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Beschreibung des Oberamts Rottenburg/Kapitel A 6

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« Kapitel A 5 Beschreibung des Oberamts Rottenburg Kapitel A 7 »
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VI. Nahrungsstand.
1. Vermögen.

Bestand und Vertheilung des in Betracht kommenden Vermögens ist größtentheils aus anliegenden Tabellen zu ersehen.

Nach dem Geldwerth beträgt es nach den früheren zu Grund gelegten Anschlägen:

Mithin auf 1 Einwohner:
 1) Grundeigenthum 7.037.254 fl.
 2) Gebäude 3.297.300 fl.
 3) Vieh     335.174 fl.
10.669.728 fl.
Davon kommen auf den Staat:
 1) Grundeigenthum 112.314 fl.
 2) Gebäude   136.000 fl.
248.314 fl.
Das steuerbare Vermögen macht an:
 Grundeigenthum 6.925.026 fl.
 Gebäuden   2,952.500 fl.
9.877.526 fl.
 a) ohne Vieh 368 fl.
 b) mit Vieh 381 fl.
In dem Oberamt    Reutlingen a) 356 fl. b) 369 fl.
–      –     –           Münsingen – 399 fl. -  422 fl.
–      –     –           Ehingen – 502 fl. –  520 fl.
–      –     –           Riedlingen – 550 fl. -  578 fl.
In den beyden letzten meist Lehengut.
| Der Vermögensstand hat sich auch in hiesiger Umgegend, wie überall, bedeutend vermindert; doch herrscht noch in einzelnen Orten zum Theil Wohlhabenheit. Die vermöglichsten Orte sind: Rottenburg, Ofterdingen, Seebrunn, Wolfenhausen, Nellingsheim, Schwalldorf, Frommenhausen; die minder vermöglichen: Hirschau, Obernau, Dettingen, Hemmendorf, Hirrlingen, Bodelshausen, Bühl, Mössingen, Thalheim. Die übrigen stehen in der Mitte. Auch hier zeigt sich der Einfluß guter Ortsvorsteher, er wirkt nicht nur wohlthätig auf den Zustand des Gemeindehaushalts, sondern auch auf den der einzelnen Ortsangehörigen. Unter ihm haben sich in neuerer Zeit z. B. Bodelshausen und Öschingen, früher ganz schlecht stehende Orte, sichtbar gehoben.


2. Wirthschaft.
A. Landbau.
a. Gewinnung von Mineralien.

Eisenerze, die hauptsächlich auf der Markung von Thalheim, gegen Willmandingen hin, vorkommen, werden bis jetzt nicht benutzt.

Steinbrüche sind sehr häufig im Oberamte, und zwar in Sandsteinen zu Seebrunn, Wendelsheim, im Rottenburger Wald, auf dem Heuberg, nicht fern von dem Wartthurm, in den Markungen von Dettingen, Weiler, Obernau, Wurmlingen und Hirschau, auch zu Bodelshausen und Hirrlingen. Der Verschleiß der Sandsteine von Seebrunn und Wendelsheim ist sehr beträchtlich: sie werden zu Säulen, Platten, Wassertrögen etc. gehauen; auch die von Wendelsheim in beträchtlicher Größe, bis zu 9–10 Schuh im Durchmesser und 1–11/2 Sch. in der Dicke, zu Schleifsteinen benutzt.

Gypssteine werden besonders zu Wurmlingen gebrochen, und auf die Alp, und besonders in die oberen Donaugegenden verführt. Auch wird hier häufig das sogenannte Federweiß (krystallisirter Gyps) gesammelt, und als Arzneymittel für das Vieh auf die Alp geliefert. Weniger benutzt | werden die Gypslager zu Hirschau, Weiler, Dettingen und Obernau.

Kalksteine, blaue, werden hauptsächlich zu Rottenburg zu Pflastersteinen benutzt; Muschelkalk wird zu Kalk gebrannt.

Kies und Sandgruben werden in den meisten Orten gefunden; zum Hochbauwesen und Straßenbau wird jedoch meist Neckarsand, zum letzteren auch häufig das aufgeschüttete Gerölle des Neckars, wie es an den Höhen des Thales allgemein vorkommt, gebraucht.

Von Erden wird Thon und Lehm oder Letten guter Art häufig von Zieglern und Hafnern benutzt, und das Rottenburger Hafnergeschirr steht in einigem Rufe. Mergel ist häufig, wird aber selten benutzt.


b. Pflanzenbau und Viehzucht.
1) Zustand des Feldbaues im Allgemeinen.

Flächenraum, Verhältnisse des Eigenthums und des Ertrags sowohl im Ganzen, als in den einzelnen Markungen, so wie die der Bevölkerung zum Grund und Boden und zum Viehstand sind aus den beygegebenen Tabellen zu ersehen.

Das Verhältniß des ungebauten Landes zum gebauten, ohne Einrechnung der Waldungen, ist = 1 : 123/10.

Das Verhältniß der Waldungen zum ganzen Grund und Boden = 1 : 33/10; in Riedlingen = 1 : 36/10; in Ehingen = 1 : 4; in Münsingen = 1 : 42/10; in Reutlingen = 1 : 45/10.

Das Verhältniß nach den verschiedenen Bauarten ist:

 Gärten und Länder 1,0
 Weinberge 0,6
 Wiesen 6,0
 Äcker 21,4
 Waldungen 14,0
In Beziehung auf die Vertheilung des Grundeigenthums bestehen durchaus keine leibfällige Güter, gebundene aber sind zu Bühl die Jesuiter-, zu Wurmlingen und Wendelsheim die Megenzer-Lehen; sonst findet freye Vertheilung statt, weshalb auch keine Besitzer von zu großer Morgenzahl gefunden | werden; dagegen fast allgemein auch jeder Gewerbsmann einiges Grundeigenthum besitzt.

Im Ganzen kommen auf 1 Menschen 24/5 Morgen gebautes und ungebautes Land; das Verhältniß steigt von 19/10 M. (Wendelsheim) bis 52/10 M. (Wolfenhausen).

Der Stand der landwirthschaftlichen Kultur ist im Allgemeinen gut, zum Theil vortrefflich, wie im Neckarthale und im Gäu. Erst in neuerer Zeit wird die Gille häufiger als Dungmittel gebraucht, und es werden deswegen neuerlich mehrere Gillenlöcher, und die Dungstätten mehr nach landwirthschaftlichen Grundsätzen angelegt. Gyps wird häufig als Dungmittel angewandt, weniger Mergel. Die fast allgemein eingeführte Stallfütterung, der reichliche Anbau von Futterkräutern, besonders aller Gattungen von Klee, erheben den Ertrag der Felder sehr. Wässerungen der Wiesen und Anlegung künstlicher Wiesen werden noch sehr vermißt.

Wesentliche Verdienste um die bessere Kultur der hiesigen Gegend hat sich der schon 1788 verstorbene Stadtpfarrer Dr. Knecht zu Rottenburg erworben. Er hat zuerst den Kleebau, den Anbau der Kartoffeln, und eine bessere Behandlung der Felder und Weinberge eingeführt, und durch mündliche und schriftliche Belehrung, so wie durch eigene Behandlungsweise gewirkt. Der jüngst verstorbene Herrschaft-Mayer, Chirurg Erath, war auch ein sehr verständiger Landwirth. Pfarrer Geist zu Bühl hat nicht ohne Erfolg mehrere Arten ausländischen Getreides, als neapolitanischen Weizen, wallachisches Korn etc. gepflanzt; auch Versuche mit Anpflanzung des östreichischen Safranzwiebels gemacht.

