Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Neresheim/Kapitel B 16

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« Kapitel B 15 Beschreibung des Oberamts Neresheim Kapitel B 17 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Frickingen.
Gemeinde III. Kl. mit 532 Einw., wor. 1 Ev. a. Frickingen, Dorf, Filial von Dunstelkingen, 254 Einw., b. Iggenhausen, Weiler, 96 Einw., c. Katzenstein, Weiler, 182 Einw., d. Weihnachtshof, Hof, 0 Einw. Parzelle b. ist nach Dischingen, Parz. c. nach Dunstelkingen und Parz. d. nach Kösingen eingepfarrt. Die Ev. sind der Pfarrei Kapfenburg zugewiesen. 11/2 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.
Der hübsche gut gehaltene Ort liegt an der alten Nördlinger Straße und zwar hoch, unfern dem Rande des gegen Süden geneigten | Abhanges des Katzensteinbachthälchens. An den breiten Straßen stehen unregelmäßig und weit auseinander die einstockigen, sauberen, weiß getünchten Häuser, zum Theil noch mit Stroh gedeckt, und meistens mit der Scheune unter Einem Dache. Blumengärtchen und schöne schattige Obstbäume zwischen und neben den Häusern machen das Aussehen des friedlichen Dörfleins äußerst ansprechend, auch der Blick gegen Katzenstein hin und dahinter das Egauthal entlang bis nach Dischingen ist sehr lohnend.

Die kleine, dem hl. Veit geweihte Kirche wurde 1515 mit Bewilligung des Kl. Kirchheim von Berthold von Westerstetten am Nordostende des Ortes erbaut, 1816 aber der Chor eingerissen und an seine Stelle ein Schulhaus unter Ein Dach mit der Kirche gestellt. Ihr rechteckiges Inneres enthält drei Altäre, einige Ölbilder und an der Südwand eine alte unschöne Pieta (Maria mit dem Leichnam des Herrn). Auf dem Westgiebel sitzt ein Dachreiter mit Glöckchen und über dem Eingang steht 1853. Die Unterhaltung ruht auf der Gemeinde. Der Friedhof befindet sich in Dunstelkingen.

Das schon genannte Schulhaus, das an die Kapelle angebaut ist, enthält die Schulgelasse und die Wohnung des Schulmeisters.

Im Jahre 1855 wurde ein einstockiges Privathaus von der Gemeinde angekauft, das jetzt als Rathhaus dient.

Der Ort ist hinreichend mit gutem Trinkwasser versehen, nur in äußerst trockenen Jahrgängen entsteht Mangel, und es muß dann der Wasserbedarf aus dem eine halbe Stunde entfernten Dunstelkingen geholt werden; in Frickingen sind 12 Zieh- und 4 Pumpbrunnen, ferner 1 Hüle; auch die Parzellen haben gute Brunnen, und die Markung bietet verschiedene, wenn auch nicht starke Quellen.

Von Bächen ist zu nennen die Egau bei Iggenhausen, die zuweilen vertrocknet, aber auch zuweilen verheerend austritt, – und der Katzensteinbach bei Katzenstein; hier befindet sich auch ein Mahlweiher, der abgelassen werden kann.

Der Ort wird von der sog. Nördlingerstraße berührt, in welche von Dunstelkingen her sowohl bei Frickingen, als bei Katzenstein eine weitere Vicinalstraße einmündet; durch Iggenhausen führt die Staatsstraße von Neresheim nach Dischingen; in Iggenhausen befindet sich eine steinerne, in Katzenstein eine hölzerne Brücke, beide von der Gemeinde zu unterhalten.

Haupterwerbsquellen der sehr thätigen, geordneten und körperlich kräftigen Einwohner bestehen in Feldbau und Viehzucht; von Gewerbtreibenden sind nur Maurer und Zimmerleute stark vertreten, und diese arbeiten auch nach außen. Korb- und Strohflechten wird, aber in nicht bedeutender Ausdehnung, betrieben; auch handelt man mit Getreide und mit Holz. In Katzenstein und in Iggenhausen besteht je eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang. | Außerdem sind in Frickingen eine Bierbrauerei mit Wirthschaftsgerechtigkeit, in Katzenstein zwei, in Iggenhausen eine Schildwirthschaft; dann in Frickingen und in Katzenstein je zwei Kramläden; auch befindet sich daselbst eine Pottaschesiederei. Ein Frachtfuhrmann fährt wöchentlich zweimal von Frickingen nach Nördlingen.

