Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Saulgau/Kapitel B 3

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 2 Beschreibung des Oberamts Saulgau Kapitel B 4 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
3. Altshausen; 903 G.Einw.

1) Altshausen, ein kath. Pfarrdorf mit Marktgerechtigkeit und einem K. Landschlosse[ws 1], 23/4 St. von Saulgau, mit 820 Einw.; Sitz eines Hof-Cameralamts, eines Hofkammerförsters und eines Post-Amts. Grundherrschaft: die K. Hofdomänenkammer, welche auch ein eigenthümliches, in Pacht gegebenes Maiereygut dort hat. Den großen Zehnten hat die Grundherrschaft; andere Zehnten werden nicht gereicht.

Der Name Altshausen wird gemeiniglich Altschhausen oder Alschhausen gesprochen, und deßwegen häufig auch so geschrieben. In älteren Zeiten findet man auch Alshausen und Alleshausen geschrieben, was zu Verwechslungen mit dem Dorfe Alleshausen am Federsee Veranlassung gegeben hat.

| Der Ort liegt am Fuße einer Anhöhe, an der Landstraße von Saulgau nach Ravensburg, und wird von einem kleinen Bache, Mühlbach genannt, bewässert. Er hat gute Gebäude, welche häufig mit niedlichen Blumengärtchen verbunden sind. Das K. Schloß liegt auf einer Erhöhung zur Seite des Fleckens. Es war vormals Sitz des Land-Commenthurs, und ist ein sehr ansehnliches Gebäude, mit vielen und schönen Zimmern versehen, welche in neuerer Zeit noch verschönert worden sind. Den Grundstein dazu hat der Land-Commenthur Freiherr von Reinach i. J. 1729 gelegt. In dem zweiten Stockwerke befindet sich ein sehr schöner langer Gang, worin noch die Bildnisse der Land-Commenthure aufgehängt sind, die nur bedauern lassen, daß die Sammlung nicht mehr vollständig ist, weil früher diejenigen Bilder, welche ausgestorbenen Familien angehörten, verkauft worden sind. Aus den Fenstern der Vorderzimmer genießt man den erhabenen Anblick der Alpenkette mit ihren beschneiten Höhen und Gipfeln. An das Schloß reihen sich schöne Ökonomie- und andere Gebäude, darunter auch ein Reithaus und Theater, an, welche mit jenem zusammen einen ansehnlichen Schloßhof einschließen. Ein sehr schönes Portalgebäude bildet den Eingang in den Hof, und das Ganze hat ein wirklich großartiges Aussehen. In dem Hofe selber steht noch ein älteres, ebenfalls gut erhaltenes, Schloß und hinter diesem die Pfarrkirche. Nach dem Bauplane sollten diese beyden Gebäude abgebrochen, und die Kirche sollte in der Form des Gebäudes, das die Reitschule und das Theater enthält, und als Seitenstück von diesem in die Linie gesetzt werden. Hinter dem Schloßhofe liegt ein großer Garten, der, nach den Spuren zu urtheilen, einst sehr schön und kostbar angelegt gewesen seyn muß, und einen Garten-Pavillon enthält. Auf der andern Seite außerhalb des Schlosses, vor dem Portal, steht eine Reihe niedlicher, ganz gleich gebauter Häuser, welche ehemals Rittern und herrschaftlichen Beamten zur Wohnung gedient haben, nun aber größtentheils in Privateigenthum übergegangen sind. Von dem Portale aus führt eine lange Allee | in das Thal und in den darin liegenden Wald hinab. In dem Walde befinden sich allerley anmuthige Anlagen und darin auch ein mit mancherley Inselchen besetzter Weiher, der s. g. Hardtweiher.

