangenbachs gegen den Stangenberg aufsteigt, während der Greuthof auf einer Anhöhe des rechten Ufers liegt. Auch hier stehen die Häuser mehr vereinzelt, von Gärten und Wiesen umgeben. Die Felder sind sehr gut und ergiebig. Der Obstkultur ist die im Norden gedeckte Lage gegen Süden günstig und es gibt hier viel und gutes Obst. Gutes Trinkwasser gibt eine gefaßte Quelle am Bergabhang. Haupterwerbsquelle der Einwohner ist Landwirthschaft.

Gefällberechtigt war in Wüstenroth zur Zeit der Ablösungsgesetze von 1848 und 49 nur die Staatsfinanzverwaltung.

Im Jahr 1824 wurde die hiesige Post und der Poststall bei veränderter Straßenrichtung (s. oben) aufgehoben.

Vor dem Jahre 1846 gehörte noch zur kirchlichen Gemeinde Wüstenroth als Filial: Großhöchberg, Gemeinde Spiegelberg, O.A. Backnang mit 263 Seelen; und noch jetzt ist Filial davon: Vorderbüchelberg, Gemeinde Spiegelberg, O.A. Backnang mit 220 Seelen.

Ebenso war Filial von Wüstenroth bis zum Jahr 1851–52 die bürgerliche Gemeinde Finsterroth mit 547 Seelen, welche jetzt mit Neuhütte einen eigenen ständigen Pfarrverweser hat (s. Finsterroth).

Im Jahr 1772 war ein Bergrath Ridel aus Sachsen 13 Wochen lang bei dem berühmten damaligen Abt Ötinger in Murrhardt, vormaligem Spezialsuperintendenten von Weinsberg 1752–59. Beide zusammen untersuchten die Bergwerke des Landes und kamen auch nach Wüstenroth, wo schon damals eine Grube war. Ötinger sammelte eine Gewerkschaft von 128 Kuxen und das Werk gab bei seinem Betriebe Silber, Blei und Mispikel oder Rauschgelbkies, eine Art Arsenik. Unter Ridels Leitung wurde auch eine Grube von Württemb. Officieren betrieben (Paulus Sophronizon V. Jahrg. 5s Heft S. 29). Spuren von dem Platze des längst verlassenen Werkes finden sich noch bei Stangenbach.


« Kapitel B 33 Beschreibung des Oberamts Weinsberg [[Beschreibung des Oberamts Weinsberg/{{{3}}}|{{{3}}}]] »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).