Der Reinertrag von einem Morgen Land beträgt nach der Catasterschätzung ohne Zehnten 4 fl. 34 kr., und zwar von

     Weinbergen 5 fl.   5 kr.      Äckern 5 fl. 27 kr.
     Gärten 7 fl. 40 kr.      Wiesen 6 fl. 43 kr.
     Wald 1 fl. 24 kr.
Demnach würden, nach den früheren Berechnungen, der Kapitalwerth ausmachen von 1 Morgen
     Weinberg 113 fl.      Äcker 127 fl.
     Gärten 153 fl. 20 kr.      Wiesen 149 fl. 20 kr.
     Wald   28 fl.      Im Durchschnitt   98 fl.
| Die Preise der Felder sind besonders im Neckarthale und im Gäu auffallend gesunken; vor noch nicht gar langer Zeit wurden auf Rottenburger Markung, in ganz gutem Gelände, Äcker und Wiesen der Morgen zu 8–900 fl. verkauft; die besten sind jetzt auf 4–500 fl., geringere unter 200 fl. herabgesunken, und an manchen Orten werden sie unter 100 fl. verkauft.


2. Einzelne Kulturarten.
a. Ackerbau.

Die gewöhnliche Bewirthschaftung der Äcker ist die Dreyfelderwirthschaft, und es finden höchst selten Ausnahmen statt. Das Brachfeld wird allgemein sehr stark mit Klee, Kartoffeln, Wickenfutter, Rüben, an einigen Orten auch mit Kraut und andern Gemüsarten, zum Theil auch mit Hanf, Kohl und Reps, wenig mit Magsamen eingepflanzt.

Von dem Brachfeld wird im Durchschnitt 1/4 eingebaut. Pflug und Egge sind die gewöhnlichen, ersterer mit breiter Pflugschare und zwey Wendbrettern; im Neckarthale und im Gäu reichen zum Pflügen überall 1 Paar Pferde oder starke Stiere hin; auch wird häufig mit Kühen geackert und sonst gefahren[1].

Das Getreide wird fast durchgängig mit der Sichel geschnitten, und es finden sich, besonders aus der Steinlach und von der Alp immer viele Schnitter und Schnitterinnen im Neckarthale und im Gäu zur Erntezeit ein, welche singend die Sichel anschlagen, und eben so Abends heimziehen. Der Schnitterlohn für einen Morgen beträgt an Geld 3 fl., 2 Laib Brod und 1 Maas Wein oder Most.

Die Erzeugnisse des Ackerbaues sind: Dinkel, rother und weißer, von vorzüglicher Art; Roggen nur wenig, und durchaus mager und dickhäutig; Waizen, auch sehr wenig; dagegen vorzügliche Gerste, besonders die im Neckarthale, sie | wird weit verführt, und immer etwas theurer bezahlt; Haber weniger, wohl nicht zu 1/4; häufiger in Ergenzingen, wo er vorzüglich wächst.

Hülsenfrüchte: Erbsen und Linsen vorzüglich in Seebrunn und Hailfingen. Viele Wicken in sämmtlichen Ortschaften, nur wenige Säubohnen.

Kartoffeln in großer Menge; die besseren sind die von Hirschau. Bodenkohlraben werden stark in Hirschau gepflanzt; in einigen Orten auch Runkelrüben; Kraut häufig in Ländern.

Ölgewächse: Reps wird in den meisten Orten gebaut; doch hat auch hier der Anbau in neuerer Zeit sehr nachgelassen. Magsamen wird auch häufig in Feldern angetroffen. Senfpflanzungen kommen in Hirschau vor, wo der Senf auch häufig wild wächst. Farbkräuter waren früher ganz unbekannt; neuerlich wurden Versuche mit Waid gemacht; bis jetzt jedoch nicht mit besonderem Erfolg.

Flachs wird sehr wenig angepflanzt; am meisten noch in der Steinlach und den höher gelegenen Ortschaften, als Bodelshausen, Eckenweiler, Nellingsheim, Wolfenhausen. Neuerlich wurden Versuche mit russischem Leinsamen gemacht. Hanf wird sehr stark im ganzen Oberamte gebaut, und geräth auch vielfach gut.

Der Hopfenbau hat in neuerer Zeit vorzüglich in Rottenbnrg zugenommen, aber auch in anderen Orten, als Niedernau, Seebrunn. Hailfingen etc., sind Hopfengärten angelegt worden. Die Lage im Neckarthale ist auch sehr dazu geeignet, nur der Boden etwas zu mast, und derselbe sollte deßwegen dazu mit angemeßnem Sandmergel vermischt werden. Nach genauen Untersuchungen kommt er an Gehalt dem Memminger und Spalter Hopfen gleich, steht jedoch dem böhmischen an Feinheit und aromatischem Geruch noch nach. Der Anbau im Oberamte dürfte in Bälde dem Bedürfnisse gleich kommen.

Tabak wurde in neuerer Zeit mit ganz gutem Erfolg | in Rottenburg von Dr. Erath gebaut; noch hat man aber dieser Pflanzung nicht genugsame Aufmerksamkeit geschenkt.

Futterkräuter werden in großer Menge, vorzüglich dreyblättriger, auch ewiger Klee und Esper gepflanzt; auch Wicken, Linsen, Erbsen, Haber, als Futterkräuter. Kleesamen wird im Ganzen nicht nach Bedürfniß erzeugt.

Die Aussaat und der Ertrag von einem Morgen ist im Neckarthale und in guten Gegenden des Gäues, und auf den besten Äckern:

Aussaat. Ertrag.
Dinkel 7 Sri. 10 bis 11 Scheffel.
Haber 4   –   5   –   6   –
Gerste 3   –   5   –   51/2

Der Durchschnittsertrag, wie solcher bey den Einschätzungen für das Grund-Cataster angenommen worden, berechnet sich in den besten Markungen an Dinkel auf 7 bis 8 Scheffel, nach Rauhem auf 6 bis 7 Scheffel; in den geringsten an Dinkel auf 4 bis 5 Scheffel, nach Rauhem auf 3 bis 4 Scheffel.

Nach den für die Catastereinschätzung des Ackerfeldes gelieferten Angaben beträgt der jährliche Rohertrag desselben in

Geld 363.446 fl. 32 kr.
die Produktionskosten 413.737 fl. 59 kr.
der Reinertrag wäre also – 0

die Produktionskosten würden sogar den Rohertrag um 50.291 fl. 27 kr. übersteigen; die Wirkungen des Catastergesetzes bringen aber einen Reinertrag hervor von 157.846 fl. 14 kr.

Wird zu der Summe von 363.446 fl. 32 kr. 1/12 derselben für den Zehnten und der Werth von 4 Scheffel Frucht (à 2 fl. 46 kr.) für jeden der 2828 Morgen, welche jährlich in der Brache gebaut werden, geschlagen, so erscheint ein roher Geldertrag des Ackerfelds von 401.510 fl. 45 kr., und zieht man von dem Rohertrage einschließlich des Zehntens (= 393.733 fl. 45 kr.), den Betrag des Strohs mit 2/9 ab, so kommt, den Scheffel Frucht zu 2 fl. 45 kr. gerechnet, ein Körnerertrag von 143.176 Scheffel heraus.

