Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 12

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 11 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 13 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Gaisbach,


Gemeinde III. Klasse, 836 ev. Einw. a. Gaisbach, Dorf, 240 Einw., b. Etzlinsweiler, Weiler, 17 Einw., c. Haag, Weiler, 213 Einw., d. Kemmeten, Weiler, 193 Einw., e. Oberhof, Weiler, 85 Einw., f. Schnaihof, Weiler, 17 Einw., g. Unterhof, Weiler, 33 Einw., h. Weckhof, Weiler, 38 Einw. Sämtliche Parzellen sind Filiale von Künzelsau, mit Ausnahme von Weckhof, das nach Kupferzell eingepfarrt ist.

Schulen mit je einem Schulmeister bestehen in Gaisbach und in Haag. Zehnt- und Grundherr war Hohenlohe-Kirchberg; einen Theil an Zehnten und an Gülte hatte die Heiligenpflege in Morsbach, O.-A. Künzelsau und die Stiftungspflege Oehringen.

Gaisbach und die dazu gehörigen Parzellen liegen sämtlich auf der zwischen den Thälern des Kochers und der Kupfer sich ausdehnenden Hochebene, Gaisbacher Ebene genannt, die ein Theil der Kupferzeller Ebene ist.

Der Gemeindebezirk bildet eine flachwellige Hochebene und hat im allgemeinen einen fruchtbaren, theils aus Diluviallehm, theils aus sandigem Lehm und theils aus Thon bestehenden Boden.

Sämtliche Parzellen sind hinreichend mit Trinkwasser versehen.

Umsichtiger Betrieb der Landwirthschaft und eine tüchtige Viehzucht sind die Quellen des Wohlstandes dieser Gemeinde. Zum Anbau kommen vorherrschend Dinkel mit Roggen gemischt, Gerste, Haber und in der Brache sehr viel Reps, der ein besonderer Handelsartikel ist, Kartoffeln, Futterkräuter, viel Flachs und Hanf. Die Erträgnisse und Preise der Äcker und Wiesen stehen denen in Feßbach gleich. Über den eigenen Bedarf können noch viele Getreidefrüchte nach Außen abgesetzt werden.

Die Obstzucht, welche sich hauptsächlich mit gewöhnlichen Mostsorten und Zwetschgen beschäftigt, ist wegen der hohen, freien Lage der Gegend nicht bedeutend.

Pferde werden viele gehalten und gezogen, indem das Feld meist mit Pferden, weniger mit Kühen und selten mit Ochsen bestellt wird.

Die durch erträglichen Wiesenbau kräftig unterstützte Rindviehzucht ist sehr bedeutend; es wird eine tüchtige Landrace gehalten und ein lebhafter Handel mit selbstgemästeten Ochsen und Rindern getrieben.

Schafe hält man in namhafter Anzahl und setzt gemästete Hämmel nach Paris ab. Die Schafweide ist in den Händen der Berechtigten.

Die Schweinezucht kommt immer mehr in Aufnahme und die Mastung zum Verkauf nach Heilbronn und Stuttgart ist von Belang.

a. Gaisbach, ein kleines Dorf, das an der | Oehringen–Künzelsauer Landstraße eine freie hohe Lage hat; die Entfernung bis zur südwestlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 43/4 Stunden und die nach Künzelsau 3/4 Stunden.

Die zum Theil sehr ansehnliche Bauernwohnungen gehören sieben Besitzern, von denen jeder 70–80 Morgen Güter besitzt; überdieß sind noch dreizehn kleinere, 18–20 Morgen große Bauernhöfe vorhanden.

Über das Vermögen der Gemeinde und Stiftungspflege stehe Tabelle III.

Gaisbach gehörte dem Grafen von Komburg.

Unter den Gütern, die der Mitstifter von Komburg, der reiche Bürger Wignand von Mainz für das Kloster kaufte, sind genannt 8 mansus in Geizzelbach 1079.

Um das Jahr 1088 erhielt das Kloster Komburg von Machthild, liberae conditionis matrona, ihre Güter und Rechte in Gaisbach (Geizebach), Etzlinsweiler (Adolotesweiler), Kemmeten (Kemnaten), Besitzungen, die 1483 vom Kloster an Hohenlohe verkauft wurden und womit Graf Ludwig Kasimir vom Bischof von Würzburg belehnt wurde 1559. Einen Hof in Gaisbach hatte 1369 Konrad Schrot von Neuenstein, der ihn vom Kloster Komburg eintauschte und der mit den übrigen Neufels’schen Gütern an Hohenlohe kam.

b. Etzlinsweiler, liegt eine Stunde östlich von Gaisbach in einer flachen, wiesenreichen Mulde, welche den Anfang der in das Kocherthal eingehenden Etzlinsweiler Klinge bildet.

