Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Wangen/Kapitel A 7

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel A 6 Beschreibung des Oberamts Wangen Kapitel B 1 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
VII. Geschichtlicher Überblick und Alterthümer.

1. Politischer Zustand.
Die frühere Geschichte des Allgäus erhält zuerst einige Aufklärung durch die Siege, welche der Kaiser Augustus durch seine Schwiegersöhne Drusus und Tiberius über die nördlichen Alpenvölker, die Rhätier und Vindelicier, erfocht, und in deren Folge vom Jahr 15 vor Chr. an alles Land südlich von der Donau, von deren Quellen an, dem römischen Reiche einverleibt wurde. Aus dem eroberten Lande wurden zwei Provinzen gebildet, von welchen die südliche den Namen Rhaetia prima oder Rhätien im engern Sinn, die nördliche den Namen Rhaetia secunda oder Vindelicia trug. Unser Bezirk gehörte zu den von vindelicischen Stämmen bewohnten. Der griechische Geograph Strabo, der über diese Gegenden wohl unterrichtet gewesen zu seyn scheint, nennt zwei dieser Stämme, welche nach allem Anschein ihre Wohnsitze zum Theil auch im diesseitigen Bezirk hatten, nämlich die Brigantier gegen Bregenz hin, und die Estionen im östlichen Theile gegen Kempten (Campodunum), welches ihre Hauptstadt war. Sonach hätte der jetzige Oberamtsbezirk mit seinem südlichen oder brigantischen Theile der Provinz Rhaetia prima (zu welcher Brigantium nach des Ptolemäus ausdrücklicher Bestimmung gehörte), mit seinem übrigen größern Theile der Provinz Rhaetia secunda zugehört.[1] Wer diese Vindelicier waren, ob ein germanisches, oder celtisches, oder gar (wie Mannert wollte) wendisches Volk, weiß uns Niemand mit Bestimmtheit zu sagen; schwerlich waren sie rein deutsch, auch hier mochte das celtische Element das vorherrschende gewesen seyn. Die Alten schildern sie uns als ein grausames Räubervolk, das früher den angrenzenden| Helvetiern, Germanen und Bojern sehr gefährlich war. Ihr Land ist eine rauhe, schneereiche Hochebene mit vielen Hügeln; die Erzeugnisse der Viehzucht (Käse im Überfluß) und die Produkte ihrer Tannenwälder (Harz, Pech, Kienholz) sind ihre Handelsartikel. Wer wird nicht in solchen Zügen namentlich diesen Theil Oberschwabens, unser rauhes, aber gras- und holzreiches Allgäu erkennen? Unter römischer Herrschaft legte das Volk schnell seine wilden Sitten ab und fügte sich in die von dem Überwinder gebotenen Formen. Daher verlautet auch die nächsten Jahrhunderte hindurch nichts mehr von diesen Gegenden. Als aber vom Ende des dritten Jahrhunderts an die römischen Grenzen in Schwaben sich immer mehr zurückzogen, und endlich alles Land nördlich vom Bodensee bis an die untere Iller den Allemannen überlassen werden mußte, bekam dieser Bezirk, wie es scheint, dadurch eine Bedeutung, daß durch einen Theil desselben die Reichsgrenze sich hindurchzog, welche mittelst einer Reihe von Befestigungen und militärischen Posten gedeckt gewesen seyn mußte. Die sogenannte Notitia dignitatum, oder der Staatskalender aus der Zeit nach Theodosius, nennt zwischen den beiden Grenzfestungen Bregenz und Coelius mons oder Kelmünz an der Iller noch zwei feste Orte, welche der Richtung nach in unsere Gegend fallen, nämlich Vemania (Vimania) und Cassiliacum. Der erstere Ort, welcher eine Abtheilung der in Rhätien vertheilten Legio tertia Italica und eine Abtheilung Reiter (Ala secunda Valeria Sequanorum) zur Besatzung hatte, wird gewöhnlich für die Stadt Wangen genommen, wogegen jedoch ein wichtiges Zeugniß streitet. Das sogenannte Antoninische Itinerarium erwähnt dreimal dieses Vemania als die Zwischenstation zwischen Kempten und Bregenz. (p. 237, 251, 259 ed. Wessel.) Jedesmal ist die Entfernung von Vemania und Kempten zu 15 Millien = 6 geogr. Stunden angegeben; die Entfernung von Bregenz und Vemania zweimal zu 24, einmal (p. 251) zu 14 Millien. Diese letztere Zahl XIIII aber ist evident verschrieben statt XXIIII; denn 14 + 15 Millien = 112/3 Poststunden wären | zu wenig auch für die geradeste und ebenste Linie zwischen Kempten und Bregenz. Nimmt man nun an, daß diese Hauptstraße nicht in gerader Linie über die hohen Berge und tiefen Thäler zwischen den beiden genannten Städten geführt haben kann, sondern in einem mäßigen nördlichen Bogen sich hinzog, auf was auch der unten anzuführende Isnyer Meilenstein schließen läßt, so treffen die Maße des Itinerars ganz mit der wirklichen Entfernung der beiden Städte zusammen, und Vemania muß in der Nähe von Isny gelegen haben, oder dieses