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Beschreibung des Oberamts Oberndorf/Kapitel B 22

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Schramberg.[1]
Gemeinde II. Klasse mit 3127 Einw., wor. 140 Ev. a. Schramberg, Stadt, 2081 Einw. b. Berneckbad, Hof, 5 Einw. c. Bergstöffel, Weiler, 13 Einw. d. Bühle, Weiler, 39 Einw. e. Bühlhof, Weiler, 18 Einw. f. Falkenstein, Weiler, 88 Einw. g. Finsterbach, Weiler, 11 Einw. h. Göttelbach, Thal, Weiler, 106 Einw. i. Hammerwerk, Weiler, 42 Einw. k. Höfle, Weiler, 89 Einw. l. Hutneck, Weiler, mit Friedrichsberg, Hof, 60 Einw. m. Imbrand, Weiler, 10 Einw. n. Kirnbach, Weiler, 143 Einw. o. Kühlloch, Hof, 6 Einw. p. Lienberg, Weiler, mit Seckinger Hof, 6 Einw. q. Paradies, Hof, 9 Einw. r. Raustein, Weiler, 14 Einw. s. Roßwald, Weiler, 11 Einw. t. Schilteck, Hof, 20 Einw. u. Schloßberg, Haus, 3 Einw. v. Schloßhof, Hof, 10 Einw. w. Spittel, Weiler, 201 Einw. x. Steighäusle, Haus, 7 Einw. y. Thierstein, Weiler, 16 Einw. z. Unter-Tischneck, Weiler, 85 Einw. aa. Vier Häuser, Weiler, 28 Einw. bb. Wolfsbühl, Hof, 6 Einw. – Kath. Pfarrei; die Parzellen sind nach Schramberg eingepfarrt mit Ausnahme von Hutneck mit Friedrichsberg, das der Pfarrei Sulgen zugetheilt ist. Evangelische Pfarrei, 1866–67 für Schramberg und sämtliche Parzellen und für Lauterbach (mit Unterdorf und Kammermartinshof) und die Parzelle Eselbach (zu Aichhalden gehörend) errichtet. Die Entfernung von der nordöstlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 41/2 Stunden. – Schramberg ist der Sitz eines Postamtes mit Telegraphenstation und eines gräflich Bissingen’schen Rentamts nebst einer Forstverwaltung; auch wohnen hier 2 praktizirende Ärzte und 1 Thierarzt. Eine Apotheke befindet sich im Ort.


In dem tiefen Thalkessel, den die drei sich hier vereinigenden Thäler (des Berneck-, des Lauter- und des Göttelbaches) bilden, liegt zwischen Wiesengründen der sehr ansehnliche Ort, der sowohl durch seine Ausdehnung, wie durch seine großartigen und schönen Gebäude ein durchaus städtisches Gepräge hat. Zunächst um die sehr in die Länge gedehnte Stadt sind meist Gärtchen und Wiesen, vom engen Thalgrund aus an den steilen Bergen sich hinanziehend, an denen schon weit unten dichter Wald beginnt und deren gegen oben immer schroffer und felsiger werdende Stirnen zum Theil von Burgtrümmern malerisch bekrönt sind. Die meistens großen und städtischen Häuser stehen gedrängt an den breiten reinlichen gekandelten und in den bergigen Theilen des Ortes gepflasterten Straßen; überhaupt hat der Ort ein sehr freundliches und aufgeräumtes Aussehen; an das obere und untere Ende der eigentlichen Stadt schließen sich in langer Reihe die großartigen Fabrikgebäude an. Sie verdanken ihr Dasein hauptsächlich auch dem raschen, den ganzen Ort der Länge nach durchrauschenden Schiltachflüßchen, das aus der oberhalb Schrambergs stattfindenden Vereinigung der drei obengenannten Bäche entsteht. Die Stadt ist von Brandunglück mehreremal heimgesucht worden; in den Jahren 1716 den 26. Mai wurden 26 Gebäude nebst dem Kirchthurm, 1790 den 22. August 14 Häuser und 1805 den 27. Mai 43 Gebäude ein Raub der Flammen.

| Weite Fernsichten eröffnen sich nicht auf der Markung, dagegen viele landschaftliche Partieen von ausgezeichneter Schönheit; seien es Blicke von den Bergen herab in die tiefen waldigen saftgrünen Thäler, oder in diesen selbst, wo riesige Granit- und Porphyrfelsen, üppig bewachsen von schönen Laub- und Nadelhölzern, emporsteigen und an ihrem Fuße durch gewaltige Gerölle die wilden lauteren Bergwasser sich rauschend drängen. Vorzüglich schöne Stellen sind auf Burg Schramberg, auf Burg Schilteck, dann im Schiltachthale eine halbe Stunde unterhalb Schramberg, im Berneckthale (Falkenstein, Berneck, Teufelsküche) und im Lauterbachthale; hier sind auch hübsche Wasserfälle.

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Die nennenswerthesten Gebäude der Stadt sind: die der h. Maria geweihte Kirche, sie steht so ziemlich in der Mitte der Stadt und wurde 1838–1842 in einfachem Rundbogenstil erbaut. Ihr Äußeres, ein schlichter rechteckiger Bau mit erhöhtem Mittelschiffe, worauf ein Dachreiter sitzt, macht eher den Eindruck eines Betsales, das Innere dagegen ist von bedeutender und feierlicher Wirkung; es folgt in der Anordnung dem sogenannten Jesuitenstile des vorigen Jahrhunderts, doch mit ganz antik behandelten Einzelformen. Das erhöhte Mittelschiff ist tonnengewölbt; die Seitenschiffe, durch starke Pfeilerarkaden vom Hauptschiff geschieden, haben je 4 Kreuzgewölbe. An den Pfeilern stehen im Hauptschiff jonische Pilaster, die ein vollständiges Gebälk tragen und hierauf ruht das schöne halbrunde Tonnengewölbe. Ein mit Rosetten in der Leibung belebter Triumphbogen führt in den auch tonnengewölbten, mit dem Mittelschiffe gleich hohen und gleich breiten Chor, zu dessen Seiten in der Höhe Emporen und darunter die Sakristeiräume angebracht sind. Die geradgeschlossene Schauwand des Chores ist sehr glücklich belebt durch zwei große in den Scheiben mit schönen Ornamenten bemalte Rundbogenfenster, die zwischen sich ein noch größeres Blendfenster haben, worin ein schönes neues Gemälde, Christus am Kreuze, prangt. Durch die Seitenschiffwände gehen große Rundbogenfenster, durch das Tonnengewölbe halbrunde Öffnungen. Sehr günstig wirkt, daß bloß im Westen eine Empore steht, sie ruht auf toskanischen Säulen und trägt die große schöngefaßte Orgel mit 35 Registern, verfertigt von Walker in Ludwigsburg. Der Hauptaltar ist klein, der linke Seitenaltar zeigt ein Gemälde im Zopfstil, Mariä Himmelfahrt, der rechts ein hübsches neues Bild, die Anbetung der Hirten, von Jos. Fuchs gemalt 1844. Unter den Emporen des Chores tiefen sich 4 Nischen ein, worin die Statuen der 4 Evangelisten stehen. Die Bänke sind| in einfach schöner angemessener Weise geschnitzt. Am Ende der Seitenschiffe stehen alte Grabsteine der gräflichen Familie Bissingen, geschmückt mit gemalten und vergoldeten Wappen, und zwar im linken Seitenschiff, der des Hanns Fridrich Freyherr von Bissingen Röm: Kay: May: Obrist und Stadtcommandant in Rottweill, gest 1647. und der des Ferdinand Carl Freyherr von Bissingen, K. K. Reyhs Rath, gest. 7. April 1716; im rechten Seitenschiffe 2 Grabsteine, der eine mit der Inschrift: Anno 1714 den 7. Jener selig entschlafen die frei Reichl: hoh und wohlgebohrne Maria Sophia verwittwete von Bodman, geborne freyfreulein von Bissingen zu Schramberg und Grundshaim. Der andere mit der Inschrift: Anno 1714 den 9. Jener Ist in gott selig Enttschlafen die frey Reichl: hochwohlgebohrne Freilin Marie Eleonor Magdalena Freyfrulin von bisingen zuo schramberg und grundshaimb im 14 : Jahr Ihres alters. u. s. w.