Die Pfarrkirche St. Michael war ehemals zugleich Hofkirche, und ihr Inneres hat auch ganz das Aussehen einer solchen. Es befinden sich darin mehrere Denkmähler und eine Gruft der Land-Commenthure, auch eine, gleichwohl von vorne herein, unvollständige Tafel mit den Wappen und Namen derselben. Die Kirche wurde i. J. 1413 von dem Land-Commenthur Marquart von Königsegg ganz neu erbaut; im Laufe der Zeit aber erlitt sie mancherley Veränderungen, und man findet deßwegen auch verschiedene Jahreszahlen daran. Eine Hauptrenovation scheint der Land-Commenthur von Neuburg 1612 und nachher damit vorgenommen zu haben. Die Seiten-Kapelle mit der Gruft wurde i. J. 1630 von dem Land-Commenthur von Stein erbaut. Außer der Pfarrkirche hat Altshausen noch 4 Kapellen – die Mariakapelle, die Kreuzkapelle, die Gottesackerkapelle und die St. Anna-Kapelle, welche alle außerhalb des Orts stehen. In den beyden erstern wird wochentlich noch eine Messe gelesen. Kirche und Capellen werden von der Kirchenpflege und aushülflich von der K. Hofkammer im Bau erhalten. Am südöstlichen Ende des Dorfs stehen auch noch 2 ansehnliche Gebäude, die ehemaligen Contingents-Kasernen, welche jetzt als Privat-Eigenthum von 24 Familien bewohnt sind.

Die Einwohner von Altshausen nähren sich größtentheils von Ackerbau und Viehzucht. Der Ort hat übrigens mehrere städtische Gewerbe, und eine Filial-Apotheke von Saulgau, ferner 3 Schildwirthschaften, 1 Bierbrauerey, 2 Mahlmühlen, 1 Sägemühle mit einer Öhl- und Hanf-Mühle, 1 Ziegelhütte und eine Glasurmühle, welche mit Ausschluß der letztern und der Schildwirthschaften sämmtlich hofkammerliches Eigenthum sind. K. Ferdinand III. hatte im Jahr 1642 dem Land-Commenthur von Stein das Privilegium| gegeben, in dem Flecken Altshausen Zünfte aufrichten zu dürfen, und es hatten auch bis auf die neueste Zeiten 2 Zunftladen, die eine für die s. g. leichten, die andere für die schweren Handwerker, bestanden. Durch die veränderten Verhältnisse haben die Gewerbe freylich sehr Noth gelitten. Jährlich werden 2 Vieh- und Krämermärkte abgehalten.

Die Pfarrey ist mit einem Pfarrer, einem Caplan und einem beständigen Vikar bestellt. Filiale der Pfarrey sind: Arnoldsreute, Baltshaus, Eichstegen, Hackenmoos, Hangen, Häuser, Hirscheck, Käfersulgen, Ingenhardt, Litzelbach, Mendelbeuren, Ragenreute, Reute, Sägemühle, Stuben , Wolfartsreute, Ziegelhütte und theilweise Kreenried. Ehemals gehörten auch darein: Königseck, Watt, Bauhof, Lichtenfeld, Malmishaus, Ober-Eichen, Oberweiler, Schreckensee, Thiergarten und Wiesenhofen, die i. J. 1815 getrennt, dagegen Hackenmoos und Stuben zugetheilt wurden. S. Ebenweiler. Sämmtliche Filiale haben ihre Schule und ihren Kirchhof in Altshausen. Das Patronat der Kirche hat der König. In frühern Zeiten waren neben dem Pfarrer 4 Caplane oder Vikare aufgestellt. Die Kirche war, wie gewöhnlich, von ältern Zeiten her, dem Deutschorden einverleibt, und wurde es noch mehr durch einen Vergleich von 1764, wonach der Pfarrer das Pfarrhaus sammt dem noch übrig gebliebenen Einkommen an die Commende abtrat, und von nun an mit den Caplanen zusammen in dem s. g. Seminar auf Rechnung der Herrschaft lebte. Von den Caplaneyen wurde die eine noch zur deutschordenschen Zeit, eine zweyte i. J. 1806 aufgehoben, und eine dritte wurde 1816 in ein ständiges Vikariat verwandelt. Der Pfarrer war i. J. 1806 wieder auf ein festes Einkommen gesetzt worden.

