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Beschreibung des Oberamts Ravensburg/Kapitel B 5

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5. Gemeinde Blitzenreute,
bestehend aus 10 Parzellen mit 585 Einwohnern. Der Gemeindebezirk Blitzenreute liegt größtentheils auf der Höhe zwischen der Altshauser Straße und dem Schussenthal, und schließt hier den großen Hecklerweiher ein. In der Umgegend des Dorfs Bl. wird die Höhe „auf der Schwendi“ genannt. Der Gemeinde-Bezirk gehörte zu dem Kloster Weingarten, das durch Vertrag mit der Landvogtei darin auch die hohe Gerichtsbarkeit auszuüben hatte, mit Ausnahme von Ober-Springen, das unter der Hoheit der vorm. Reichsstadt Ravensburg stand. Eyb ausgenommen, das Filial von Wolpertschwende ist, gehören sämtliche Orte in die Kirche und| Schule zu Bl. Die Zehnten in dem Gem. Bezirk hat die k. Kammer zu beziehen, mit Ausnahme des Kleinzehnten zu Buchsee und Eyb, den die Pfarreien Blitzenreute und Wolpertschwende haben und mit Ausnahme von Ober-Springen, wo der Graf v. Beroldingen den Großzehnten, die Pfarrstelle Blitzenreute den Kleinzehnten hat. Die Grundgefälle hat größtentheils die k. Kammer zu beziehen, in Ober-Springen gehören sie zum Gr. Beroldingischen Rentamt Ratzenried, außerdem haben verschiedene Kirchenstellen Antheil.
  • 1) Blitzenreute, ein k. Pfarrd. auf dem Hange der Höhe zwischen dem Schussenthal und der Altshauser Straße, 3 St. nördlich von R. mit 150 E. und 1 Schildwirthschaft. 1 Hof gehört der Bruderschafts-Pflege Ravensburg. Die Pfarrkirche zum heil. Lorenz ist mit einem großen Sattelthurm versehen; die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses hat die k. Kammer. Das Patronat ist königlich, früher Weing. In die Pfarrei gehören außerhalb des Gemeinde-Bezirks auch die bei Berg bezeichneten 5 Parzellen. Bl. war früher selbst Filial von Berg. Erst 1696 wurde es zu einer Pfarrei erhoben. Auch Bl. und sein Bezirk gehörte ursprünglich zu dem Welfischen Gebiet, kam aber schon frühzeitig in die Hände von Vasallen und Dienstleuten, insbesondere der reichen und angesehenen Familie, die ihren Sitz auf der Burg Beyenburg bei Blitzenreute hatte und sich auch von dieser Burg schrieb.[1] Diese Burg, wovon noch einzelne Spuren zu sehen sind, lag 1/8 St. von Blitzenreute, gegen das Schussenthal hin. Ihr Name wird in alten Schriften auch Bienburg, Bigenburg, Bisenburg etc. geschrieben gefunden. Gebizo von Bisenburg, ein Sohn Hermanns des Reichen, war der Stifter des Klosters Weissenau. Er war Welfischer Ministerial und heißt auch Gebizo von Ravensburg, vermuthlich, weil er dort auch seinen Sitz hatte. Er wurde 1153 auf dem Markte zu Ravensburg bei Händeln unter den Marktleuten, die er schlichten wollte, von einem Bauer erstochen. Gebizo hatte keine Kinder; dagegen war seine Schwester Luitgard an den Ritter Heinrich von Eßenhausen verehelicht, deren Sohn Ortolf sich auch von Bisenburg schrieb. Die Söhne Ortolfs, Heinrich und Johann, scheinen das väterliche Erbe getheilt, ersterer Beyenburg, letzterer Rinkenburg erhalten zu haben. Schon der Umstand, daß die von Beyenburg in Rinkenweiler Vogtrechte| und Güter, die von Rinkenburg aber solche in der Gegend von Baienbach besaßen, sowie die gemeinschaftl. Lehensherrlichkeiten bestätigen dieses.[2] Von diesen Herren von Beyenburg ist Heinrich v. Bienburc (1201) Kämmerer des Königs Philipp. 1241, 1246 kommt ein Heinrich v. Baienburch vor; 1264 wieder ein Heinrich Kämmerer von Bienburg , derselbe stiftete in d. J. die Commende zu Altshausen.[3] Sein Sohn Friedrich scheint der letzte dieser Familie gewesen und vor seinem Vater gestorben zu seyn. Die Güter mit dem Schlosse kamen durch Erbschaft an die Schenken von Schmalneck, indem der Heinrich, welcher sich 1286 von Beyenburg nennt, in einer andern Urkunde vom nämlichen Jahre sich als Heinrich Schenk von Schmalneck „mit seinen Söhnen Konrad und Heinrich v. Bigenburg“ unterschreibt; auch führen von nun an die Beyenburger das Schmalnecker Wappen, den schwarzen Mauerhaken im gelben Felde[4], und nennen sich die Schenken v. Beienburg, von welchen sich dann ein Nebenzweig die Schenken von Ittendorf etc. schrieben. Von den Schenken v. Beyenburg erscheinen noch 1301 Konrad, 1341 Albrecht. Der letzte Sprosse der Familie war Ursula, die Schenkin von Ittendorf, welche in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts den Ulrich, Ritter v. Hörningen heirathete, und ihm alle Güter mit dem Schlosse Beyenburg zubrachte. Dieser Ulrich v. H. „zu Bygenburg gesessen,“ unterzeichnete 1397 die Stiftungs-Urkunde der adeligen Gesellschaft zum Esel in Ravensburg. Schulden halber verkaufte Ulrich mit seinem Sohne Heinrich Alles, was er durch Ursula, seine Frau, erhalten, im J. 1404 an das Kl. Weingarten um 6000 fl., als „die Vesti Bygenburg, Burg und Burgstall mit dem Bauhof und die zween Weingarten zu Bygenburg etc., Gericht und Bänn zu Staig, Blitzenreuti, den Hof zu Öw, die Höfe zu Meßhausen, die Müli unter der Burg Bygenburg, die Mühle zu Rorgimoos, die Fischlehen zu Thieringen, das Vogtrecht von dem Widdum der Kirche zu Rinkenweiler etc., 1 Hof zu Degenhart, alle die Fischenz in der Schussen von Ruggbain bis Altenbruck, in der Ach, von Baienfurt bis in die Schussen,| den Schenkenwald, die Wiesen in Fronried, alle Rechte und Lehenschaften etc., welche zur Burg gehören, mit Ausnahme der Lehenrechte, so sie gemeinschaftlich mit den Schenken v. Winterstetten und Otterswangen besitzen.“ In den Kauf war das Einlosungsrecht des an Baindt verpfändeten Patronats von Wechsetweiler und Winterbach eingeschlossen. K. Ruppert bestätigte (1404) diesen Kauf. Dr. Schlaperiz sagt: daß nach geschlossenem Verkaufe die von Hörningen die Burg nicht hätten ausliefern wollen, weßhalb dieselbe erobert und niedergebrannt worden sey.

