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Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 2

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Ahldorf,
Gemeinde III. Klasse. 894 Einwohner, worunter 2 Evang. – Katholische Pfarrei; die Evang. sind nach Mühlen eingepfarrt.


Auf der Hochebene, über den rechten Thalgehängen des Neckars, liegt 5/4 Stunden östlich von der Oberamtsstadt, hoch und frei, der freundliche, reinlich gehaltene Ort, der zu den gut aussehenden Orten des Bezirks gerechnet werden darf. An der nördlichen Ortsseite steht frei die in den Jahren 1844–45 in einem ansprechenden, modernen | Rundbogenstyl neu erbaute Pfarrkirche mit dem an sie grenzenden Begräbnißplatze. Der Chor schließt mit einem halben Sechseck, das übrigens im Innern der Kirche rund, und mit einer gewölbten, blau bemalten, mit goldenen Sternen besetzten Decke versehen ist. Das flachgedeckte Langhaus ist dreischiffig, sehr geräumig und hell; Altar, Kanzel, Chorstühle etc. sind im gothischen Geschmack neu ausgeführt. Auf dem Altar stehen zwei sehr gut geschnittene, noch von der früheren Kirche herrührende Bilder, der h. Conradus und der h. Pelagius, denen die Kirche geweiht ist. Der viereckige mit einem Zeltdach versehene Thurm stammt noch aus der gothischen Periode; er besteht aus vier massiven Stockwerken mit schießschartenartigen Lichtöffnungen und hat im unteren Stockwerke einen spitzbogigen Eingang.

Das Pfarrhaus, welches die Heiligenpflege zu unterhalten hat, befindet sich in mittelmäßigem Zustande.

Das 1843–44 erbaute Rathhaus ist ansehnlich und enthält im unteren Stockwerke die Gelasse für den Gemeinderath und ein Schulzimmer, im oberen Stockwerk ebenfalls ein Lehrzimmer und die Wohnungen für den Schulmeister und den Lehrgehilfen.

Ein der Gemeinde gehöriges Armenhaus und ein Privatbackhaus sind vorhanden.

Das den Freiherren von Ow gehörige Schafhaus steht auf der Stelle der ehemaligen Burg, von der der Rest eines viereckigen sehr starken, etwa 20′ hohen Thurms innerhalb des Schafhauses noch vorhanden ist; derselbe birgt ein Verließ, in welchem noch in diesem Jahrhundert gefährliche Verbrecher vorübergehend untergebracht wurden. Er hieß früher der „hohe“ auch „Heiden-Thurm“ und der Ort „Altdorf am hohen Thurm.“

Ritterschaftliche Gutsbesitzer sind die Freiherren von Ow-Felldorfer Linie, die auch abwechselnd mit dem Bischof die Kollatur haben. Außer den von Ow hatten auch der Fürst von Sigmaringen, Freiherr von Münch, die Stadtpfarrei Haigerloch, das Spital Horb und die Pfarrei Ahldorf Zehnten und Grundgefälle, die nun seit dem Jahre 1849 abgelöst sind.

Die Gutsherrschaft besitzt auf der Markung ein zerstreut liegendes, aus 26 Morgen Felder und 154 Morgen Waldungen bestehendes Gut.

Im Ort herrscht öfters großer Wassermangel und die Ortsbrunnen, wie auch der beinahe 1/4 Stunde südlich gelegene Weitenbrunnen, sind nicht mehr im Stande den Wasserbedarf zu befriedigen, | so daß das Trink- und Tränkwasser aus dem Neckarthal oder von dem 1/2 Stunde entfernten Taberwasen herbeigeschafft werden muß. Im Ort sind fünf Wetten angelegt.

Die sehr betriebsamen Einwohner sind mit Ausnahme weniger Personen wohlgewachsene, schlanke Leute, die sich im allgemeinen einer guten Gesundheit erfreuen. Bei sonst einfacher Lebensweise trifft man hier gegenüber den Gauorten eine etwas moderne, ziemlich bunte Kleidertracht. Die Haupterwerbsmittel bestehen in Feldbau, Viehzucht und einigem Gewerbe; von letzteren sind es hauptsächlich die Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Schreiner, Parquettbodenleger, Glaser und Schmiede, welche auch auswärts arbeiten; es werden hier die verschiedensten Möbeln, Pflüge, Eggen, Bohrer etc. verfertigt. Das Stricken wollener Untermützen, die nach Calw Absatz finden, bildet einen kleinen Nebenerwerbs- und Handelszweig. Die ökonomischen Verhältnisse sind günstiger als in einigen Nachbarorten und der vermöglichste Bürger besitzt etwa 36 Morgen Felder, der sogen. Mittelmann 18 Morgen und die unbemittelte Klasse 2–3 Morgen.

