Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Tettnang/Kapitel B 14

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 13 Beschreibung des Oberamts Tettnang Kapitel B 15 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
14. Gemeinde Liebenau,
bestehend aus 17 Parzellen mit 423 Einwohnern.
Der Gemeindebezirk ist ganz unzusammenhängend und zum Theil von andern Gemeinden umschlossen. Nachdem nun die Standesherrschaft Weißenau vom Staate angekauft ist, und die von Sternberg seither bezogenen Gefälle und Zehnten an den letzteren übergangen sind, dürfte eine| Hauptschwierigkeit hinwegfallen, welche einer besseren Bildung der Gemeinden Liebenau, Kaltenberg und Tannau entgegenstand. Der Bezirk ist ziemlich fruchtbar und hat auch etwas Weinbau. Unter allen Gemeinden des Oberamts ist hier die Sterblichkeit am größten. Die Zahl der Gestorbenen zu den Lebenden verhielt sich von 1826–35 im Durchschnitt jährlich wie 1:304/10, das Verhältniß der Geburten aber zur Bevölkerung war wie 1:252/10. Der Bezirk gehört zum Cameralamt Tettnang und ist unter die Pfarreien Ober-Eisenbach, Brochenzell und Ober-Eschach (Oberamt Ravensburg) getheilt. Die Zehnten und Gefälle bezieht der Staat, nur in den 3 Filialen der Pfarrei Brochenzell, Hasenwinkel, Lohner und Weiler hat die Pfarrstelle, die Zehnten, so wie die Kirchenpflege Eisenbach und die Pfarrei Ober-Eschach einige Gefälle. Eine Schule ist in Ober-Eisenbach, für den nordwestlichen Theil der Gemeinde besteht eine Filialschule in der Enclave Ottmarsreute. Vor dem Reichsdeputationsschluß war der Gemeindebezirk zwischen den Abteien Weingarten und Weißenau getheilt: jener gehörten mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit, als eine eigene Ritterherrschaft, Liebenau und Langentrog, dieser die übrigen Orte mit Niedergerichtsbarkeit und Steuerrecht, unter der hohen und forsteilichen Gerichtsbarkeit der Herrschaft Tettnang.[1] Die mit Weingarten an Nassau-Oranien gefallene, von ihm aber durch den Epaven-Vertrag von 1804 an Östreich abgetretene Herrschaft Liebenau kam mit Tettnang 1805 an die Krone Bayern und von dieser 1810 an die Krone Würtemberg, die an den Grafen von Sternberg gefallenen Weißenauischen Orte kamen schon 1806 an die Krone Würtemberg. Vergl. Oberamt Ravensburg S. 155 etc. u. 187 etc.|
  • 1) Liebenau, W. mit einem Schlößchen und 52 k. Einw., Fil.. von Ober-Eschach, 11/4 St. nördlich von Tettnang auf und um einen kleinen steilen Hügel im Krebsbachthälchen, an der Landstraße von Ravensburg nach Tettnang. Auf dem Hügel steht das Schlößchen mit einer geräumigen Kapelle z. h. Theresia. Das Schlößchen, dessen gegenwärtiger Besitzer der Pfarrer Schlegel in St. Christina ist, hat ein gutes Aussehen. In demselben befindet sich eine, ungefähr 2000 Bände starke, Bibliothek, welche viele schätzbare Handschriften und alte Drucke enthält, s. u. In L. ist eine Schildwirthschaft, und 1 Mahlmühle vom Krebsbach getrieben. Die alte feste Burg Liebenau, deren Erbauung in dem Dunkel der Vorzeit verschwindet, war in der Mitte des 13. Jahrhunderts der Sitz der Ritter von Liebenau, eines Zweiges der Familie von Summerau, s. S. 150. Albert v. S. ist der erste, der, in einer Urkunde von 1246 Albert v. Liebenau genannt wird, und vermuthlich derselbe, der mit seinem Bruder 1264 dem Kloster Weingarten das Gut Kazheim schenkte (s. OA. Ravensburg S. 219). 