Neben steht die alte Kirche, ein großes, aber unbedeutendes Bauwerk; jetzt zu Werkstätten benützt. Ihr Thurm steht im Osten und daran lehnt sich ein vieleckiger, mit schlichten Strebepfeilern besetzter Chorschluß, dessen einst gothische Fenster in solche des Zopfstiles umgeändert worden; das Schiff der Kirche wurde 1657 erbaut und 1728 bedeutend vergrößert; der hohe dreistockige, mit großer Zwiebelkuppel bedeckte Thurm, trägt die Uhr und 4 Glocken; die größte ist gegossen 1757 von Joh. Bapt. Ragg in Villingen, die übrigen sind 1716, 1725 und 1717 von Pelagius Grieninger in Villingen gegossen; sie haben sämtlich das Bissingensche Wappen.

Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der vereinigten Stiftungspflege.

Der 1849–50 angelegte neue Friedhof liegt westlich an der Kirche.

Kaum eine Viertelstunde oberhalb der Stadt, ehe das Thal sich zusammenschließt und nur als eine von Granitfelsen umstarrte Schlucht sich fortsetzt, steht links auf sanftem grünem Hügel das Falkensteiner Kirchlein, ganz einfach mit Spitzbogenfenstern und halb achteckig geschlossenem, von schlichten Strebepfeilern gestütztem Chore. Das dem h. Erasmus geweihte Kirchlein, ein uralter Wallfahrtsort und ursprünglich die Mutterkirche von Schramberg, mag den Strebepfeilern nach zu schließen aus dem 13. Jahrhundert stammen; die Fenster sind ihrer Maßwerke beraubt; über dem rundbogigen Eingang an der Westseite steht 1713; früher ging um die Kirche ein Friedhof. Das sehr ansprechende Innere ward erst kürzlich erneuert und mit wenigen, aber passenden Farben bemalt; Schiff und Chörchen haben eine flache Holzdecke; der Triumphbogen ist spitz. Im Chore steht ein| schöner neugothisch gefaßter Hochaltar, dessen mit Laubwerk verzierter Schrein aus spätgothischer Zeit stammt und eine große treffliche Holzschnitzerei enthält; sie stellt die Grablegung Christi dar und ist ein Werk von ergreifender Schönheit; die Gestalten sind stark aber wahr bewegt, die Gesichter von tiefem Schmerzensausdruck. An der linken Chorwand hängen 2 gut gemalte, spätgothische, jetzt auch wieder hergestellte Bildchen: Maria und Elisabeth und der englische Gruß; daneben ist aus Stein ein hübsches gothisches Sakramenthäuschen angebracht. Das Kirchlein ist Eigenthum und Begräbnißstätte der gräflichen Familie von Bissingen, die auch für die schöne Ausstattung desselben sorgte. An der nördlichen Schiffswand sieht man eine Marmortafel eingelassen, für Maria Gräfin von Bissingen, geb. 1835, gest. 1852. Vor dem Kirchlein sind Bäume gepflanzt und Bänke errichtet, ein schöner Rastort im frischen einsamen Waldthal.

Das stattliche neue Pfarrhaus wurde nach Abbruch des alten im Jahr 1836 von der vereinigten Stiftungspflege angekauft, die es auch zu unterhalten hat. Außer dem katholischen Pfarrer sind 2 Vikare angestellt, die ebenfalls im Pfarrhause wohnen.

Die evangelische Kirchengemeinde hat ein Privathaus gemiethet, in dem der Gottesdienst gehalten wird; es enthält zugleich ein Lehrzimmer für die evangelischen Kinder und die Wohnung des ständigen Pfarrverwesers, der den Schulunterricht zu leiten hat.

Die Gemeinde besitzt 2 Schulhäuser; das alte 1817 erbaute erhält 3 Lehrzimmer und die Realschule nebst der Wohnung des Oberlehrers; das daneben stehende neue, 1864 erbaute, hat 2 Lehrzimmer und Wohnungen für 2 ständige und 2 unständige Lehrer. Der Reallehrer wohnt gegen Miethentschädigung in einem Privathause.

Im Jahre 1833 wurde das jetzige Rathhaus gekauft und in einem hübschen Stile beinahe ganz umgebaut; es enthält neben den Gelassen für den Gemeinderath die Wohnung des Stadtschultheißen.

Ein Krankenhaus und ein besonderes Armenhaus bestehen.

Am Nordende der Stadt steht das neue, 1840–43 massiv aus Buntsandstein erbaute Schloß des hier wohnenden Grafen von Bissingen, ein schöner und bedeutender Palast, zweistockig mit dreistockigem, balkongeschmücktem Mittelbau; innen enthält es neben ansehnlichen Wohnräumen ein Archiv und eine Hauskapelle; vor dem Gebäude liegt ein schön angelegter Garten mit Bassin und Springbrunnen, und hinter dem Schloß ebenfalls ein Garten mit Springbrunnen, und daran schließt sich der große herrliche Park mit kleinem| See, worin eine Insel; hohe Baumalleen aus Linden und Heinbuchen begleiten ihn der ganzen Länge nach. Nordwestlich neben dem Schlosse steht, auch massiv und äußerst freundlich und elegant, in reizendem, mit Springbrunnen belebtem Ziergarten das Faist’sche Haus. Von hier an erheben sich in langer Reihe an der Straße nach Schiltach hin die sauberen zweistockigen, ganz aus Buntsandstein erbauten Gebäude der Steingutfabrik. Noch weiter unten, sowie oberhalb des Ortes, stehen noch die verschiedensten Etablissements, meist ausgedehnte Gebäude, die hübsche Gärten und Landhäuser neben sich haben.

Einen besonderen Reiz verleihen dem Anblick von Schramberg die aus den waldigen Bergen aufsteigenden Burgtrümmer.

1. Die Burg Schramberg, sie liegt, das Thal vollständig beherrschend, auf dem mächtigen, im Westen der Stadt sich fast unersteiglich erhebenden Schloßberg über Felsmassen von großen Formen, die seine Stirne krönen; die Mauern sind noch 30–50′ hoch und aus Buntsandstein, gleich den Felsen, worauf sie wurzeln, errichtet. Der Bergrücken, auf dem die Burg steht, ist durch schauerliche senkrechte Tiefen auf drei Seiten unzugänglich und hängt nur durch einen schmalen gegen Nordwest ziehenden Grat mit dem übrigen Gebirg zusammen. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich zwei Burgen, die durch einen sehr weiten, in den Fels gehauenen, von Südwest gegen Nordost laufenden Graben getrennt sind. Der alte Burgweg zieht sich in sanfter Steigung in verschiedenen Umrängen von Schramberg zur Burg hinauf und führt zu dem gegen Nordwest liegenden ersten Eingang der hinteren Burg. Hier steht jetzt ein Häuschen, worin ein alter Mann als Schloßwart wohnt. Die Zwingermauern sind gebrochen; eine Zugbrücke führte einst über einen tiefen Graben zum ersten, jetzt verfallenen Thore und von diesem ging der Weg über einen Graben mit leicht abwerfbarer Bedeckung zum zweiten höher stehenden Thore, an dem noch gut erhalten der Rechberg’sche Wappenschild und 1499 (?) ausgehauen ist. Unter dem Eckthurme links vom Eingang befindet sich ein gut erhaltenes 24 Schritte langes und breites Gewölbe. Außen steht an den gegen Schramberg zugekehrten Hauptmauern 1562 und weiterhin bei der Ecke die Jahrszahlen 1648, 1550, 1551 und 1559; ferner 1673 in einem Stein in der Mauer des ehemaligen Umlaufs, der zu dem großen Rondel führte, das die Burg gegen Nordwesten, wo der schmale Bergrücken eben fortläuft, deckte; auch dieses Rondel ruht auf anstehendem Sandfels, dem die Kunst nachhalf; das Volk nennt dieß kolossale Werk den Käferlesthurm, weil in seinem Verließe ein im| Dienste der Rottweiler gefangener Mann mit Namen Käfer seine Tage jämmerlich enden mußte, da Niemand das von Rochus Merz für ihn geforderte Lösegeld bezahlen wollte. Gegen Westen steht an den Innenmauern über einem Rundbogen: WIDER ERBAVT ANNO 1498. Die zweite vordere Burg, ganz gegen die Südostspitze des Berges vorgeschoben, besteht auch wieder aus verschiedenen zerfallenen Räumen und gegen Nordwesten aus einem ungeheuren Halbrund, dessen Mauern 20′ dick sind. Epheu in außerordentlicher Üppigkeit, Waldreben, Brombeergestrüppe und anderes wildes Gesträuch, Föhren, Tannen, Eschen und Obstbäume haben die großartigen wüsten Trümmer überwachsen, aus denen nur zuweilen ein seiner Gewändsteine noch nicht beraubtes Fenster auf gothische oder auch spätere Zeit hinweist. Beim Häuschen des Schloßwartes befindet sich ein weit hergeleiteter laufender Röhrenbrunnen, der vormals in die Burg geleitet war und beim großen Rondel ein Bassin füllte. In der Nähe steht auch der jetzt unkenntlich gewordene, einst mit einem Gemälde geschmückte Bildstock, zum Gedächtniß des hier 1570 erschlagenen Vogtes Rochus Merz von Staffelfelden errichtet.