Außer diesem Hauptkaufe erwarb Weingarten theils früher, theils später einzelne Besitzungen in der Gemeinde, und zwar zu Blitzenreute 1314 einen Hof von Konr. v. Dankertsweiler, 1396 den Hof Staudach, dessen Markung nach des Hofs Abgang zu Blitzenreute geschlagen wurde, vom Kloster Baindt 1425 einen weitern Hof daselbst.

  • 2) Baienbach, ein k. W. mit 53 E. an dem Baienbach und der Altshauser Straße, s. o. 1343 verkauft Ritter Eberhard von Fronhofen mit seinen 2 Söhnen, Eberhard und Berthold das Vogtrecht über den obern Hof zu Beyenbach, über 2 H. zu Wielandsried, über den Hof zu Gundolzreute und Fronreute etc. an das Kl. Weingarten.
  • 3) Buchsee, H. 8 E. an dem Buchsee, s. o.
  • 4) Eyb, W. mit 40 E., Fil. von Wolpertschwende, s. o.
  • 5) Häge, H. 2 E., an dem großen Häglerweiher, gemeiniglich Häcklerweiher geschrieben, s. o. S. 16. Der Hof war Sitz des Revierförsters von Blitzenreute, dessen Privat-Eigenthum er war; 1/4 St. westlich an der Grenze der Blitzenreuter Markung liegt der Bibersee. Hier stand eine Burg, wovon sich das adelige Geschlecht der Herren v. Bibersee schrieb. Mit der Burg muß auch ein Weiler verbunden gewesen seyn. Die Burg soll im See gestanden haben und nach der Sage durch ein Erdbeben untergegangen seyn. Ein H. de Bibersee steht als Zeuge in einer Urkunde von 1299. Oswald v. Bibersee verpfändete 1327 alle seine Besitzungen in Bibersee an Weingarten und 1329 verkauft er B. mit dem anliegenden See an dasselbe. 1330, 1342 und 1343 verkaufte Oswald v. B. auch an andern Orten Güter, s. Ergetsreute, Reutefronhofen. Ebenso verkauft Konrad v. B. 1372 einen Hof zu Bergatreute; ein Hermann, Villgurt genannt, verkauft 1396 sein Gut zu Bibersee an Weingarten. Das Geschlecht scheint in Ravensburg abgestorben zu seyn, wo noch 1422 eine Vida Bibersee Gunatsreute verkauft, s. o.|
  • 6) Meßhausen, W. 56 E. an der Schussen und der Aulendorfer Straße, s. o.
  • 7) Springen, ein W. mit 38 E. Er wird in Ober- und Unterspringen getheilt, beide Theile hängen aber fast zusammen. Das Kloster Weingarten kaufte die Höfe und Güter O. u. U. Springen 1408 und 1466 zusammen; in Ober-Springen hatte aber die Reichsstadt Ravensburg die Landeshoheit; durch den Kauf i. J. 1810 kam O. Spr. von Nassau an die Gutsherrschaft Ratzenried.
  • 8) Staig, ein W. mit 230 E., einer Kapelle zum h. Magnus und einer Mahlmühle am Einfluß des Baienbachs in die Schussen, s. o., und Oberstaig. 2 Höfe gehören der Heiligkreuzpflege Ravensburg.
  • 9) Staudenhof, H. 9 E., s. o.
  • 10) Tobelmühle, eine zu Staig gehörige und 1/4 St. davon gelegene Beimühle, Mahlmühle und Hanfreibe mit einem Wohnhäuschen.



  1. Vergleiche Beschreib. des Oberamts Waldsee S. 186 etc. und Geschichte der Schenken von Winterstetten von Dr. v. Vanotti in den Würt. Jahrb. Jg. 1833. H. 1.
  2. Eine Hauptbestätigung liegt wohl darin, daß Gebizo die bei Rinkenburg gelegenen Güter Reute und Riemensberg (Riwinsberg) besaß und zum Kl. Weissenau stiftete.
  3. S. Beschr. des Oberamts Saulgau S. 128. In den Weissenauer Urkunden wird Heinrich „Regalis aulae Camerarius“ genannt. In einer Urkunde von 1246 stehen als Zeugen: Hainricus Camerarius de Bigenburg et frater meus Hainricus de Bongarten. S. Eschach.
  4. Der Kämmerer Heinrich v. Bigenburg führte in seinem Siegel, das an Urkunden von 1246 und 1258 hängt, einen schreitenden Leoparden.