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Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 17

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Isenburg,
Gemeinde III. Klasse, mit 318 Einw., wor. 2 Ev. – Dorf, Filial von Nordstetten; die Evang. sind nach Mühlen eingepfarrt.


In einem engen, tief eingeschnittenen Thälchen, das gegenüber von Ihlingen in das Neckarthal einzieht, liegt abgeschieden, jedoch sehr malerisch, das Dorf Isenburg; der meist aus kleinen Häusern bestehende, weitläufig gebaute Ort zerfällt in drei Gruppen, in das sogen. Thälchen, in die unteren und in die oberen Höfe. Das Thälchen, der größere Theil des Orts, ist theils in die enge Thalebene, theils an den südwestlich geneigten Thalabhang hingebaut, während die oberen und unteren Höfe etwa 1/8 Stunde südöstlich von dem sogen. Thälchen auf der Anhöhe liegen und durch einen Zwischenraum von etwa 500 Schritten von einander getrennt sind. Unfern der obern Höfe stand das im Bauernkrieg 1525 zerstörte Schloß | Isenburg, dessen letzten Reste in dem ringsumgebenden Burggraben und einigem Mauerwerk, namentlich dem Rest eines Thurms bestehend, zur malerischen Ansicht des Dorfs wesentlich beitragen. Der Ort hat wegen Mittellosigkeit der Gemeinde kein öffentliches Gebäude und die Schule, wie auch die Gemeinderathssitzungen, werden in Miethwohnungen gehalten. Eine Industrieschule ist vorhanden. Durch das Thälchen, in und an welchem das Dorf liegt, fließt ein kleiner, zunächst am obern Theil des Orts entspringender Bach, der während seines kurzen Laufs zu zwei Weihern geschwellt wird, um den im Thälchen liegenden zwei Mühlen (einst Besitzthum der Dominicanerinnen zu Horb,[ER 1] obere Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang und untere Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang) das nöthige Wasser zu sichern. Trinkwasser liefern hinreichend drei laufende Brunnen.

Die im allgemeinen kräftig gebauten Einwohner, von denen sich ein großer Theil erst seit 60 Jahren mit Einwilligung der früheren Gutsherrschaften hier ansiedelte, befinden sich in minder günstigen, theilweise dürftigen Vermögensumständen und nähren sich theils von der Landwirthschaft, theils von Kleingewerben, insbesondere vom Korbflechten, welch’ letzteres ihnen ziemlich guten Verdienst sichert; auch arbeiten viele um den Taglohn in der nur 1/2 Stunde entfernten Oberamtsstadt und der Umgegend.

Die kleine, großentheils unebene Markung hat im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der auf der Hochebene aus Lehm, an den Abhängen aus den Zersetzungen des Muschelkalks besteht.

Der Feldbau, welcher im Dreifeldersystem betrieben wird, ist zum Theil ein sehr beschwerlicher, indem viele Güter an den steilen Bergabhängen liegen, während der Betrieb auf der Anhöhe dem des Mutterorts gleichgestellt werden darf. Zur Verbesserung des Bodens wendet man, neben dem gewöhnlichen Stalldünger, die Jauche, den Gips und die Hallerde an. Es werden unter Benützung des deutschen, des flandrischen und des Drillerpflugs die gewöhnlichen Getreidearten gebaut, während in der ganz angeblümten Brache Kartoffeln, Fütterkräuter, Erbsen, Bohnen, Wicken und Hanf zum Anbau kommen; Reps zieht man für den eigenen Bedarf und Hopfen zum Verkauf.

Die Aussaat und der Ertrag der Getreidefrüchte ist wie in Nordstetten. Der geringste Preis eines Morgens Acker beträgt gegenwärtig 200 fl., der höchste 800 fl., während sich die Wiesenpreise von 600–1000 fl. per Morgen bewegen. Einzelne Güterbesitzer | setzen einen Theil ihres Getreideerzeugnisses an Fruchthändler ab.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, von denen etwa 6 Morgen wässerbar sind, erzeugen durchschnittlich 25 Centner Heu und 12 Centner Öhmd per Morgen.

Die mit den gewöhnlichen Kernobstsorten und Zwetschgen sich beschäftigende Obstzucht ist nicht ausgedehnt und liefert mittelmäßigen Ertrag, der im Ort verbraucht wird.

Die Rindviehzucht ist in gutem Zustande; es wird ein kräftiger Landschlag gehalten und durch die Farren in dem Mutterort nachgezüchtet. Der Handel mit Vieh ist ganz unbeträchtlich.

Schafzucht wird von den Ortsbürgern nicht betrieben, indem die Staatsdomäne Buchhof auf der Markung das Weiderecht hat.

Eigentliche Zucht der Schweine treiben nur einige Bürger, während die übrigen die Ferkel meist für den eigenen Bedarf von Außen beziehen.

Hühner und Gänse werden theils für den eigenen Bedarf, theils zum Verkauf gezogen.

In etwa 30 Stöcken wird die Bienenzucht mit Glück betrieben.

Die Gemeinde besitzt keinen Wald, dagegen liegen nahe am Ort 250 Morgen Privatwaldungen, welche den vermöglicheren Ortsbürgern gehören.