Die Burg Schramberg wurde 1457–59 von Hans von Rechberg († 1464) erbaut (Zimmerische Chronik 1, 382)[WS 1], und wie auch die verschiedenen Jahreszahlen beweisen, später vielfach verändert, erneuert und vergrößert; im October 1633 wurde sie auf den Rath Wiederholds ausgebrannt (s. VII. 3) und nach der Wiederherstellung den 1 (11) Januar 1689 von den Franzosen eingeäschert. (Sattler, Herzoge 7, Beilage S. 67, von Martens 521.)

2. Burg Schilteck. Eine Viertelstunde unterhalb Schramberg, auf einem schönen steilen Granitvorberge, der Teufelskopf genannt, den dichter Laubwald umhüllt, streben aus einem hohen, durch den Granit hindurch geschobenen Porphyrfelsen die malerischen Trümmer der Burg Schilteck empor. Der Berg hängt gegen Westen durch einen schmalen Grat mit dem Gebirge zusammen, sonst fällt er sehr steil ab; gegen Osten, wo an seinem Fuße die Schiltach vorbeirauscht, ist er ganz unzugänglich. Jener schmale Grat wurde von einem weiten und tiefen Graben durchstochen und hiedurch die Burg auch auf dieser Seite unzugänglich gemacht. Ihre Ringmauern bilden ein Rechteck, 50 Schritte lang, 22 Schritte breit. Um die am meisten ausgesetzte Stelle, den Graben, zu decken, wurde ein sehr starker Thurm, Bergfried, ganz nahe an der westlichen Seite der Ringmauern erbaut; sie stehen hier, von einigen Schießscharten durchbrochen, noch bis zu 20′ aufrecht, gegen Osten hin verlieren sie sich mehr und mehr. Der| Thurm selbst, 30′ im Geviert haltend, ist noch 60′ hoch und aus prächtigen Buckelquadern erbaut, an denen sehr alte Steinmetzzeichen in Menge angebracht sind.

Der Thurm steht auf sehr hohem Sockel, hat gegen Westen ein fast ganz verschüttetes Rundbogenpförtchen, gegen Osten, etwa 40′ über dem Boden, eine außen gedrückt spitzbogige, innen rundbogige Öffnung, vor der einst ein Austritt (Altan) auf 3 starken, jetzt verstümmelten Kragsteinen ruhte. Gegen Süden befindet sich eine spitzbogige Schießscharte und ganz oben ein großes, halb zertrümmertes Rundbogenfenster; die verzackten Thurmmauern sind jetzt mit Tannen und Birken bewachsen, das Quaderwerk und besonders die Wölbungen von trefflicher Ausführung; die Ringmauern der Burg, bis zu 6′ dick, bestehen aus kleinen unregelmäßigen Steinen, mit viel Mörtel verbunden. Die Zeit der Erbauung ist um 1200. Graf von Bissingen rettete durch Ankauf die schöne für den Abbruch bestimmte Ruine, von der aus man einen hübschen Blick das Schiltachthal auf- und abwärts genießt.[2]

3. Burg Falkenstein. Wenige Schritte oberhalb des Falkensteiner Kirchleins verengt sich das Thal und quer über dasselbe erscheint Granit und Porphyr in scharfen nackten Felsgräten emporgeschoben, zwischen denen sich der ungeduldige Berneckbach aus jäher Schlucht hervordrängt. Auf der linken Seite des klaren rauschenden Bergwassers erheben sich sofort die ausgedehnten Trümmer der Burg Falkenstein: gleich hinter dem ersten Felsengrat bricht auf dieser Seite die Schlucht des Ramsteinbaches senkrecht auf die der Berneck herein; durch sie ging einst ein wichtiger Paß auf das Gebirge hinauf und ihr Anfang war durch ein Thor gesperrt; man sieht noch an beiden Steilgehängen die Reste der die Schlucht abschließenden Mauern hinanlaufen; hier war der erste Eingang und von hier aus führte in dieser Seitenschlucht der Burgweg zum Falkenstein, der sehr ausgedehnt und| eine großartige Befestigung eines ganzen Felsengebietes war. Geht man im Berneckthal aufwärts, so erscheint zuerst ein Felsen verschanzt, und dann erst kommt die Hauptburg mit einem vom Thal aus sichtbaren, ganz an den Rand vorgeschobenen Thurm aus den Felsen herauswachsend. Rückwärts von diesen, von unten aus sichtbaren Trümmern liegen im Walde noch mannigfache halbzerfallene Gemächer, wild verwachsen und schwer zugänglich. Die ganze Stätte mit ihren schwindelhohen Felszacken und verwegenen Mauertrümmern, von denen schlanke Tannen und Birken emporstreben, gibt ein Bild seltener Kühnheit und Großartigkeit.

F. (Valkenstein) tritt 1030 in die Geschichte ein, als der aufständische Herzog Ernst II. von Schwaben zuletzt noch allhier durch Raub und Plünderung sein Leben fristete und am 17. August in der Nähe dieser Felsenburg im heißen Kampfe mit den Kaiserlichen fiel. (Stälin, Wirt. Gesch. 1, 482.)

Die Herren von F., welche einen Widder im Wappen führten, sind seit 1273 bekannt; in diesem Jahre beschenkte Berthold Edler von F. mit einem durch ihn erkauften Hof in Engstlatt das Kloster Offenhausen. Sonstige Namen in der Familie sind Erkinger, Aigelwart, Konrad, Erhard, Eglof u. s. f. Den 9. Jan. 1347 belehnte K. Ludwig den Erkinger Aigelwart mit dem Bergwerk zu Kappel und am 24. Februar d. J. siegelt „Conrad von V. zu Ramstein“ eine Kl. Alpirsbacher Urkunde. Im Anfang des 15. Jahrhunderts waren diese Herren zeitweilig Pfandbesitzer von Schiltach und Sindelfingen (Steinhofer 2, 490. 612). Aber nach dem Verkauf der namengebenden Burg (s. u.) kamen sie gegen das Ende desselben Jahrhunderts so herunter, daß sie sich keine Freiherren mehr schrieben und unter dem gemeinen Adel sich verheiratheten. (Zimmerische Chronik 1, 379.)

4. Burg Berneck oder Tischneck. Diese liegt eine halbe Stunde weiter oben in der Berneckschlucht auf der rechten Seite des Baches; man bemerkt kaum noch einige Spuren von ihr, aber die Felsmassen, worauf die Burg stand und die ihrer nächsten Umgebung sind so keck, so thurmartig gestaltet, daß man glaubt, das alte Raubnest schaue noch von der Höhe herab.