Bei Iggenhausen bricht man Werksteine, die in der Nähe abgesetzt werden; auch Kies- und Sandgruben sind vorhanden.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner gehören zu den besseren, und zwar steht Frickingen voran. Die vermöglichsten Bürger besitzen 100–115, der Mittelmann 40–45, die ärmere Klasse 9–12 Morgen Grundeigenthum.

Die mittelgroße, etwas hügelige, von Mulden, Rinnen und Thälchen (worunter das Katzensteinbachthal das bedeutendste ist) durchzogene Gemeindemarkung hat einen nicht besonders fruchtbaren Boden, der größtentheils aus den Zersetzungen des weißen Juraschutts besteht und einen mit vielen Kalksteinen gemengten Lehm- und Thonboden bildet; an einzelnen Stellen kommt reiner Lehm, zuweilen auch Sand vor. Die klimatischen Verhältnisse gehören nicht zu den milden, namentlich in der Gegend um Frickingen, das wegen seiner hohen freien Lage den Winden sehr ausgesetzt ist, daher auch feinere Gewächse nicht gedeihen wollen. Hagelschlag kommt zuweilen vor.

Die Landwirthschaft wird sehr fleißig betrieben, indessen hängt man immer noch zähe am alten Herkommen, daher auch verbesserte Ackergeräthe, mit Ausnahme der eisernen Egge und einiger Walzen, noch nicht Eingang gefunden haben; auch die Düngerstätten und die Sammlung der Jauche lassen noch manches zu wünschen übrig. Man baut die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorzugsweise Dinkel. In der Brache kommen zum Anbau Kartoffeln und sehr viel Futterkräuter (dreiblättriger Klee und Wicken). Von den Getreidefrüchten können über den eigenen Bedarf jährlich etwa 500 Scheffel Dinkel, 400 Scheffel Gerste und 200 Scheffel Haber nach außen verkauft werden.

Der nicht ausgedehnte Wiesenbau liefert ein mittelmäßiges Futter, das alles im Ort verbraucht wird; es fehlt hauptsächlich an Futter und in Folge dessen an Düngung.

Von einigem Belang ist die Obstzucht, die in günstigen Jahren einen Verkauf von einigen 100 Simri nach außen gestattet; man pflanzt hauptsächlich rauhere, spätblühende Sorten, und namentlich viel Zwetschgen und kleine Pflaumen. Das Obst wird meist gedörrt, theilweise auch grün gekocht.

An Waldungen besitzt die Gemeinde nur 8–9 Morgen, die in einem Zeitraum von 20–25 Jahren der Gemeindekasse etwa 100 fl. eintragen.

Die vorhandenen Allmanden werden nebst der Brach- und | Stoppelweide für Schafe benützt, deren 400 St. Bastarde auf der Markung laufen und im Ort Überwinterung finden. Das Schafweiderecht haben die berechtigten Bürger. Die Zucht der Pferde ist unbedeutend, dagegen die des Rindviehs von einigem Belang und in gutem Zustande; man züchtet verschiedene Racen (Tripesdorfer, Simmenthaler, Allgäuer etc.) und hat zur Verbesserung und Nachzucht zwei Simmenthaler Farren aufgestellt. Der Handel mit Vieh ist nicht von Bedeutung. Herbstaustrieb findet noch statt.

Von Geflügel werden hauptsächlich viele Gänse gezogen und mit denselben ein beträchtlicher Handel getrieben, der mancher Familie eine hübsche Einnahme sichert.

Als besondere Stiftung besteht in Katzenstein eine Stipendienstiftung von den Grafen von Baldern im Betrag von 1000 fl., deren Zinse als Lehrgelder für die bedürftigsten Lehrlinge des Orts verwendet werden.