Anstalten finden sich außer einer Schule, womit eine weibliche Industrie-Schule im Nähen, Stricken und Sticken verbunden ist, und einem Armen- oder Leprosenhaus keine in Altshausen. Das Armenhaus hat ein Capital-Vermögen von 2000 fl. Mit demselben ist aber noch die s. g. Landschafts-Armenkasse mit einem Vermögen von 23.000 fl.| verbunden, welche im Jahr 1784 gebildet wurde, und für die vormalige Landschaft Altshausen bestimmt ist. Die K. Hofkammer schießt noch einen jährlichen Beytrag von 725 fl. Geld und einigen Scheffeln Früchten zu. Wie überall in Oberschwaben, besteht auch in Altshausen und in dessen Bezirk eine Schützengesellschaft, an welche die Hofkammer jährlich 28 fl. 30 kr. zu entrichten hat.


Geschichte des Orts und der Commende Altshausen.
Büsching in seiner Erdbeschreibung und nach ihm eine Menge anderer Geographen machen aus unserem Altshausen ein Reichsdorf, und das geographische Lexikon von Schwaben bemerkt dabey noch, daß es als solches von dem d. Orden oft angefochten, durch den westphälischen Frieden aber in seinen Rechten wieder hergestellt worden sey. Allein die ganze Sache beruht auf einer Verwechslung des Orts mit dem fränkischen Altshausen bey Mergentheim. Den Beweis davon findet man vollständig in Moser von den Reichsständen p. 1513. In der älteren Zeit gehörte der Ort, wenigstens in Beziehung auf Grundherrschaft, den Grafen von Veringen und den mit ihnen verwandten Grafen von Grüningen. Vergl. Würt. Jahrbücher 1827. H. 2. S. 434. u. ff. Ein Zweig der Grafen von Veringen nannte sich sogar von Altshausen: bey der Einweihung der Kirche zu St. Georgen, i. J. 1085, waren zugegen: Manegoldus de Aleshusen et Veringen und Wolfhardus, sein Sohn. Beyde Grafen erscheinen wieder in der Stiftungs-Urkunde des Klosters Ochsenhausen v. J. 1100, mit der Unterschrift: Manegoldus comes et filius ejus Wolferadus de Isinun et de Alshusen. Hermann der Lahme, ein Sohn des Grafen Wolfrads II. von Veringen, wird nach seinem 1054 erfolgten Tode, von der Reichenau nach Altshausen geführt, um hier auf dem väterlichen Boden neben seiner Mutter Hiltrude| begraben zu werden[1]. In späterer Zeit, wahrscheinlich aber schon im 12ten Jahrhundert, waren die Grafen von Grüningen im Besitze von Altshausen, neben ihnen aber theilweise auch noch die von Veringen. Nach Altshäuser Urkunden verkaufte Graf Hartmann von Grüningen i. J. 1246, wenn nicht schon früher, das Dorf A. an Heinrich von Bigenburg, Camerarius Ecclesiae in Aleshusen[2]. Graf Hartmann, der sich noch die Lehensrechte vorbehalten zu haben scheint, eignet 1264 dem Kamerer von Bigenburg die Lehen zu Altshausen mit dem Patronatrecht, und überläßt sie ihm in der Art, „wie er sie von seinen Voreltern her besessen." Unter den Zeugen erscheint in der Urkunde auch ein Ritter Ulricus de Alshusen. In demselben Jahre 1264 schenkt, laut Urkunde, Heinrich von Bigenburg, die Erwerbung dem deutschen Orden, und wurde so der Stifter des Hauses, oder der Commende, Altshausen. Noch ehe aber Altshausen Eigenthum des Ordens geworden war, schon i. J. 1228, hatte Graf Conrad von Würtemberg-Grüningen dem Orden auch einen Hof in dem benachbarten Dorfe Marbach geschenkt, und wir verdanken dieser Schenkung die merkwürdige Urkunde, welche sich in dem 1sten | Hefte der oben angezeigten Würt. Jahrbücher abgedruckt findet. Graf Hartmann schenkte dem Orden noch i. J. 1269 Güter in Altshausen, womit er verschiedene Edelleute belehnt hatte[3]; 1270 gab auch Heinrich von Schmalenegg die Güter, die er in Altshausen von den Grafen von Grüningen zu Lehen hatte, hin. Im J. 1274 schenkte Graf Heinrich von Neu-Veringen dem Orden den Förster und seine Familie und andere der Kirche zu Veringen gehörige Leute in Altshausen (forstarium de Alshusen et ejus geneloiam ac alios homines ecclesie in Veringen pertinentes); 1276 that auch Graf Mangold von Nellenburg das Seinige hinzu, indem er Wiesen zu Altshausen, „beym alten Weiher," schenkte. Nachdem der Orden einmal in dem Besitze von Altshausen war, vergrößerte sich dessen Gut schnell durch andere Erwerbungen und Schenkungen, und bald war die Commende Altshausen eine der bedeutendsten und einträglichsten des Ordens. Im Jahr 1389 verlieh K. Wenzel der Commende Stock und Galgen, d. h. die hohe Gerichtsbarkeit, in des Hauses und Dorfs (Altshausen) Bann und Zugehörung, mit dem Beysatze, daß der Landvogt in Schwaben (die Hoheit hatte also früher die Landvogtey?) daran nicht hindern und irren solle. In späterer Zeit wurde die Commende Altshausen mit der Würde eines Land-Commenthurs von der Balley Elsaß und Burgund, oder, wenn man will, umgekehrt, verbunden. Der Zeitpunkt ist nicht genau bekannt; es muß aber zwischen 1400 und 1410 geschehen seyn; denn der Land-Commenthur Heinrich von Schletten, der, wie seine Vorgänger, in mehreren Urkunden von 1391 bis 1400 als bloßer Commenthur von Altshausen erscheint, wird in einer Urkunde von 1410 erstmals „Land-Comtur der Balley Elsaß| und Burgund, und Comtur des Hauses Altshausen" genannt, und von dieser Zeit an blieb die Verbindung bis zur Auflösung des Ordens[4].