An der Stelle des gegenwärtigen Dorfs soll ein Ort „Dietfort“ gestanden sein. Dietfurt, ein abgegangener Weiler oder Hof ob dem Isenburger Thälchen und dem Nonnenwalde, zwischen Petra und den obern Höfen von Isenburg.[ER 2]

Isenburg ist die namengebende Burg eines Edelgeschlechts, welches mit Anfang des 12. Jahrhunderts durch die Schenkungsbücher der Klöster Hirschau und Reichenbach in die Geschichte eintritt und zuletzt namentlich Nordstetten und den Hof zu Buch besaß, auch bei Altheim, Schernbach (OA. Freudenstadt) begütert war und viele Lehen zu vergeben hatte. Die frühest bekannten Namen sind Swigger und Hiltebold, liber homo, nobilis, dieser ein Wohlthäter des letztgenannten Klosters. Wohl ein jüngerer Hiltebold von Isenburg erscheint den 30. Juli 1191 als Zeuge Pfalzgraf Rudolfs von Tübingen für das Kloster Bebenhausen unter den freien Herren. (Wirt. Urk.-Buch 2, 411, 416 und 272). Ferner kommen vor: 1237 H. de Ysenburg baro und am 1. April 1246 Hiltebold und Hugo von I. in Urkunden des Klosters Kirchberg, welches den 9. Sept. 1274 Hugo und Konrad, Edle von Isenburg, | Gebrüder mit der Salzhalde und Anderem bei der Weitinger Mühle beschenkten. Die Familie führte drei Hufeisen im Wappen.

1

Als den 26. Oktbr. 1381 Graf Rudolf von Hohenberg seine Grafschaft Hohenberg an den Herzog Leupolt von Österreich verkaufte, wird Isenburg „die Vestin“, obwohl sie selbst wieder verpfändet war, wegen des Auslösungsrechts ausdrücklich erwähnt. Solche hatte damals als Pfand Hans Pfuser von Nordstetten (Urk. vom 11. August 1383 bei Schmid Mon. Hohenb. 674)[1], hernach besaßen sie gleichfalls als Pfand mit Nordstetten, Buch und dem Speicher in Horb die Herren von Ow, 1416 die von Neuneck (eb. 844). Hans von Neuneck d. j. und Anton von Ow errichteten daher den 20. September 1416 unter sich einen Burgfrieden zu Isenburg und verbanden sich wechselseitig gegen einander, in der Burg Isenburg stets zwei bewährte Männer und einen gemeinen Thorwart zu halten, das Schloß mit 20 Malter Mehl, 2 Fuder Wein, 2 Salzscheiben, dann mit 4 Büchsen und was dazu gehörig, auch mit 10 guten Armbrusten und 500 wohl bereiten Pfeile zu versehen und 8 bewaffnete Männer dahin zu stellen. 1461 bis 1469 hatte Konrad von Weitingen Ritter Isenburg, Nordstetten, Buch und den Speicher zu Horb (Nordstetter Lagerbuch); Konrad (wohl der Sohn) mußte im letztgenannten Jahre solches von Österreich zu Mannlehen nehmen. Aber bereits Hans von Weitingen und dessen Bruder Wilhelm verkauften es mit lehensherrlicher Zustimmung an Diepold von Habsperg, welcher damit am 18. Februar 1494 belehnt wurde und hier wohnte. Im Jahr 1589 oder 1590 starb Konrad von Habsperg, welcher bis 1587 die hohe und malefizische Obrigkeit hatte, am 1. Juli aber zu einem Verzicht gezwungen wurde (Staatsarchiv), söhnelos, worauf gedachtes Lehen heimfiel und den 4. Febr. 1594 an Karl, Markgrafen von Burgau, verliehen wurde, bei welchem Anlaß die Reichsritterschaft ihre hiesige Steuer verlor (Gärth). Dieser überließ es an Christof Wendler von Pregenroth unter gewissen Bedingungen zu einem Afterlehen auf ewige Wiederlosung und gegen Erlegung einer jährlichen Recognition von 100 fl., welche Verhandlung | vom Lehenhof den 1. August 1590 bestätigt wurde. Nach Erlöschen der Pregenrother Familie überließ die Erzherzogin Claudia († 1648) dem gewesenen kais. Oberst Adam Heinrich Keller von Schlaitheim Isenburg und Nordstetten mit der niedern Gerichtsbarkeit unter Vorbehalt aller Regalien, der Kollectation, der Territorial-, hoch- und malefizischen Obrigkeit um 9212 fl., womit der Lehenverband seine Endschaft erreichte (s. Nordstetten). Indeß wird noch 1804 in der Justiztabelle die Landeshoheit zu Isenburg als zwischen Österreich und dem Baron Keller von Schlaitheim „strittig“ genannt.

Späterhin hatte Isenburg denselben Wechsel der Gutsherrschaft wie Nordstetten (s. d.); von Keller von Schlaitheim kam es an die von Münch, von Linden, von Fischer-Weickersthal und jetzt an die Gemeinde Nordstetten.


  1. Am 12. Jan. 1405 gab Herzog Friedrich von Österreich seine Einwilligung, daß Elsbeth von Grafenegg, Hans des Pfusers eheliche Wirthin, welche die Feste Isenburg, Dorf Nordstetten, Hof zu Puch etc. von Ulrich dem Pranthoch um 1592 Pfd. Häller, ferner das Haus zu Horw bei der Burg genannt der Speicher um 120 Pfund Häller gelöst, um dieselben Summen als Pfand haben soll. Lichnowsky Habsburg 7, Reg. 674 c.

Errata

  1. S. 204. L. 4. [WS: lies L. 10] Nach „Mühlen“ setze: einst Besitzthum der Dominicanerinnen zu Horb. Siehe Berichtigungen und Nachträge, Seite 273–276.
  2. S. 205. zu L. 24. Die markierte Textpassage wurde eingefügt. Siehe Berichtigungen und Nachträge, Seite 273–276.


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