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Beschreibung des Oberamts Sulz/Kapitel B 14

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Hopfau-Neunthausen,

Gemeinde III. Klasse mit 692 Einw. bestehend aus a. Hopfau, 312 Einw. b. Neunthausen, 174 Einw. c. Brachfeld, Weiler, 49 Einw. d. Niederdobel, Weiler, 138 Einwohner. e. In der Reinau, 2 Häuser, 12 Einw. f. Nießle, Haus, 7 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Leinstetten eingepfarrt.

In dem tief eingeschnittenen Glattthale, an der Einmündung des Dobelbachs in die Glatt liegt 1 Stunde westlich von der Oberamtsstadt der unregelmäßig gebaute Ort, welcher in drei Partien zerfällt und zwar:

a. Hopfau, eine auf der linken Seite der Glatt gelegene freundliche, malerische Gebäudegruppe, die aus der Kirche, dem Pfarrhause, dem Schulhause und einigen ansehnlichen Bauernwohnungen besteht.

b. Der Sommerberg, eine Reihe meist kleiner Häuser, die von Hopfau an der Dürrenmettstetter Steige hinaufgebaut ist; diese Ortspartie hat eine ganz südliche Lage an dem Sommerberg, auch Rebberg genannt, weil früher Wein daselbst gepflanzt wurde.

c. Neunthausen, ein kleines freundliches Dorf, am rechten Ufer der Glatt gelegen und theilweise noch in das Dobelbachthal hineingebaut; dasselbe ist mittelst einer hölzernen Brücke mit Hopfau in Verbindung gesetzt. Neunthausen war früher eine besondere Gemeinde, die im Jahr 1849 mit Hopfau politisch vereinigt wurde. Durch den Ort fließt der Dobelbach und setzt daselbst 2 Mühlen, je mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, in Bewegung.

| Die Pfarrkirche, welche von der Gemeinde und Stiftungspflege gemeinschaftlich unterhalten werden muß, wurde nach einer über dem Eingang an der Südseite angebrachten Jahrszahl 1497 erbaut; sie ist im germanischen Styl mit spitzbogigen Eingängen und Fenstern, welch letztere im Laufe der Zeit ihrer ornamentirten Füllungen beraubt wurden, ausgeführt. Die östliche Giebelseite ist im J. 1731 erneuert, und bei dieser Veranlassung der Chor weggebrochen worden. An der südlichen Seite der Kirche befinden sich oben am Dachfries ein Stierkopf und ein Fratzengesicht; ein weiteres Fratzengesicht ist an der südwestlichen Ecke der Kirche eingemauert. Diese Figuren scheinen noch von der ursprünglichen Kirche (Kapelle) zu stammen und wurden ohne Zweifel bei dem Neubau der Kirche im J. 1497 wieder benützt; sie zeugen entschieden von dem sehr hohen Alter der Kirche, welche ursprünglich im romanischen Style erbaut war. Das Innere der Kirche enthält außer einem im germanischen Styl gehaltenen Taufstein, der die Jahrszahl 1497 trägt, und 2 alten Grabplatten, nichts Bemerkenswerthes. Von den Inschriften auf den Grabplatten ist nur noch eine theilweise lesbar, sie lautet: Anno... obiit Johannes Schyter rector ecclesiae. Von den auf dem Thurme hängenden Glocken ist die größere im J. 1819 von Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossen worden, auf der kleineren steht das Ave Maria.

Der Gottesacker umschließt die Kirche.

Das geräumige, im Jahr 1774 erbaute Pfarrhaus, welches der Staat zu unterhalten hat, bildet mit seinen Öconomiegebäuden, Gärten und Hofräumen einen wohl arrondirten, angenehmen Pfarrsitz.

Das Schulhaus wurde im Jahr 1834 neu erbaut und enthält außer dem Schulzimmer auch noch die Gelasse für den Gemeinderath. An der Schule unterrichtet ein Schulmeister. In den Schulgelassen wird auch Industrieunterricht ertheilt. Seit dem Jahr 1849 ist in Neunthausen für die jüngere Schülerklasse von Hopfau und Neunthausen eine eigene Schule und Lehrerwohnung im oberen Stock des öffentlichen Waschhauses eingerichtet, an der ein Lehrgehilfe den Unterricht ertheilt. Der Schulmeister wohnt in einem der Gemeinde gehörigen Gebäude.