Zu der Balley Elsaß und Burgund gehörten 15 Commenden: 5 in der Schweiz, 5 im Elsaß und 5 in Schwaben. Von den erstern waren zwei, Bern und Sumiswald, schon im 16ten Jahrhundert abgerissen worden, die andern in der Schweiz und die im Elsaß gingen vollends, mit Ausnahme der Commende Hitzkirch, durch die französische Revolution verloren. Die schwäbischen Commenden waren: Altshausen, Mainau, Beuggen, Freyburg, Rohr und Blaichen oder Waldstetten. Diese Commenden waren in der Regel mit eigenen Commenthuren besetzt, welche auch die Einkünfte davon bezogen; um aber das Einkommen des Land-Commenthurs zu vermehren, war außer Altshausen in späterer Zeit auch die Commende Waldstetten unbesetzt geblieben. Die Commende Altshausen theilte sich in folgende 7 Herrschaften: Altshausen, Arnegg, Illerrieden, Ellenhofen, Achberg, Blumenfeld (zum Theil), Hohenfels. Die letztere war zwar zu einer Commende erhoben worden, aber zum Besten des Land-Commenthurs ebenfalls unbesetzt geblieben, und wurde als Bestandtheil der Commende Altshausen behandelt.

Der Land-Commenthur wurde als solcher unter die Reichs-Prälaten gerechnet, als Commenthur von Altshausen gehörte er zu den Reichs-Grafen, und nahm auf den Kreistagen den ersten Sitz auf der Grafen- und Herrenbank ein.| Die Reichs-Grafschaft Altshausen ist jedoch wieder zu unterscheiden von der Commende Altshausen: zu jener gehörten auch die Commenden Mainau, Rohr und Blaichen, dagegen standen die Herrschaften Arnegg, Achberg und Ellenhofen in ritterschaftlichem Verbande. Die zur Reichsgrafschaft gehörigen Commenden und Herrschaften waren Landstände derselben, und steuerten zur Landschaftskasse Altshausen; Mainau hatte überdieß jährlich 20 Fuder Wein an den Land-Commenthur abzugeben.