Die meist noch gut erhaltene Römerstraße, welche aus der Gegend von Faimingen nach Bopfingen führte, zieht ganz nahe (östlich) am Ort vorüber; von ihr geht die Sage, der Teufel habe diese Straße gepflastert. Auf der 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort gelegenen Flur „Distelweiler“ ist man schon auf Grundreste von Gebäuden gestoßen; hier ging die nach Trochtelfingen ziehende Römerstraße ab, was in Distelweiler einen ursprünglich römischen Wohnplatz mit ziemlicher Sicherheit vermuthen läßt.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Iggenhausen, ein kleiner Weiler, der 1/4 Stunde südwestlich von Frickingen recht anmuthig im Egauthale liegt. Oberhalb des Orts steht hoch und freundlich an einem Bergabhang eine ansehnliche, im Rundbogenstiel gehaltene Kapelle, an deren Chor das Meßnerhaus angebaut ist; sie enthält 3 Altäre, der Hauptaltar ist dem h. Joseph, der eine Nebenaltar dem h. Notger und der andere dem h. Johann von Nepomuck gewidmet. Der zierliche, gegen oben in’s Achteck übergehende, mit einem Zwiebeldach bekrönte Thurm enthält 2 Glocken von 1735. Etwa 100 Schritte von der Kapelle steht ein steinerner Bildstock auf der Stelle, wo einst eine Gräfin von Oettingen den Fuß gebrochen; sie gelobte den Bau des jetzigen Kirchleins ungefähr um’s Jahr 1730. Das Kirchlein war an eine alte Klause angebaut, die im 18. Jahrhundert noch bestand, und wo der letzte Eremit aus dem Kloster Christgarten sein hohes Alter zubrachte und am 11. August 1762 starb. Am Fuß des Berges, auf dem die Kapelle steht, ist ein laufender Brunnen, der das ganze Jahr hindurch gutes Trinkwasser reichlich spendet.

Von den vorhandenen 2282/8 Morgen Gemeindewaldungen haben die 15 berechtigten Bürger die Nutzniesung (350 fl.). Auch besitzen dieselben als Gemeinderecht je 11/8 Morgen Äcker und Länder. | Ein namhafter Theil der Einwohner nährt sich durch Arbeiten in den Waldungen, namentlich mit Holzmachen, sonst sind die Verhältnisse dieselben wie in Frickingen. Früher hielten die ärmeren hiesigen Einwohner Schneckengärten und trieben weithin Handel damit.

Zu Iggenhausen, (Higenhusen) hatte das Kloster Fulda eine Schenkung bekommen; a. 1144 schenkten die Herren von Fronhofen nach Berchtesgaden was sie hatten zu Igenhusen, späterhin aber gehörte der Ort zu Katzenstein und noch Georg von Katzenstein verkaufte 1411 ein Gut zu Iggenhausen samt etlichen andern Stücken und Zehnten an den Pfarrer von Merkingen, welcher das wieder 1416 um 135 fl. verkaufte an’s Kloster Neresheim, das schon 1352 vom Pfarrer zu Dischingen dessen Zehnten und ein Lehen zu Iggenhausen gekauft hatte. Weitere Güter erwarb Neresheim von Privaten, tauschte auch 1491/93 vom Kl. Herbrechtingen ein Lehengut ein und eine Mühlstatt. Diese neresheimer Besitzungen sind jetzt taxisch, was zu Katzenstein gehörte – öttingisch. Alle Obrigkeit, die Dorfs- und Gemeindeherrschaft gehörten Oettingen. Igg., ursprünglich ein Filial von Dischingen, war längere Zeit nach Dunstelkingen gepfarrt.

c. Katzenstein, der mit geringer Ausnahme aus einstockigen, meist mit Stroh gedeckten Häusern bestehende Ort hat eine romantische Lage und ist theils in die enge Thalebene des Katzensteinbachs, theils an den Abhängen und auf den Anhöhen weitläufig hingebaut. Die Straße von Nördlingen nach Dischingen führt durch den Ort. Gutes Quellwasser ist hinreichend vorhanden.

Der Boden ist im Thal gut, an den Bergen aber nicht tiefgründig und braucht viel Dünger und mühesamen Bau, daher trotz des Fleißes der Bewohner ziemlich viele derselben unbemittelt sind. Auf der Markung besizt der Fürst von Oettingen-Wallerstein 179 Morgen Güter (122 Mrg. Äcker, 29 Mrg. Wiesen, 11 Mrg. Gärten und 17 Mrg. Weiden, Wege etc.). Der Pächter, der das Gut im Dreifeldersystem tüchtig bewirthschaftet, wohnt in einem besonderen Gebäude außerhalb des Schlosses und hat einen sehr schönen Viehstand (rothe Albrace) aufgestellt.