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b. Wiesenbau.

Es ist sehr gut, daß der Ackerbau durch die Anpflanzung von Futterkräutern unterstützt wird, indem das Verhältniß der Wiesen zum Ackerbau in vielen Orten gering ist. Doch sind sie fast allgemein zweymähdig, auch wohl dreymähdig[2]. Die besten Wiesen hat das Neckarthal, die Steinlach, besonders in Thälchen zwischen dem Gebirge, von häufigen Quellen bewässert, und das Katzenbacherthal. Es wird im Ganzen hinlänglich Futter gewonnen, an einzelnen Orten, als Bodelshausen, Dettingen, Hemmendorf etc, noch Vieles auswärts verkauft. (Die meisten Wiesen haben Bodelshausen und die Gemeinde Mössingen.) Die Behandlung der Wiesen, sowohl in Beziehung auf Anbau vorzüglicher Grasarten, als auf Düngung und Wässerung könnte besser seyn.

Der Rohertrag der steuerbaren Wiesen macht nach dem Cataster in Geld 102.621 fl. 31 kr., somit, den Centner zu 36 kr. gerechnet, in Natur 171.036 Ctr., dazu 1/20 für den Zehnten, macht der ganze Ertrag 107.752 fl. 35 kr. oder 179.588 Centner. Der Reinertrag läuft im Cataster mit 52.730 fl. 28 kr. Nach den für die Einschätzung gelieferten Angaben aber würden die Produktionskosten 98.049 fl. 44 kr. betragen, wonach dann nur ein Reinertrag von 4.571 fl. 47 kr. übrig bliebe.


c. Der Gartenbau
ist auf dem Lande im Ganzen unbedeutend. Man hält nur kleine Hausgärtchen, die kaum für das Bedürfniß der eigenen frugalen Küche mit den gemeinsten Gemüsarten bebaut werden. Ausnahmen machen nur wenige Pfarr- und Schloßgärten. In der Oberamtsstadt hat sich der Gartenbau, der ehemals, zur Zeit der Klöster und mehrerer dahier befindlichen Herrschaftshäuser in schönerm Flor war, nachher aber sehr herabkam, in der neuern Zeit, als Collegien hieher verlegt | wurden, wieder ziemlich gehoben. Die Gärten, vorzüglich in der Tautengasse, fanden ihrer schönen Lage und Aussicht wegen neue Liebhaber und Bebauer, und gewannen an Verschönerung und Verbesserung. Es gibt bereits einige Frühbetten, ein Gärtner besitzt selbst ein Glashaus, um Orangen und exotische Gewächse im Winter zu schützen, so wie es überhaupt viele Liebhaber von Blumen und seltenen ausländischen Pflanzen gibt, und einzelne schöne Sammlungen in dieser Hinsicht bestehen. Nicht nur die gewöhnlichen, auch die feineren Gemüse werden gezogen, und man beeifert sich von allen Gattungen die besten Sorten beyzuschaffen. Besonders sagt der leichte und zugleich humusreiche Boden der edeln Spargel zu, und ihr Anbau scheint noch immer beträchtlicher werden zu wollen.

Die Gemüse aus den Weingärten sind hart. Alle Gemüs-Samen reifen gut, nur wird davon noch zu wenig für den Handel gezogen. Die hiesigen Garten-Erzeugnisse würden für die Bedürfnisse der Stadt wohl zureichen. Es wird aber sehr viel Gemüse auf das Land und nach Tübingen verkauft, dagegen auch vieles von Tübingen und von Stuttgart auf den Markt hieher geholt.


d. Die Obstzucht
schritt seit 15 Jahren freudig vorwärts. Alle Haupt- und Nebenstraßen wurden mit Fruchtbäumen besetzt; auf vielen Äckern in die Lücken alter Pflanzungen junge Stämme eingereiht, und manche Grundstücke mit verschiedenen Obstbaumsorten neubepflanzt. So wurden in Thalheim in kurzer Zeit bey 4000 frische Bäume gepflanzt. Überall zeigt sich eine rege Theilnahme an diesem schönen und nützlichen Zweige landwirthschaftlicher Kultur. Diese lohnt auch in manchen Jahren sehr reichlich, besonders in der Steinlach. Das erzeugte Obst wird zum Rohgenuß, Dörren, Mosten und Brennen aufgekauft, das Simri Äpfel und Birnen für 18 bis 30 kr., Zwetschen für 10 bis 15 kr. Vorzüglich wird das bessere Mostobst gesucht und wohl bezahlt, und daher immer häufiger angebaut, namentlich von Äpfeln: Fleiner, | Luiken etc., von Birnen die Palmisch-, Wadel-, Brat- und Knausbirnen. Tafelobst findet sich auf dem Lande wenig. Kirschen- und Nußbäume dürften an geeigneten Orten noch mehr angepflanzt werden. Jährlich werden sehr viele Körbe und Karren Frühkirschen aus Baden, später von Breitenholz und der Umgegend nach Rottenburg zu Markte gebracht. Rottenburg selbst zeichnet sich durch mehrere schöne Baumanlagen in Gärten und im Freyen aus, und besitzt die feinsten und besten Sorten von Stein- und Kernobst, als namentlich sehr schmackhafte Pfirsiche, verschiedene Aprikosen, die Reine claude, Mirabellen, auch gute Weichseln, die weißen, rothen und gestreiften Winter- und Sommer-Calvilles, viele und vorzügliche Arten von Reinetten, und ausgesuchte französische Tafelbirnen für jede Jahrszeit.

Schade nur, daß das Obst bey seinem hier frühzeitigen Triebe in der Blüthe fast jährlich durch die Frühlingsfröste sehr leidet, und die außerordentliche Winterkälte 1826/27 mehreren Bäumen von den feinen Steinobst- und Birnensorten großen Schaden beygebracht hat. Den sichersten Ertrag gewähren die Zwetschen.

Es befinden sich in Rottenburg vier kleine Privatbaumschulen. An Schulgärten fehlt es noch an allen Orten. Die Baumzucht läßt übrigens bey aller regen Lust und Liebhaberey noch manche Verbesserungen wünschen, vorzüglich in Betreff der Baumschulen, der Auswahl der Obstsorten für die öffentlichen Anpflanzungen, der Baumpflege, insbesondere des Baumschnitts und der Polizey, da das Obst aus Mangel an Sicherheit größtentheils unreif abgenommen wird.