Ein Armenhaus ist vorhanden.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 11 laufende Brunnen und überdieß fließt die Glatt mitten durch den Ort; sie hat einen raschen Lauf, tritt häufig aus ihrem steinigten Bett und verwüstet die in ihrer Nähe gelegenen Äcker und Wiesen. Das klare Flüßchen, auf| dem bedeutende Flößerei getrieben wird, beherbergt Aale, Forellen, Barben und Krebse. Auch der im Ort einmündende Dobelbach führt Forellen. Das Fischrecht hat größtentheils die Gutsherrschaft und nur der kleinere Theil ist Eigenthum einiger Ortsbürger; die Gutsherrschaft verpachtet ihren Antheil.

Die Einwohner sind im Allgemeinen geordnete, kräftige Leute, die sich vorzugsweise durch Feldbau, Viehzucht und Flößerei ihr Auskommen sichern; ihre Vermögensumstände gehören zu den minder günstigen des Bezirks. Der vermöglichste Bürger besitzt 80 Morgen Felder und 60 Mrg. Waldungen, während die Mittelbegüterten einen Grundbesitz von etwa 18 Morgen Felder und 10 Mrg. Waldungen und die ärmere Klasse 1–2 Morgen haben; einzelne sind sogar ohne Grundbesitz. Mit Ausnahme der Unbemittelsten besitzen alle Ortsbürger eigene Waldungen.

Von den Gewerben ist es hauptsächlich die Flößerei, welche dem Ort Verdienst bringt, die übrigen beschränken sich, mit Ausnahme von 2 Mühlen, 2 Sägmühlen, 2 Schildwirthschaften und eines Krämers, nur auf die nöthigsten Handwerker, von denen die Weber am zahlreichsten vertreten sind.

Die nicht große Markung, von der noch ein namhafter Theil mit Wald bestockt ist, hat im Durchschnitt eine sehr unebene Lage und besteht größtentheils aus den hohen steilen Gehängen gegen die Thäler der Glatt und des Dobelbachs. Die Einwohner besitzen indessen auch viele Güter auf Sulzer Markung. Der Bau der Felder ist sehr beschwerlich und auch der eben gelegene Theil der Markung auf der Höhe bei Brachfeld ist wegen der größeren Entfernung und wegen der Steigen, welche dahin führen, schwierig zu bebauen.

Der Boden ist im Allgemeinen mittelfruchtbar, meist schwer, steinig und nicht tiefgründig; er besteht auf der Anhöhe und an den oberen Gehängen aus den Verwitterungen des Hauptmuschelkalks und des Muschelkalkdolomits, denen eine mäßige Beimengung von Lehm zukommt; in der Mitte der Abhänge beginnt der Boden schwer und thonig zu werden und am Fuß der Abhänge tritt ein rother Thon- und Sandboden auf (Zersetzung des bunten Sandsteins und des rothen Schieferlettens).

Auf der Markung befindet sich 1/4 Stunde oberhalb des Orts im Glatthale ein bunter Sandsteinbruch, der Bau- und Werksteine, zuweilen auch Schleifsteine liefert; überdieß ist an der Steige nach Dürrenmettstetten ein Tuffsteinbruch aufgeschlossen.

Die Luft ist etwas rauh und feucht; feinere Gewächse wie Gurken| etc. wollen nicht gedeihen; dagegen gedeiht das Obst, namentlich Zwetschgen gerne und in ganz günstigen Jahren reift die Traube an Kammerzen.

Die Landwirthschaft wird im Dreifeldersystem so gut als es die Verhältnisse erlauben betrieben; von den gewöhnlichen Cerealien baut man vorzugsweise Dinkel, Haber und in neuerer Zeit Weizen; in der zu 2/3 angeblümten Brache kommen Kartoffeln, Futterkräuter, Erbsen, Reps etc. zum Anbau. Flachs und Hanf wird für den eigenen Bedarf in Ländern gezogen. Bei einer Aussaat von 9 Simri Dinkel, 6 Sri. Haber und 4 Sri Weizen erntet man durchschnittlich 6–7 Schffl. Dinkel, 5 Schffl. Haber und 41/2 Schffl. Weizen per Morgen. Die Güterpreise bewegen sich bei den Äckern von 15 bis 300 fl. und bei den Wiesen von 50–500 fl. per Morgen. Über den eigenen Bedarf können jährlich etwa 300 Schffl. Dinkel und 150 Schffl. Haber nach Außen abgesetzt werden.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen sind ergiebig an nahrhaftem Futter und liefern durchschnittlich 20–25 Centner Heu und 10–15 Ctr. Öhmd per Morgen. Nur in dem Dobelthälchen findet Wässerung statt.