Die Verwaltung bildete eine Art von klösterlichem Haushalt; fast alle Angestellten wurden von Hof aus verpflegt. An der Spitze der Verwaltung stand der Land-Commenthur, unter ihm ein Haus-Commenthur; einige wenige Beamte – ein Balleyrath, ein Oberamtmann, der zugleich Balley-Syndikus war, und als solcher einen Sekretär und Registrator unter sich hatte, ein Rentmeister, ein Waisenpfleger, Arzt und Baudirector nebst einigen Jägern machten das ganze Hof-, Kanzlei- und Beamten-Personal aus. Zahlreicher war der Stand der niedern Dienerschaft besetzt. Die Einkünfte der Land-Commenthurey floßen fast ganz aus der Commende Altshausen, und von dieser wieder größten Theils aus der Herrschaft Altshausen. Es wurden nämlich dieselben bey der Auflösung der Land-Commenthurey folgendermaßen berechnet:

a) von der Herrschaft Altshausen      
      1) Cameralgefälle
      2) Steuern
73.940 fl.     }
2.765 fl.     }
76.705 fl.
b) von den übrigen Herrschaften,
     reine Einlieferung
      8.852 fl.
Zusammen 85.557 fl. [5]

Unter b) befanden sich Arnegg mit 5131 fl., Illerrieden mit 787 fl.

| Die Steuern floßen in die allgemeine Landschaftskasse, und dienten zur Bestreitung der Reichs- und Kreislasten. Sie hafteten auf dem Grundbesitze und den Gewerben. Neben der allgemeinen Landschaftskasse gab es noch s. g. gemeine Landschaftskassen der zugehörigen Commenden und Herrschaften, welche zu jener im Verhältnisse, wie unsere Amtspflegen zur Staatskasse standen. Die übrigen Einkünfte floßen in die Rentamtskasse. Von denselben gingen voraus weg: das s. g. Deputat des Land-Commenthurs mit 6.000 fl., das des Haus-Commenthurs mit 1250 fl; die Besoldungen und Gehalte der Commenthurey-Diener, welche sich zusammen mit obigen Summen auf ungefähr 33.000 fl. beliefen. Über den Rest konnte der Land-Commenthur nach Belieben verfügen. Für die Land-Commenthurey als solche bestand noch eine besondere Balleykasse, deren Vermögen und Einkünfte aus Beyträgen der Commenden, aus Schenkungen und Vermächtnissen von Ordens-Mitgliedern und in den Aufschwörungs-Geldern neu aufgenommener Ritter bestanden, und woraus die Land-Commenthurey-Ausgaben – hundertste Pfenning (jährl. 146 fl. 50 kr.) zur Generalkasse in Mergentheim, Beiträge zu Legationskosten, Besoldungen der Balley-Kanzley, und Unterstützung einzelner Ritter – bestritten wurden.

Noch bestanden als wohlthätige Anstalten: 1) die Waisenkasse, 2) die Allmosenkasse, und 3) wie noch jetzt, das Armen- oder Leprosenhaus mit der Landschafts-Armenkasse. Die Waisenkasse war ursprünglich eine Sparkasse, worin die ärmern Unterthanen und insbesondere Waisen und Dienstboten ihre Baarschaft zu 5 Prct. anlegen konnten. Im Jahr 1782 wurde beschlossen, auch andere Gelder, jedoch nur zu 3–4 Prct. anzunehmen. Der Kassenstand war am Ende bis nahe an 200.000 fl. gestiegen. Für die Armen wurden außerdem noch durch jährliche Unterstützungen von der Land-Commenthurey gesorgt.

Sechsthalbhundert Jahre hatte die Commende Altshausen bestanden, als im Jahre 1806 der deutsche Orden aufgehoben| wurde. Die Land-Commenthurey Elsaß und Burgund wurde folgendermaßen vertheilt: Würtemberg erhielt mit einigen Ausnahmen die Commende Altshausen, Baiern die Commende Waldstetten, Baden die Commenden Mainau, Beuggen und Freyburg und die Schweiz die Commende Hitzkirch. Von der Commende Altshausen kamen die Herrschaften Altshausen, Arnegg und Illerrieden an Würtemberg, dagegen die Herrschaft Ellenhofen an Baiern, Blumenfeld an Baden, Hohenfels und Achberg an Hohenzollern-Sigmaringen.