Vom Rottenburger Landwirthschaftlichen Vereine wurden schon manche Belehrungen und selbst praktische Anleitungen ertheilt. Früher hat sich um die Einführung und Förderung der Obstbaumzucht der ehemalige Landvogt, Freyherr von Freyberg vorzüglich verdient gemacht; auch Oberst von Wendt, die Gebrüder Bellino, Chirurg Erath, Gastgeber Hornstein, und in neuerer Zeit die geistlichen Räthe Dossenberger und Meßmer.

| Der Reinertrag der Baumäcker und Baumgüter, so wie der Küchegärten und Länder, welche zusammen nach dem provisorischen Cataster 5390 Morgen im Meß halten, ward anfänglich für das Cataster auf 45.943 fl. 53 kr. berechnet, in neuester Zeit aber auf 41.360 fl. 12 kr. herabgesetzt; der Rohertrag ist 110.293 fl. 20 kr.


e. Weinbau.
Das Oberamt Rottenburg ist eigentlich auf dem linken Ufer der Donau gegen Süden und Westen die Gränze des Weinbaues[3]. Mössingen ist der äußerste Ort gegen Süden, der noch Weinbau hat; Ofterdingen hat nur wenige Morgen; gegen Westen sind Obernau, Hirrlingen und Dettingen die Gränzorte, die noch Wein bauen; seltener kommt der Anbau schon in dem mehr abendlich gelegenen Oberamte Horb, kaum in ein paar Orten des Neckarthales vor. Dagegen ist derselbe im diesseitigen Oberamte beträchtlich in den Orten des Neckarthales, als in Rottenburg, Wurmlingen, Hirschau, Kiebingen, Bühl, und auch Wendelsheim und Weiler. Der Hirschauer Wein wurde sonst für das beste Gewächs am obern Neckar gehalten. Im Allgemeinen gehört der im Oberamte erzeugte Wein unter die geringeren Sorten in Würtemberg. Die Bauart ist zum Theil sowohl in der Behandlung der Weinberge, Anpflanzung und Pflege der Traubenstöcke, als in der Auswahl der Traubensorten [4], und Behandlung des Mostes selbst vielfach fehlerhaft. Es fehlt an edleren Rebsorten, sie werden zu enge gelegt, der Most ist aller Luft und allen andern Zuflüssen ausgesetzt. In neuerer Zeit wird jedoch wieder mehr auf gute Rebsorten und gute Pflege gesehen; auch wurden Weinberge mit Rißlingen angelegt, und insbesondere zur Probe ein Weinberg durch | den landwirthschaftlichen Bezirksverein erkauft und als Musterweinberg mit dieser edlen Sorte bepflanzt [5].

Der Rohertrag der Weinberge ist nach dem Cataster in Geld 19.318 fl. 31 kr.; der Produktionsaufwand aber 38.838 fl. 26 kr., oder etwas mehr, als das Doppelte. Nach den Wirkungen des Catastergesetzes beträgt der Reinertrag der Weinberge 4.950 fl. 21 kr. Wird zu der Rohertragssumme 1/12 derselben (wie bey den Äckern) für den Zehnten geschlagen, so erscheint ein roher Geldertrag von 20.928 fl. 24 kr., und es kommt, den Eimer Wein zu 16 fl. gerechnet, ein Weinertrag von 1308 Eimern heraus.


f. Waldbau.

Über Lage, Klima, Gebirgsarten und Boden, Holzarten, ist schon oben das Nöthige gesagt worden. Wir bemerken hier nur noch, daß Lage und Boden im Allgemeinen auch dem Waldbau sehr günstig sind. Der größte Theil der Waldungen liegt auf Ebenen und sanften Abhängen, nur ein kleiner Theil auf der Hochebene und an den steilen Abhängen der Alp. Auf der Waldfläche des Rammerts ist der Boden an manchen Stellen ziemlich naß und deßwegen der Holzkultur hinderlich, man hat aber neuerlich Versuche mit Grabziehungen gemacht, welche einen guten Erfolg zeigen. Der Humus-Gehalt in dem Waldboden ist größtentheils sehr gering, weil die Streubenutzungen bisher übertrieben worden sind; daher sieht man auch, wie z. B. im Rammert, die edlern Holzgattungen größtentheils von den schlechtern verdrängt.

Die Größe der Waldfläche, der Antheil des Staats, der Grundherrschaften, Körperschaften und der einzelnen | Bürger ist aus der Tabelle Nr. II. zu ersehen. Nach derselben besitzen: der Staat 2772, der Adel 743/4, die Körperschaften 16.361 (darunter die Stadt Rottenburg allein 5258) Morgen und den Rest mit 3997 M. die Privaten. Zu Rangendingen, Hohenzollern-Hechingischen Gebiets besitzen noch der Staat 61 M. und die Gemeinde Hirrlingen ungefähr 70 M. Nadelholz-Waldungen, welche unter der Verwaltung und Aufsicht des Försters zu Bodelshausen stehen.

Die größte Waldfläche enthält der Rammert, der sich in mehrere Bezirke theilt, welche zum Theil dem Staat, größtentheils aber der Stadt Rottenburg und den Gemeinden Kiebingen, Bühl, Ofterdingen, Bodelshausen, Hirrlingen, Hemmendorf, Dettingen und Weiler gehören. Die meisten Waldungen sind Laubholzwaldungen, worin in dem Alpbezirke die Buche, in dem Rammert die Eiche und die weichen Laubholzarten vorherrschen. Der westliche, an den Schwarzwald gränzende, Theil des Oberamts hat meist Nadelholz, Weißtannen, Fichten und Forchen.

Betrieb. Eichen-Hochwaldungen sind nur auf der Markung von Mössingen in einer Ausdehnung von 317 M. anzutreffen. Buchen-Hochwaldungen sind gleichfalls selten, nur die Markungen von Mössingen und Öschingen enthalten einige. Der Mittelwaldbetrieb (Niederwald mit Oberholz) hat bey weitem die größte Ausdehnung und es entsprechen ihm für jetzt nicht nur die Holzarten, sondern auch die Zwecke der Besitzer in Hinsicht auf die Benutzung. Das Unterholz in den Mittelwaldungen besteht nämlich größtentheils aus weichen Holzarten, z. B. Aspen, Salweiden, Birken, Erlen, Linden, Hasseln, Pulverholz, theilweise auch aus Eschen, Eichen, Hainbuchen, Ahorn, Buchen, während der Oberholz-Bestand fast durchaus aus Eichen, weniger Buchen und selten aus weichen Holzgattungen gebildet ist. Neben dem Brennholz-Bedürfniß kann hiebey auch das nöthige Bauholz erzogen werden, und dann macht die Landwirthschaft, insbesondere bey der Stadt Rottenburg, noch bedeutende Ansprüche an die Waldungen durch Streue, Gras u. s. w. welche bey | dieser Betriebsweise noch am leichtesten einigermaßen befriedigt werden können. In den kleinern Privatwaldungen kann die Femelwirthschaft nie ganz verdrängt werden, und es ist auch keine andere Betriebsweise ohne Nachtheil für die Besitzer möglich.
Die Umtriebszeiten sind:
bey Nadelholzwaldungen 80 – 100 J.
  –  gemischten Laub- u. Nadelholz-Beständen 90  –
  –  Eichen-Hochwaldungen 120  –
  –  Buchen-Hochwaldungen 70 – 80  –
  –  Mittelwaldungen, wenn die Buche vorherrscht 40  –
wenn die weichen Holzarten den Vorzug haben 16 – 30  –

Es ist recht zu bedauern, daß das Ertragsvermögen mit der Ertragfähigkeit in den meisten Waldungen namentlich in solchen, die Eigenthum der Gemeinden sind, sowohl in Beziehung auf Qualität als auf Quantität in einem sehr auffallenden Mißverhältnis steht, und daß sich dieses Mißverhältniß auf doppelte Weise äußert, denn einmal sind der edlern Holzgattungen weniger geworden, und weiche, geringere sind an ihre Stelle getreten, und anderntheils ist der Massenertrag gegen ältere Zeiten bedeutend geschmälert.