Sehr gutes Trinkwasser liefern für Schramberg hinreichend 9 laufende Brunnen, worunter der Hirschbrunnen sich durch ganz vortreffliches Wasser auszeichnet. Das Wasser wird zum Theil aus großer Entfernung in hölzernen Deucheln und bei 2 Brunnen in bleiernen Röhren hergeleitet. Eine bescheidene Badanstalt, das Berneckbad mit| Wirthschaft, liegt etwa 1/2 Stunde südlich von Schramberg in der wildromantischen Berneck, gerade bei der Burg Falkenstein; es wurde im Jahr 1833–34 erbaut und wird von den Bewohnern der nächsten Umgegend benützt; auch bildet es wegen seiner äußerst schönen Lage einen beliebten Ausflugspunkt für die Schramberger.

Auch die Markung ist reich an herrlichen Quellen und sämtliche Parzellen sind mit gutem Trinkwasser hinreichend versehen. Die bedeutendsten sind die Thierstein-, Göttelbach-, Schloßwald-, Bauernwald- und Kirnbachquellen. Überdieß berühren die Markung der Lauterbach, Berneckbach, Kirnbach, Göttelbach, Haselbach, Glasbach und andere kleinere Bäche. Diese klaren Gewässer schwellen oft furchtbar an und treten verheerend aus. Im Jahr 1702 den 12. Juli liefen in Folge eines Wolkenbruches die Gebirgsbäche so sehr an, daß das ganze Schramberger Thal überschwemmt wurde und man ohne Lebensgefahr nicht einmal zu Pferd von einem Haus zum andern kommen konnte. Die Fluth rieß viele hundert Wagen Holz und nicht nur alle Brücken, sondern auch die starken Wehre hinweg. Viele Häuser wurden beschädigt und eine Scheuer bei der Pulvermühle ganz zerstört. Eine andere Wasserfluth entstand den 23. März 1730 beim schnellen Schneeabgang und rieß ein Haus bei der Sägmühle ganz, ein anderes hälftig weg, auch ein Theil der Kirchhofmauer wurde weggeschwemmt. Den 25. Okt. 1778 nahm das Wasser einen Theil des neuerbauten Schlosses, 13 Häuser, alle Brücken und Stege, und selbst einen Theil des Chors der Kirche samt dem Hochaltare mit sich fort. Auch 1824 war große Überschwemmung und die Gewässer stiegen 9′ über den gewöhnlichen Stand. Unterhalb des Ortes ist ein Floßweiher angelegt, und bei der Parzelle Bühlhof eine Einbindstätte. Es gehen jährlich 10–15 Flöße im Werth von je etwa 3000 fl. von hier bis zur Haupteinbindstätte bei Kehl. Die Flößerei wird jedoch nicht mehr in der Ausdehnung getrieben wie früher.

Staatsstraßen gehen nach Schiltach, Hornberg und Sulgau (Rottweil und Oberndorf); Vicinalstraßen nach Thennenbronn und Hardt.

Fünf hölzerne Brücken und 4 Stege führen über die Schiltach, 2 hölzerne und 1 eiserne über den Göttelbach, je 1 steinerne über den Haselbach, Glasbach und über den Kirnbach, 3 hölzerne über die Berneck, 1 hölzerne über den Lauterbach und 2 eiserne über den Gewerbskanal. Von diesen allen sind 3 Brücken vom Staat, 2 von der Stiftungspflege, die übrigen von der Gemeinde zu unterhalten.

Die Einwohner, ein Menschenschlag von mittlerer Stärke und Größe, sind fleißig, betriebsam, arbeitsam, geordnet, gefällig und leicht| erregbar, sich für Tagesfragen und öffentliche Angelegenheiten interessirend; kirchlicher Sinn herrscht bei den allermeisten. Sechs Ortsangehörige zählen gegenwärtig über 80 Jahre.

Im Ort selbst herrscht durchaus die städtische Tracht und städtisches Wesen; anders sind die Bewohner der Parzellen, die sowohl in Sitte als Tracht einen durchaus ländlichen Charakter haben (s. hier. den allgemeinen Theil). Die Haupterwerbsquelle besteht im Gewerbebetrieb, während die Landwirthschaft eine untergeordnete Stelle einnimmt und von der ganzen Markungsfläche mit 4516 Morgen sind nur 589 Morgen angebaut, 929 liegen brach; die übrige Fläche nehmen die Waldungen, Straßen, Gewässer, Gebäude, Heiden etc. ein.

Was die Vermögensumstände betrifft, so ist die Mehrzahl der Einwohner, als der in Fabriken und anderen Gewerbeanstalten arbeitenden Klasse angehörig, wenig bemittelt; indessen hat es ihnen bis jetzt an Verdienst noch nie gefehlt. Dagegen sind mehrere reiche Fabrikbesitzer und wohlhabende Gewerbetreibende im Ort vorhanden. Mit Ausnahme des dem Grafen von Bissingen gehörigen Guts mit 1149 Morgen, worunter 924 Morgen Waldungen, beträgt der größte Güterbesitz eines Bauern auf den Parzellen 58 Morgen Feld und 144 Morgen Wald; geschlossene Besitze von 30–50 Morgen gehören in den Filialorten, wo es übrigens meist sogenannte Waldbauern gibt, nicht zu den Seltenheiten. In Schramberg besitzt der sog. Mittelmann 1–2 Morgen Garten und Feld und die ärmere Klasse 1/82/8 Mrg. Garten und Kartoffelland. Einzelne Wohlhabende haben Güterstücke auf fremden Markungen, die sich im Ganzen auf mehrere hundert Morgen belaufen.

Die ziemlich große, von Süden nach Norden in die Länge gezogene Markung ist mit Ausnahme der Thalsohlen und einiger ebener Lagen auf Bergvorsprüngen und Bergrücken, durchaus sehr uneben, gebirgig, felsig, an manchen Stellen unzugänglich, kurz ein echtes Gebirgsland.

Der aus den Zersetzungen des Granits, Todtliegenden und Buntsandsteins bestehende Boden ist nicht sehr ergiebig und die Wiesen erzeugen vielfach saures Futter; an den steilen Bergabhängen muß der von oben herabgeschwemmte Boden jedes Jahr wieder hinauf geschafft werden.

Der anstehende Granit, in welchem Quarz vorherrscht, wird zu Mühlsteinen und Straßenmaterial benützt; zu letzterem auch der vereinzelt vorkommende Porphyr. Hinter dem Hammerwerk wird Schieferthon bergmännisch abgebaut und als feuerfestes Material zu| verschiedenen industriellen Zwecken verwendet. Lehm-, Sand- und Kiesgruben sind mehrere vorhanden. Früher wurde an einigen Stellen, namentlich auch im Granit am Schilteckberg, Erz gewonnen; es scheint ein geringhaltiges Eisenerz (Eisenglimmer) gewesen zu sein, welches auf dem in alten Zeiten unterhalb der Stadt bestandenen Schmelzwerk verhüttet wurde. In der Nähe des Hammerwerks stößt man jetzt noch auf Hochofenschlacken.

Das ursprüngliche Hammerwerk gehörte Oestreich, das seine eigenen Direktoren darauf hatte und von dem es die Grafen von Bissingen um 6000 fl. an sich brachten; diese verkauften es an den Freiherrn von Uechtriz in Hausach um 18.000 fl., allein der Staat genehmigte diesen Kauf nicht und übernahm das Werk selbst im Jahr 1820 um 20.000 fl. und gab es um 1000 fl. jährlich an Uechtriz auf 9 Jahre in Pacht. Nach Ablauf des Pachts wurde in Schramberg ein K. Hüttenamt errichtet und im Jahr 1833 1400 Centner Roheisen, 1834 2000 Centner und 1837 1500 Centner von dem Hochofen in Ludwigsthal hieher gebracht. Im Jahr 1842 wurde das Hüttenamt aufgehoben und das Werk an Uechtriz und Faist verkauft.