selbst gewesen seyn. Über die bei Isny gefundenen Alterthümer siehe unten. Die Peutingertafel erwähnt Vemania ebenfalls, aber in einem so verwirrten Zusammenhang, daß sich für seine wirkliche Stelle nichts Sicheres daraus entnehmen läßt. Nur scheint die bei diesem Namen befindliche Zahl XXIII die Entfernung von Bregenz angeben zu sollen, was mit dem Itinerar ziemlich stimmte; darauf folgt ein Haken ohne Namen, was gewöhnlich geschieht, wenn Zwischenstationen ausgelassen sind, darauf Viaca und Augsburg. So viel scheint sich hieraus zu ergeben, daß sich von Vemania aus noch eine zweite Straße, aber nicht die nächste, nach Augsburg links von Kempten zog. – Während der Name Vemania, wie es scheint, spurlos verschwunden ist, so ist in dem zweiten Kastell dieser Gegend, Cassiliacum, welchem die Notitia dignitatum ebenfalls eine Abtheilung der III. Legion zur Besatzung gibt, der heutige Name Kißlegg wohl nicht zu verkennen, worunter jedoch nicht der später erst so genannte Marktflecken, sondern die alte Burg Kißlegg, eine kleine halbe Stunde westlich von jenem, zu verstehen ist, wie unten näher gezeigt werden soll. Auf dieses Wenige beschränken sich alle Nachweisungen, die wir aus der Römerzeit über Lokalitäten dieser Gegend finden. Denn im Anfang des fünften Jahrhunderts mußte auch diese Grenze aufgegeben werden, und während sich bisher eine, wenn auch sehr unvollkommene Civilisation und die Anfänge des Christenthums über das Land verbreitet haben mochten, so drangen jetzt die rohen Schwärme der| Allemannen oder Schwaben, und mit ihnen eine neue Barbarei herein, in welche erst nach Jahrhunderten wieder einiges historisches Licht fällt. Der ganze Bezirk gehörte zu dem Herzogtum Allemannien, und kam somit nach Aufhebung der herzoglichen Würde unter die Gewalt der fränkischen Kammerboten. Den St. Galler Urkunden verdanken wir auch hier wieder die meisten der Nachrichten, aus denen wir die Gaue, in welche unser Bezirk getheilt war, mit einiger Sicherheit erschließen können, sie waren der Nibelgau und der Argengau. Das Nähere über den ersteren, seinen Namen, Ausdehnung u. s. w. muß der Beschreibung des Oberamts Leutkirch, das ihm hauptsächlich angehörte, aufbehalten bleiben. Dort werden auch die Grafen desselben angeführt werden, so weit sie vom Jahr 766 an bis ins zehnte Jahrhundert zu unserer Kenntniß gekommen sind. Aus dem diesseitigen Bezirk werden, als im Nibelgau gelegen, folgende Ortschaften erwähnt: Winterstetten (833), Enkenhofen (843), Karbach, (853), Grünenberg (860), Zell bei Neutrauchburg (? 860), vielleicht auch Herroth (861 und 865), ferner Bettensweiler (735 und 864), Röthsee (1112). Die näheren Nachweisungen s. in den betreffenden Ortsbeschreibungen. Aus den genannten Orten ergibt sich, daß sich der Nibelgau über den größeren Theil des Oberamts erstreckte. Nur im südwestlichen Theile werden einige Orte genannt, welche im Argengau lagen. Dahin gehörte Wangen selbst (815 und später), Hatzenweiler (773 und 815), Schwarzenbach (815), Niederwangen (856), Ratzenhofen (? 907). Sehr häufig waren die Argengau-Grafen zugleich auch Grafen des Linzgaus; s. ihr Verzeichniß in der Beschreibung des Oberamts Ravensburg S. 68. Südlich stießen diese beiden Gaue an den gebirgigen Gau der Voralpen, der Alpgau (Albegewe, Alpigowe) genannt, der das jetzige obere Allgäu begreift. Nach dem Aufhören der Gauverfassung (gegen das 11. Jahrhundert), als aus den Gauen dynastische Besitzungen der Grafen geworden waren, welche sich sehr oft nicht auf die| Grenzen eines alten Gaues beschränkten, scheint der Name des Alpgaus oder Allgaus mit dem Gebiet seines Besitzers sich auch über den Nibelgau und theilweise über den Argengau verbreitet und allmählig diese Namen verschlungen zu haben. Wir werden unten bei Eglofs finden, daß um die Mitte des 13. Jahrh. diese Herrschaft zur „Grafschaft im Albegaw" gehörte. Im Jahr 1306. (Verkaufsurk. von Isny, Chron. der Truchs. 1. 51) wird Isny als in Algowe gelegen, genannt, und zwar ist dieß unseres Wissens das früheste Vorkommen der Form Algau statt Alpgau. Es ist bekanntlich nicht selten, daß der Name eines einzelnen Gaues in lebhaftem Andenken geblieben ist und sich nach und nach über einen großen Distrikt und mehrere andere Gaue verbreitete, während die Namen und das Andenken der übrigen untergegangen sind. Gegenwärtig begreift im Sprachgebrauch des Volks das Allgäu württembergischer Seits das ganze Oberamt Wangen, die östlichste Ecke des Oberamts Tettnang, die Gemeinde Vogt im Oberamt Ravensburg, die Gemeinde Arnach vom Oberamt Waldsee, und wenigstens zwei Drittheile des Oberamts Leutkirch. Vgl. v. Stichaners Abh. in dem Intell.