1269 verkauft Ulrich v. L. an dasselbe Kloster seine Vogtrechte über Obersulgen, s. OA. Ravensb. S. 194. Ein Heinrich v. L. schenkt als Heinrich v. Ravensburg 1257 dem Kl. Weissenau O. Eisenbach (s. u.), sein Bruder Albert v. L. schenkte dem Kloster um das Jahr 1288 einen Wald bei Rebholz und zwar mit Zustimmung des Grafen Hugo von Montfort, seines Lehensherren. In der Theilungsurkunde von 1309 erscheint L. mit Summerau als Montfortische Besitzung. Im Jahr 1581 verkaufen die Grafen Georg, Hans, Anton und Wolfgang v. Montfort an Matthias Laymann, der Rechte Doctor und der gemeinen Stadt Augsburg Advokaten zuerst ihr Dörflein Liebenau um 3669 fl. 42 kr. 6 Hlr. Der Käufer zahlte diese Summe zur Berichtigung einer Schuld der Montfort an Hans Marx und Jacob Fugger. Sodann schenken sie dem Laymann für die Dienste, die er ihnen zur Erhaltung der Montfortischen Reichslehen und der Herrschaften Beckau und Krembs in Steiermark gethan, „das alt Burgstall Liebenau, so lang nit bewohnt worden,“ mit einigen andern Grundstücken. Alles mit Niedergerichtsbarkeit und der niedern Jagd, aber mit Vorbehalt der hohen und forsteilichen Obrigkeit. Die Laymann stellten das Schloß wieder her, und bauten 1624 die Kapelle. Christoph Laymann v. L. starb den 1. Jan. 1629 und liegt zu Ober-Eschach begraben. Durch seinen einzigen Sohn, den nachmaligen Abt Dominicus in Weingarten (von 1637–1673) kam L. mit Langentrog an dieses Kloster. Weingarten besaß es als ein zum Rittercanton Hegnau gehöriges Gut, und erhielt 1764 vollends alle Hoheitsrechte. Von der Krone Bayern, an welche, wie oben| berichtet worden, die Herrschaft Liebenau gekommen war, wurde das unter Weingarten erneuerte Schloß an den Wirth Bieger und von diesem an die Weißenauer Exconventualen-Societät verkauft. Als der letzte davon ist jetzt der Pfarrer Schlegel in St. Christina Besitzer des Schlosses und der Bibliothek, die größtentheils von der Weißenauer Kloster-Bibliothek herstammt, und von dem letzten Abt des Klosters an seine geistlichen Schicksals-Genossen kam.
  • 2) Berg, H. mit 4 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, ein vorm. Kloster Weißenauisches Lehengut, welches es schon 1219 besaß.
  • 3) Buch, H. mit 8 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, ebenfalls vormals Weißenauisch.
  • 4) Furth, W. mit 16 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, an der Schwarzach, aus 3 Höfen bestehend, wovon 1 über dem die Grenze zwischen den Oberämtern Tettnang und Ravensburg bildenden Bache liegt und der Gemeinde Eschach angehört (S. Ravensburg S. 190). Der eine der hieher gehörigen Höfe wurde, bald nach der Stiftung des Gotteshauses Weißenau, dem Kloster geschenkt, 1171 aber von dem Kloster gegen den Zehnten zu Maisenthal (Mariathal, OA. Ravensburg) an die Pfarrkirche zu Ober-Eschach vertauscht. Den andern Hof stiftete Graf Heinrich von Montfort im Jahr 1371 an Weißenau.
  • 5) Hasenwinkel, H. mit 3 k. Einw., Filial von Brochenzell, an der Schussen, vormals Weißenauisch.
  • 6) Hegenberg, W. mit 22 kath. Einw., Filial von Ober-Eschach, vormals Kloster Weißenauisch.
  • 7) Langentrog, W. mit 23 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, an der Landstraße von Ravensburg nach Tettnang, mit 1 Schildwirthschaft und Bierbrauerei, auch 1 von dem Krebsbach getriebenen Sägemühle nebst Bleiel und Stampfe, und 1 Hammerschmiede. Der W. gehörte zur Weingartischen Herrschaft Liebenau.
  • 8) Lohner, W. mit 30 k. Einw., Filial von Brochenzell, im Schussenthal. Der vormals Weißenauische Weiler und seine einzelnen Höfe kommen in früheren Zeiten unter verschiedenen Namen vor, als Niederreute, Bernreute, Rennenreute, Frittelisreute etc.; den Namen Lohner erhielt er von dem Besitzer eines der Höfe. Das Kloster Weißenau kaufte die Höfe allmählig aus verschiedenen Händen zusammen.