Die Obstzucht ist verhältnißmäßig ausgedehnt und beschäftigt sich hauptsächlich mit Mostsorten und Zwetschgen; übrigens werden auch feinere Sorten mit gutem Erfolg gezogen. Eine Baumschule befindet sich auf dem Gute des Freiherrn v. Linden. Von dem Obstertrag werden nur Zwetschgen nach Außen verkauft.

Die Gemeinde ist im Besitz von 14 Morgen Waldungen, deren Ertrag für Heizung der Schule und des Rathhauses verwendet wird.

Was die Zucht des Rindviehs und der Schafe betrifft, so ist diese wie in dem Filialort Dürrenmettstetten (s. d.). Zur Nachzucht sind 2 Farren aufgestellt, die ein Ortsbürger gegen Belohnung hält. Auf benachbarten Märkten wird viel Vieh, namentlich Zugvieh verkauft. Die Pferdezucht ist unbedeutend.

Auf der Schafweide lassen die Einwohner etwa 200 St. Landschafe laufen und entrichten hiefür an die Gemeindekasse ein Pachtgeld von 48 kr. per Stück.

Die eigentliche Schweinezucht ist nicht von Belang, dagegen werden sehr viele Schweine von Außen aufgekauft und mit denselben ein namhafter Handel getrieben.

Ziegen werden ziemlich viele, jedoch nur von den weniger bemittelten Einwohnern gehalten.

Auf den Markungen Hopfau-Neunthausen und Sulz besitzt der| Freiherr Joseph von Linden, k. Minister des Innern, ein Gut von etwa 120 Morgen Felder und 150 Morgen Waldungen. Die Güter sind an 2 Beständer verpachtet und die Waldungen bewirthschaftet unter Leitung des k. Revierförsters in Sterneck der gutsherrschaftliche Rentbeamte. Im Ort (Neunthausen) besitzt die Gutsherrschaft ein freundliches, im ländlichen Styl erbautes Wohnhaus nebst Öconomiegebäuden und eine ebenfalls verpachtete Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang am Dobelbach.

Durch Vicinalstraßen nach Sulz, Dürrenmettstetten und Bettenhausen ist dem Ort der Verkehr mit der Umgegend hinreichend gesichert. Die Steige von Hopfau nach Sulz wurde im J. 1852–53 neu gebaut.

Etwa 1/2 Stunde südlich vom Ort sollen auf der Anhöhe unfern des Waldes „Steingarten“ Gebäulichkeiten gestanden seyn.

Oberhalb der sog. Pfarrhalde stand eine Burg, von der noch der Graben sichtbar ist.

Hopfau (zeitweilig auch Hopfen geschrieben) wird am frühesten im Jahre 1085 bekannt durch seinen Ortsadel. In diesem Jahr erscheint Ritter Wern von Hopfau (Wern miles de Hopfovwa) als Wohlthäter des Klosters Reichenbach, welchem auch der gleichnamige Sohn dieses Ritters sechs Huben in Göttelfingen im Tausch überließ (Wirt. Urk.-Buch 2, 392. 406).

An hiesiger Kirche kommt vor den 3. März 1222 Bertoldus plebanus de Hopfowe (eb. 3, 131).

Die Oberhoheit sammt reichem Güterbesitz stund den Grafen des Bezirks, den Grafen von Sulz, zu. Graf Hermann verkaufte 1278 all seine hiesigen von Voreltern ererbten Besitzungen, namentlich seinen Fronhof sammt zugehörigem Patronatrecht, für 120 Mark Silber an das Kloster Alpirsbach (Besold, Docum. 255) und Konrad von Wartenberg, Domherr in Straßburg, entsagte 1279 all seinen Ansprüchen darauf (Gerbert, Hist. nigr. silv. 3, 194). Demselben Kloster zu Gunsten verzichteten 1308 die Sulzer Bürger Wernher Faulhaber, Heinrich Schweiger und Berchthold Ungericht auf ein hiesiges Recht (Crusius Annal. Suev. 3, 199), deßgleichen 1322 Meister Eberhardt der Arzt in Rottweil auf seine hiesige Besitzungen (eb. 3, 215).

