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Beschreibung des Oberamts Horb/Kapitel B 14

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Gündringen,
mit Dürrenhardt, Hof,
Gemeinde III. Klasse, mit 586 Einw., wor. 1 Ev. – Kath. Pfarrei; die Ev. sind nach Haiterbach, O.-A. Nagold, eingepfarrt.


Etwa 2 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt liegt in dem tiefeingeschnittenen Steinach-Thale der mittelgroße, etwas weitläufig und unregelmäßig angelegte Ort, der theils in das Steinach-Thal, theils in ein Seitenthälchen desselben, in das sogenannte Brunnenteich, wohl geschützt hingebaut ist; die Kirche mit dem daran stoßenden Begräbnißplatz und das Pfarrhaus liegen erhöht auf dem Ausläufer des zwischen den genannten Thälern hinziehenden Bergrückens und bilden eine freundliche Gruppe, die zur malerischen Ansicht des Dorfes wesentlich beiträgt. Die Abhänge der Thäler sind mit Nadelwaldungen bestockt, die sich theilweise bis an das Dorf hinziehen.

Die Häuser sind mit Ausnahme einiger ansehnlichen, meist von mittlerer Größe und beinahe durchgängig das Wohngebäude und die Scheune unter einem Dache.

Die 1832/34 im modernen Rundbogenstyl neu erbaute Pfarrkirche zum heil. Remigius auf der Stelle der 1827 abgebrannten Kirche, trägt auf der westlichen Giebelseite ein einfaches Thürmchen (Dachreiter); das flachgedeckte, nicht unfreundliche Innere der Kirche enthält außer drei altdeutschen Gemälden, welche zur Zeit des Neubaus der Kirche aus der Kirche zu Rohrdorf hieher versetzt wurden, nichts Bemerkenswerthes. Das Hauptbild, ursprünglich Mittelbild des Hochaltars stellt die Anbetung vor; über demselben ist die Verkündigung angebracht. Ein weiteres Bild stellt die Geburt Christi und ein drittes, wohl das vortrefflichste, den Tod Mariä vor. Die sämtlich auf Goldgrund gemalten Bilder enthalten ausgezeichnet schöne Köpfe, die an Zeitblom erinnern und eines besseren Schutzes wohl werth wären.

Die auf dem Thurme hängenden zwei Glocken sind bei dem Neubau der Kirche umgegossen worden.

An der Kirchhofmauer steht die Ritterstatue eines Hans Caspar von Kechler († 1576), oben an demselben sind die Wappen der v. Kechler und von Speth angebracht. Neben befinden sich die Wappen der drei Frauen des v. Kechlers, v. Sewitz, v. Liebenstein und v. Horneck.

Die Unterhaltung der Kirche liegt dem Staate ob, wie auch die des in gutem baulichen Zustande befindlichen Pfarrhauses.

| Das 1824 erbaute Rathhaus enthält zugleich die Schule mit einem Lehrzimmer und die öffentliche Backküche; der Schulmeister wohnt in einem abgesonderten Gemeindehause.

Ein Gemeindewaschhaus und ein Armenhaus sind vorhanden.

Gutes Trinkwasser liefern drei laufende und drei Pumpbrunnen; überdieß fließt die muntere Steinach ganz nahe (östlich) am Ort vorüber und setzt daselbst eine Mühle mit vier Mahlgängen und einem Gerbgang in Bewegung; 1/8 Stunde oberhalb des Dorfs liegt an ihr eine Pappendeckel fabricirende Papiermühle und 1/8 Stunde unterhalb desselben eine Sägmühle mit Ölwerk und Hanfreibe. Etwa 100 Schritte unter der Sägmühle liegt die Gemeinde-Gipsmühle. Das Fischrecht in der Steinach, welche Forellen führt, hat der Freiherr v. Münch, der es verpachtet.

Den Verkehr mit der Umgegend vermitteln Vicinalstraßen nach Iselshausen und Nagold, nach Vollmaringen, Hochdorf, Haiterbach und Dürrenhardt.

Über die Steinach ist beim Ort eine Brücke angelegt.

