Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 7

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 6 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 8 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Ernsbach,


Gemeinde III. Klasse mit 780 Einw., wor. 9 Kath. und 199 Isr.; – Ev. Pfarrei, die Kath. sind nach Schönthal eingepfarrt, die Isr., welche hier eine Synagoge und einen Vorsänger haben, gehören in das Rabbinat Braunsbach.
Das gut aussehende Pfarrdorf Ernsbach hat 3 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt, in dem tief eingeschnittenen Kocherthale,| eine sehr freundliche, sommerliche Lage am Einfluß des Ernsbachs in den Kocher.

Durch den Ort führt die Kocherstraße und über den Fluß ist im Jahr 1605 eine steinerne Brücke angelegt worden; überdieß bestehen mehrere kleine Brücken und Stege über den Ernsbach.

Die am nordöstlichen Ende des Dorfs etwas erhöht gelegene Pfarrkirche mit einem Thürmchen (sog. Dachreiter) auf dem östlichen Giebel, wurde vor etwa 150 Jahren an der Stelle einer Kapelle in einem schmucklosen Styl erbaut und enthält nichts Bemerkenswerthes. Die Baulast liegt der Gemeinde ob.

Das Pfarrhaus, in welchem auch die Gelasse für den Gemeinderath eingerichtet sind, befindet sich in gutem Zustande.

Der Begräbnißplatz liegt außerhalb (östlich) des Orts.

Ein Schulhaus, das auch die Wohnung des Schulmeisters enthält, wurde 1828 neu erbaut; die Schule besuchen gegenwärtig 82 Schüler.

Die israelitische Schule, mit gegenwärtig 34 Schülern, wurde 1834 in einem freundlichen, modernen Rundbogenstyl erbaut. Die Einwohner befinden sich in mittelmäßigen Vermögensumständen und finden ihre Haupterwerbsquellen in Feldbau, Weinbau und Viehzucht, während die Israeliten sich mehr mit Handel beschäftigen. Die Gewerbe dienen nur dem örtlichen Bedürfniß mit Ausnahme eines Eisenwerks und einer Kunstmühle; das Eisenwerk wurde nach einer an dem Wohngebäude angebrachten Inschrift 1768 von Johann Georg Bletzinger erkauft und später daselbst ein Hochofen nebst zwei Großhammerfeuern, ein Zaun- und Streckhammer, eine Erz- und Schlackenpoche, ein Kupfer-, Blech- und Pfannenhammer etc. eingerichtet. Gegenwärtig sind daselbst drei Frischfeuer und ein Kleinfeuer zu einem Eisen- und Walzwerk, eine Schlosserei und Eisendreherei; es wird mit 18 Arbeitern aus nassauischem Roheisen flaches, vierkantiges und rundes Stabeisen hergestellt, und die Fabrikate in die Umgegend und in das fränkische Bayern abgesetzt. Die Familie Bletzinger hatte die Werke anfänglich in Pacht von Hohenlohe-Oehringen, dann im Erbpacht, bis dieses Verhältniß 1840 abgelöst wurde. Die Kunstmühle, ebenfalls der Familie Bletzinger gehörig, hat vier Mahlgänge, einen Gerbgang und einen Koppgang; sie liefert wöchentlich etwa 300 Ctr. Mehl nach Karlsruhe. Beide Werke sind in andere Hände gekommen. Eine 1662 erbaute Papiermühle ist seit Jahren abgegangen.

Der ziemlich ergiebige Feldbau, welcher sich mit den gewöhnlichen Cerealien und Brachgewächsen beschäftigt, wird nur auf den Höhen| über dem Kocherthal getrieben und ist daher mühsam und kostspielig. An den südlich geneigten Thalgehängen liegen die nicht ausgedehnten Weinberge, die ein mittelmäßiges Gewächs liefern, was meist im Ort selbst consumirt wird. In der Thalebene wird Wiesenbau (135 Morgen) getrieben, der reichliches und nahrhaftes Futter liefert und einen nicht unbeträchtlichen Viehstand, namentlich an Schmalvieh und Handel mit Vieh begünstigt.

In Ernsbach ist 1796 geboren C. Weitbrecht, Bildhauer, gestorben als Professor zu Stuttgart den 14. Juli 1836.

Standesherrlicher Gutsbesitzer und Patron ist der Fürst von Hohenlohe-Oehringen.

Geschichtliches.

Ernsbach (vom Mannsnamen Erich abzuleiten) gehörte zu den von Bischof Gebhard dem Stifte zu Oehringen 1037 geschenkten Orten; es hieß auch das untere Ernsbach im Gegensatz gegen Ober-Ernsbach, einem abgegangenen Orte beim Spitzenhof, Oberamts Künzelsau, wo eine Lokalität „in der alten Ernsbach“ heißt. Im Jahr 1333 werden die Gebrüder Zürch und Beringer, Simons von Berlichingen seligen Söhne, von Dechant und Kapitel zu Oehringen mit einem Hofe zu Ernsbach belehnt. Die Vogtei gehörte Hohenlohe, von dem sie Heinrich von Tullau, sodann Kuntz von Veinau 1381 zu Lehen trug, zwischen welchem und den Stiftsherrn in diesem Jahre Fritz von Neuenstein, Ulrich von Neuenstein, Hans von Klepsheim, Hans Lesch und Erkinger von Klepsheim den Ausspruch thaten wegen „des Guts zu Ernsbach, so ihnen Contz von Vinau unrecht thät von seiner Vogtei wegen, das mögen sie unserem Herrn von Hohenloe klagen, von dem Vinawes Vogtei zu Lehen geht.“