-Bl. des K. B. Illerkreises vom Jahr 1815. Nr. XXXVI. S. 727 mit einer Karte. Als erbliche Dynasten an der Stelle der Gaugrafen finden wir im 11. Jahrhunderte im Besitze dieser Gegend die Welfen, die Stammverwandten Grafen von Buchhorn und Bregenz, später die Welfen allein, mit Ausnahme der Dynastie oder Grafschaft Trauchburg und der im Argengau gelegenen einzelnen Bezirke in Niederwangen u. s. w., welche den Grafen von Veringen gehörten. Wohl mag der Besitz dieser Gegend, auf welchen die Grafen von Bregenz Anspruch machten, die Ursache der Fehden zwischen Herzog Welf und Graf Ulrich von Bregenz (1093) gewesen seyn, da sonst beide in den verheerenden Kriegen zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinen Gegenkaisern und der päpstlichen Parthei, gemeinschaftlich den erstern bekämpften. In Mitten der Welfischen Güter lagen die des Klosters St. Gallen, welche sehr| bedeutend waren und sich vom Bodensee bis nach Leutkirch hinzogen, und ganze Orte, z. B. Wangen selbst und mehrere feste Burgen, z. B. Neuravensburg, Praßberg, Leupolz, Ratzenried, Zeil in sich begriffen. Die Welfen übten darüber die Schirmvogtei, mochten aber, während des Investitur-Streites, wo St. Gallen für Heinrich stritt, manche derselben an sich gezogen haben. Auch andre Klöster waren schon sehr früh hier begütert. Kempten besaß um das Jahr 832 (Urk. Ludwig des Frommen bei Neug. DCCCV.) im Illergau und Nibelgau 82 Huben, Petershausen hatte Röthsee und Umgegend (s. d.). Allmählig taucht auch eine große Anzahl angesessener Ritter und Edler (liberi, milites, nobiles) als Vasallen und Lehenleute der Welfen, der Veringen, des Kl. St. Gallen, aus dem Dunkel der Geschichte auf, die von Neuravensburg, Trauchburg, Arnach, Leupolz, Ratzenried, die milites von Sommersbach, Christianich, die Sürgen, Schwarzenbach, Summeraw u. a. Ihre Zahl vermehrte sich, als die Welfischen Güter Eigenthum des Kaisers Friedrich I. und seiner Nachkommen wurden. Die fortwährenden Kriege der letzteren nöthigten diese, einen großen Theil ihrer Güter als Soldlehen hinzugeben. Dagegen verschwinden einige der älteren Geschlechter, wie die Veringen, Kißlegg, Neuravensburg, Praßberg, Ratzenried u. s. w., und es treten andere an ihre Stelle, unter welchen die Truchsessen von Waldburg, die Schellenberg, die Humpisse, Heimenhofen und Weiler die angesehensten waren. Noch mehr veränderten die Wirren des sogenannten Zwischenreiches (1256–73) die politische Gestaltung des Oberamtsbezirkes. Im Besitz der ehem. Grafen von Bregenz sind nunmehr die Grafen von Montfort, die durch Verpfändung von Eglofs und durch andere mit dem Besitz von Schomburg zusammenhängende Erwerbungen, wie anderseits Österreich durch die Acquisition der schwäbischen Landvogtei, an dem Besitz unseres Bezirks sich betheiligten. Wangen und Isny hatten sich zu reichsunmittelbaren Städten emporgehoben, und jenes ein für seine Größe ansehnliches Gebiet erworben. Waldburg| hatte nach und nach Trauchburg, Kißlegg, Röthsee, Eisenharz, theils erkauft, theils durch Heirath an sich gebracht. Das Kl. Weingarten vermehrte seine Güter auch im diesseitigen Bezirke unter österreichischer Landesherrlichkeit, während St. Gallen die seinigen, mit Ausnahme von Neuravensburg ganz verlor. Eglofs kam in die Hände der Grafen Traun-Abensberg, und das Kl. Isny wurde eine Reichsabtei. Im Anfang des 18. Jahrhunderts war der jetzige Bezirk in die verschiedenen Territorien getheilt, wie wir sie oben S. 3 angegeben haben. Der Reichsfriedens-Hauptreceß vom Jahr 1803 theilte die Reichstadt Wangen nebst Gebiet und Hoheit über die Herrschaft Ratzenried der Krone Bayern, Reichsstadt und Stift Isny dem Grafen von Quadt, die Herrschaft Neuravensburg dem Fürsten Dietrichstein zu. Durch den Preßburger Frieden v. 26. Dec. 1805 trat die Krone Württemberg in sämmtliche Besitzrechte der österreichischen Landvogtei, und erhielt durch die Rheinbundes-Akte v. 12. Juli 1806 die Oberhoheit über die fürstl. Waldburgschen, Windisch-Grätzschen und Dietrichsteinischen, so wie über die gräfl. Quadtschen Besitzungen, und endlich durch den Staatsvertrag mit Bayern 1810 die Oberhoheit über Ratzenried und den Besitz von Wangen mit der größeren Hälfte seines Gebiets gegen Abtretung zweier Schultheißereien der Grafschaft Trauchburg (Weiler und Wengen) an Bayern. Darauf erfolgte die oben S. 78 erwähnte Bildung des jetzigen Oberamtsbezirkes.