Über die Bohrversuche auf Steinkohlen s. den allgemeinen Theil.

Bei der tiefen geschützten Lage von Schramberg ist das Klima im allgemeinen mild zu nennen, jedoch kommen auch schädliche Frühlingsfröste und den Sommer über kühle Nächte vor; in nieder gelegenen Gärten gedeihen Bohnen, Gurken, Spargeln etc. ganz gut und in günstigen Jahrgängen reift die Traube an den Kammerzen. Es wurde sogar der Versuch auf Weinbau gemacht und einige angelegte Weinberge ertrugen im Jahr 1834 einen ziemlich guten Wein, allein dieß wiederholte sich gar zu selten und der Weinbau wurde deßhalb vor etwa 10 Jahren wieder aufgegeben. Auf den Höhen ist das Klima viel rauher und die Luft stets bewegt, häufig stürmisch. Im Jahr 1686 fiel den 9. Juni auf den Hochgegenden ein tiefer Schnee und man mußte wegen der Kälte einheizen; im Juli 1696 war es etliche Tage so kalt, daß die mit der Heuernte beschäftigten Leute Feuer auf den Wiesen anzünden mußten, um sich zu wärmen. Hagelschlag kommt selten vor.

Wegen der ungünstigen Terrainverhältnisse kann von einem geregelten landwirthschaftlichen Betrieb nicht die Rede sein, daher jeder willkürlich sein Feld, öfters mit großen Anstrengungen und eisernem Fleiße baut, und dem Boden nicht allein durch die gewöhnlichen Düngungsmittel, sondern mittelst Kompost, Gips, Salzasche, Holzasche,| Knochenmehl etc. nachzuhelfen sucht. Auf den Parzellen ist auch das Brennen der Felder theilweise noch üblich.

Pflüge (Wendepflüge, zuweilen auch Hohenheimer Pflüge) trifft man nur auf den hochgelegenen Filialorten, während in Schramberg und in den an den Thalabhängen liegenden Parzellen das Feld mühsam mit der Haue bearbeitet werden muß. Auf größeren Gütern in den Parzellen hat auch die eiserne Egge und sogar die Dreschmaschine Eingang gefunden.

Zum Anbau kommen vorzugsweise Roggen und Haber, weniger Weizen, Dinkel und Gerste; überdieß Kartoffeln, Hanf, Flachs, Reps und etwas Hopfen, jedoch nur für den eigenen Bedarf. Die Felderzeugnisse reichen weit nicht zur Befriedigung des eigenen Bedürfnisses und es müssen daher, namentlich in Schramberg, sehr viele Brodfrüchte und andere Lebensmittel von außen bezogen werden.

Der Wiesenbau nimmt in Schramberg etwa den vierten Theil der angebauten Fläche ein; die, mit Ausnahme von 15 Morgen, durchaus wässerbaren Wiesen sind zweimähdig und erlauben nur in den besten Lagen einen dritten Schnitt. Das Futtererzeugniß ist mittelmäßig, nicht selten sauer, und reicht nicht für den vorhandenen Viehstand, so daß noch viel Futter auswärts gekauft werden muß.

Auf den Gartenbau wird viel Fleiß verwendet und nicht nur ein Handelsgärtner in Schramberg, sondern auch mehrere Ortsbürger treiben Handel mit Gartengewächsen. Als ausgezeichnet schöne Gärten sind der Schloßgarten des Grafen von Bissingen und der Faist’sche Garten zu nennen; in beiden bestehen auch Gewächshäuser.

Die Obstzucht ist verhältnißmäßig gut und im Zunehmen begriffen; es werden nicht allein die gewöhnlichen, sondern auch in neuerer Zeit feinere Kernobstsorten, wie auch Kirschen und Zwetschgen gepflanzt. Die Gemeinde besitzt eine sehr schöne Baumschule und hat neben einem Baumwart noch einen besonderen Wärter für die Beaufsichtigung des Baumsatzes an den Straßen aufgestellt. Das Obst wird im Ort verbraucht und noch vieles von außen zugekauft.

Die Markung umfaßt 2167 Morgen Nadelwaldungen, hievon gehören der Gutsherrschaft 924 Morgen, der kombinirten Stiftung 116 Morgen und der Rest den Privaten; die Gemeinde selbst besitzt keine Waldungen auf der Markung, dagegen hat sie 35 Morgen Wald auf der Markung Hardt angelegt, der noch keinen Ertrag gewährt.

Ganz unbedeutend ist die Zucht der Pferde und die Pferdehaltung beläuft sich gegenwärtig auf 86 Stücke; auch die Rindviehzucht,| welche sich mit einer guten Land- und Allgäuerrace beschäftigt, ist von keinem großen Belang; ein Gemeindebürger hält 2 Zuchtstiere (Landrace), gegen eine Gemeindeentschädigung von 50 fl. jährlich. Handel mit Vieh findet nicht statt, dagegen ist der Milchverkauf in Schramberg beträchtlich. Die Stallfütterung ist eingeführt und nur auf einzelnen Parzellen wird zuweilen das Vieh noch ausgetrieben.

Schafe laufen nur 40 Stücke auf der Markung.

Eigentliche Schweinezucht wird nur in ganz geringer Ausdehnung betrieben; die meisten Ferkel (Land-, ungarische und bayerische Race) werden eingeführt und beinahe alle für den eigenen Bedarf aufgemästet.

Die Ziegenzucht (etwa 60 Stücke) wird durch das bergige Terrain begünstigt.

Die nicht unbedeutende Zucht des Geflügels wird meist für den eigenen Bedarf getrieben und die der Bienen (191 Stöcke) ist im Zunehmen begriffen.

Die Fischerei, meist auf Forellen, hat gegen früher abgenommen und ist gegenwärtig von der Fischerei-berechtigten Gemeinde um 16 fl. jährlich verpachtet; der Gutsherr darf seinen Bedarf unentgeltlich fischen lassen. Steinkrebse kommen in ziemlicher Menge vor.

Von den zahlreichen Gewerben nennen wir:

1. Die Porcellan- und Steingutfabrik von Uechtritz und Faist mit etwa 400 Arbeitern, zu der im Jahr 1830 Isidor Faist den Grund legte und nach mehrjährigem Bestehen Freiherr v. Uechtritz beitrat; die Fabrikate sind weißes, farbiges, gedrucktes und bemaltes Steingut, wie auch seit dem Jahr 1852 weißes, theilweise mit Farben und Gold verziertes Porcellan. Ferner verdient die Darstellung von feuerfesten Backsteinen, die einer sehr hohen Temperatur zu widerstehen vermögen, erwähnt zu werden. Die Rohmaterialien werden theils bei Schramberg und dessen Umgegend gewonnen, theils aus größerer Ferne bezogen. Die Absatzorte für die verschiedenen sehr gesuchten Fabrikate sind: Württemberg, Baden, Bayern, die Schweiz, theilweise auch Österreich und Italien. Zum Betrieb der Massenmühlen und Pochwerke sind 12 Wasserräder und 250 Pferdekräfte thätig.