Am 9. Sept. 1806 nahm Würtemberg von Altshausen Besitz und es wurde nun die Land-Commenthurey förmlich aufgelöst. Der letzte Land-Commenthur war der Freyherr von Forstmeister, ein ehrwürdiger Greis, der i. J. 1814 zu Altshausen starb. Der letzte Haus-Commenthur war der noch in Altshausen lebende Graf von Frohberg. In der Landschaftskasse fanden sich bey der Übergabe zwar 126.973 fl. Schulden, dagegen aber auch 118.938 fl. Vermögen, größtentheils Capitalien. Die Balleykasse besaß 229.717 fl. Capital und baares Geld nebst ungefähr 43.000 fl. unsichern Forderungen, Schulden gar keine. Das Vermögen dieser beiden Kassen wurde unter Würtemberg, Baiern, Baden und Sigmaringen vertheilt. Würtemberg erhielt, in Folge der Auseinandersetzung im Jahr 1809: 1) von der Landschaftskasse Vermögen 29.814 fl., Schulden 16.300 fl.; 2) von der Balleykasse 85.628 fl. Von letzterer erhielt Baiern 15.565 fl., Baden 110.394 fl., Hohenzollern-Sigmaringen 18.325 fl., nach Verhältniß des Antheils der ihnen von der Land-Commenthurey zugefallen war, der also daraus zugleich ersichtlich ist. Von den Schulden der Landschaftskasse war ein Theil mit der Commende Hitzkirch, auf die er besonders versichert war, an die Schweiz übergegangen.

Die Herrschaft Altshausen, die uns hier zunächst angeht, hatte für sich keine Schulden, vielmehr noch 38.288 fl. Capitalien und baares Geld. Die Einkünfte des Land-Commenthurs beruhten, wie schon gezeigt worden, fast ganz auf| dieser Herrschaft. Aber mit derselben war von Würtemberg auch eine jährliche Pensions-Last von 48.525 fl. übernommen worden, worunter sich 20.000 fl. befanden, welche von dem König Friederich nebst dem freyen Sitze in dem Schlosse, mit seiner ganzen Einrichtung, dem Land-Commenthur als jährliche Pension ausgesetzt worden waren.

Die Herrschaft Altshausen bestand 1) aus den jetzigen Gemeinden Altshausen, Ebersbach, Eichsteegen, Fleischwangen, Hochberg und Pfrungen, sodann 2) in der jetzigen Gemeinde Boms und den Orten Ried und Zollenreute, ferner 3) in auswärtigen Gefällen, Rechten und Gütern, darunter auch Rebgütern am Bodensee und einer Alp in Vorarlberg. In dem ersten Bezirke, worin übrigens i. J. 1806 nicht mehr als 1928 Einwohner gezählt wurden, war der Land-Commenthur Landes- und Grundherr, in den andern blos Grundherr, und die Landeshoheit war ein Zugehör der östreichischen Land-Vogtey Schwaben. Durch den Pfandschafts-Vertrag mit Östreich v. J. 1759 erhielt derselbe jedoch auch in diesem Bezirke die Hoheits-Rechte von Östreich.

Nach dem Übergang an die Krone Würtemberg wurde die Herrschaft Altshausen zum Oberamt Saulgau getheilt, in Altshausen selber aber ein eigenes Cameral-Amt errichtet. Als aber durch den Staatsvertrag mit der Krone Baiern vom 18. Mai 1810 die zur Königl. Hofkammer gehörige Herrschaft Weiltingen an Baiern abgetreten wurde, wählte König Friederich die Herrschaft Altshausen nebst Arnegg und Illerrieden zum Ersatz, vertauschte aber bald darauf die Güter und Gefälle am Bodensee gegen gelegenere Besitzungen, und bildete so i. J. 1811 das Hof-Cameralamt Altshausen, wovon jedoch i. J. 1814 mehrere Gefälle außerhalb des eigentlichen Amts-Bezirks nebst den Orten Altmansweiler, Röhren und Spiegler, und i. J. 1819 auch sämmtliche Hoheits-Gefälle an die K. Ober-Finanzkammer abgegeben wurden. Was die besondern Schicksale des Orts Altshausen betrifft, so ist noch zu bemerken, daß derselbe i. J.| 1434 ganz abgebrannt, und wieder im dreißigjährigen Kriege mit mehrern andern Orten der Umgegend geplündert und eingeäschert worden seyn soll. S. S. 16 u. f.