Der Ort besteht aus drei Bauernhöfen von je 80–90 Morgen, zu denen 267 Morgen Waldungen gehören.

Etzlinsweiler ist wohl ohne Zweifel das alte Alosweyler, Adolotesweyler, Adlatzweyler (s. oben). Conradus dictus Stokkelin et uxor Petrissa schenken dem Kloster Komburg decimam in Adloteswilare.

Die Besitzungen an Grund und Boden gehörten den Herrn von Stetten. Gabriel von Stetten verkauft an Graf Albrecht von Hohenlohe um 20 fl. 12 Tagwerk Wiesen und 3 Stücke Wald in den Hof zu Adolzweiler gehörig, bei Haag gelegen, gegen Kupferzell, als Komburgisch Lehen. Den Zehnten zu Adelharzweiler hatte Simon von Stetten gekauft 1387.

In einem zweiten Verkauf an Hohenlohe werden 1548 genannt als zu Adlatzweiler gehörig: der Wald Kreuzbusch, Salzbusch, Eselsbusch, die 1644 als zu Haag gehörig genannt werden, so daß wohl anzunehmen ist, Adolzweiler sei das jetzige Etzlinsweiler.

| 1534 wurde der Etzlinsweiler Hof, den Georg Berg besessen, von Graf Georg eingezogen als verfallen, weil der Besitzer als „der verdampten Ketzerischen Secte deß Widertaufs anhengig“ sich entfernt hatte, doch nachher seinem Tochtermann, Balthasar Weiß überlassen.

c. Haag, ein ansehnlicher Weiler mit 553 Morgen Feldern und 140 Morgen Waldungen, 1/2 Stunde südöstlich von Gaisbach gelegen. Es gehörte zu dem Kloster Komburg’schen Besitzungen.

d. Kemmeten; der ziemlich große, etwas weitläufig gebaute Ort liegt 1/2 Stunde westlich von Gaisbach an der Vicinalstraße von Neufels nach Künzelsau. Der Ort zählt acht Bauern mit je 70–80 Morgen und sechzehn Bauern mit je 20–25 Morgen Grundbesitz; überdieß sind 140 Morgen Waldungen vorhanden.

Walther von Suntheim, Seitz von Kotzbühel und Konrad von Sawensheim hatten daselbst im 14. Jahrhundert Güter.

1340 hatte Conrad von Neuenstein die halbe Vogtei und 1347 Schrot von Neuenstein den halben Zehnten.

Im Jahre 1395 im Schleglerkrieg erlitt Andreas Zobel an seinem hiesigen Hofe Schaden, weshalb sich Graf Eberhard von Wirtemberg im Jahr 1418 mit ihm vertrug.

e. Oberhof, ein kleiner, schön angelegter Weiler, der nur 1/8 Stunde südöstlich von Gaisbach liegt; er besteht aus vier Bauernhöfen, zu denen je 50–60 Morgen Güter gehören.

Im Ort befindet sich ein Weiher und außerhalb desselben ein kleiner See.

f. Schnaihof; der kleine Ort liegt 3/4 Stunden westlich von Gaisbach und besteht aus drei Bauernhöfen mit je 70–80 Morgen. An Waldungen sind 25 Morgen vorhanden.

g. Unterhof, 1/4 Stunde südwestlich von Gaisbach gelegen. Von den hier ansässigen vier Bauern hat jeder 70–80 Morgen Grundeigenthum.

h. Weckhof, ein aus fünf Bauernhöfen bestehender kleiner Ort, der 3/4 Stunden südwestlich von Gaisbach liegt. Zu jedem Bauernhof gehört ein Besitz von 60–70 Morgen.

Wecke wird 1370 im Burgfrieden von Neufels genannt.

Schippberg (unbewohnte Markung), 247 Morgen Äcker und Wiesen, 83 Morgen Wald, 36 Morgen Öden etc. Zwischen Gaisbach und Künzelsau ist der Schippberg, auf welchem ein Hof Schübberg war.

Der Kommenthur des Johanniter-Ordens in Hall, Adelheid, Wittwe Engelhards von Enslingen und Seiz, ihr Sohn, hatten einen| Streit mit den Parochialen von Eschenthal wegen Güter in Schubberc et Kunzilsbach (Künzbach, dessen Bewohnern die Markung von Schippberg zum Theil gehört), zu dessen Entscheidung 1290 als Schiedsrichter gewählt werden: Heinrich von Munningen, Kanonikus in Feuchtwangen, Magister Petrus, frater domus theuton; der Magister Hermannus rector Scolarum in Orengew etc.


« Kapitel B 11 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 13 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).