2. Die Strohwarenfabrik von J. P. Haas u. Comp, zu der im Jahr 1832 der gräflich von Bissingen’sche Rentbeamte, Koch, Schultheiß Jegglin und der katholische Ortsgeistliche die erste Anregung gaben, wurde auf Aktien gegründet; an ihr betheiligten sich die wohlhabenden Bürger Schrambergs und der zur| Herrschaft Schramberg gehörigen Orte, sowie die gräfliche Familie Bissingen. Dem Unternehmen gab man die Firma Armenbeschäftigungs-Anstalt. Die damals ausschließlich fabricirten Strohhüte wurden auf benachbarten Märkten abgesetzt, allein die Gesellschaft hatte bis zum Jahr 1836 nicht nur keinen Gewinn, sondern ein Deficit, weßhalb sie sich auflöste und der Graf v. Bissingen übernahm alsdann die freigewordenen Aktien und überdieß erhielt auf dessen Ansuchen das Unternehmen von Seiten der K. Regierung kräftige Unterstützung, jedoch unter der Bedingung, daß das Geschäft von einem Kaufmann in die Hand genommen werde; es wählten die Aktionäre den in Schramberg ansäßigen J. P. Haas. Man fabricirte nun auch Seidenhüte und später erbot sich Kaufmann J. Tobler aus Zürich weitere Branchen der Strohindustrie (Taschenfabrikation und Palmhutflechterei) einzuführen, von denen die Strohtaschen nach Frankreich, England, Belgien, Holland, dem Rheinlande und sogar nach Amerika abgesetzt wurden. Die Armenbeschäftigungsanstalt wurde nun in eine Industrieanstalt umgewandelt und im Jahr 1845 trat Erhard Junghans definitiv ins Geschäft ein und leitete die Taschenfabrikation. Der Absatz der Fabrikate steigerte sich mit jedem Jahr auf eine erfreuliche Weise. Die Strohflechterei wurde nun auf 33 Gemeinden der Oberämter Oberndorf, Sulz, und Rottweil allmählig ausgedehnt; man errichtete Flechtschulen in denselben, wozu die Staatsregierung ihre Unterstützung gerne gewährte und auf diese Weise steigerte sich die Betheiligung auf 5–6000 Menschen, die im württembergischen Schwarzwalde mit Strohgeflechten aller Art, Verfertigung von Palm-, Panama- und Fischbeinhüten, Korbflechten etc. den größten Theil des Jahrs Arbeit und Verdienst finden; ja es gibt Gemeinden, denen für die Industriebetheiligten bis auf 10.000 fl. das Jahr ausbezahlt werden. Die Anzahl der Hüte, welche in einem Jahr gefertigt wurden, belief sich schon auf etwa 500.000 Stücke. Bald wurde auch die Strohfärberei und die Leim-, namentlich auch die Knochenleimfabrikation eingeführt; aus den abgängigen Knochen wurde Knochenmehl fabricirt, von dem gegenwärtig etwa 2000 Centner an Landwirthe verkauft werden. Die nun bestehende Firma des Geschäfts, „Strohmanufaktur von J. P. Haas u. Comp.“ entstand im Jahr 1854, nachdem die noch verbliebenen Aktionäre ihre Aktien an den Grafen von Bissingen abtraten, der sich mit J. P. Haas und Erhard Junghans zur nunmehrigen Gesellschaft einigte. Das Geschäft hat seine eigenen Reisenden, die sowohl von Schramberg aus, als auch von dem Filialgeschäft in Berlin und den Niederlagen| in Wien und Hamburg in großer Ausdehnung Bestellungen auf die Strohwarenfabrikate aufnehmen. In den für die Fabrik arbeitenden Gemeinden wurden Sparvereine und in Schramberg ein Krankenhilfskassen-Verein gegründet, so daß auch auf diese Weise für die Arbeiter gesorgt wird. Aus dieser Strohmanufaktur ist eine weitere

3. die Strohwarenfabrik von Kaufmann J. G. Wolbert hervorgegangen; sie fabricirt hauptsächlich Strohhüte, Strohtaschen etc. und beschäftigt gegen 300 Personen, so daß die Strohmanufaktur mit ihren Nebenzweigen gegenwärtig 7–8000 Menschen beschäftigt. Auf eine segensreiche Weise wirkt sie in Schramberg und der ganzen Umgegend sowohl in ökonomischer, als auch in sittlicher Hinsicht. Auch die übrigen Gewerbeanstalten, namentlich die Porcellan- und Steingutfabrik, tragen sehr viel zur Hebung der sonst armen, außer Holz wenig hervorbringenden Gegend bei.

5. Ein Stahl- und Eisenwerk mit 4 Arbeitern.

6. Eine Broncewarenfabrik, die hauptsächlich Metalluhrenschilde verfertigt.

7. Eine Teigwarenfabrik, verbunden mit einer Kunstmühle, Eigenthum des Grafen von Bissingen; fabricirt Nudeln und Macaroni, die in alle Gegenden des In- und Auslandes abgesetzt werden; sie beschäftigt 20 Arbeiter.

8. Eine Wollspinnerei liefert hauptsächlich Garn für die örtlichen Kittel- und Strumpfstricker, die in großer Anzahl (9 Meister und viele Gehilfen) vertreten sind; von den Meistern treiben das Geschäft 2 in größerem Maßstabe.

Ferner sind vorhanden, 2 Färbereien, 2 Bleichen, 3 Ziegeleien, eine Leimsiederei, 2 Knochenmühlen, eine Holzwarenfabrik, eine Papiermühle, die hauptsächlich Pappendeckel fabricirt, eine Fabrik für emaillirte Zifferblätter, eine lithographische Anstalt, eine photographische Anstalt, eine Messinggießerei, mehrere Schildmalerwerkstätten, zwei Kunstmühlen, von denen eine schon oben angeführt ist, 3 gewöhnliche Mahlmühlen mit 12 Mahlgängen und 5 Gerbgängen, 2 Ölmühlen, 2 Hanfreiben, 4 Walkmühlen, eine Lohmühle, 3 Sägmühlen, worunter eine großartige, dem Grafen v. Bissingen gehörige, 15 Schildwirthschaften, worunter 7 mit Bierbrauereien, 9 Kaufleute, 38 Kleinhändler, 26 Uhrenmacher, die meist Schwarzwälder Uhren verfertigen, und überdieß sind die gewöhnlichen Handwerker stark vertreten; die Uhrenmacher, Weber, Schreiner und Stricker arbeiten in großer Ausdehnung nach außen.

| Als Nebengewerbe wird die Wollspinnerei meist für den eigenen Bedarf betrieben; das Strohhutnähen beschäftigt viele weibliche Personen und das Spalten der Strohhalme und der Palmblätter wird von Kindern, wie auch von älteren weiblichen Personen getrieben.

Mit den Fabrikaten der genannten Fabriken, insbesondere der Strohmanufaktur, der Porzellan- und Steingutfabrik, der Teigwarenfabrik, der Uhrenmacher etc. wird bedeutender Aktivhandel nach allen Ländern Europas und nach Amerika getrieben.

Eingeführt werden namentlich Rohprodukte, wie Erden, Geflechte, Palmblätter, Farbhölzer, Metalle, Steinkohlen etc.; durchgeführt Weine, Getreide, Obst, Vieh, Holz, Rinde, Öle, Sämereien etc. Frachtfahrer sind 14 im Ort mit zusammen 64 Pferden, welche nach Hausach, Villingen, Tryberg, Rottweil, Horb etc. fahren.

Die Stadt hat das Recht, alljährlich 6 Krämer- und Vieh-Märkte abzuhalten, auf denen sehr lebhaft mit Rindvieh und Pferden gehandelt wird; sodann besteht eine stark besuchte Fruchtschranne.

Eine im Jahr 1840 errichtete Realschule, 5 Volksschulen, eine Fortbildungsschule und eine Industrieschule; ferner ein Krankenhaus, ein Armenhaus, Arbeiterkassen, eine Gewerbebank und ein Gewerbeverein sind vorhanden.

Es besteht eine kombinirte Stiftung für die sog. Herrschaftsorte Schramberg, Aichhalden, Sulgen, Mariazell, Hardt, Lauterbach und Lackendorf; der ursprüngliche Stifter soll Eberhard v. Ramstein ums Jahr 1390 gewesen sein, die Hauptstiftung rührt jedoch von Rochus Merz von Staffelfelden her, welcher im Jahr 1550 7400 fl. Kapital und 321/2 Malter Molzenfrucht stiftete. Gegenwärtig besitzt die Stiftung 145.000 fl. Kapitalvermögen, 300 Morgen Güter und 500 Morgen Waldungen nebst bedeutendem Inventar an und in den Kirchen, Pfarrhäusern etc. Die Zinse werden zu Besoldungen der Geistlichen, theilweise der Lehrer, Unterstützung der Schüler, Kultkosten, Unterhaltung der Gebäulichkeiten etc. verwendet.