2. Kirchliche Verhältnisse.

Als Apostel des Allgäues leben noch in der Sage und in der frommen Verehrung des Volks die Heiligen Columbanus und Gallus, und des letzteren Schüler Theodorus und Magnus. Besonders rühren von St. Gallen her mehrere der frühsten Zellen- und Kirchenstiftungen. Konstanz war von Anfang an das dem Bezirke vorgesetzte Bißthum; so lange Archidiaconate bestanden, gehörte er zum A. Allgau. Die Pfarreien waren unter nachstehende Landkapitel vertheilt.

| a. Zu Lindau gehörten: Wangen, Niederwangen, Roggenzell und Schwarzenbach.

b. Zu Wurzach: Einthürnenberg.

c. Zu Isny: Isny, Friesenhofen, Christatzhofen, Enkenhofen, Beuren, Kißlegg, Eglofs, Siggen, Ratzenried, Leupolz, Menelzhofen, Bolsternang, Eisenharz und Rohrdorf.

d. Zu Ravensburg: Amtzell mit der Wallfahrtskirche Pfärrich.

Neu errichtet wurden die Pfarrstellen: Deuchelried (1728 und 1823), Pfärrich (1808), Immenried (1810) und Hinznang (1834).

Alle diese katholischen Pfarrstellen sind jetzt dem 1810 errichteten Dekanat Wangen untergeordnet, unter welchem (mit Ausnahme der in der Ortsbeschreibung bemerkten Filialisten auswärtiger Pfarreien) der gesammte Oberamtsbezirk in kirchlicher Beziehung steht.

Klosterstiftungen von Bedeutung hatte der Bezirk nur eine, die Reichsprälatur Isny. In Wangen bestand ein Kapuzinerkloster, in Kißlegg und (in frühen Zeiten) in Isny ein Frauenkloster.

Die Reformation fand nur in Isny bleibenden Eingang, welche Stadt zwei evangelische Geistliche hat, die dem Dekanat Ravensburg zugetheilt sind. Das Nähere siehe unter der Geschichte der Städte Isny und Wangen.


3. Besondere Schicksale des Oberamtsbezirkes.
Die Lage des Bezirkes in der Nähe der Pässe, die nach Italien führen, war in ältern Zeiten den Bewohnern in Beziehung auf Handel und Gewerbe zwar günstig, allein sie brachte auch große Gefahren und Nachtheile, wenn Kriege und die italienischen Feldzüge, was oft der Fall war, fremde Truppen in diese Gegend führten. Dieß geschah wiederholt in den spätern Fehden der Welfen mit Kaiser Otto I., mit Konrad dem Salier und den Hohenstaufen. Unter den letztern zogen die deutschen Truppen oft durch diese Gegend nach Italien und ließen traurige Spuren dieser Durchzüge| zurück, besonders beklagte man sich über die Heerhaufen des Erzbischofs Theodorich von Köln und des Grafen von Flandern, die dem Kaiser Friedrich II. nach Italien zuzogen. In dem Appenzeller Krieg (1401–1410) eroberten die Feldkircher den Bregenzer Wald, und fielen von da aus raubend und brennend in das Allgäu (1406). In dem sogenannten Bauernkrieg war der allgäuer Haufen der gefürchtetste, welcher auch zuletzt die Waffen niederlegte und sich erst dann unterwarf, als der Truchseß Georg ihre Häuser niederbrennen ließ (1525).[2] Von ihren Verschanzungen und Oberhäuptern s. die Ortsbeschreibung von Friesenhofen und Isny. Die Drangsale des 30jährigen Kriegs suchten die Städte wie das Land gleich furchtbar heim. Am meisten litt Isny (s. unten Wangen, Isny, Kißlegg, Ratzenried). Auch der Spanische Successionskrieg lief für das Allgäu nicht ohne Plackereien ab, ganz besonders schwere und lang empfundene Wunden aber schlugen die französischen Revolutionskriege, wo Durchzüge und unerschwingliche Kontributionen den Wohlstand der Gemeinden aufs äußerste erschöpften. Über ein Gefecht, dessen Schauplatz die Gegend von Isny war, siehe unten die Geschichte von Isny. Die letzten Kriegsauftritte sah der Bezirk im Jahre 1809, wo die K. württembergischen Truppen ebenfalls in der Gegend von Isny den tyroler und vorarlberger Insurgenten ein Gefecht lieferten. Pestjahre waren besonders: 1006, 1339, 1348 und das folgende Jahr (der schwarze Tod), 1593, 1682. Im Jahre 1754 rafften die Pocken, 1763 bösartige Ruhren sehr viele Leute weg. Als Mißjahre werden hauptsächlich genannt: 1698 und 99, 1770, 1816. Erdbeben erwähnt man von den Jahren 1601, 1670, 1679, 1681, 1755. Andere| mehr lokale Kalamitäten werden unten bei den betreffenden Orten erwähnt werden.