Die nicht große Markung ist von dem Steinach-Thale und dessen Seitenthälchen vielfältig durchzogen und hat deßhalb nur theilweise eine flachwellige, an einzelnen Stellen ebene Lage. Der im allgemeinen fruchtbare Boden, in welchem die gewöhnlichen Feldfrüchte gut gedeihen, besteht theils aus Lehm, theils aus den Zersetzungen des Muschelkalks. Die Verbesserung des Bodens wird nicht allein durch Anwendung der gewöhnlichen Düngungsmitteln, sondern auch des Gipses und des Composts bezweckt. Der Gips wird bei der Sägmühle abgebaut. Einige Muschelkalksteinbrüche sind vorhanden.

Die Einwohner sind fleißig, geordnet und befinden sich in mittelguten Vermögensumständen; sie würden ihre ökonomischen Verhältnisse noch mehr zu heben im Stande sein, wenn nicht wegen der steilen Berge die Bebauung ihrer Güter erschwert und vertheuert wäre. Die Haupterwerbsquellen bestehen in Feldbau, Viehzucht und einigem Gewerbe.

Die Landwirthschaft wird gut betrieben und das Beispiel des rationell bewirthschafteten Guts Dürrenhardt äußert einen günstigen Einfluß auf dieselbe; im Dreifeldersystem, mit zu 1/3 angeblümter Brache, baut man mit Anwendung des Flandrischen Pflugs die gewöhnlichen Cerealien, Kartoffeln, Futterkräuter, Linsen etc. Von Handelsgewächsen zieht man Flachs und Hanf meist in Ländern für den eigenen Bedarf; auch der Hopfenbau kommt gegenwärtig in Aufnahme. | Bei einer Aussaat von 8 Sri. Dinkel, 4 Sri. Gerste und 7 Sri. Haber beträgt die durchschnittliche Ernte 10 Scheffel Dinkel, 5 Scheffel Gerste und 6 Scheffel Haber per Morgen.

Die geringsten Preise eines Morgens Acker betragen gegenwärtig 50–100 fl., die mittleren 175–200 fl. und die höchsten 500–600 fl. Von den Getreideerzeugnissen werden jährlich etwa 100 Scheffel meist nach Nagold abgesetzt.

Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, welche theilweise bewässert werden können, sind ergiebig und ertragen im Durchschnitt 55 Centner mittelgutes Futter per Morgen; die Preise eines Morgens bewegen sich von 250–1200 fl.

Die Obstzucht ist nicht ausgedehnt und beschäftigt sich vorzugsweise mit Mostsorten und Zwetschgen, die ausschließlich für den eigenen Bedarf verwendet werden. Die Jungstämme werden von Nachbarorten bezogen. Früher scheint auch etwas Weinbau getrieben worden zu sein, indem ein am Ort gelegener Bergabhang den Namen Weinberghalde trägt.

Die Zucht der Pferde ist ganz unbedeutend und die des Rindviehs in mittelgutem Zustande; einer bedeutenderen Zucht steht der Mangel an Futter und die beschwerliche Bebauung der Felder entgegen. Viehmastung findet nur wenig statt. Zur Nachzucht sind zwei Simmenthaler-Farren aufgestellt, die ein Bürger gegen Entschädigung von Seiten der Gemeinde hält.

Schafzucht treibt, nachdem die Gemeinde im Jahr 1864 das Schafweiderecht auf der ganzen Markung von dem ritterschaftlichen Gutsbesitzer, Freiherr v. Münch, gekauft hat, ein fremder Schäfer gegen ein Pachtgeld von 550 fl.; überdieß sichert die Pferchnutzung der Gemeinde eine jährliche Rente von 300 fl.

Die Schweinezucht ist nicht bedeutend, indem die meisten Ferkel (halbenglische, pfälzische und bayerische) eingeführt und größtentheils für den Hausbedarf aufgezogen werden.

Die nicht bedeutende Ziegenzucht ist im Abnehmen, dagegen die Zucht des Geflügels ziemlich stark.

Die Bienenzucht wird mit Glück, jedoch nicht ausgedehnt getrieben.

