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Beschreibung des Oberamts Nagold/Kapitel B 20

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Iselshausen,
Gemeinde III. Kl. mit 347 Einw., worunter 1 Kath. – Pfarrdorf; die Kath. sind nach Gündringen O.A. Horb eingepfarrt.


Am Zusammenfluß der Steinach mit der Waldach liegt in dem tief eingeschnittenen Steinach-Thale 1/2 Stunde südlich von der Oberamtsstadt der freundliche Ort, dessen ländliche, mit steinernen Unterstöcken versehene Gebäude sich ziemlich regelmäßig an den reinlich gehaltenen Ortsstraßen lagern.

Die im ganz einfachen Style 1757 erbaute Kirche, auf deren First ein Thürmchen (Dachreiter) sitzt, steht an der östlichen Seite des Dorfs; von den beiden Glocken trägt die größere die Umschrift: Nagelt anno domini 1624, die kleinere enthält die Zeichen der 4 Evangelisten und oben am Kranze steht: 1520 O Maria Gotes Zelle ..... Die Kirche ist Eigenthum der Gemeinde, welche sie auch im Bau zu unterhalten hat.

Der Begräbnißplatz liegt an der Kirche.

Der Ortsgeistliche ist zugleich Diakon in Nagold, wo er seinen Wohnsitz hat.

Das ansehnliche, im Jahr 1842 neu erbaute Schulhaus enthält | ein Lehrzimmer, die Wohnung des Schulmeisters und die Gelasse für den Gemeinderath.

Ein Gemeindebackhaus und ein Armenhaus sind vorhanden.

Gutes Trinkwasser liefern ein laufender und mehrere Pumpbrunnen; von den außerhalb des Orts befindlichen Quellen ist das sog. Baurenbrünnele die bedeutendste. Periodisch fließende Quellen sind mehrere vorhanden.

Die Waldach und die Steinach treten sehr oft aus und werden nicht selten den Wiesen und den nahe liegenden Gebäuden gefährlich; so richtete am 29. Mai 1847 die Steinach in Folge eines mit Hagel begleiteten Wolkenbruchs großen Schaden an.

Die Steinach setzt im Ort die obere Mühle mit 4 Mahlgängen und einen Gerbgang in Bewegung; sie führt nur Forellen, während in der Waldach außer Forellen auch Aschen und Schuppfische vorkommen. Das Fischrecht in beiden Gewässern hat der Staat, welcher es verpachtet.

Die Einwohner sind fleißige, geordnete Leute, deren Erwerbsquellen in Feldbau, Viehzucht und Taglohnarbeiten bestehen; etwa 10 Maurer und 3 Zimmerleute finden Beschäftigung in der nahe gelegenen Oberamtsstadt. Ihre Vermögensumstände gehören zu den mittelmäßigen und der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt etwa 40 Morgen, der mittlere 10 Morgen und auch die Unbemittelten haben noch 1–2 Morgen Grundeigenthum. Einer Unterstützung von Seiten der Gemeinde bedarf gegenwärtig Niemand im Ort.

Die Markung ist nicht groß und mit Ausnahme der auf der Anhöhe gelegenen Felder ziemlich uneben, dagegen haben sich die Einwohner viele Güter auf der Markung Nagold angekauft.

Der Boden ist im Allgemeinen ziemlich fruchtbar und besteht auf den Anhöhen aus den Zersetzungen des Hauptmuschelkalks, an den Abhängen ist derselbe etwas schwerer, jedoch fruchtbar, und besteht dort aus den Zersetzungen der Anhydritgruppe und des Wellenkalks. Zunächst des Orts befindet sich ein Gypsbruch; der daselbst gewonnene Gyps wird in der unteren Mühle gemahlen und dann zum Verkauf gebracht. Oberhalb des Orts im Waldach-Thale ist ein Tuffsteinbruch angelegt, der gute Bausteine liefert.

Die klimatischen Verhältnisse sind wie in Nagold. Hagelschlag kommt selten vor.

Die Landwirthschaft wird fleißig betrieben und in dreizelglicher Eintheilung mit zu 2/3 angeblümter Brache zieht man die gewöhnlichen Cerealien und Brachgewächse; von Handelsgewächsen wird ziemlich viel Reps und Hanf für den eigenen Bedarf gebaut. Bei | einer Aussaat von 7–8 Sri. Dinkel, 5 Sri. Haber und 31/4 Sri. Gerste beträgt die durchschnittliche Ernte von einem Morgen 8–10 Scheffel Dinkel, 5–6 Scheffel Haber und 5–6 Scheffel Gerste. Die besten Äcker kosten gegenwärtig 500 fl., die mittleren 250 fl. und die geringsten 80-100 fl. pr. Morgen. Von den Getreideerzeugnissen werden jährlich etwa 5–600 Scheffel Dinkel, 100 Scheffel Haber und 100 Scheffel Gerste nach Nagold abgesetzt.