4. Alterthümer.
A. Römische.

Inschriften. Vor Jahrhunderten schon[ws 1] wurde in der Nähe von Isny eine römische Wegsäule gefunden, die lange Zeit im Weinkeller der dortigen Benediktiner-Abtei aufbewahrt, später aber dem Fürstabt in Kempten überlassen wurde, von wo sie im Jahre 1821 in das Antiquarium nach Augsburg kam. Ihre Literatur s. Württemb. Jahrb. 1835. S. 117. Die Inschrift lautet folgendermaßen:

IMP. CAESAR.
L. SEPTIMIVS. SEVERVS. PIVS
PERTINAX. AVG. ARABIC
ADIAB. PARTHICVS. MAXIMVS
PONTIF. MAX. TRIB. POT VIIII
IMP. XII. C°S. II. P. P. PROC°S. ET
IMP. CAESAR. MARCVS. AVREL
ANTONINVS. PIVS AVG. TRIB
POT. IIII PROC°S. ET
/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
VIAS. ET. PONTES. REST
A. CAMB. M. P.
XI
Aus dieser merkwürdigen steinernen Urkunde ersehen wir, daß im Jahr nach Chr. 201[ws 1] unter des Kaiser Septimius Severus Regierung (um welche Zeit überhaupt die höchste Blüthe der transalpinischen röm. Provinzen anzunehmen ist) unter andern auch die Hauptstraße, welche von Kempten westwärts führte, eine Wiederherstellung erhalten hat. Die Stelle, wo diese Wegsäule stand, war von Cambodunum XI millia passuum (= 42/5 geogr. Stunden) entfernt, muß also, wenn die alte Straße in der Richtung der heutigen lief, wie die Örtlichkeit nicht anders annehmen läßt, zwischen Wengen und Nellenbruck, anderthalb Stunden oberhalb Isny, noch auf bayerischem Boden sich befunden haben. Die ausgetilgte Zeile enthielt den Namen des Septimius| Geta, dessen Erwähnung bekanntlich Caracalla von allen öffentlichen Monumenten entfernen ließ.

Ein zweites, ebenfalls im Kloster zu Isny aufbewahrt gewesenes Steindenkmal kennen wir nur aus der Chronik dieses Klosters; der Stein selbst ist längst spurlos verschwunden. Er trug folgende Aufschrift:

IMP. CAES
DIVI .....F. DIVI. TRAIANI. N
DIVI NERVAE. PRONEP
ANTONINO. AVG. PIO
PONT. MAX. TRIB
POT. VII
C°S. IIII. P. P
CIVITATES.....

Es ist dieß ein Devotionsdenkmal, welches gewisse Städte oder Gemeinden im Jahr 144[ws 1] dem Kaiser Antoninus Pius aus einer unbekannten Veranlassung errichteten. Sehr zu bedauern ist es, daß der Stein nicht mehr selbst eingesehen werden kann. Nach Civitates muß ein Name wie Vindelicae oder dergleichen gestanden haben.

Münzen und Anticaglien. In einer Gegend, durch welche, wie oben bemerkt worden, eine Zeitlang die vielfältig angegriffene und vertheidigte Reichsgrenze lief, ist es natürlich, daß sich nicht selten Münzen einzeln und in größerer Zahl finden, die auf der Flucht verloren, oder in Eile vor dem nahen Feinde versteckt worden sind. Wir können nur einige der erheblicheren solcher Münzenfunde erwähnen, da weiter ins Einzelne zu gehen, hier zu weit führen würde. Goldmünzen fand man, und zwar einen schönen Diokletian bei der Betmauer unweit Isny, drei, darunter einen Honorius bei Winnis (Gem. Beuren);[3] Silber-und Kupfermünzen in großer Zahl an verschiedenen Orten, darunter einen Maxentius vom Jahr 306 mit der Aufschr. Conservator urbis suae, bei Isny, und eine im J. 1828| bei Wangen gefundene Silbermünze des Marc Aurel vom Jahr 173 mit der griechischen Aufschrift: ΥΠEP NIKHΣ PΩMAIΩN mit der Siegesgöttin, eine zur Feier des Sieges über die Marcomannen geschlagene Münze. Von Münzen bei Bolsternang s. unten. Der bedeutendste Münzfund aber wurde den 27. April 1836 bei Unterhorgen, Gem. Sommersried, gemacht, worüber die Jahrbücher v. J. 1836. I. S. 200 Bericht erstattet haben. Ein Bauer fand in dem Wassergraben einer sumpfigen Wiese ein irdenes Gefäß mit einer metallenen Handhabe von antiker Form, und bei weiterem Nachgraben eine Menge Silbermünzen, die in dem nassen Boden zum Theil Noth gelitten hatten und bröckelig geworden waren. Als die Behörde davon Kenntniß erhielt, war der Fund schon sehr zerstreut, und von der großen Anzahl, die sich auf 600, nach anderen Angaben aber auf mehr als 1000 belaufen haben soll, kamen nur noch ungefähr 200 zur Auswahl für das K. Münzkabinet nach Stuttgart. Diese gehen von Commodus bis auf Gallienus, bestehen aber aus keinen besonders seltenen Exemplaren. Doch sind einige darunter sehr schön erhalten.

