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Beschreibung des Oberamts Sulz/Kapitel B 24

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Sterneck
mit Schloßmühle.

Gemeinde III. Kl. mit 355 Einw. wor. 24 Kath. a. Sterneck, Weiler, 97 Einw. b. Dottenweiler, Weiler, 74 Einw. c. Geroldsweiler, Weiler, 67 Einw. d. Salzenweiler, W., 44 Einw. e. Schnaiterthal, Hof, 5 Einw. f. Unter-Brändi, Weiler, 68 Einw. – Pfarr-Filial von Fürnsaal, mit Ausnahme von Schnaiterthal, welches nach Wittendorf eingepfarrt ist; die Kath. sind der Pfarrei Leinstetten zugewiesen.

Sterneck liegt 3 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt und 3/4 Stunden nordwestlich vom Mutterort, oben an dem südlichen Abhange des tief eingeschnittenen, engen Heimbachthales und bietet mit den Ruinen der Burg Sterneck eine malerische Ansicht.

Der kleine Ort hat meist neue, mit steinernen Unterstöcken versehene Häuser, welche nach zwei vorangegangenen Feuersbrünsten erbaut wurden.

Eine Schule ist nicht vorhanden und die Kinder besuchen die Schule in dem nur 1/4 Stunden entfernten Ober-Brändi, wohin auch die schulpflichtigen Kinder von Geroldsweiler gewiesen sind; daselbst ist ein Filiallehrer angestellt, der unter der Aufsicht des Pfarrers von Wittendorf steht und theilweise aus der Stiftung von Sterneck besoldet wird.

Der Sitz des Schultheißen ist in Sterneck, in dessen Wohnung auch die Gemeinderathssitzungen gehalten werden.

Der Ort ist mit gutem Trinkwasser das ganze Jahr hindurch versehen.

Von den im Allgemeinen körperlich minder ansehnlichen Einwohnern sind nur wenige eigentliche Bauern, welche von Feldbau, Viehzucht und Waldbesitz ein lohnendes Einkommen haben, die meisten suchen sich durch Waldarbeiten ihr kümmerliches Auskommen zu sichern. Von den Gewerben sind eine Schildwirthschaft und die im Heimbachthälchen gelegene Schloßmühle mit drei Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Hanfreibe und einer Ölmühle zu nennen. Der vermöglichste Bauer besitzt 80 Morgen Felder und 60 Mrg. Waldungen, der sog. Mittelmann 10–15 Morgen Felder und 3–4 Morgen Waldungen und die ärmere Klasse 1–2 Morgen; einzelne Taglöhner haben gar keinen Grundbesitz.

| Die kleine, unebene, in die Länge gezogene Markung, von der etwa 1/4 mit Wald bestockt ist, hat einen mittelfruchtbaren, theilweise unergiebigen Boden, der auf den Anhöhen aus den Zersetzungen des Wellenmergels und Wellendolomits, im übrigen Theile aus denen des Schieferlettens und des bunten Sandsteins besteht.

Die klimatischen Verhältnisse sind wie in dem nahe gelegenen Wälde (s. die Ortsbeschr.)

Die Landwirthschaft wird so gut als es die natürlichen Verhältnisse erlauben, betrieben und den Boden sucht man neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln mit Hallerde und Abfällen aus der Fabrik Ödenwald zu verbessern, auch das Brennen der Felder ist noch üblich.

In dreizelglicher Flureintheilung, mit zu 1/3 angeblümter Brache, baut man die gewöhnlichen Cerealien, von denen der Roggen am besten geräth; bei einer Aussaat von 7–9 Sri. Dinkel erntet man etwa 4–5 Schffl. Dinkel; der durchschnittliche Ertrag belauft sich an Roggen zu 2–3 Schffl. und an Haber zu 3–4 Scheffel per Morgen. In der Brache zieht man Kartoffeln, dreiblättrigen Klee und Futterwicken; von Handelsgewächsen kommt Reps, Hanf und nur wenig Flachs für den eigenen Bedarf zum Anbau. Die Preise eines Morgens Acker bewegen sich von 5–400 fl. Die Felderzeugnisse werden im Ort selbst verbraucht.

Der nicht ausgedehnte Wiesenbau liefert mittelmäßiges Futter; die durchgängig zweimähdigen Wiesen, die wo möglich bewässert werden, ertragen durchschnittlich 18 Ctr. Heu und 8 Ctr. Öhmd per Morgen und die Preise derselben bewegen sich von 50–400 fl.