Die Gerechtigkeit des genannten Klosters zu „Hopfen, Tobel (h. z. T. Dobel) und Nithußin“ (Neunthausen) wird 1488 also beschrieben (Reyscher, Statutarrechte 43): jedes links von der Glatt gelegene Haus in Hopfau gibt jährlich eine Fastnachtshenne, jeder| Lehensmann des Klosters 2 Viertel Haber zu Vogtrecht und ein Huhn. Etliche Güter zu Hopfau, nemlich die vier Stück Wassers, der Meierhof, die Mühle an der Glatt und die Kriegswiesen haben das Recht sich in Streitigkeiten unmittelbar nach Alpirsbach ans Stuhlgericht zu wenden. In Hopfau, in Ober- und Niedertobel hat das Kloster Stab, Vogtei und Gericht und die Einwohner sind demselben zu Steuer und Kriegsfolge verpflichtet. Pfarrei und Kirche in Hopfau gehören dem Kloster und der große und kleine Zehnte rechts von der Glatt zum Steinhaus des Klosters in Dornhan. Die Wälder sind Eigenthum des Klosters und der Abt hat das Recht, alljährlich einmal im Meierhof eine Herberge zu halten zu Dritt, mit zwei Windspielen und einem Vogelhund, und darf dazu einen, ihm auf dem Feld begegnenden Bidermann einladen. An Württemberg gibt das Kloster jährlich für Hopfau als Schirmgeld 4 Malter 6 Viertel Kernen, 4 Malter 6 Viertel Haber, und für Niedertobel 2 Pfund Heller 2 Schilling.

Neunthausen, früher Nithausen genannt, kam seinem links von der Glatt gelegenen Theile nach mit Hopfau als dessen Zugehörde an das Kloster Alpirsbach, welches 1460 wegen hiesiger Zehnten Streit mit dem Augustinerkloster zu Oberndorf hatte (Crusius a. a. O. 3, 408). Früher nach Dornhan eingepfarrt, wurden die Orte Neunthausen und Niederdobel mit der Pfarrei Hopfau vereinigt und die Pfarrei Dornhan wegen des ihr dadurch abgehenden kleinen Zehnten zufrieden gestellt (1569–83).

Der rechts von der Glatt gelegene Theil bildete ein adeliches Gut, welches dem Rittercanton Neckarschwarzwald zugetheilt war und 1805 unter württembergische Oberherrlichkeit kam.

Solches war zu Ende des 17. Jahrhunderts im Besitz des Freiherrn von Grünthal, welchem die hohe und niedere Gerichtsbarkeit daselbst zustand. In der Mitte des 18. Jahrhunderts besaßen es die Freiherrn v. Goll; gegen Ende des gedachten Jahrhunderts die Freiherrn von Gaisberg.

Im Jahre 1803 gelangten die Freiherrn von Linden in den Mitbesitz des Gutes. Nachdem vom Jahr 1819 an die von Plessen’sche Familie noch Antheil daran gehabt hatte, ging es im Jahre 1830 vollständig in den Besitz der Freiherrn von Linden über, und ist seit 1835 ausschließliches Eigenthum des Freiherrn Joseph von Linden, königl. Ministers des Innern.

Zu der Gemeinde gehören:

| b. Brachfeld, Weiler, 1/4 Stunde südwestlich von dem Mutterort auf der Anhöhe gelegen; unfern des Orts auf dem sogenannten Kaltenfeld erschließt sich dem Auge eine ausgedehnte Rundsicht.

c. Niederdobel, ein ansehnlicher Weiler, der in dem tief eingeschnittenen, engen Dobelbachthale nur einige 100 Schritte südlich von Neunthausen liegt; daselbst befindet sich eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang und eine Sägmühle nebst Ölmühle und Hanfreibe (s. oben). Die übrigen Verhältnisse gleichen denen des Mutterorts. Niederdobel war eine der Dingstätten, wo der Abt von Alpirsbach oder sein Stellvertreter dreimal jährlich Gericht hielt.

d. In der Reinau, bestehend aus zwei Häusern, 1/2 Stunde westlich von dem Mutterort, in dem Glattthale an der Straße nach Bettenhausen gelegen. Im Ort besteht eine Sägmühle nebst Hanfreibe und Schleifmühle (s. oben).

e. Nießle, ein einzeln stehendes Haus, das 1/2 Stunde westlich vom Mutterort in einem Seitenthälchen des Glattthales liegt.

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