Von besonderem Interesse ist ein großer goldener Ring, mit einem geschnittenen Stein, den vor mehreren Jahren ein Bürger von Isny in der Nähe der Betmauer fand und der in den Besitz des Herrn Grafen Quadt kam, aber durch die Ungeschicklichkeit eines Goldschmieds in Kempten verdorben worden seyn soll. Der Stein, ein Onyx, hatte ein schönes Intaglio, die Sphinx auf einem Felsen und den vor ihr stehenden Ödipus vorstellend, wie er ihr Räthsel löst. Diese Betmauer (worüber gleich unten das Nähere) war schon in früheren Zeiten eine Fundgrube merkwürdiger, zum Theil werthvoller Überreste aus dem Alterthum. Im Jahr 1409 schloß der Abt Georg von Isny mit zwei Bürgern einen Vertrag ab, in welchem er sich ausdrücklich das Recht vorbehielt, auf diesem Platze nach „Kostbarkeiten, goldenen und (silbernen Gefäßen und dergl.“[4] graben zu dürfen.

| Befestigungen und Gebäude. Vor allen zieht die sogenannte Betmauer in dem Weiler Burgwang oder Burkwang in der Nähe der Argen, eine kleine halbe Stunde östlich von Isny, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wo die das linke Argenufer begleitende Anhöhe in die Ebene ausläuft, zeigen sich die wohlerhaltenen Spuren einer theils von der Natur, theils durch Kunst stark befestigten Anlage. Die Ost-, Nord- und Nordwestseite des Platzes fällt ganz steil in das Thal ab in einer Höhe von 40–44′. Die andern Seiten umgibt ein Graben von 16′ Tiefe und 70′ Breite, Spuren eines Walles und eines zweiten Grabens sind auf dem angrenzenden Ackerland theilweise noch sichtbar, größtentheils aber eingeebnet. Die Einfahrt auf der Nordwestseite läßt sich noch ganz deutlich erkennen. Das Plateau bildet ein Dreieck, dessen östliche Seite 300′, die südliche 160′, die etwas ausgerundete nordwestliche ungefähr 400′ mißt. Der ganze Platz ist mit Gras, der Ostabhang mit Gebüsch bewachsen. Von Mauerwerk ist nichts mehr zu sehen; indessen zeigen sich auf der Nordseite, wo Sand gegraben wird, römische Ziegel und Thonscherben mit dem Boden vermischt. Übrigens sollen noch im vorigen Jahrhundert Grundmauern zu sehen gewesen seyn. Es ist gar nicht zu bezweifeln, daß hier ein Römerkastell und zwar ein wichtiger Posten stand, ob auch ein Tempel und zwar ein Isistempel, wie man aus dem Namen des benachbarten Isny und aus dem Namen Bet-Mauer schließen wollte – ? bleibt billig dahingestellt. Vielleicht mit mehr Recht dürfen wir hier das alte Vemania vermuthen, da die 15 Millien des Itinerar genau zutreffen. Nothwendig muß man annehmen, daß in dieser Gegend, wo nach dem ausdrücklichen Zeugniß der Notitia dignitatum verschiedene Abtheilungen der dritten Legion und der ihr zugegebenen Reitergeschwader einen Cordon bildeten (praedentebant), noch mehrere andere Befestigungen, Schanzen,| Warten und dergl., namentlich an Flußübergängen von den Römern angelegt worden waren. Und wirklich fehlt es an mehr oder minder wohl erhaltenen Spuren dieser Art keineswegs. Allein, wenn nicht Römerscherben, Münzen u. s. w. Zeugniß für das höhere Alterthum solcher Anlagen ablegen, so ist eine Verwechselung mit Werken aus dem Mittelalter oder gar der neuern Zeit nicht wohl zu vermeiden. Namentlich wird nicht zu bestreiten seyn, daß auf den Bergen am rechten Ufer der untern Argen an geeigneten Punkten Wartburgen erbaut waren. Sichere Spur eines solchen Werkes glauben wir aber nur an Einer Stelle nachweisen zu können. Südlich von Bolsternang, an der äußersten Gränze des Landes, auf der Spitze des Bergrückens, welcher das Bolsternanger Thal von dem (bayerischen) Wengerthal scheidet, und die Kempterstraße dominirt, ist ein Platz, von dem Volk „das Faustrecht" genannt, wo ein Viereck von Grundmauern aus Quadern, 40′ in der Länge, 30′ in der Breite, ausgegraben und zu verschiedenen Zeiten eine große Anzahl Münzen gefunden wurden, von welchen jedoch nichts Näheres gesagt werden kann, da sie der Finder an einen Juden verkaufte. Nur fünf Stücke Kupfermünzen kamen in das Kabinet des Herrn Fürsten von Waldburg-Zeil, deren Gepräge aber gänzlich unkenntlich ist bis auf die Inschrift einer derselben: Securitas reipublicae – wodurch das römische Alterthum der Anlage wohl außer Zweifel gestellt ist. Minder sicher anzunehmen ist dasselbe bei der sogenannten Burg zwischen Wehrlang und dem Schleifertobel auf einem hohen und steilen Vorsprung des Gebirgs. Grundmauern finden sich keine mehr, wohl aber ein tiefer Graben, der Schloßgraben genannt, welcher den Burgplatz von der Bergkette isolirte. Nicht einmal eine Sage, geschweige eine geschichtliche Nachricht ist von dieser alten Veste vorhanden; Ziegelstücke, die man für römisch gehalten, sollen hier ausgegraben worden seyn. Eine Art Lanzenspitze von Erz, jetzt im Besitz des Herrn Fürsten von Zeil, fand man in der Entfernung einer halben Stunde. Weiterhin bei Rohrdorf ist| der Name Heidenkapf bedeutsam; auf dieser Höhe soll nach der Volkssage ein heidnischer Tempel gestanden haben. – Eine sehr in die Augen fallende, in neuerer Zeit aber zum Theil zugeebnete Schanze findet sich auf dem linken Argenufer hart an dem alten Argenbett unterhalb Unterharprechts, in Gestalt eines Brückenkopfs. Der Name „Schloßrain“, welchen die Stelle jetzt führt, scheint übrigens auf eine mittelalterliche Burg zu deuten. Dieser Schanze gegenüber befindet sich der Platz der ehemaligen Sommersbacher Burg s. u. Schanzen zeigt man auch in dem Taufach- oder Heidenmoos (Haidemoos?) und bei Friesenhofen, ob aber diese römisch oder aus der Zeit des Bauern- und dreißigjährigen Kriegs sind, ist nicht wohl zu entscheiden; wenigstens heißt eine derselben noch heute die Schwedenschanz, doch s. Ortsbeschr. Hier ist auch das sogenannte Buch zu erwähnen, eine Anhöhe nördlich über der Stadt Wangen, zwischen dieser und dem Schießstadt-Weiher mit einer quadratförmigen Verschanzung, welche bei der alten Art Krieg zu führen einen sehr festen Posten gewährt haben muß. Diese Anlage wird aus dem Schwedenkrieg her datirt, ist aber höchst wahrscheinlich schon älter. Zum Beweis ihrer strategischen Wichtigkeit mag dienen, daß man noch im Insurgentenkrieg des Jahrs 1809 daran dachte, diesen Punkt zu benützen. Durch Nichts sicher begründet sind aber die Vermuthungen, daß die alten Thürme von Offlings, Praßberg, Neuravensburg u. a. römisch seyen, s. die Ortsbeschr. – Die Namensähnlichkeit scheint ein Recht zu geben in einer bedeutenden Befestigungsanlage bei Kißlegg das oben erwähnte römische Grenzkastell Cassiliacum zu erkennen. In der Gem. Sommersried, 1/2 Stunde nordwestlich von Kißlegg, wo jetzt eine Parcelle den Namen Burg führt, umschließt ein jetzt theilweise eingeworfener Wall und Graben von mehr als einer halben Viertelstunde im Umfang den Raum, in dessen Mitte ein Hügel einst die feste Burg des alten Geschlechts der Kißlegge trug, deren Namen mit ihrem Wohnsitz später auf das nahe Dorf Zell überging. Noch sind Überbleibsel | starker Substruktionen zu sehen; von wirklichen Römerüberresten ist jedoch nichts bekannt.

