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Beschreibung des Oberamts Saulgau/Kapitel B 23

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23. Bolstern; 359 G.Einw.

1) Bolstern, ein kath. Pfarrdorf, 5/4 St. südw. von Saulgau, mit 302 Einw. Sitz eines Revierförsters. Die Zehnten bezieht die Pfarrei;, Öhmdzehnten wird nicht gereicht. Die Pfarrey hat auch Antheil an den Zehnten zu Holzmühle, Fulgenstadt, Wilfertsweiler und Ertingen, Das Patronat hatte vormals das Kloster Heiligkreuzthal, jetzt ist es landesfürstlich.

B. liegt von Waldungen umgeben, am Anfang des Fulgenstadter Thals, und wird von dem kleinen Wagenhäuser Bächlein bewässert. Die Pfarrkirche zum h. Gallus wurde 1817 ganz neu gebaut. Die Kirche war noch nicht ganz fertig, als der Thurm wieder einstürzte und 10 Arbeiter dabey verunglückten, wovon 2 todt auf dem Platze blieben. Die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses haben die Kirchenpflege und der Pfarrer als Zehentherr. Um einen Baufonds zu schaffen, ist die Pfarrey seit einigen Jahren unbesetzt. Filiale von Bolstern sind Holzmühle und Sägemühle, und seit 1816 auch Eratskirch. Der Ort hat mehrere Fruchthändler, 1 Harzbereiter, 1 Brauerey und 2 Schildwirthschaften. Ein nicht unbedeutender Erwerbszweig ist auch die Köhlerey. Bolstern bildete ehemals ein eigenes Amt der Grafschaft Friedberg, das auch das Amt Sießen genannt wurde, weil es die Besitzungen des Klosters Sießen umfaßte. B. kommt schon i. J. 817 vor (s. Neugart C. D. Nr. 193). Der Besitz des Orts war schon frühe getheilt; ein Theil war mit Saulgau und Friedberg von Östreich erkauft worden; 7 Lehenhöfe nebst Söldgütern besaß das Kloster Sießen; das Patronat und Vogtrecht der Kirche hatten ehemals die Grafen von Landau; von ihnen kam es auf das Kloster Heiligkreuzthal. – In einer alten Grenzbeschreibung kommt vor : „die alte Burg am Wege von Bolstern nach Weiler."

2) Eratskirch, ein kath. Weiler, 11/2 St. südlich von| Saulgau, mit 45 Einw., Filial von Bolstern; die Zehnten bezieht die Grundherrschaft, mit Ausnahme von 15 Jchrt., welche zur K. Hofkammer zehnten.

Eratskirch, häufig auch Heratskirch, in alten Schriften aber Erartskirch geschrieben, will vermuthlich so viel als Erhardskirch heißen. Der Ort liegt ziemlich hoch zwischen Wäldern, an der großen Wasserscheide zwischen der Donau und dem Rhein, und am Hange eines ansehnlichen Hügels, der Michelsbühl genannt, einem der höchsten Punkte des Oberamts, worauf man eine unermeßliche Aussicht hat. Er hat eine Capelle, ohne ordentlichen Gottesdienst, und war bis 1816 nach Sießen eingepfarrt. Das Kloster Sießen war Grundherr von Eratskirch, die Landeshoheit war immer Friedbergisch. Beli und Walther v. Königsegg verkauften i. J. 1373 das Gut zu Heratskirch mit Zwing und Bännen, mit Gericht, Vogtey, mit Kilch und Kilchensatz an das Kloster Sießen um 600 lb. Die Kirche wurde 1447 dem Kloster einverleibt. Das Kloster bezog zu Eratskirch, Bogenweiler, und auf seinem Antheile an Bolstern die 5te Garbe; i. J. 1787 aber wurde dieselbe in eine Gült verwandelt. Mit dem Kloster kam 1803 auch die Grundherrschaft über Eratskirch an Taxis. Zwischen Bolstern und Eratskirch wird ein kleiner Hügel „beym Schlößle“ genannt. Eine Zellge der Markung führt den Namen Gauösch.

3) Holzmühle, eine Mahl- und Öhlmühle mit einem Hofgut, 3/4 St. unterhalb Bolstern, mit 3 Einw. Filial von Bolstern. Das Gut hat eine eigene Markung, auf welcher der Standesherr, zum Theil auch die Pfarreyen Bolstern und Fulgenstadt die Zehnten beziehen.

4) Sägemühle, Sießer Säge genannt, eine Säge- und Öhlmühle mit Hanfreibe, oberhalb der Holzmühle an einem Weiher, mit 9 Einw., Filial von Bolstern. Die Mühle wurde 1699 von dem Kloster Sießen erbaut und ist fürstl. Th. und Tax. Falllehen. In der Nähe stand früher| ein Weiler oder Hof Wagenhausen genannt, in dessen Besitz das Kloster Sießen 1260 gekommen ist, und der noch lange nachher häufig vorkommt.