In der Umgebung von Altshausen liegen 4 Weiher: 1) der alte Weiher; 2) der Hardtweiher; 3) der Dornaweiher; 4) der Litzelbacher Weiher, welche zusammen 3011/2 Morgen enthalten. Von den drey erstern ist oben, S. 32, schon nähere Nachricht gegeben; der Litzelbacher Weiher, welcher unterhalb des Dorfes liegt, ist nur 43/8 M. groß, und Privat-Eigenthum. Die Gegend von Altshausen ist überhaupt sehr wasserreich und das Thal insbesondere sehr versumpft. S. M. der König ließ deßwegen dieselbe i. J. 1821 durch den Königl. Ober-Wasserbau-Director, Obersten von Duttenhofer untersuchen, in der Absicht, eine Entwässerung des Achthals, und somit auch des Altshauser Thals vorzunehmen. Der Plan scheiterte aber an dem Vorurtheil der Anwohner, daß der fast ganz aus Wiesen bestehende Grund im trockenen Zustand einen geringeren Ertrag gewähren würde.

Zu dem Ort Altshausen gehören:

1) das Armenhaus oder Gutleuthaus, unfern[ws 2] der Ravensburger-Straße, s. o.;

2) die Gottesacker-Capelle zu St. Salvator, mit der Todtengräbers-Wohnung, auf der Anhöhe von Altshausen;

3) die Ziegelhütte, welche herrschaftliches Eigenthum und verpachtet ist, 1/2 Viertel Stunde von dem Orte, mit 1 Familie.

Zu der Gemeinde Altshausen gehören ferner:

4) die Dornasäge, 1/2 Stunde nordöstlich von Altshausen, mit 6 Einw., Filial von Altshausen. Sie liegt an dem oben genannten Dornaweiher, von dessen Ausflusse sie getrieben wird, und ist mit einer Öhl- und Hanfmühle verbunden. Sie ist ebenfalls herrschaftliches Eigenthum und verpachtet.

| 5) Arnoldsreute[ws 3]; gemeiniglich Anis- oder Anetsreute gesprochen und Arnetsreute geschrieben, ein eigenthümlicher Hof der K. Hofkammer, 3/4 St. nördl. von Altshausen, s. u.

6) Lichtenfeld, ebenfalls ein eigenthümlicher Hof der Hofkammer, 1 St. nördlich von Altshausen, mit 1 Pächter-Familie, ehemals Filial von Altshausen, seit 1815 von Ebersbach. Der Hof ist dermalen mit den Höfen Arnoldsreute und Thiergarten verpachtet. S. S. 57. Er hat schöne Gebäude und Einrichtungen. Ehemals war er Absteigquartier für den Land-Commenthur während der Erntezeit; in ältern Zeiten aber ein adelicher Sitz. Adelheid, Wittwe des Ritters Heinrich von Lichtenfeld, und Nichte Heinrichs von Ebersberg, verschenkte und verkaufte 1327 und 1329 ihre Güter zu L. an den D. Orden, der schon 1276 und 1307 von Heinrich von Wartenberg, Vater und Sohn, Güter daselbst zum Geschenk erhalten hatte. Zu dem Hofe gehörte ein Garten und Feld, das von einem abgegangenen Hofe Füllenstock genannt wird.

7) Thiergarten, ein in der Nähe von Lichtenfeld gelegener eigenthümlicher K. Hofkammerhof, Filial von Ebersbach, früher von Altshausen. S. Lichtenfeld. Der Hof hat seinen Namen von einem ehemaligen Thiergarten, der i. J. 1699 aufgehoben, und mit dem Lusthause, das darin gestanden hatte, in einen Hof verwandelt wurde.