Die im Jahr 1806 gegründete Lokalarmenstiftung besitzt ein Kapitalvermögen von 10.000 fl.

Was nun die Alterthümer betrifft, so sind die Burgruinen in der nächsten Umgebung von Schramberg schon oben angeführt und es bleibt nur noch zu erwähnen, daß man auf der Burg Schramberg schon alte Waffen und Münzen aufgefunden hat; auch geht die Sage von dem tragischen Ende eines der Burgbesitzer, Rochus Merz, den in der Mitte des Burgwegs samt seinem Roß die Erde verschlungen haben soll; ein alter Bildstock bezeichnet diese Stelle.

| Nach der Sage führte in alten Zeiten durch das Ramsteiner Loch an der Burg Falkenstein vorbei eine frequente Straße nach Freiburg, eine weitere über die Hochsteige nach Straßburg; diese lief von dem Schloß Schramberg in nordwestlicher Richtung auf der Wasserscheide hin und zeigt theilweise noch das ursprüngliche Pflaster. Auch der Weg zur Burg Schramberg ist gepflastert.

Die zu der Gemeinde gehörigen Parzellen liegen theils in den von Schramberg nach allen Richtungen hinziehenden Thälern, theils an den Thalabhängen oder auf den Höhen; sie bestehen mit einigen Ausnahmen meist aus zerstreut liegenden kleinen Weilern, Höfen und einzelnen Häusern, die mit ihren in ansprechendem Gebirgsstil erbauten heimlichen Wohnungen diese urkräftigen Gegenden freundlich beleben.

Wir nennen nur die bedeutenderen und zwar:

1. Göttelbach, ein aus vereinzelten Häusern bestehender Weiler, der 1/4 Stunde östlich vom Mutterort an der Schramberg-Oberndorfer Landstraße im tief eingeschnittenen Göttelbach-Thale liegt.

2. Hutneck, Weiler, mit Friedrichsberg, liegt 3/4 Stunden südöstlich von Schramberg; in älteren Zeiten scheint hier der Sitz eines Edelknechts gewesen zu sein, denn 1320 verkauft Burkart von Hutteneck seinen Lehenhof in Bochingen an das Frauenkloster zu Oberndorf.

3. Kirnbach, Weiler, liegt weit zerstreut 3/4 Stunden südöstlich von Schramberg in dem Kirnbach-Thale und an den unteren Ausläufern der hohen Thalgehänge desselben. Am 1. Mai 1280 verkaufte Herzog Ludwig von Teck sein Gut zu K. samt dem Kirchensatz und andern Rechten an Brun von Hornberg. Im Kirchlichen wurde K. 1787 von Mariazell getrennt und nach Schramberg eingepfarrt.

4. Raustein, liegt 1/2 Stunde südlich von Schramberg in der Berneck. Die Parzelle wurde 1558 von Rochus Merz zur Herrschaft Schramberg dem Herzogthum Württemberg abgetauscht.

5. Spittel, Weiler, ganz nahe (südöstlich) von Schramberg, im Berneckthal gelegen, gleichsam eine Vorstadt von Schramberg bildend. Es wurde hier im Jahr 1744 ein Militärspital errichtet, daher der Name dieser Häusergruppe.

6. Thierstein, 1/2 Stunde nördlich von Schramberg gelegen; in dem Walde „Thierstein“ befinden sich spärliche Überreste einer abgegangenen Burg.

7. Unter-Tischneck, Weiler, ist auf einem zwischen der| Berneck und dem Kirnbachthal hinziehenden Bergrücken, eine Stunde südöstlich vom Mutterort hoch gelegen; im Jahr 1787 wurde der Ort von Mariazell getrennt und nach Schramberg eingepfarrt. Ober-Tischneck, jetzt kurz Tischneck genannt, blieb bei Mariazell und wurde bei Errichtung der selbstständigen Gemeinde Hardt dieser politisch zugetheilt. In Unter-Tischneck wurden im 16. Jahrhundert zwei Lehengütchen von Württemberg eingetauscht und 1550 machte Jakob Langenbach seinen bisher zehentfreien Hof gegen 10 fl. auf ewige Zelten zehntbar.

Der Ortsname ist ursprünglich Schrannenberg (so vorkommend z. B. in einer Kloster Alpirsbacher Urkunde vom 27. October 1293, also von Schranne abzuleiten; früher wurde gesagt „der Schramberg.“ (Zimmerische Chronik 3, 377.)[WS 2], Schramberg wurde der Hauptort einer Herrschaft, welche früher Falkenstein hieß, und zu welcher nach ihrem späteren Bestande (bei dem sie, unter dem gräflich bissingen'schen Obervogteiamt, bis 1806 6 Ämter bildete) Sch., Aichhalden, Lauterbach, Mariazell, Sulgen[3] und Thennenbronn (seit 1810 badisch) mit Parcellen gehörten. Ursprünglich Eigenthum der Herzoge von Zäringen kam die Oberherrschaft über diese Orte von ihnen erblich an deren Nebenzweig, die Herzoge von Teck. Als Teck’sche Lehensmannen in der Gegend erscheinen im Anfang des 14. Jahrhunderts die Herren von Schilteck (1304 Nov. 20 in der Urkunde der Herzoge Simon und Konrad von Teck). Durch Heirath kam ein Antheil an Diem Herter, dessen Sohn sich Fritz Herter von Schiltegg nannte und am 18. Nov. 1333 von Herzog Ludwig von Teck mit Gütern in Göttelbach, auf Sulgen und Liebenberg, in Sulzbach und Lauterbach, am Schrannenberg, an der Schiltach, am Berlisbach etc. belehnt wurde. Eine seiner Schwestern und Erbinnen, Anna, verkaufte am 27. April 1347 die Mühle zu Schrannenberg und verschiedene umliegende Besitzungen an die von Falkenstein. Auch die Herren von Ramstein (bad. Amt Hornberg) erhielten Antheil an der Herrschaft. Nach und nach kam die ganze Herrschaft an die noch weiterhin begüterten Herren von Falkenstein, welche sie seit Aussterben der Herzoge von Teck (noch Anfangs des 15. Jahrhunderts) als Eigenthum besaßen.

Graf Ludwig von Württemberg erkaufte den 26. Sept. 1444| von Konrad von Falkenstein seine Veste Unter-Falkenstein (die oben beschriebene Burg) mit Hofstatt, Gärten und Wiesen, auch Gütern zu Aichhalden, Sulgau, Lienberg, Schramberg, Kürnbach etc., auch einem Theil der Vogtei zu St. Georgen[4] und im Jahr 1449 von Jakob und Wilhelm und ihrem minderjährigen Bruder Hans von Falkenstein das obere Schloß samt ihrem Theil an genannter Kastvogtei (Steinhofer 2, 865. 907, Sattler, Grafen 2, 141. Martini, Gesch. des Klosters etc. St. Georgen 37), ohne jedoch überall einen festen Besitz für sein Haus zu begründen, da die Rücklösung bald erfolgte und nur die Vogtei über St. Georgen theilweise fortan – vollständig erst allmählig – an Württemberg gelangte. (Das obere Schloß Falkenstein, welches nach 1462 Graf Eberhard von Württemberg Jacoben von Falkenstein, Aigelwarts Sohn, zu einem Mannlehen ansetzte – Steinhofer 3, 94 – kam später ganz in Abnahme und bei der 1553 vorgenommenen Untersuchung der württembergischen Lehen konnte man kaum über seine Lage Kundschaft bekommen. Sattler, Topogr. 350).