Das alte Schloß liegt malerisch und keck auf einem am Dorf sich erhebenden Felsen und folgt in seiner Anlage jener einfachsten und ursprünglichsten Art mittelalterlicher Burgen, bestehend aus einer hohen, sehr starken Ringmauer, an die sich auf einer Seite das Steinhaus (Wohnhaus) mit dem schirmenden Bergfried erhebt, im Übrigen ließ man die Mauer theils frei, theils wurden schmale Nebengebäude an sie gelehnt, so daß in der Mitte noch ein ziemlicher Hofraum offen blieb. – Bei der Burg Katzenstein, deren Ringmauer im Ganzen die Form eines etwas verschobenen Vierecks hat, führt eine Brücke von Osten her über den tiefen Graben durch den mit spitzbogigem | Tonnengewölbe bedeckten Thorweg in den Burghof und hier hat man nun zur Linken (südlich) das geräumige Steinhaus, Herrenhaus, mit dem hochaufsteigenden Bergfried, während gegen Norden ein schmales Nebengebäude sich anlehnt und gerade vor sich (im Westen) sieht man nur die hohe Ringmauer mit ihrem Umlauf; während gegen Osten sich alte aber veränderte Nebengebäude an der Ringmauer erheben, zwischen denen sich die ursprüngliche (romanische) Schloßkapelle erhalten hat. Diese, dem h. Laurentius geweiht, tritt mit ihrer halbrunden Abside außen an der Ostseite des Schlosses hervor. Das zierliche Rundbogenfensterchen der Abside ist jetzt vermauert, doch erhielten sich noch Theile ihres ursprünglichen halbkegelförmigen Steindaches. Innen hat die Kapelle noch die alten romanischen Kämpfer und ein schönes Altärchen im Rococostil.

1

Das eigentliche Steinhaus enthält unten eine tiefe rechteckige Halle, übersprengt von zwei Tonnengewölben, die auf zwei viereckigen durch Rundbögen verbundenen Steinpfeilern ruhen; hinten stößt die Halle an den natürlichen Felsen und besitzt hier einen runden Ziehbrunnen; auch erblickt man in ihr einen alten steinernen Kaminschoos. Die Formen sind romanisch und gehen in’s 12. Jahrhundert zurück. Das zweite Stockwerk enthält einen Saal, der sich gegen Westen und Norden (hier gegen den Hof) mit sehr schmalen und zierlichen, schon etwas spitzbogigen Doppelfenstern öffnet, die zum Theil von einer Würfelknaufsäule getheilt sind. Als das merkwürdigste der ganzen Burg aber erhebt sich an der Südostecke des Steinhauses der aus großen Buckelquadern (Trachyt) aufgeführte Thurm (der Katzenthurm), viereckig, über 60′ hoch und mit 8–10′ dicken Mauern. Gegen außen scheint er ganz mit seiner felsigen Grundlage verwachsen zu sein; den alten rundbogigen Eingang hatte er, wie alle diese Thürme, etwa 25′ über der Erdfläche und in der südwestlichen Ecke seines mittleren Stockwerks enthält er einen großen romanischen Kamin: zwischen zwei Würfelknaufsäulen tritt eine halbrunde Nische von 4′ im Durchmesser zurück, von einem zuckerhutförmigen steinernen Kaminschoße bedeckt, dessen Anfänger auf hohen, von den zwei Säulen unterstützten Kämpfern ruhen. An der Schräge des linken dieser Kämpfer sieht man derb eingeritzt eine Katze und davor eine Lilie, die Katze jedenfalls das Wappenzeichen der Herren von Katzenstein, und gerade über dem Kapitell der linken Säule neben der Lilie noch Reste eines halberhabenen Menschenkopfes. Die beiden Säulen haben an ihren Würfelknäufen verzierte Schildchen, und an ihren steilen attischen Füßchen strenge Eckknollen. Der Stil des Kamins weist in den Anfang oder die Mitte des 12. Jahrhunderts. Gegen oben trägt der Thurm einen Kranz von Kragsteinen und endigt in ein später unter den Grafen von Baldern aufgesetztes Geschoß mit Satteldach, dessen beide Giebel mit luftigen Zinnenzacken versehen sind.
Kamin im Thurm zu Katzenstein.
Kamin im Thurm zu Katzenstein.
| Der Thurm galt viele Jahre lang für römisch. In der Schloßkapelle wird noch jährlich eine Messe gelesen. (S. auch die Abb.)