8) Mendelbeuren, ein kath. Weiler, 3/4 St. von Altshausen, an der Straße nach Ravensburg, mit 77 Einw., Filial von Altshausen. Grundherrschaft: K. Hofkammer; den großen Zehnten bezieht die Grundherrschaft, andere Zehnten werden nicht gereicht. Der Ort wird von dem Mühlbach bewässert, der dort eine Mühle treibt. Die Häuser sind noch großen Theils mit Stroh bedeckt. Es gab ehemals Herren von Mendelbeuren, welche ihren Sitz vermuthlich in dem s. g. Burgstall hatten. Nach ihnen findet| man die von Stuven im Besitze. I. J. 1430 trägt der Freyherr Stubenberg von Stuben dem Bischof von Constanz Mendelbeuren und den Burgstall daselbst zu Lehen auf, um andere Besitzungen dagegen frey zu machen. I. J. 1461 ist dieses Lehen schon im Besitze des D. Ordens. In der Nähe des Orts befinden sich mehrere, zum Theil mit Tannen bewachsene Hügel, welche sichtbar Menschenwerk und vermuthlich Grabhügel sind. Ehemals befanden sich auch zwey Weiher in der Nähe, der große und der kleine Mendbelbeurer Weiher, wovon der erstere 45, der letztere ungefähr 10 Morgen enthielt. Der kleine ist schon längst ausgetrocknet und zu Wald angelegt, der große wurde erst i. J. 1807 trocken gelegt, und ist nun als Wiese von der Herrschaft verpachtet.
  1. Hiltrude war 2 Jahre vorher, 1052, gestorben, und wurde, wie Hermann selbst erzählt, in dem Dorfe Alleshusan in der von ihr erbauten Kapelle St. Ulrich und in dem Grabe, das sie sich selbst zubereitet hatte, beygesetzt. S. Chron. Herm. contr. ad a. 1052. Man lese daselbst die schöne Grabschrift, die ihr der fromme Sohn setzen ließ: Mater egenorum, spes auxiliumque suorum, Hoc Hiltrud tumulo debita reddit humo etc. Die Capelle stand auf der Anhöhe bey dem Ort. Der Streit, ob unter dem Orte unser Altshausen, oder aber Allershausen am Federsee zu verstehen sey? konnte nur aus Unkenntniß der geschichtlichen Umstände entstehen. Noch im 17ten Jahrhundert war der Sarg Hermanns in Altshausen aufbewahrt; im Jahr 1626 wurden dem Kloster Weingarten sein Schedel und ein Arm, und 1651 dem Kloster Ochsenhausen 3 andere Gebeine daraus mitgetheilt.
  2. Die Urkunde, welche sich jezt in dem K. Staatsarchiv befindet, ist nicht eigentlich die Verkaufs-Urkunde; sie enthält nur eine, in Folge des geschehenen Kaufs getroffene, Übereinkunft wegen der Leibeigenen; „Actum in Alshusen."
  3. Die Schenkung wird bereits dem deutschen Hause in Altshausen und nicht mehr, wie früher, dem deutschen Hause in Jerusalem, wo der Orden i. J. 1190 gestiftet wurde, gemacht.
  4. Die Land-Commenthureyen waren anfänglich bloße Ämter, welche die Commenden zu beaufsichtigen und zu visitiren hatten. Erst gegen das Ende des 15ten und zu Anfang des 16ten Jahrhunderts wurde, um ihnen ein festes Einkommen und einen festen Sitz zu verschaffen, eine Commende, oder ein Ordenshaus, wie man sie nannte, damit verbunden. – In zwey Urkunden von 1296 kommen nebeneinander Engelhardus provincialis per Alsatiam et Burgundiam und Heinricus de Opphingen Commendator in Alshusen vor. Der letztere scheint dem Verfasser der Tafel in der Kirche, die erst mit 1311 anfängt, entgangen zu seyn.
  5. Darunter in Geld ungefähr 17.000 fl., in Naturalien 54.000 fl., wobey freylich die Früchte nach damaligen Preisen, 1 Scheffel Dinkel z. B. zu 7 fl., angeschlagen wurden.
Anmerkungen Wikisource