Straßen. Ungeachtet die Römer ihre festen Punkte gewiß auch in dieser Gegend durch regelmäßig angelegte Straßen verbunden hatten, so ist es doch bis jetzt nicht gelungen, ihre Überreste wirklich aufzufinden. Dieß ist jedoch kein Beweis daß sie nicht vorhanden waren. Einmal scheinen sie hier anders konstruirt gewesen zu seyn, als anderwärts, wo das Material zu einem erhöhten, gemauerten Straßendamm und Steinpflaster überall zu haben war; hier sind nur Kieselstraßen denkbar, deren Spuren sich leichter verwischen oder überbaut werden; zweitens ist sehr wahrscheinlich, daß die heutigen Straßen auf den alten fortlaufen; das letztere scheint namentlich von der Kempterstraße zu gelten, welche jedenfalls nur auf eine sehr kurze Strecke durch unsern Bezirk zog, und von der Straße nach den Illergegenden und Augsburg, die wir oben nach der Tab. Peut. angenommen haben, welche der Richtung der jetzigen Straße von Isny nach Leutkirch gefolgt seyn wird. Daß auch über die Adelegg eine Straße gegen die Betmauer herabzog, wird von Einigen angenommen. Bei Geiselharz (Gem. Pfärrich) führt der Name Hochgesträß auf die Spur einer Straße, welche nach dem Weiler Straß des Oberamts Tettnang und so fort auf der Nordseite des Bodensees hinzog, und wir werden uns schwerlich irren, wenn wir in ihr dieselbe Straße zu finden glauben, welche nach Ammians bekannter Stelle die sobria virtus Romanorum durch die Wälder und Sümpfe des nördlichen Seegestades geführt hat. Unerwähnt wollen wir nicht lassen, daß man in der Gegend von Heidemoos im Torfmoor Überbleibsel eines uralten Knüppeldamms entdeckte, ohne daß jedoch derselbe näher untersucht oder seine Spur weiter verfolgt worden wäre.