Die schönsten Buchenbestände finden sich noch auf der Alpseite, und unter den Mittelwaldungen zeichnen sich die auf der Markung von Schwalldorf aus. Die Nadelholz-Waldungen stehen in der Regel besser, als die Laubholzwaldungen, weil sie von den Nebennutzungen weniger heimgesucht worden sind. In Hinsicht auf den Besitz stehen mit weniger Ausnahme die Staatswaldungen am besten. Dem Übelstande in den Gemeinde- und Privat-Waldungen liegen verschiedene Ursachen zu Grunde: außer dem, eine Zeit lang starken, Wildstande, fehlerhafte Bewirthschaftung, Vernachlässigung der Nachzucht und des Bodens, zu früher Hieb, d. h. im Herbst und Winter, wodurch die Stöcke ihre Ausschlagsfähigkeit verloren, übertriebene Benutzung sowohl in Betreff der Hauptnutzungen, wodurch die Waldungen häufig so licht gestellt wurden, daß die Nachzucht von Samenpflanzen | nicht wohl möglich war, als auch hauptsächlich in Betreff der Nebennutzungen, für Faschinen, Erntewieden, Besenreis, und noch mehr durch Laubrechen. Grasen, Einweiden, was zum höchsten Mißbrauch getrieben, jedoch neuerlich sehr beschränkt worden ist. Zu diesem Allem kam häufig noch Ungewißheit über die Größe der Waldfläche und Überschätzung derselben, in Folge deren die jährlichen Schläge zu groß gemacht wurden, so daß Waldungen, welche eine dreyßig bis vierzigjährige Umtriebszeit erfordert hätten, auf einen sechszehnjährigen Umtrieb herabgekommen sind.

Nach der wirklichen Abschätzung wechselt der jährliche Ertrag (jährliche Zuwachs) von einem würt. Morgen in den Hochwaldungen von 0,6 bis 0,18 Klafter; die meisten ertragen aber 0,5 Klafter; in den Mittelwaldungen von 0,3 bis 0,094 Klafter, die meisten liefern aber 0,2 Klafter.

Es ist aber zu erwarten, daß in Folge des fast ganz ausgerotteten Wildstandes, einer regelmäßigen Wirthschaft, einer geregelten Benutzung und namentlich der Beschränkung der Nebennutzungen der Ertrag von Periode zu Periode steigen werde. Seit 1818 ist rücksichtlich einer bessern Forstwirthschaft Vieles geschehen.

Beschützung. Bey der großen Ausdehnung der Gemeinde- und Privat-Waldungen sind die Staatswaldungen, das Weidenschneiden, Grasen, Streuholen, Weiden, Bodenstechen ausgenommen, ziemlich gesichert. Mehr ausgesetzt sind die Gemeindewaldungen. Die Gemeindewaldschützen, aus der Mitte der Gemeinde gewählt und gewöhnlich schlecht bezahlt, finden es in ihrem Interesse, durch die Finger zu sehen, und Herkommen und Mitleiden bestimmt häufig die Gemeinderäthe zu gelindem Strafverfahren.

Von schädlichen Forstinsekten hat sich schon in nassen Jahrgängen in jungen Forchenbeständen Phalaena geometra piniaria, Kiefernspänner, gezeigt, und die Waldungen an der Alp sind hier und da dem Schneedruck ausgesetzt, und machen daher eine vorsichtige Behandlung, nämlich geringere Durchforstungen, nothwendig.

| Benutzung. Die Holzbedürfnisse des Oberamts können aus dem Ertrag der Waldungen ziemlich befriedigt werden, und obgleich aus dem Schwarzwalde Einiges eingeführt wird, so wird dagegen von mehreren Gemeinden auch ausgeführt. Es ist nur zu wünschen, daß das den Waldungen so höchst nachtheilige Faschinen- und Erntewieden-Erforderniß mehr beseitigt und letztere wenigstens, wie anderwärts, durch andere Surrogate ersetzt werden. Eigentlicher Holzhandel findet nicht statt, wohl aber haben seit wenigen Jahren einzelne Gemeinden aus haubaren Nadelholzwaldungen und aus starken Eichen sehr bedeutende Summen im Aufstreich erlöst. Das so verkaufte Holz wurde zum Theil bis nach Holland ausgeführt.

Harz wird keines gewonnen, weil die Nadelholzwaldungen eine verhältnißmäßig geringe Ausdehnung haben. Äckerich-Jahre sind so selten, daß sogar im J. 1822 und 1823 zu Verbesserung der Schläge Eicheln und Bucheln aus dem Schönbuch abgeliefert worden sind.

Die Holzpreise für 1 Klafter buchene Scheiter mit Einschluß des Macherlohns im Walde sind 11 fl. und so die übrigen Holzarten abwärts. Gerberrinde wird viel erzeugt und theuer verkauft.

Noch vor wenigen Jahren hatten die Gemeinden Hemmendorf und Bodelshausen, auch Remmingsheim, bedeutende Haupt- und Nebennutzungsansprüche auf die in ihrem Markungsbezirke gelegenen herrschaftlichen Waldungen. Der Staat hat aber hierüber Verträge mit den Berechtigten abgeschlossen, in deren Folge ein Theil der betreffenden Staatswaldungen als freyes Eigenthum an die Gemeinden übergegangen ist und die übrigen Staatswaldungen von den Servituten befreyt worden sind. Nur die Gemeinde Bühl macht noch als Besitzerin des ehemaligen Jesuitenklosters Ansprüche auf Benefizien. Über die Jagdverhältnisse unten.

Der Reinertrag von 1 M. Wald beträgt nach dem Cataster 1 fl. 24 kr. und von der ganzen steuerbaren Waldfläche 24.971 fl. 31 kr., der Rohertrag 74.914 fl. 33 kr.

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g. Weidewirthschaft.

Eigentliche Weiden kommen nur noch in den Orten Öschingen, Thalheim, Mössingen, auch zum Theil in Bodelshausen vor. Örtliche Lage, besonders Weiden auf den nahen Gebirgen, zum Theil wohl auch Vorurtheil und Interesse hinderten in dieser Hinsicht manche Versuche zur Ausgleichung und zur Einführung völliger Stallfütterung. In den meisten Orten werden jedoch die Äcker nach der Ernte, so wie auch die Wiesen nach dem zweyten Schnitte, beweidet.

Schafweiden besitzen sämmtliche Gemeinden. Nach dem Cataster sind dieselben mit 6050 Stück beschlagen, und werfen ein jährliches Pachtgeld von 11.228 fl. und Pferchgeld 6486 fl. ab; also im Verhältniß bedeutend mehr, als in den Oberämtern Riedlingen, Ehingen. Die bedeutendsten Weiden haben: Rottenburg mit 1000 Stück und einem Ertrage von 3373 fl. sammt Pferch, Mössingen mit Belsen 600 Stück, 1148 fl. Pacht und 595 fl. Pferchgeld, sodann Ofterdingen, Hirrlingen, Bodelshausen. In dem Cataster ist der Schafweideertrag mit 2481 fl. 45 kr. und der der andern Weiden mit 1781 fl. 24 kr. aufgenommen.