Die mittelgroße, mit Ausnahme der Neckar- und Eyachthalgehänge, ziemlich ebene Markung hat im allgemeinen einen fruchtbaren, meist aus Lehm und aus den Zersetzungen des Muschelkalkdolomits bestehenden Boden. Die Verbesserung des Bodens wird durch die gewöhnlichen Düngungsmittel und überdieß durch Gips, Salzasche, Jauche etc. bewerkstelligt, welch letztere man in gut eingerichteten Düngerstätten sorgfältig sammelt.

Der landwirthschaftliche Betrieb hat sich seit 15 Jahren, namentlich durch die Einwirkung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, auf eine blühende Stufe gehoben, und verbesserte Ackergeräthe, besonders die amerikanischen Pflüge, haben allgemein Eingang gefunden. In dreizelgiger Flureintheilung baut man Dinkel, Haber, Roggen und besonders viel Weizen, von welch letzterem ein starker Absatz in das Badische stattfindet. In der beinahe ganz angeblümten Brache kommen Kartoffeln, Ackerbohnen, Erbsen, Wicken, Futterkräuter, Reps, Hanf und Flachs zum Anbau. Auch der Hopfenbau kommt neuerer Zeit in einige Aufnahme; der Ertrag desselben, wie auch des Repses, kommt größtentheils in das Unterland und in das Großherzogthum Baden.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen liefern gutes Futter und zwar vom Morgen durchschnittlich 30–35 Centner Heu und 15–18 Centner Öhmd. Die Güterpreise bewegen sich bei den Äckern von 300–800 fl. und bei den Wiesen von 300–650 fl. per Morgen.

| Die im Zunehmen begriffene Obstzucht ist in Vergleichung mit den übrigen Bezirksorten sehr gut und die Pflege des Baumsatzes und der vorhandenen ansehnlichen Baumschule einem von der Gemeinde besoldeten Mann übertragen. Man zieht vorzugsweise Luiken, Fleiner, Knaus-, Lang- und Grunbirnen, Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen etc.; feines Tafelobst wird nicht gezogen, dagegen sind ziemlich viele Nußbäume vorhanden. Das Obst, welches gerne gedeiht, wird für den eigenen Bedarf gemostet, gedörrt und gebrannt.

Wegen des beinahe gänzlichen Einbaus der Brache ist die Weide nicht besonders gut und ausgedehnt; sie ist Eigenthum der Gutsherrschaft und wird von dieser um 220 fl. verpachtet; überdieß sichert die Pferchnutzung der Gutsherrschaft eine jährliche Rente von 120 bis 130 fl.

Die ohnedieß unbedeutende Pferdezucht ist im Abnehmen, dagegen die Rindviehzucht in einem trefflichen Zustande und beschäftigt sich vorzugsweise mit einer starkgliedrigen Simmenthaler und Ansbacher Race, zu deren Züchtung 2–3 Farren aufgestellt sind, die ein Bürger im Namen der Gemeinde hält.

Viehmastung findet selten statt, dagegen wird viel Vieh in das Großherzogthum Baden verkauft.

Die Schafzucht nimmt zu; es laufen gegenwärtig etwa 200 Stücke, meist Bastarde, auf der Markung, die auch im Ort Überwinterung finden. Der Abstoß der Schafe geschieht auf dem Schafmarkt in Sulz und die Wolle kommt theils an Tuchmacher in Nagold und Rohrdorf, theils auf dem Kirchheimer Wollmarkt zum Verkauf.

Die Schweinezucht ist beträchtlicher als in andern Bezirksorten; man züchtet die halbenglische und bayerische Racen, von denen mehr aus- als eingeführt werden. Die Schweine kommen theils gemästet, theils ungemästet nach Rottenburg, Tübingen, Stuttgart, Horb zum Verkauf.

Die Ziegenzucht ist in Abnahme und Geflügel wird nur für den eigenen Bedarf gehalten; auch die Bienenzucht ist unbedeutend.

Zur Vermittlung des Verkehrs bestehen Vicinalstraßen nach Mühlen, Mühringen, Dettensee und Nordstetten.

Die Gemeinde ist im Besitz von etwa 90 Morgen Waldungen, deren in 11 Klaftern bestehender jährlicher Ertrag zu Gemeindezwecken verwendet wird.

Überdieß sind 380 Morgen Privatwaldungen vorhanden.

Etwa eine halbe Stunde östlich vom Ort, auf der Bergspitze | zwischen dem Neckar- und Eyach-Thale liegen die Ruinen der Burg Frundeck (Freundeck), von der noch eine etwa 60′ hohe Mauer (der hohe Mantel), ein ziemlich geräumiger, gewölbter Keller und der Burggraben sichtbar sind. Schon 1556 wird sie „derzeit nur ain Maur“ genannt.