Die Obstzucht ist ganz unbedeutend und liefert nur in günstigen Jahren einigen Ertrag.

Die Herbstweide wird noch für das Rindvieh benützt und die Schafweide zuweilen von den Ortsbürgern an einen fremden Schäfer verpachtet.

Die mit einer gewöhnlichen Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht ist mittelmäßig und einer größeren Ausdehnung derselben steht der Mangel an Futter entgegen. Farren befinden sich keine im Ort und die Kühe müssen nach Fürnsaal, Leinstetten etc. zur Bedeckung gebracht werden.

Die Ferkel werden sämmtlich aus dem Badischen bezogen und entweder für den eigenen Bedarf gemästet oder als starke Läufer wieder verkauft.

| Die Zahl der Ziegen, welche von unbemittelten Familien der Milch wegen gehalten werden, nimmt zu.

Das Fischrecht im Heimbach, der Forellen führt, hat die Gemeinde.

Vicinalstraßen sind nach Fürnsaal, Wälde, Loßburg und Unter-Brändi angelegt.

Die Gemeinde hat kein Vermögen, die Stiftung dagegen besitzt 20 Morgen Waldungen und 3800 fl. Kapitalien; letztere muß an der Schulbesoldung und an der Unterhaltung des Schulhauses zu Ober-Brändi 2/3 tragen.

Zunächst des Orts stehen auf einem gegen das Heimbachthal vorgeschobenen Hügel die Ruinen der ehemaligen Burg Sterneck, welche nur auf der Seite gegen das Dorf natürlich zugänglich, daselbst aber mittelst eines tiefen Grabens befestigt war; über denselben führen die Reste einer steinernen Brücke, welche ohne Zweifel an die Stelle einer Zugbrücke trat. Die Burgruinen bestehen aus den Resten eines gegen 50′ hohen, viereckigen Thurms, aus dessen oberem, sehr zerfallenen Theile mehrere Tannen malerisch emporgewachsen sind. Überdieß finden sich noch Überbleibsel des ehemaligen Mantels, der Ringmauern und ein gegenwärtig noch benütztes Kellergewölbe. In diese Ruinen hat sich in neuerer Zeit ein Bauernhaus eingeschlichen, das auf den Trümmern der ehrwürdigen Burg erbaut wurde. Die Burg ist Eigenthum der Gemeinde.

Eine hiesige Hofstätte verkaufte 1511 Wilhelm von Bach an das Kloster Alpirsbach.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Dottenweiler, 3/8 Stunden nordwestlich von dem Mutterort am Anfang eines Thälchens ziemlich geschützt, übrigens hoch gelegen. Der aus einzelnen zerstreut stehenden Bauernwohnungen bestehende Weiler theilt im Allgemeinen die natürlichen, ökonomischen und landwirthschaftlichen Verhältnisse mit dem Mutterort, nur ist der naßkalte Boden noch unfruchtbarer und erzeugt häufig saures Futter. Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Wälde. Trinkwasser ist hinreichend vorhanden.

c. Geroldsweiler (alt: Gerhitwiler 1300 Mai 8 St. A., Gerhardswiler 1499, Geroltzweiler 16. Jahrh., Geratweiler Breyer Elementa 100 z. J. 1749), liegt 1/2 St und nördlich von Sterneck in einer muldenförmigen, vor rauhen Winden geschützten Vertiefung und hat fruchtbaren Boden, ziemlich gute Obstzucht und einen tüchtigen Viehstand. Die fleißigen und geordneten Einwohner waren früher| die Erbpächter der Herren von Sterneck. Die Kinder besuchen die Schule in Ober-Brändi. Mit Trinkwasser ist der Ort hinreichend versehen. – Den hiesigen halben Zehnten versetzten die Herren von Geroldseck dem Grafen Wolfgang von Fürstenberg, welcher ihn 1449 dem Kloster Alpirsbach vergabte (Gabelk. Siehe über sonstige Einkünfte des Klosters Reyscher, Stat. R. 66.)

d. Salzenweiler, gegenüber von Sterneck auf der rechten Seite des Heimbachthales in einer muldenförmigen, gegen Norden offenen Vertiefung der Hochebene gelegen. Der aus einigen ländlichen Wohnungen bestehende Weiler, zu dem eine nur kleine Markung gehört, ist mit gutem Trinkwasser versehen und hat bei ebener Lage einen ziemlich fruchtbaren Boden. Die fleißigen Einwohner treiben vorzugsweise Getreide- und Kleebau, während sie im Wiesenbau sehr beschränkt sind.

Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in dem 1/4 Stunde westlich gelegenen Wälde.

e. Schnaiterthal, ein einzeln stehendes Haus, das 3/4 Stunden nordwestlich von Sterneck liegt und seit 1834 der Pfarrei Wittendorf, O.A. Freudenstadt, zugetheilt ist.

f. Unter-Brändi (alt: Niedernbrendi), liegt auf der Höhe 1/2 Stunde nordöstlich von Sterneck, mit dem es die Markung gemeinschaftlich hat. Sitz eines Revierförsters.

Der Ort hat 2 laufende Brunnen, die übrigens in heißen Sommern versiegen, so daß der Wasserbedarf im Heimbachthale geholt werden muß.

Die mittelfruchtbaren Feldgüter, das ehemalige Pfarrgut, gehören meist dem Staat und sind an Ortseinwohner billig verpachtet.

Der Ort war ursprünglich Pfarrsitz des Kirchspiels. Der Kirchensatz war zuerst gräflich Sulzisch, erscheint wenigstens urkundlich im Besitz der Herren von Geroldseck, der Rechtsnachfolger der Grafen von Sulz. Johann von Geroldseck verkaufte seine Rechte an demselben und dem Kirchengut den 8. Mai 1300 an Johann von Brandeck (St. A.), welcher diesen Besitz bereits am 29. Juni 1314 wieder an den Grafen Eberhard von Württemberg veräußerte (Schmid, Mon. Hohenb. 196). Nach dem Aussterben der Herren v. Brandeck (1549) wurde die Reformation durch den Stadtpfarrer Ittelhäuser von Dornhan eingeführt. Dieser versah abwechselnd mit dem Präceptor von Alpirsbach die Kirche zu Unter-Brändi, bis den 3. Juni 1593 ein eigener Pfarrer dabei angestellt wurde. Dennoch wurde nach| langem Rechtsstreit mit denen von Ow, als jetzigen Besitzern der Herrschaft Sterneck (s. Brandeck), die lutherische Pfarrei 1612 nach Fürnsaal verlegt und zu Unter-Brändi wieder katholischer Gottesdienst gehalten. Ende 1777 wurde aber die Kirche, wohin am Ende viele Processionen gegangen waren, und im Widerstreit mit Württemberg noch in den 1790ger Jahren gingen, von Württemberg geschlossen, da in der ganzen Herrschaft Sterneck nur noch ein Katholik war, was mit der Constanzer Curie einen 16jährigen Streit veranlaßte, in Folge dessen Württemberg eine jährliche Aufbesserung an die Pfarrei Leinstetten, 80 fl. für einen Meßner, 150 fl. für einen Vicar zahlen mußte. Im Jahre 1814 wurde sie an einen Bauern verkauft, ihr Thurm abgebrochen und sie selbst auf eine empörende Weise in ein Bauernhaus umgewandelt, welches an der Ostseite noch ein Fenster im Übergangsstyl und in seinem Innern vier alte romanische Säulen in der ehemaligen nun als Stall benützten Sacristei enthält. Daselbst befinden sich auch zwei Grabmonumente, das eines Herren von Ow vom Jahr 1680 und das der Gräfin Maria Auguste v. Attembs geb. v. Ow von 1725. Das früher in der Kirche aufgestellte Mutter-Gottesbild ist nach Leinstetten versetzt worden, weßhalb dort alljährlich der Tag der Übersiedelung gefeiert wird. Das gut gelegene ehemalige Pfarrhaus bewohnt der Revierförster.

Die Kinder besuchen die Schule in Fürnsaal, wohin sie 3/4 St. einen beschwerlichen Weg durch das Heimbachthal zu gehen haben. In Unter-Brändi war früher eine Stiftung „zu unserer lieben Frauen“, an der alle Einwohner der Lehensherrschaft Theil hatten; seit dem Jahr 1836 ist den Orten Fürnsaal, Sterneck, Wälde und Busenweiler jedem sein besonderer Theil an dieser Stiftung geschöpft worden. Von jener Stiftung wurde auch die Kirche in Unter-Brändi unterhalten.

Die Schicksale der Herrschaft Sterneck sind unter Brandeck erzählt.

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