Der ganze Rohertrag von dem steuerbaren Grund und Boden beträgt somit

von Äckern 401.510 fl. 45 kr.
  –   Wiesen 107.752 fl. 35 kr;
  –   Gärten, Ländern etc. 110.293 fl. 20 kr.
  –   Weinbergen 20.928 fl. 24 kr.
  –   Wald 74.914 fl. 33 kr.
  –   Weiden      4.263 fl.   9 kr.
719.662 fl. 46 kr.


3. Viehzucht. S. Tab. 3.
Die Pferdezucht ist im Verhältniß zu den Oberämtern Riedlingen und Ehingen nicht so bedeutend, es kommen erst auf 857/10 Morgen 1 Pferd. Im ganzen Königreiche kommt erst auf 107 Morgen 1 Pferd; somit steht das Oberamt noch um 213/10 Morgen über dem allgemeinen Verhältnisse. | Die meisten Pferde haben im Verhältnisse zum Grund und Boden Frommenhausen, Nellingsheim, Mössingen, Niedernau, Schwalldorf und Ofterdingen; die wenigsten Hirschau, Obernau, Bühl, Dettingen und Weiler.

Die zwey im Oberamte bestehenden Beschälplatten zu Rottenburg und Ofterdingen tragen sehr zur Veredlung der Pferdezucht bey. Die schönste Pferdezucht besteht in Mössingen, Bodelshausen, Wolfenhausen, Hailfingen, Seebrunn, Ergenzingen und Remmingsheim. Doch werden die meisten Fohlen schon jung wieder verkauft, auch durch zu frühen Gebrauch meist verkrüppelt. Die Remontirung durch Ankauf inländischer Pferde unterstützt in neuerer Zeit eine bessere Behandlung und Pflege der Pferde.

Wichtiger und weit bedeutender ist die Rindviehzucht, und an Zahl und guten Raçen kommt das Oberamt den ausgedehntesten gleich. Es kommt auf 79/10 Morgen Landes 1 Stück Rindvieh. Am meisten Rindvieh haben im Verhältniß zum Grund und Boden Kiebingen, Wurmlingen, Frommenhausen, Eckenweiler, Weiler und Hirschau; am wenigsten Bühl, Rottenburg, Hemmendorf, Wolfenhausen, Dettingen, Bodelshausen und Öschingen.

Man findet allgemein schöne Schweizer, Allgäuer und Mittel-Raçen, besonders zeichnet sich der Spital zu Rottenburg in schöner und guter Rindviehzucht aus [6].

Die Stallfütterung ist allgemein im ganzen Oberamte eingeführt, bis auf Thalheim und Öschingen, und zum | Theil Messingen und Bodelshausen, wo jedoch die Einführung derselben durch das Oberamt betrieben wird.

Mastung kommt im Spital und bey mehreren Brauereyen zu Rottenburg und andern Orten, auch bey Branntweinbrennereyen in der Steinlach vor. Käse werden nirgends bereitet; dagegen viel Milch, Butter und Schmalz in Rottenburg und in dem benachbarten Tübingen verwerthet. Viel gemästetes, auch sonstiges Rind- und Schmalvieh wird nach Frankreich aus hiesiger Gegend verkauft.

Die Schafzucht, besonders auch an edlern spanischen und Bastard-Raçen ist sehr bedeutend. Die größte Zahl, so wie die edleren Raçen, besitzt der Postmeister Riedlinger zu Rottenburg. Feiste Hämmel werden jährlich einige 1000 Stücke aus hiesiger Gegend nach Frankreich verwerthet.

Die Schweinszucht ist noch sehr zurück, und es werden noch Tausende an fremde Schweinhändler aus hiesiger Gegend bezahlt. Bodelshausen hat in neuerer Zeit einigen Betrieb an jungen Schweinen gemacht [7].

Ziegen sind wenige, im ganzen Oberamte nur 208, wovon die meisten auf die Steinlacher Orte kommen. Esel halten einige Müller zum Transport des Getreides und des Mehls.

Geflügel, als Gänse, Hühner, Enten, Tauben, auch wohl welsche Hühner, wird sehr viel gezogen, und im Oberamte oder zu Tübingen, in den Bädern zu Niedernau, Imnau und sonst verwerthet.

Die Bienenzucht ist mittelmäßig und verdiente mehr belebt zu werden. Der häufige Gypsdünger wird als schädlich für die Bienenzucht angegeben.

Schnecken werden nicht gezogen, sondern nur, wenn sie an einigen Gebirgsorten gefunden werden, gesammelt und verkauft [8].

| Die Fischerey ist ganz gering an Quantität und Qualität der Fische. S. S. 63.

Die Jagd ist eben so unbedeutend, die ehemaligen östreichischen Ortschaften hatten die freye Pürsche, und deren Jagden sind zu Gunsten der Gemeindekassen nun verpachtet[9].