Der ausgedehnte Wiesenbau, dem etwa zur Hälfte Wässerung zukommt und der zum größeren Theil einen dritten Schnitt zuläßt, liefert durchschnittlich 30 Ctr. Heu und 12–15 Ctr. Öhmd per Morgen. Die Preise eines Morgens Wiese bewegen sich von 200 bis 600 fl.

Die Obstzucht, welche sich nur mit späten Mostsorten (vorherrschend Knausbirnen) und Zwetschgen beschäftigt, ist ganz unbedeutend und beschränkt sich auf die um’s Ort gelegenen Grasgärten.

Der aus einer gewöhnlichen Landrace bestehende Viehstand ist verhältnißmäßig beträchtlich und wird durch 2 Farren, welche ein Bürger gegen Entschädigung von Seiten der Gemeinde hält, nachgezüchtet. Mit Vieh wird einiger Handel auf benachbarten Märkten getrieben.

Auf der Markung läßt ein fremder Schäfer etwa 140 Bastardschafe laufen und entrichtet hiefür ein Weidgeld von 260 fl., überdieß trägt die Pferchnutzung der Gemeindekasse jährlich 250 fl. ein.

Eigentliche Schweinezucht besteht nicht, indem sämmtliche Ferkel von Außen bezogen, und theils für den eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gemästet werden.

Außer den schon angeführten Gewerben und den nöthigsten Handwerkern, befinden sich noch drei Schildwirthschaften, worunter eine mit Brauerei, ein Krämer und zwei Brantweinbrennereien im Ort.

Durch Vicinalstraßen nach Nagold, Unter-Schwandorf, Mötzingen und Gündringen ist dem Ort sein Verkehr mit der Umgegend hinlänglich gesichert.

Die Gemeinde besitzt 350 Morgen Nadelwaldungen, die etwa 100 Klafter jährlich abwerfen, hievon erhält jeder Bürger ein Klafter; der Rest wird verkauft und der Erlös zu Gemeindezwecken verwendet. Die Gemeindeschadensumlage beträgt 2–300 fl.

Auf dem Rücken des Lembergs zog eine alte Straße in der Richtung gegen das Chausseehaus bei Walddorf, von wo sie unter der Benennung „Denzweg“ an Egenhausen vorüberführte.

| Der alte Kirchweg, auf dem die Einwohner von Iselshausen früher zur Kirche nach Nagold giengen, zieht auf der linken Seite der Nagold.

I. gehörte zur Herrschaft Nagold, mit der es 1363 durch Kauf an Württemberg kam.

Vom hiesigen Ortsadel machen sich um 1080 bemerklich Adelbert, Wimar und Liutpert von „Ysolteshusen“ welche das Kloster Hirschau mit hiesigem Gut beschenkten (Wirt. Urk.-Buch 2, 396. Cod. Hirsaug. 37a), 1265 Crapfto de Isoldeshusen miles (Mone Zeitschrift 1, 358), 1335 Werner, welcher einen Hof zu Ober-Öschelbronn verkaufte (Reg. Boic. 7, 100).

In den allerfrühesten Zeiten scheinen die Edelknechte Lehensmannen der Grafen von Calw gewesen zu sein; wenigstens trugen sie ein Lehen von den Grafen von Vaihingen, einem Calwer Nebenzweig. Dieses Lehen war Wettersbach (bei Ettlingen im Großherzogth. Baden), welches Andreas von I. von den Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg als Rechtsnachfolgern der Vaihinger Grafen um 1350 verliehen erhielt (Sattler Grafen 4 Beil. S. 269). Angesessen bei seinem Lehen erscheint dieser Andreas in den Jahren 1358 und 1364 als Schultheiß von Ettlingen (Mone, Zeitschrift 8, 213. 339). Für die Nagolder Gegend ist das Geschlecht damals bereits verschwunden.

Begütert waren in I. das Stift Herrenberg, die Klöster Reuthin und Stein am Rhein; von letzteren erkaufte 1543 Herzog Ulrich von Württemberg Güter und Zehnten.

Die Pfarrcollatur ist landesherrlich.


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