Eine römische Silbermünze von Constantin wurde vor mehreren Jahren hier gefunden.

Der geschichtliche Mittelpunkt dieses Bezirks ist die Burg Katzenstein mit ihren bedeutenden Bauresten aus dem 12. Jahrhundert. In die ersten Zeiten des Klosters Neresheim gehört ein Heinricus jun. de Kazenstein, welcher zu Iggenhausen ein Gut schenkte. Später finden wir von Rudegerus de Kazzenstein 1153 an ritterliche, ohne Zweifel gräfl. Dillingensche Dienstleute von Katzenstein, z. B. Albert 1204, Friedrich 1236, 57, Heinrich 1280 und Conrad von Katzenstein 1288 ff., welcher späterhin zu Dillingen selbst seinen Sitz hatte.

Eigenthümer der Burg und Herrschaft waren inzwischen die Herren von Hürnheim geworden (s. VII, 1), die um 1260 eine besondere Katzensteiner Linie bildeten, [1] welche bis zu ihrem Aussterben a. 1424 diesen Namen fortführte, obgleich schon Herdegen II. von Katzenstein 1354 die Burg samt allen Zubehörden verkauft hat an die Grafen von Oettingen. Um diese Zeit saß auf der Burg als Dienstmann ein Friedrich der Huge von Katzenstein 1349/51, ohne Zweifel ein Nachkomme „Herrn Hugs von Katzenstein“ 1297. Die Oettinger hatten schon vor 1364 Katzenstein wieder verpfändet an Graf Ulrich von Helfenstein und seinen Sohn. Etwas später finden wir die Burg in den Händen der weitverzweigten, an vielerlei Orten begüterten Herren von Westerstetten, welche nun auch, beginnend mit Berthold I. von Westerstetten zu Katzenstein 1382, 83, eine Katzensteiner Linie bildeten, von welcher sich die Linie zu Altenberg, Ballhausen und Staufen abgezweigt zu haben scheint, da sie am (Dunstelkinger) Lehen mitbetheiligt war. Die ungefähre Stammreihe dieser Herren ist: Berthold II., Ritter 1408–31 und sein Bruder Dölger; Bertholds Sohn Hans, der auch Dunstelkingen besaß 1453–69; Hans II. 1463–96; die Brüder Lorenz 1501–29, Berthold 1502–35 und Hans (Kaspar) 1505, 16. Lorenz und Berthold theilten 1520 und zwar bekam nun Berthold – Dunstelkingen, Lorenz Katzenstein. Ihm folgten Diepold 1535 und Wolf Dieterich 1544–69. Er hinterließ vier verheiratete Töchter, welche in das alodiale Vermögen sich theilten, während die Lehen übergiengen an Wolf Rudolf von Westerstetten zu Altenberg und Ballhausen, † 1597, der a. 1572 auch von Katzenstein sich nennt. Seine Söhne, die letzten der Familie, waren Rudolf von W. zu Ellwangen 1603, Wolf 1603–42 und wohl auch Johann Christof, Bischof zu Eichstädt, † 1636; vergleiche | Dunstelkingen. Von den Tochtermännern Wolf Dieterichs verkaufen der eine direct, der andere mittelbar durch Raphael von Helmstadt ihren Theil der Besitzungen zu Katzenstein, Frickingen, Dunstelkingen, Hofen, u. s. w. an Graf Wilhelm von Oettingen, um 26 und 29.000 fl. Der dritte aber überließ seinen Theil dem vierten, Wilhelm Schenk von Stauffenberg, welcher deßwegen auch einige Zeit „zu Katzenstein“ saß. Die Vormünder seiner Kinder aber verkauften 1589 gleichfalls deren eigenthümliche Güter zu Katzenstein, Iggenhausen und Schrezheim an Oettingen um 40.000 fl. (welche 1787–88 noch nicht ganz bezahlt waren). Damit waren endlich die frühern Zwistigkeiten beseitigt; die Herren von Westerstetten hatten nämlich 1505 das kaiserliche Privileg erhalten, ein eigenes Halsgericht mit Stock und Galgen aufzurichten, was die Oettinger als Inhaber des Landgerichts nicht dulden wollten und 1562, als Wolf Dietrich von W. 2 Brandstifter hatte hinrichten lassen, fiel Oettingen mit 200 Mann zu Roß und Fuß in Katzenstein ein und ließ den Galgen abhauen. Katzenstein kam in den Besitz der Grafen von Oettingen-Baldern, Graf Friedrich Wilhelm ließ das 1648 von den alliirten Franzosen und Schweden verbrannte Schloß herstellen und gründete eine eigene Linie, welche später wieder nach Baldern übersiedelte und blos noch kurzen Sommeraufenthalt in Katzenstein nahm, wo deßwegen das Schloß in’s Abnehmen kam. Ein ötting. Pflegamt blieb jedoch da bis 1810, wozu Frickingen, Iggenhausen, Dunstelkingen (z. Th.), Hofen, Schrezheim, Weihnachtshof gehörten. 1354 werden in dem Verkaufsbriefe ausdrücklich genannt die Vogtei zu Frickingen und Weihnachtshof. Auch Schweindorf (s. d.) könnte einst eine Zubehörde von Katzenstein gewesen sein.