B. Kunst. und Gewerbsfleiß.
a. Hauptgewerbe.
Die Gewerbe sind von keiner großen Bedeutung in dem Oberamte, selbst nicht in der Oberamtsstadt, wie aus einer Vergleichung des Gewerbs-Catasteransatzes mit dem von andern Oberämtern sich zeigt. Die Hauptnahrung ist der Feldbau, womit sich fast Jedermann beschäftigt. Von einiger Bedeutung sind die Brauereyen in Rottenburg, welche gutes Bier liefern; die Brennereyen in der Steinlach, wovon nachher noch die Rede seyn wird; die Gerbereyen in Rottenburg und ebendaselbst das Gewerbe der Dreher, welche viele Blasinstrumente liefern, besonders aber auch das Gewerbe der Wollenstricker in Ergenzingen, und der Büchsenmacher und Tabakspfeifenköpfschnitzler ebendaselbst. Letztere liefern auch andere gute Schnitzarbeit. In Rottenburg ist auch das Gewerbe | der Zeugmacherey, so wie ebenfalls der Wollenstrickerey und Säkler von einiger Bedeutung [10]. Aus der Tabelle IV. sind die hauptsächlichsten Handwerker zu ersehen. Außer denselben befinden sich noch in Rottenburg: Buchbinder 3 mit 3 Gehülfen, Dreher 11 mit 1 G., Fischer 5, Frachtfahrer 1, Gärtner 1, Gerber, Rothgerber 19 mit 2 G., Weißgerber 6 mit 1 G., Goldarbeiter 3, Gürtler 3 mit 1 G., Hauderer 8, Hutmacher 3 mit 1 G., Kirschner 2, Maler 2, Mehlhändler 3, Messerschmiede 2, Pflästerer 2 mit 2 G., Spengler 2 mit 2 G., Tapezier 1, Uhrmacher 1, Wachszieher 2, Wollkämmer 1, Zinngießer 2. Ferner hat das Oberamt Bortenwirker 2: 1 mit 1 G. zu Rottenburg, 1 zu Ofterdingen; Büchsenmacher 3 mit 1 G. zu Ergenzingen; Färber 7: 6 mit 1 G. zu Rottenburg, 1 zu Mössingen; Feldmesser 6: je einer zu Bodelshausen, Dettingen, Hirrlingen, Kiebingen, Mössingen und Ofterdingen; Gablenmacher 8: 5 zu Mössingen, 3 zu Belsen; Holzmesser 3: 1 zu Rottenburg, 2 zu Mössingen; Instrumentenmacher 1 zu Hailfingen; Kaminfeger 3: 2 mit 1 G. zu Rottenburg und 1 zu Ofterdingen; Keßler 4: je 2 zu Mössingen und Thalheim; Knopfmacher 1 zu Hemmendorf; Korbmacher 12: je 1 zu Bühl, Hirrlingen, Hirschau, Niedernau, Öschingen, Wendelsheim, je 2 zu Hemmendorf, Mössingen und Thalheim; Kübler 19: 5 zu Rottenburg, je 3 zu Bodelshausen und Mössingen, 4 mit 1 G. zu Ofterdingen, je 1 zu Ergenzingen, Hirrlingen, Öschingen und Thalheim; Kupferschmiede 5: 3 zu Rottenburg und je 1 zu Ergenzingen und Mössingen; Lumpensammler 1 zu Seebrunn; Musiker 6: 4 zu Rottenburg, je 1 zu Bühl und Ergenzingen; Nagelschmiede 15: 6 zu Rottenburg, 3 mit 1 G. zu Mössingen, | und je 2 zu Bodelshausen, Ofterdingen und Thalheim; Schäfer 22: 3 mit 1 G. zu Mössingen, zu Rottenburg und Ofterdingen (mit 1 G.), je 1 zu Bodelshausen, Bühl, Hailfingen, Hirschau, Kiebingen, Belsen, Nellingsheim, Obernau, Öschingen, Remmingsheim, Seebrunn, Thalheim, Wolfenhausen, Wendelsheim, Wurmlingen; Säkler 13: 8 zu Rottenburg, 2 zu Dettingen und je 1 zu Hailfingen, Mössingen und Ofterdingen; Seifensieder 12: 9 zu Rottenburg, je 1 zu Bodelshausen, Mössingen und Ofterdingen; Siebmacher 3: 2 zu Rottenburg und 1 zu Ofterdingen; Steinhauer 17: 2 zu Hemmendorf, 6 zu Seebrunn, 9 mit 4 G. zu Wendelsheim; Strumpfstricker 69: 43 mit 2 G. zu Ergenzingen, 11 mit 1 G. zu Obernau, 4 mit 3 G. zu Rottenburg, je 2 zu Kiebingen, Belsen und Thalheim, und je 1 zu Dußlingen, Hailfingen, Niedernau, Schwalldorf und Wendelsheim; Strumpfweber 12: 5 zu Rottenburg, 3 mit 1 G. zu Mössingen, 2 zu Thalheim, je 1 zu Belsen und Bodelshausen; Tuchmacher 3 zu Öschingen; Wannenmacher 1 zu Kiebingen; Zeugmacher 13: 6 mit 1 G. zu Rottenburg, 6 zu Ofterdingen, 1 zu Belsen; Ziegler 13: 2 mit 1 G. zu Rottenburg, 2 mit 2 G. zu Hirrlingen, 2 zu Weiler, 4 zu Mössingen, je 1 zu Bodelshausen, Ergenzingen und Kiebingen; die Anzahl der Ziegelhütten ist 8, Rottenburg allein hat 2. Dazu kommen noch: die Badeanstalt in Niedernau, 1 Buchdruckerey in Rottenburg (1827 erst errichtet), 3 Apotheken, davon 2 in Rottenburg, 1 in Mössingen, nebst 1 Hausapotheke in Ergenzingen, 1 Papierfabrik in Rottenburg und ebendaselbst 1 Hammerschmiede, welche Pflugscharen, Sensen, Sicheln etc. verfertigt, 1 Bleiche zu Thalheim, aber unbedeutend; noch kommt hinzu: der als Gewerbsmann gezählte Inhaber des Bades zu Niedernau. An Mühlen und Werken befinden sich ferner im Oberamte: Mahlmühlen 3 mit 16 Gängen in Rottenburg, je 1 mit 4 G. in Niedernau, Ofterdingen, Remmingsheim, je 1 mit 3 G. in Bodelshausen, Hemmendorf, Nellingsheim, Öschingen, 1 mit 2 G. in Bühl, 1 mit | 6 G. in Hirrlingen, 2 mit 8 G. in Mössingen, 2 mit 6 G. in Thalheim, zusammen 16 mit 62 Gängen; Ölmühlen, je 1 in Rottenburg, Dettingen, Hirrlingen, Belsen, Öschingen, Seebrunn, Thalheim, je 2 in Bodelshausen, Ergenzingen, Mössingen und Ofterdingen, zusammen 15 mit 15 Pressen; Öl-, Säg- und Gypsmühlen, in Thalheim 1; Öl-, Säg- und Tabaksmühlen, 1 in Rottenburg; Öl-, Gyps- und Hanfreibmühlen 1 in Rottenburg; Gypsmühlen: je 1 in Hailfingen, Hemmendorf, Kiebingen, Weiler, je 2 in Rottenburg, Hirrlingen und Wurmlingen, zusammen 10 mit 10 Stampfwerk. Gyps-, Säg- und Lohmühlen 1 mit 2 Werken in Ofterdingen; Gyps-, Schleif- und Hanfreibmühlen, 1 zu Rottenburg; Sägmühlen, 1 in Mössingen; Säg- und Hanfreibmühlen, 1 in Rottenburg; Hanfreibmühlen, 1 mit 2 St. in Hirrlingen; Walkmühlen, 1 in Rottenburg; Lohmühlen, 1 in Rottenburg.

Keltern 14, wovon 11 dem Staat gehören; davon in Rottenburg 3, in Wurmlingen und Hirschau je 2.

Die Wirthschaften und Getränkfabriken sind in der Tabelle aufgezählt, und hier ist nur noch der Essigsiederey in Frommenhausen zu gedenken.


b. Nebengewerbe.
Spinnen, Stricken und Sticken machen die fast einzigen Nebengewerbe aus. Das Spinnen von Flachs und Hanf ist besonders im Winter eine allgemeine Beschäftigung des weiblichen Geschlechtes in allen Orten des Oberamts; nur in einigen Orten spinnen auch junge Leute männlichen Geschlechts. In neuerer Zeit wurden auch Versuche mit der Doppelspinnerey nicht ohne Erfolg gemacht. Das Garn wird theils roh verkauft, theils auch im Oberamte gewoben. S. o. Die Wollenspinnerey wird vorzüglich in Rottenburg betrieben. Stricken, besonders in Wolle, ist sehr häufig, als zu Rottenburg, Ergenzingen, Obernau etc. In neuerer Zeit wurde auch in mehreren Orten, als zu Rottenburg, Wendelsheim, Hirschau, Bühl, Kiebingen das Sticken in Musselin | für Schweizer Kaufleute betrieben. Korbmacher, aus Weiden und Stroh, sind in Wendelsheim, Hirrlingen, Hemmendorf etc. Spitzen werden in Rottenburg, Schwalldorf etc. gefertigt.

Durch Einführung der Industrieschulen in mehreren, namentlich nicht sehr vermöglichen Orten wird vorzüglich der Verdienst für die eigene Haushaltung insbesondere durch Nähen und Stricken sehr vermehrt [11].


c. Handel.