  • 9) Ober-Eisenbach, ein kath. vormals Weißenauischer Pfarrweiler mit 54 Einw., 1 St. östlich von Tettnang, in einer moorigen Ebene, ringsum von bergigen Waldungen umgeben. Von zwei Weihern bei dem Ort ist der eine jetzt ganz ausgetrocknet, und der| Boden wurde neuerlich sehr verbessert. Der Ort hat 1 Schildwirthschaft und 1 Schule, aber kein Schulhaus. Die Pfarrkirche zur heil. Margaretha steht auf einem schönen ebenen Platze. Der Pfarrsprengel besteht aus 3 Parzellen von Liebenau, 7 Parzellen von Kaltenberg und 2 Parzellen von Tannau, er wurde 1812 regulirt. Nördlich von O.-Eisenbach, in dem obgenannten Arberwald, auf dem sogenannten Schloßbühl, soll nach der Volkssage ein Heidenschloß gestanden haben; man sieht noch Spuren von Wall und Graben. In den Zeiten des Mittelalters sollen hier Ritter von Arber gehaust und 1116 in Verbindung mit den Rittern von Flockenbach und Krumbach die Pfarrei Tannau gestiftet haben. In Eisenbach selbst saßen Edle, die sich von dem Orte schrieben, und vielleicht mit den Arbern eine Familie bildeten. Dieto von Isenbach ist 1172 Zeuge in einer Weißenauischen Urkunde; 1343 kommt ein Frick von Isenbach vor. Die Familie ließ sich in das Bürgerrecht zu Ravensburg aufnehmen; 1357 kaufte das Kloster Weißenau einen Hof in Jesenbach, von Friedrich Jesenbach, Bürger in Ravensburg, um 120 Pfund Denare. Vergl. auch Feurenmoos. Das Geschlecht führte ein Hufeisen mit einem Stern in der Mitte im Wappen. Die Hauptbesitzer von Eisenbach waren aber die von Summerau-Liebenau. Heinrich v. S., der Heinrich v. Ravensburg und Ministerialis aulae imperialis genannt wird, schenkte mit seiner Frau, Adelheid, im Jahr 1257 seine Leute, Güter und den Kirchensatz dem Kloster Weißenau, s. oben. Graf Wilhelm von Montfort verzichtete 1309 gegen 50 Mark Silber auf die Vogtei über Dorf und Kirche und alle Ansprüche an den Ort gegen Weißenau, das später noch einzelne Güter erwarb. 1325 wurde die Pfarrei durch eine päpstliche Bulle dem Kloster Weißenau incorporirt, aber erst 1349 wurde vom Bischof Heinrich von Constanz die Incorporation vollzogen.
  • 10) Rebholz, H. mit 5 k. Einw., Filial von Ober-Eschach. Ritter Hermann von Ummendorf schenkte 1217 dem Kloster Weißenau den Hof.
  • 11) Sandgrub, H. mit 21 k. Einw., Fil. von Ober-Eschach, am Krebsbach, vormals ebenfalls Weißenauisch.
  • 12) Scheiben, H. mit 6 k. Einw., eine Enclave der Gemeinde Kaltenberg, vormals Kloster Weißenauisch.
  • 13) Schwarzenbach, W. mit 72 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, am Krebsbach, mit 1 Schildwirthschaft. Der Ort war ehemals unter verschiedene Herren getheilt, bis ihn das Kloster Weißenau allmählig, mit Ausnahme von 2 Höfen, welche Weingartisch waren, zusammenbrachte. Das in Urkunden des 9. Jahrhunderts vorkommende Schwarzenbach liegt im Oberamt Wangen.|
  • 14) Senglingen, ein vormals Weißenauischer W. mit 45 k. Einw., Filial von Ober-Eschach, an der Landstraße von Ravensburg nach Friedrichshafen, auf einem Rücken des Schussenthales. Der Ort wurde von dem Kloster von verschiedenen Herren zusammengekauft, 3 Güter waren Lehen der Carmeliter in Ravensburg, die sie 1666 von Adam Ferd. v. Humpiß-Waldrambs kauften.
  • 15) Straß, W. mit 22 k. Einw., Filial von Ober-Eschach. Im Jahr 1602 verkauft Hans Erhardt von Hartneck an die Brüder Balthasar Christoph und Burkhard Laymann sein Gut und Hof zu St. um 1500 fl. Von den Laymann kam der Besitz an das Kloster Weißenau, das die übrigen Güter daselbst schon früher erkauft hatte, s. P. 1 u. Straß, S. 186.
  • 16) Unter-Eisenbach, W. am Bollenbach, mit 36 k. Einw., Filial von Ober-Eisenbach, mit dem er immer alle Verhältnisse theilte.
  • 17) Weiler, H. mit 4 k. Einw., Filial von Brochenzell, an der Schussen, ein vormals Kloster Weißenauisches Lehen; die Steuer bezog zur Hälfte die Ritterschaft. Bei dem Hof, nahe an der Schussen, ist eine Mineralquelle, aber ohne vielen Gehalt.

  1. In der Beschreibung von Ravensburg S. 187 Z. 11 ist den Worten: Gerichtsbarkeit der Landvogtei, beizufügen: „der Herrschaft Tettnang u. a., und ebendaselbst Z. 20 statt Oberamt Wamgen, zu setzen: Oberamt Tettnang.“