Das Stift erhielt in Ernsbach verschiedene Vermächtnisse z. B.: „agri siti in Ernspach under der Husner Stygen,“ ferner: „super bonis in Ernspach dictis in der Clingen an dem Weingarten genannt der Stygelberg“ als Unterpfand zu der Mühle von Ernsbach (die Mühle selbst wird schon 1378 genannt). Das Stift hatte eine Gerechtigkeit daselbst. Am 15. November 1475 wurde in dem Dorf Ernsbach in des „beschaiden Hans Maler zue der Zeit Schultheißen Haus und daselbst in seiner Stuben vor dem ersamen geistlichen Herrn Conrad Sachs, dieser Zeit Oberkeller und Präsentzmeister des würdigen Stiftes St. Peter und Pauls zu Oehringen und dem Schultheißen, Richtern und Männern von der Gemein nach alter Gewohnheit solch Herrlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Gewohnheit des gemeldeten Stifts im Botengericht festgesetzt und verkündigt, zum| Ersten, die würdigen Herrn Dechant und Chorherrn des Stifts zu Oehringen sollen kommen 8 Tag vor St. Martinstag oder 8 Tag darnach, auf welchen Tag sie wöllen ihr 3 Herrn und 1 Knecht und 1 Koch, die sollen haben 1 Habich und 2 Winde und 1 Vogelhund undt was die verzehren zweimal deß Nachts und des Morgens, das soll der Hove zu Ober-Ernspach gilten.“

1514 werden die Güter des Stiftes in Ernsbach auch zu denen gerechnet, die das Stift aus einem göttlichen Verhängniß zu veräußern genöthigt sein werde, wie es denn auch geschah; denn im vorigen Jahrhundert hatte das Stift nur noch einige Gülten daselbst. Graf Albrecht II. brachte 1514 den Antheil den Stiftes durch Kauf an sich.

Auch das Kloster Schönthal erwarb sich Zehnten und Gülten in Ernsbach. 1298 ein Drittel vom großen und kleinen Zehnten, den Konrad von Weinsberg von Würzburg zu Lehen trug und von jenem Sifrid von Sindringen, der ihn an Schönthal verkaufte; ebenso 1385 von Johann und Heinrich von Bieringen ihren Antheil nebst Weinbergen und Gütern u. s. f., über welche Zehnten das Kloster verschiedene Verträge mit Hohenlohe schloß, 1579–98. Bei der Landestheilung von 1475 fiel Ernsbach dem Grafen Albrecht zu. Im Jahr 1735 kamen sie an Graf Karl Ludwig v. Hohenlohe-Langenburg. Ernsbach selbst gehörte zum Hohenlohe-Oehringen’schen Amt Forchtenberg, nachdem es von Hohenlohe-Weikersheim an Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen gefallen war.

Kirchliches.
Ernsbach war Filial von Sindringen mit einer eigenen Kapelle, welche der Frühmeßner von Sindringen versehen sollte, und welche von Neuem gewidmet wurde 1405. Nach der Reformation, in Folge welcher die Frühmesse in Sindringen abgeschafft, die Frühmeßgüter verkauft und zur Herrschaft eingezogen worden waren, baten die Einwohner von Ernsbach die Herrschaft „eine arme Gemein in Gnaden zu bedenken und in ihr Dorf etwan einen eigenen Pfarrherrn oder Kaplan zu verordnen, dieweil sie ziemlich weit die Kirchen besuchen müssen und der Fleck von Tag zu Tag, je länger je mehr, zunehme, auch während die Gemeinde in der Kirche sei eine böse Rotte dem Flecken großen Schaden zufügen könne.“ Im Visitations-Protokoll von 1581 heißt es: „Der Pfarrer von Sindringen komme alle 14 Tage zu ihnen herauf und halte eine Predigt, den anderen Sonntag müssen sie nach Sindringen gehen. Weil sie aber in ihrem| Flecken keine Uhr hätten, begebe es sich manchesmal, daß ihr bei 100 Menschen aus ihrem Flecken zu schöner, truckener Zeit in die Kirche gingen (wie denn zu dieser Zeit 48 Gemeinsmänner bei ihnen seien) und wenn die hinuntergehen und zum Stettlein kommen, so seien die thor zugeschlossen –, könne also ihr keiner mehr in die Kirche kommen und müßten deßhalb vergebens hin- und hergehen. Sie haben auch in ihrer Kirche einen sonderen Taufstein, auch ihren sonderen Kelch, dazu ihren sonderen Heiligen und ihre Heiligenrechnung.“ Es wurde aber 1589 in einem Vergleich zwischen Graf Philipp und Graf Georg Friedrich von Hohenlohe nur das gewährt, „daß die Kirche und Pfarre zu Sindringen oder eigentlich die Thore nicht so eilends und ohne Unterschied verschlossen werden und die armen Leute von Anhörung göttlichen Wortes gefährlicher Weise abgehalten werden sollen.“

In demselben Jahre 1589 wollte Johann Georg von Berlichingen die Collatur in Ernsbach in Anspruch nehmen, aber ohne Erfolg. Im Jahr 1705 wurde die alte Kapelle auf dem Kirchhof abgebrochen und innerhalb des Ortes von Graf Karl Ludwig 1709 die neue Kirche gebaut.

Eingepfarrt sind der Eichelshof und Spitzenhof Schulth. Westernhausen (O.-A. Künzelsau).


« Kapitel B 6 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 8 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).