Grabhügel wurden bis jetzt noch keine aufgeschlossen, sehr wahrscheinlich ist aber, daß sich welche vorfinden. Hieher scheinen die großen, runden Hügel zu gehören, Heiligen-, Luxen- und Pfaffenschachen genannt, welche durch den eben| erwähnten Knüppeldamm mit einander verbunden, mitten in tiefem Torfmoor aus herbeigeschafftem Erdreich, wie es scheint, künstlich gebildet sind.


B. Deutsche Alterthümer.

Außer den erwähnten Hügeln, welche vielleicht eben sowohl in diese Rubrik gezogen werden können, ist nichts bekannt, was aus dem früheren deutschen Alterthum als merkwürdig zu nennen wäre. Nur die zahlreichen, zum Theil aus dem tiefen Mittelalter stammenden Rittersitze verdienen hier eine Aufzählung; das Nähere ist darüber in der Ortsbeschreibung zu ersehen. Theils ganz verschwunden und nur noch in urkundlicher oder mündlicher Überlieferung, theils noch in Trümmern vorhanden sind folgende Burgen:

Ansberg (G. Ratzenried), Neuravensburg,
Blumenau (G. Praßberg), Offlings (G. Deuchelried),
Burg (G. Neutrauchburg}, Pfaffenweiler (G. Pfärrich),
Burg (? G. Sommersried), Praßberg,
Burgstall, vorderer (G. Christatzhofen), Ratzenried,
Burgstall, hinterer (G. Christatzhofen), Rudolfsegg (G. Christatzhofen),
Dengeltshofen (G. Neutrauchburg ?), Schloßrain (G. Christatzhofen),
Finsterburg (G. Niederwangen), Schlößle (G. Pfärrich),
Goppertshofen (G. Sommersried), Schwenden (G. Ratzenried),
Grünenberg (G. Praßberg), Sommerau (? G. Praßberg),
Haldenberg (G. Deuchelried), Sommersbach (G. Beuren),
Issenharz (G. Eisenharz), Siggen,
Leupolz (G. Praßberg), Vallerei (G. Ratzenried),
Loch (G. Praßberg), Wolfatz (G. Niederwangen),
Löwenhorn (G. Niederwangen), Wolfenberg (? G. Eglofs).
Neidegg (G. Christatzhofen),

Erhalten sind folgende Schlösser: Amtzell, Isny (ehem. Abtei), fürstl. Wolfegg’sches Schloß in Kißlegg, fürstl. Wurzachsches ebendaselbst, Neutrauchburg, Ratzenried und das fürstl. Zeil’sche Jagdschloß Rimpach. Gewissermaßen kann hieher auch Praßberg gerechnet werden.

Abgegangene Orte können nicht sowohl nachgewiesen werden, als vielmehr nur abgegangene Namen, die sich bei sehr vielen Parcellen mit den Besitzern änderten. Wie| übrigens durch die Vereinödung eine Menge von Wohnsitzen mit eigenen Namen entstand, so änderten auch manche Wohnsitze ihre Stelle, ohne darum eingegangen zu seyn. Nur die Stadt bei Neuravensburg verdient hier eine Erwähnung. Von Namensvertauschung sind die bekanntesten Beispiele: Kißlegg für Zell, Ratzenried für Wetzelried, Neutrauchburg für Mechensee.

Mahlstätten (malli) waren bei Wangen und Isny; sie lassen sich aber nicht mehr nachweisen, da schon seit alten Zeiten die Landgerichte in den Rathhäusern gehalten wurden.



  1. Reichard vermuthet hier auch noch die Wohnsitze der Vennonen, und erweist der Stadt Wangen sogar die Ehre, sie auf seiner Karte als Vennonum caput, Hauptstadt der Vennonen, anzusetzen. Allein dieses Volk ist offenbar südlicher, im Tyroler Gebirge zu suchen.
  2. Dieß wollten zwar die damals in Kempten befindlichen Bundesräthe nicht zugeben, aber die Antwort des ritterlichen Bauernjörgs war: „Wenn die Herren ihn lehren wollten Krieg führen, so sollten sie kommen und seine Stelle übernehmen, er wolle dann nach Kempten gehen und mittlerweile auf ihre Pfulben sitzen.“ Walchner und Bodent, Biogr. des Tr. Georg. S. 157.
  3. Schon im Jahre 1576 erkaufte ein Haushofmeister des Grafen von Trauchburg für seinen Herrn zwei römische Goldmünzen von den Bauern zu Winnis, wie sich in der Jahrsrechnung des Haushofmeisters findet.
  4. Facultatem fodiendi et exarandi occultata quaedam (quo casu incertum est) bona et vasa aurea, argentea, clenodia, cuprum etc. in monte et fundo Monasterii, Bettmauer dicto, erui solita. Chron, Isn.
Anmerkungen [WS]
  1. a b c Korrektur von Seite 280a eingefügt.