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In der Mitte des 15. Jahrhunderts saß auf Ramstein Hans von Rechberg, in seiner späteren Ehe der dritte Gemahl Elsens, geb. Gräfin von Werdenberg-Sargans, welche in erster Ehe Aigelwart von Falkenstein, in zweiter Brun von Kürneck geheirathet hatte. Um die Zeit, als die schwäbischen Städte, gereizt durch die Gefangennehmung namhafter Bürger durch den Rechberger, 1452 Ramstein zerstörten, kaufte er von seinem Stiefsohn Jacob von Falkenstein das „Schlößchen Falkenstein, genannt das untere Schloß, und als er eine Zeit lang da saß, da räumte er einen Berg, hieß der Schramberg, darauf bauet er“ (Zimmerische Chronik 1, 379, vgl. 382 ff. [WS 3], s. indeß Steinhofer 2, 898). Über seiner Rauflust wurde Hans im Jahr 1464 durch den Grafen Eberhard im Bart von Württemberg in Schramberg belagert und erhielt bei einem Ausfall eine tödtliche Wunde († 13. Nov.). Darauf vermittelte Herzog Sigmund von Österreich zwischen der Wittwe des Rechbergers und dem Grafen einen Frieden, bei welchem Sch. der Wittwe verblieb (Sattler Gr. 3, 39). Im J. 1526 kam die Herrschaft aus Rechberg’schen Händen durch Kauf an Hans von Landenberg (Martini Kl. St. Georgen 119), welcher wegen des Jagdrechts mit Rottweil in wilde Fehden gerieth.| Auf ihn folgte sein Sohn Christoph, welcher die väterlichen Fehden noch erbitterter fortsetzte. Nach dem Ableben des letzteren († 1546) verkauften dessen Bruder Rudolf und Hermann Sch. und andere Güter, was alles tief verschuldet war (Zimmerische Chronik 3, 377)[WS 4], an Rochus Merz von Staffelfelden, zuletzt Hauptmann des Rittercantons Neckar-Schwarzwald (Gemahl Norburgis, geb. Mvnsinger v. Frundeck), welcher den Ort zum Marktflecken erhob, im übrigen aber seine Herrschaft hart bedrückte. Derselbe verwickelte sich gleichfalls wegen Pürschangelegenheiten mit Rottweil in einen langwierigen, endlich durch das Reichskammergericht zu Gunsten Rottweils entschiedenen Proceß. Im Jahr 1570 trug die Wittwe des letzteren, Anna, die Herrschaft an ihren Verwandten Zotter von Bernegg († 1583) ab, welcher sie tief verschuldet 1583 gegen 15.000 fl. Österreich zu Lehen auftrug. Nach seinem Tode gleich im Jahr 1583 belehnte Erzherzog Ferdinand damit den Grafen Wilhelm von Zimmern. Als dieser aber im Jahr 1594 kinderlos starb, zog Österreich die Herrschaft, trotz dem Widerspruch der Schwestern des Verstorbenen, als eröffnetes Lehen ein, und sie wurde jetzt eine landsäßige, zur österreichischen Grafschaft Hohenberg gehörige, während Graf Wilhelm sich noch „Herr der Freiherrschaft Schramberg“ geschrieben hatte. Am 10. Dez. 1601 befahl Kaiser Rudolf II., der Reichsritterschaft die Collectation in der Herrschaft nicht vorzuenthalten (Lünig, R.A. 12, 595). Markgraf Karl von Burgau erhielt Sch. nebst Zugehörungen um 1606; nach seinem Tode 1618 fiel es wieder an Österreich zurück und wurde den 4. März 1648 an den im Jahr zuvor in den Reichs-Freiherrnstand erhobenen Johann Friedrich von Bissingen-Nippenburg (1647 Commandant von Rottweil, kaiserlicher und bairischer Oberst) für eine an Österreich vorgeschossene Summe (33.150 fl.) verpfändet. Von 1693–95 besaß die Herrschaft Graf Jakob von Hamilton, Minister des pfalzneuburgischen Hofes, welcher am kaiserlichen Hofe viel galt; er zahlte 100.000 fl. an Österreich, welches das Pfand ausgelöst hatte. Aber bereits am 18. Januar 1696 erkaufte sie – als österreichisches Kunkellehen – wieder Ferdinand Karl, Freiherr von Bissingen (kais. Reichsrath und kurpfälzischer Kammerherr), welcher hatte weichen müssen, Sohn obigen Johann Friedrichs, für 140.000 fl., konnte sich übrigens bei der Widerspenstigkeit der Bürger und Bauern nur mit Hilfe von 500 Mann Executionstruppen in festen Besitz setzen. († 1716.) Fortan blieb die Herrschaft in dem Besitz der 1746 in den Reichsgrafenstand erhobenen Familie. Sie hatte vordem „den Blutbann, jedoch daß sie das Gericht und Recht mit tauglichen| Personen besetze und sich poenam sanguinis in eine Geldstrafe zu verändern nicht unterstehe.“ (Gärth.) Im Jahr 1805 kam die Herrschaft und namentlich die Oberlehensherrlichkeit unter Württemberg.

Am 25. Sept 1834 errichteten die Mitglieder der Familie der Grafen von Bissingen-Nippenburg einen Familienvertrag, durch welchen die Herrschaft Sch., ein Kunkellehen, zu einem Fideicommiß gemacht wurde, in welchem der Mannsstamm des gegenwärtigen Besitzers, Grafen Cajetan und nach dessen Erlöschen der Mannsstamm seines Bruders, Grafen Ernst zu Orawitza in Ungarn († 1835), mit Ausnahme des weiblichen Geschlechts der im Mannsstamm ausgestorbenen Linie und erst nach dem Aussterben des Mannsstamms beider Linien das weibliche Geschlecht im Besitze succediren soll. Auch darf die Herrschaft ohne die Zustimmung der Agnaten und Cognaten weder verpfändet noch belastet werden. (Der jetzige Herrschaftsbesitzer erkaufte 1836 Ramstein, wie oben erwähnt, und im Oberamt Rottweil gleichfalls 1836 Neckarburg, 1839 das Schloßgut Hohenstein.)

Ursprünglich (im Jahr 1275 schon längst) bestund für die Gegend eine Kirche Falkenstein (Freiburger Diöcesanarchiv 1, 40). Die Schramberger Kirche wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus einer Kapelle zur Pfarrkirche erhoben. Patronen sind die Grafen von Bissingen.

Nach dem Lagerbuch von 1547 bestunden in der Herrschaft Schramberg damals noch bloß drei Pfarrkirchen, Mariazell, Sulgen und Lauterbach, und vier Kapellen zu Schramberg, Falkenstein, Hugswald und Heiligenbronn.


  1. Schramberg wurde den 7. September 1867 zur Stadt erhoben.
  2. Herren von Schilteck (Schildegge), ursprünglich herzoglich Teck’sche Lehensleute, erscheinen von 1274 bis zu Ende des 14. Jahrh., Wernher 1274 (Schmid, Pfalzgr. v. Tüb. Urk. 51), Hugo 1280, Mai 1. als Zeuge Herzog Ludwigs von Teck, Johann 1304–1308 (Württ. Jahrb. 1846 a, 142, Mone Zeitschr. 15, 443, Schmid, Mon. Hohenb. 169). Ein Johann von Sch. verkaufte am 23. Mai 1343 den Kirchensatz zu Ebingen von dem Grafen Heinrich von Hohenberg: Albrecht von Sch. († vor 20. Nov. 1382) und Thomas Gebrüder veräußerten solchen an Burkhard von Thierberg. Sch. selbst besaß 1382 Eglolf von Wartenberg (v. Langen, Rotweil 385).
  3. Sulgen wurde 1558 als Stab substituirt für den Stab Langenkirnbach, welcher 1552 durch Merz von Staffelfelden erkauft, 1558 an Württemberg vertauscht wurde.
  4. Der Graf übergab darauf Unter-Falkenstein an Brun von Kürneck, als dieser sein Diener geworden, doch so, daß es der Herrschaft Württemberg zu allen ihren Nöthen ein offenes Haus bleibe. Steinhofer 2, 877.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmerische Chronik 1, 399, Zeile 30 ff.
  2. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmerische Chronik 3, 304, Zeile 5.
  3. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmersche Chronik 1, 396 vgl. Zimmerische Chronik 1, 399 ff.
  4. In der zweiten verbesserten Auflage: Zimmerische Chronik 3, 303, Zeile 40 ff.


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