Der Handel besteht vorzüglich in Getreide und Vieh. Ein Fruchtmarkt ist nur in Mössingen, von wo viel Getreide auf die Alp geht, früher auch besonders Rocken von da zum Branntweinbrennen herabkam. Sonst wird viel Dinkel nach Tübingen, Reutlingen, Gerste in das Hechingische und Sigmaringische, alle Sorten Getreide auf den Schwarzwald verkauft[12]. Vieh- und Krämermärkte sind zu Rottenburg, zu Mössingen, zu Ofterdingen und zu Ergenzingen.

Vorzüglicher Erwähnung bedarf noch der beträchtliche Handel der Bewohner in der Steinlach, besonders der Mössinger und Thalheimer etc. mit Branntwein, Zwetschgen- und Kirschenwasser, Essig und getrocknetem Obste aller Art. Sie kommen damit weit an der Donau hinauf, bis an den Rhein, | auch häufig nach Bayern etc. Wollenwaaren werden in die Schweiz und an den Rhein in ziemlicher Quantität abgesetzt; auch etwas Leinwand. Der Handel dahin mit Leder ist gleichfalls nicht unbeträchtlich; endlich wird auch noch etwas Öl verführt [13].

Das Cataster über Handlungen, Fabriken und Manufakturen enthält: Kaufleute 27, davon 23 in Rottenburg, 2 in Mössingen, und je 1 in Hirrlingen und Ofterdingen.

Die Krämer und Kleinhändler enthält die Tabelle. Die Summe der gewerbsmäßig betriebenen Beschäftigungen und deren Steuerkataster berechnet sich auf:

1855 Handwerker u. Kleinhändler mit 161 Geh.                            2112 fl. 30 kr.
    52 Mühlen und Werke   387 fl.
  174 Wirthschaften   506 fl. 58 kr.
  407 Getränkefabriken   413 fl. 28 kl.
    32 Kaufleute, einschließlich 3 Apotheker und 1 Papierfabrikant   349 fl.
2520 3768 fl. 56 kr.

Im Durchschnitt kommt auf ein Gewerbe ein Catasteransatz von 1 fl. 30 kr.



  1. Dies ist besonders in den Gäuorten der Fall. A. d. H.
  2. Öschingen und Ofterdingen haben noch sehr viele einmähdige Wiesen. A. d. H.
  3. Das Oberamt Balingen ausgenommen. A. d. H.
  4. Die Traubensorten sind hauptsächlich: Silvaner, Weiß- und Roth-Elbling, Schwarzwälsche, Häusler und Putzscheeren, seltener Gutedel und Muskateller, welche von den Rottenburgern Schleckerwaare genannt werden. A. d. H.
  5. Es ist übrigens eine Frage, ob nicht, wie in allen geringern Weingegenden, wo der Wein gemeiniglich mit Obstmost vermischt wird, die Rücksicht auf die Menge den Vorzug verdient. Nach den Bemerkungen des Cameralamts sind die Weinbauer auch zu dieser Rücksicht durch die hohen Gülten, welche auf den meisten Weinbergen liegen und den geringen Ertrag nicht selten übersteigen, genöthigt. A. d. H.
  6. Das gewöhnliche Rindvieh ist übrigens von dem gemeinen Landschlage. – Leider befindet sich in dem Oberamte auch noch sogenanntes Stellvieh – Miethvieh, das meist den benachbarten Juden gehört, und trotz den Bemühungen des Oberamts nicht ganz abgeschafft werden konnte. Dies ist besonders der Fall zu Hemmendorf, Hirrlingen und Obernau, weniger zu Bühl, Niedernau und Thalheim. Zu Bodelshausen hat sich im J. 1821 eine Gesellschaft zur Wegschaffung des Stellviehs mittelst Unterstützung durch Anlehen zur Anschaffung von eigenem Vieh gebildet, welche ihren rühmlichen Zweck auf eine sehr wohlthätige Weise erreicht hat. A. d. H.
  7. Nicht unbedeutend ist die Schweinszucht auch in den Gäuorten Ergenzingen, Hailfingen, Seebrunn, Remmingsheim etc. A. d. H.
  8. Eine eigentliche Zucht findet übrigens auch anderwärts nicht, sondern nur Aufbewahrung und Fütterung in Schneckengärten statt. A. d. H.
  9. Auch Hemmendorf, Hirrlingen, Schwalldorf, Obernau und alle Orte auf dem linken Neckarufer. Nur der kleinere Theil des Oberamts, hauptsächlich der Steinlachbezirk, ist Staatsjagdbezirk, und ebenfalls verpachtet. Die Unterthanen in diesem Bezirke sind jagdfrohnpflichtig, und die Versuche der Staatsbehörden zu Festsetzung eines Geldsurrogats hatten bisher keinen Erfolg. Wildereyen sind selten; nur einzelne Einwohner von Kiebingen, Bühl, Hirschau, wandern seit langer Zeit zur Wilderey in den Schönbuch. Auf der Alp wird über die Jagdeingriffe der benachbarten Sigmaringer viel geklagt. Von einigem Interesse ist die Wasserjagd am Neckar, an dem die Enten den Winter über oft einfallen. Zahlreich sind auch die Rebhühner. Schnepfenfänge sind hauptsächlich zwischen Bodelshausen und Dettingen, auch auf den waldigen Anhöhen bey Rottenburg. Einträglich ist der Lerchenfang zu Ergenzingen, von wo jährlich mehrere hundert Dutzend durch eigene Händler nach Straßburg geliefert werden. A. d. H.
  10. Das bedeutendste Gewerbe ist das der Leineweber. Das Oberamt zählt 393 Webermeister mit 50 Gehülfen. Davon hat Ofterdingen 71 mit 17 G., Mössingen 21 mit 6 G. und Belsen 62 mit 3 G., Bodelshausen 49. Ein großer Theil treibt übrigens, wie gewöhnlich, das Gewerbe nur als Nebengewerbe, neben dem Feldbau. A. d. H.
  11. Ein vorzügliches Nebengewerbe und ein Haupterwerbszweig der Steinlachorte, insbesondere von Mössingen und Belsen, war sonst die Branntweinbrennerey. Diese beyden Orte zählten über 300 Brennereyen, worin nicht nur gemeiner Branntwein aus Frucht und Kartoffeln, sondern auch Kirschengeist bereitet, und überall hin, während der Kriegszeit vornehmlich zu den Heeren, geführt wurde. Seit Wiederherstellung des Friedens hat aber dieser Erwerb bedeutend nachgelassen und mit ihm ist auch der Wohlstand gesunken. In den letzten Jahren konnte man 1 Maas Branntwein für 12 bis 15 kr. kaufen. A. d. H.
  12. Die Schwarzwälder bringen dagegen viel Holz in die Gäuorte und nehmen als Rückfracht Getreide mit. Die Gerste, welche von den Bierbrauern sehr gesucht ist, wird häufig durch eigene Händler aus Rottenburg verführt. A. d. H.
  13. Nach Außen gehen auch Klee- und Repssamen, Wolle, Schneller, Blasinstrumente – in die Schweiz, nach Baden, Frankreich und in das nördliche Deutschland, selbst nach Rußland, Strumpfstrickerwaaren von Ergenzingen – nach Calw und ins Breisgau dieselben Waaren, besonders Pudelkappen, auch Wollenzeuge von Rottenburg auf die Frankfurter und Zurzacher Messe, von dort auch Säcklerwaaren – Handschuhe, Hosenträger etc; Lerchen, s. S. 91. A. d. H.
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