In dem Wald Kalkofen befindet sich ein altgermanischer Grabhügel; er ist 40′ breit, 4′ hoch und von der alten Straße, die von Taberwasen nach Mühlen und Ahldorf führt, nicht weit abgelegen.

Auf der Markung kommen einige Erdfälle vor.

Von Ahldorf (Altorf 1290, Aldorff 1398, was heut zu Tage wohl wie andere Dörfer auch Altdorf geschrieben werden könnte) nannte sich ein Herrengeschlecht, von welchem Dietrich von Ahldorf im Jahr 1290 als Zeuge erscheint (Schmid Mon. Hohenb. 94). Im Jahr 1314 verkaufte Herman, der Kröwel, ein Ahldorfer Gut um 5 Pf. Heller an das Kloster Kirchberg. 1381 veräußerte Hans Kröwel von Frundek den halben Layenzehnten zu Altdorf an Cunrat v. Witingen und belehnte diesen damit Graf Albr. v. Werdenberg 1389 (darin folgten 1418 Hans v. Böklin, 1433 Erhard und Stefan, des Hans v. Ow zu Frundegg Söhne). Am 24. Sept. 1382 trugen Friz, der Kröwel, und dessen Sohn Hans Kröwel von ihren Besitzungen die Veste Frundeck und ihren Theil der Burg zu Ahldorf zu ihrem besseren Schutze dem Grafen Rudolf von Hohenberg, beziehungsweise dem Herzog Leupolt von Österreich zu Lehen auf und machten beide ihnen zu offenen Häusern. Hansens Wittwe (geb. v. Wartemberg) mit den Kindern Friedrich, Hainrich und Hanslin verkaufen 1389 Frundegg, die Burg, dazu das Dorf, ihren Antheil, darin den Hof, den ihr Mann von Diem v. Lichtenvelz kauft hat, dazu 3 Morgen Weingarten zu Pfeffingen am Heßlach gelegen, Aigen und Lehen, um 1750 Pfund Heller an Konrad v. Wittingen, der im gleichen Jahre von Österreich belehnt wurde.

1414 verkaufte Conr. v. Wittingen Herrn Volzen des † Ritters Sohn an Hans v. Ow, den Jungen – des Alten zu Diessen gesessen Sohn – um 1800 fl.: die aigenen Güter mit dem Dorf mit Leuthen, Vogtei, Gericht, Häusern etc. (die Burg wird nicht mehr genannt), des Veesers Hof und die Wiesen an der Eyhen im Tegernau, der v. Lichtenfels und der v. Wöhrstein Gut, die Vischenz zu Börstingen und an der Eyhen, die Hölzer Brand und Frohnholz, die Weingart zu Pfäffingen mit den Äkern, die in den Bauernhof gehören; dazu die Lehenschaft an der Veste Frundeck (was in der | Ringmauer daselbst begriffen, Lehen von Österreich) und den halben Zehnten zu Ahldorf, der Lehen ist von Graf Albrecht von dem Heiligenberg. (v. Ow’sches Archiv zu Wachendorf.)

Seitdem sind die v. Ow im Besitz des Lehens. Allodiale Grundstücke wurden aber im Jahre 1814 mit Felldorf (s. d.) von dem baierischen Ministerialrath Freiherr Honor v. Ow an dessen Rentbeamten Bröm zu Felldorf veräußert.

Die Territorialobrigkeit über den Ort suchte zwar das österreichische Oberamt Rottenburg bis 1805 wie noch anderwärts geltend zu machen, doch war es nie im Besitz der angesprochenen Hoheitsrechte und der Ort blieb in Ansehung der Steuer und des Militärwesens im Verband der Ritterschaft bis zu deren Auflösung.

Frundeck erscheint um 1400 im Besitz Burkhards von Ehingen mit dem Zopf † 1407 (s. Georgs von Ehingen Reise nach der Ritterschaft, im Anfang). Vielleicht auch war es zeitweilig im Besitz der hienach sich nennenden Münsinger von Frundeck, eines aus der Schweiz eingewanderten Geschlechts, welchem angehörten: Johann Münsinger (Ulmer Stadtphysikus, Begleiter Graf Eberhards von Württemberg im Jahre 1486 nach Palästina, † um 1502), dessen Sohn Joseph (Kanzler im Herzogthum Württemberg zur österreichischen Zeit, † 1560) und Enkel Joachim (ausgezeichneter Rechtsgelehrter, Kanzler zu Wolfenbüttel, † 1588). S. über diese Familie Jugler, Beiträge zu jurist. Biogr. 2, 1–19.

Vor der Reformation war Ahldorf Filial von Mühlen a. N., hatte aber eine Ortskaplanei, welche 1752 zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben wurde.

Im Jahr 1805 gieng die Oberlehensherrlichkeit über die Mannlehen Ahldorf und Frundeck von Österreich an Württemberg über.


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