Der Weiler Katzenstein ist aus dem 1354 genannten Bauhof und Vorhof der Burg entstanden, wozu auch Mühlen gehörten. Die Zahl der Häuser vergrößerte sich allmählich.

Frickingen. Reich begütert in dieser Gegend müssen einst die edlen Herren von Fronhofen gewesen sein, welche a. 1144 dem Kl. Berchtesgaden schenkten (wahrscheinlich von diesem bald vertauscht) 2 Höfe in Friedechingen und andere Güter zu Iggenhausen, Mördingen und Weihnachtshof. Später theilte Fr. als Zubehörde der Burg Katzenstein deren Schicksale und kam somit zuletzt an die Grafen von Oettingen; doch hatte das Kloster Kirchheim 4 Unterthanen, welche erst 1803 gleichfalls an Oettingen fielen. Eine Gült hatte auch Kl. Christgarten bekommen 1389 und etliche Zinse gebührten den Schenken von Schenkenstein. Von Fr. stammte die heute noch blühende ehrbare Nördlinger Bürgerfamilie der Frickinger, seit c. 1350 bekannt.

d. Der Weihnachtshof, 1/2 Stunde nordwestlich von Frickingen hoch und frei gelegen; zu dem aus einem Wohnhause und einigen Ökonomiegebäuden bestehenden, mit einer alten Mauer umfriedigten | Hofe, der eine Domäne des Fürsten von Oettingen-Wallerstein ist, gehört ein 290 Morgen großes arrondirtes Gut, bestehend aus 219 Morgen Äcker, 311/2 Morgen Wiesen, 381/2 Morgen Weiden und Wege und 1 Morgen Gärten. Das Gut wird von einem Pächter im Dreifeldersystem fleißig bewirthschaftet.

Der Weihnachtshof, c. 1144 der Hof Wihenathen genannt, kam vom Kloster Berchtesgaden zur Herrschaft Katzenstein und wurde 1354 die Vogtei darüber mit an Oettingen verkauft. Den Hof selbst hat schon 1330 Graf Ludwig von Oettingen an Ludwig von Ramstein auf Lebenszeit verkauft und später ist der Hof an das Kloster Neresheim gekommen, das ihn 1764 an Oettingen abtrat. 1780 wurde der Hof dem damaligen Erbbeständer abgekauft. Der Kirchzehnte wurde 1684 an Neresheim vertauscht gegen den vom Hohenberger Hof.



  1. Vergl. XXIX. Jahresbericht des histor. Vereins für Schwaben und Neuburg S. 141 und 155.


« Kapitel B 15 Beschreibung des Oberamts Neresheim Kapitel B 17 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).