Außer den schon genannten Gewerben und den gewöhnlichen für das örtliche Bedürfniß arbeitenden Professionisten, sind noch drei Schildwirthschaften und drei Krämer zu nennen. Als Nebengewerbe wird die Strickerei von Strümpfen, Wämsern etc. betrieben und die Fabrikate an Stricker in Nagold abgesetzt.

| Die Gemeinde besitzt 480 Morgen Nadelwaldungen, die jährlich etwa 250 Klafter abwerfen; hievon erhält jeder Bürger ein Klafter, das übrige wird verkauft, was der Gemeinde 800–1000 fl. jährlich einträgt.

Im Ort wurden Gräber aufgefunden, welche menschliche Skelette, denen Waffen beigegeben waren, enthielten.

Zu der Gemeinde gehört Dürrenhardt, ein dem Freiherrn v. Münch gehöriger Hof, der eine halbe Stunde nordwestlich vom Mutterort auf einer freien Hochebene liegt; zu demselben gehört ein etwa 400 Morgen großes Gut, das der Besitzer durch einen eigenen Verwalter rationell bewirthschaften läßt.

Gündringen erscheint erstmals im Jahre 839 als villa Gundirichingen im Nagoldgau; damals erhielt das Kloster Lorsch 1/4 der Kirche und ausgedehnte Güter (Cod. Laur. nr. 3529). Im Jahr 1087 und später wurde Kloster Reichenbach allhier beschenkt, welches dauernd einen hiesigen Hof besaß. Nur vorübergehend war um 1100 der Gutsbesitz des Klosters Hirschau. Der Ort wird 1087 bezeichnet als in der Grafschaft des Grafen Heinrich von Tübingen gelegen, (comes) Heinricus de Tuingen, in cujus comitatu idem predium (Gunderichingen) situm est. (Wirt. Urk. Buch 2, 395). Im Jahr 1088 kommen vor die freien Herren Sigebold, Gerric und Wolfger von Gunderichingen (eb. 2, 394). Einige Jahrzehnte später stiften allda 1 Hube Land der Freye Adalo v. G., der in das Kloster Reichenbach eintrat, und Frau Gezela an dieses Kloster (eb. 2, 405). Die späteren Inhaber von G. und Dürrenhardt traten der unmittelbaren Reichsritterschaft bei. Begütert waren im 15. Jahrhundert die Böcklin. Frühe faßte der Johanniterorden hier festen Fuß und blieb bis zu Anfang dieses Jahrhunderts Mitbesitzer. Das Adelsgut gehörte den Kechlern von Schwandorf. Hans Kaspar führte die Reformation ein 1560, sein Enkel Melchior aber schaffte sie 1639 wieder ab.

Später gelangte Gündringen an die Freiherrn von Eck, in welcher Familie Georg Ehrenreich Freiherr v. Eck und Hungersbach 1702 Johanne Franciske, Franz Kechlers zu Schwandorf Tochter, ehlichte (Wißgrill, Schauplatz des landsässigen niederöstr. Adels 2, 331). Von denen v. Eck erwarb es 1790 Christian Freiherr von Münch († 1821).

Das Vogt- und Patronatrecht über die Kirche stand der Kommende Rohrdorf zu, von der es über die Krone Württemberg an den Bischof von Rottenburg gelangte.

| Bei der Wiedereinführung des Katholicismus im Jahr 1739 wurden die Einwohner nach Unterthalheim eingepfarrt, aber 1834 auf Verwendung des Johanniterordenskomthurs zu Rohrdorf, Dietrich Hermann Freiherr v. Schade, wurde hier wieder eine eigene Pfarrei errichtet.

Im Jahr 1805 kam der bis dahin zur Ritterschaft steuernde Ort unter württembergische Staatshoheit. Ein Gütlin hatte 1478 Graf Eberhard von Württemberg von Wilhelm Böcklins vom Eutinger Thal Wittwe, Agnes v. Gültlingen, mit einem Theil an Hochdorf erkauft (Steinhofer 3, 291 und Schmid Gr. v. Hoh. 576).

Der Dürrenhardter Hof gehörte gleich Gündringen denen von Kechler, dann den von Eck’schen, und gehört heut zu Tage den Herrn v. Münch.


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