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Beschreibung des Oberamts Neuenbürg/Kapitel B 22

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Maisenbach,
Gemeinde III. Kl. mit 380 Einwohnern. a. Maisenbach, Dorf. b. Zainen, Weiler; beide Pfarrfilial von Liebenzell, O.A. Calw.


a. Maisenbach liegt in einer wiesenreichen Flachmulde auf der Hochebene zwischen dem Enz- und Nagold-Thal, 3 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt und eine Stunde westlich von Liebenzell.

Das 1/4 Stunde lange, weitläufig gebaute, reinlich gehaltene Dorf lagert sich längs einer Straße, und die aus Holz und Steinen erbauten, theils mit Ziegeln, theils mit Schindeln gedeckten Gebäude, nehmen sich mit ihren angrenzenden Obstgärten freundlich aus. In der Mitte des Orts steht das Schulhaus, welches auch die Wohnung des Schulmeisters und die Gelasse für den Gemeinderath enthält. Trinkwasser liefern einzelne Quellen und Cisternen, die jedoch in ganz trockenen Jahrgängen versiegen, so daß das Wasser auswärts geholt werden muß; der Anfangs ganz unbedeutende Maisenbach entspringt im Ort und fließt in den nahen Längenbach, welcher 1/8 Stunde nördlich vom Ort in den Glaswiesen entspringt und die 1/4 Stunde nordöstlich vom Ort gelegene Maisenbacher Sägmühle treibt.

Die im Allgemeinen kräftigen, geordneten Einwohner sind trotz ihres Fleißes und ihrer Sparsamkeit ziemlich unbemittelt. Ihre Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht und Arbeiten in den Waldungen. Das Grundeigenthum ist jedoch hier in weniger kleine Parcellen getheilt, und Grundstücke von 6–10 Morgen kommen viele vor.

Die nicht große Markung hat einen mittelfruchtbaren leichten Sandboden, der von dem bunten Sandstein unterlagert wird. Das | Klima ist wie in der nächsten Umgegend rauh und erlaubt das Fortkommen feinerer Gewächse nicht; die Ernte tritt um 3–4 Wochen später ein als in den milderen Gegenden des Bezirks. Hagelschlag kommt selten vor.

Die Landwirthschaft wird, so gut als es die Verhältnisse erlauben, betrieben; Mangel an Streumaterial steht ihrer vortheilhafteren Entwicklung entgegen. Neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln sucht man die meist eben gelegenen Felder durch etwas Gyps, Holzasche und besonders Gülle zu verbessern; das Brennen der Felder ist beinahe noch allgemein üblich. In willkürlicher Bewirthschaftung baut man vorzugsweise Hafer, Roggen, Kartoffeln – wenig Dinkel, ziemlich viel Flachs und Hanf; beide letztere auch zum auswärtigen Verkauf.

Die durchaus 2mähdigen, übrigens nicht wässerbaren Wiesen sind ergiebig und ertragen durchschnittlich 25 Cent. Heu und 12 Cent. Öhmd. Die Preise bewegen sich von 350–600 fl. pr. Morgen.

Die Obstzucht ist ziemlich gut und überdieß im Zunehmen begriffen; man pflanzt hauptsächlich Sorten, die sich zum Dörren gut eignen, wie Wadel-, Franken-, Königsbirnen etc., überdieß sind auch ziemlich viele Zwetschgenbäume vorhanden. Mehrere Baumschulen, aus denen die Jungstämme bezogen werden, sind angelegt. Das Obst wird im Ort verbraucht. Die vorhandenen Weiden werden für das Rindvieh und die eigenen Schafe benützt.

Die ziemlich ausgedehnte Rindviehzucht beschäftigt sich mit einer tüchtigen, mit Allgäuer gekreuzten Landrace; die Farren hält ein Bürger Namens der Gemeinde. Handel mit Vieh findet in das Großherzogthum Baden statt.

Schweinezucht besteht nicht, und die Zucht der Ziegen, des Geflügels und der Bienen ist ganz unbedeutend.

Über das Gemeinde- und Stiftungsvermögen s. Tabelle III.

Im Dorf steht eine gothische Kapelle mit dem badischen Wappen, welche jetzt zu Profanzwecken dient.

b) Zainen, ein weitläufig in die Länge gebauter, durchgängig aus kleinen, unansehnlichen Häusern bestehender Weiler, der eine eigene, jedoch sehr kleine Markung hat und nur einige 100 Schritte südlich von Maisenbach liegt. Die natürlichen wie die landwirthschaftlichen Verhältnisse gleichen denen in Maisenbach, dagegen stehen die Einwohner in ihren Vermögensverhältnissen noch hinter den Maisenbachern. Die schulpflichtigen Kinder haben die Schule in Maisenbach zu besuchen.

Maisenbach kommt unter den Orten vor, mit welchen die Herzogin | Uta † 1196, geb. Gräfin von Calw, Gemahlin Welfs VI., das Kloster Hirschau beschenkte (Meisenbach totum. Cod. Hirs. 64 a).

Später erscheint er als Zugehörung des Amtes Liebenzell unter badischer Landeshoheit und kam mit diesem Amte im J. 1603 durch Tausch an Württemberg.

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