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Beschreibung des Oberamts Herrenberg/Kapitel B 12

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Kuppingen,


Gemeinde II. Klasse mit 1156 Einw., worunter 3 Katholiken. – Ev. Pfarrei mit den Filialien Affstätt und Ober-Jesingen; die Katholiken sind nach Altingen eingepfarrt.

Der große, ziemlich regelmäßig gebaute Ort liegt 3/4 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt und 1831 Fuß über dem Mittelmeer; an den breiten, reinlich gehaltenen, gekandelten Ortsstraßen lagern sich die meist Wohlhabenheit verrathenden Wohnungen, deren Unterstöcke häufig von Stein, die übrigen Theile aber in solidem Holzbau aufgeführt sind.

Am westlichen Ende des Dorfes steht die dem heil. Stephan geweihte Pfarrkirche, welche von dem größtentheils noch ummauerten Begräbnißplatz umgeben ist; derselbe war früher bedeutend befestigt und hatte über seinem Eingang einen vierstockigen massiven Thurm, der erst im Jahre 1836 abgebrochen wurde. Das im spät germanischen Styl erbaute Langhaus der Kirche ist durch stylwidrige Veränderungen entstellt; an dem westlichen Eingang in dasselbe befindet sich ein steinerner Weihkessel mit der Jahreszahl 1581,| vermutlich die Zeit der Erbauung des Langhauses angebend. Der mit einem halben Achteck schließende Chor ist älter und im Styl des 13. bis 14. Jahrhunderts mit schlanken, germanisch gefüllten Spitzbogenfenstern und Strebepfeilern erbaut. Der viereckige, sehr alte Thurm hat zwei hohe, massive mit Schußscharten versehene Stockwerke, denen erst später ein drittes aus Holz erbautes, nebst einem einfachen Zeltdache aufgesetzt wurde. Auf demselben genießt man eine sehr anziehende Aussicht über das Gäu, den Schönbuch und an einen großen Theil der Alp (vom Plettenberg bis unterhalb des Roßbergs). Von den drei auf dem Thurme hängenden Glocken hat die größte folgende Umschrift: Osanna heis ich in unserer Frawen Er leit ich, Bernhard Lachamann gos mich 1508; auf der mittleren steht: Ave maria gracia dominus tecum pax nobis amen. Die dritte wurde 1830 umgegossen. Das Innere der Kirche ist durch zwei über einander gebauten Emporen verdüstert; von dem Schiff führt ein spitzbogiger Triumphbogen, in welchen ein aus Holz gut geschnittenes Bild des Gekreuzigten frei hängt, in den mit einem doppelten Kreuzgewölbe versehenen Chor, an dessen zwei Schlußsteinen schön durchbrochene Rosetten angebracht sind. In dem Chor stehen geschnitzte, im germanischen Styl gehaltene Chorstühle, an denen vertieft nur mit Linien eingeschnittene Figuren angebracht sind; die oberen Theile dieses alten Gestühlwerks wurden bei der Errichtung der Emporen weggerissen, und das übrige in neuerer Zeit meist getüncht. Die Unterhaltung der Kirche liegt der örtlichen Stiftungspflege ob.

Zunächst (südlich) der Kirche steht das 1768 erbaute, wohlerhaltene Pfarrhaus nebst Öconomiegebäuden, Garten und Hof, welches von der K. Hofdomänenkammer zu erhalten ist.

Das nordöstlich der Kirche gelegene, ansehnliche Schulhaus wurde im Jahre 1827 mit einem Aufwand von 6000 fl. erbaut; es enthält zugleich Wohnungen für den Lehrer und Unterlehrer, welche an der Schule unterrichten, neben der auch eine Industrieschule besteht, an welcher die Töchter des dermaligen Pfarrers Wittich unentgeltlich Unterricht ertheilen.

Im östlichen Theile des Orts liegt frei das alte, jedoch gut erhaltene Rathhaus.

Ein Gemeindebackhaus wurde im Jahre 1845 mit einem Gemeindeaufwand von 1300 fl. erbaut; ein Gemeindewaschhaus besteht schon längst. Eine am südlichen Ortsende gelegene, 1745 erbaute Zehentscheuer kaufte die Gemeinde im Jahre 1850 von der K. Hofdomänenkammer um 1000 fl.

Im Ort befinden sich ein laufender und 23 Zieh- und| Pumpbrunnen; sämmtliche Brunnen geben des Sommers weniger Wasser und lassen in heißen Jahrgängen so sehr nach, daß die Einwohner genöthigt werden, ihr Wasser in Affstätt und an dem 1/4 Stunde südöstlich vom Ort gelegenen, nie versiegenden Leinenbrunnen zu holen. Auf den Fall der Feuersgefahr ist eine große Wette am nordöstlichen Ortsende angelegt worden.

Bis zur neuesten Grund-Entlastung bezog die K. Hofdomänenkammer den großen Zehenten; der kleine Zehenten nebst dem Heuzehenten von 57 Morgen Wiesen und Gärten stand der Pfarrei zu, neben welcher auch die Widdummaier von 53 Morgen den Heuzehenten bezogen.

Die ziemlich ausgedehnte Markung grenzt nördlich an die Markungen Ober-Jesingen, östlich an Gärtringen, Nufringen und Affstätt, südlich an Herrenberg und westlich an Ober- und Unter-Sulz, wie auch an zwei Waldparcellen, welche der Gemeinde Affstätt gehören und als Exclaven getrennt von der Affstätter Markung in der Markung Kuppingen liegen.

Die Markung gehört zu der unter dem Namen Gäu bekannten welligen Hochebene, und hat im Allgemeinen einen fruchtbaren Boden; die sog. Malmböden (Verwitterung des Muschelkalkdolomits) sind vorherrschend, während in dem westlichen und südwestlichen Theil der Markung der Boden thoniger, schwerer ist und häufig von den Mergeln der Lettenkohlengruppe unterlagert wird.

Die Luft ist rein und gesund, jedoch etwas rauh; Frühlingsfröste schaden zuweilen den Obstbäumen. Feinere Gewächse, wie Bohnen, Gurken etc., kommen noch fort, und früher wurde auch südlich vom Ort in den nun in Obstgüter umgewandelten hinteren Weingärten Weinbau getrieben. Hagelschlag kommt selten vor.

Die Einwohner sind im Durchschnitt gut gewachsene, gesunde Leute, die mit großem Fleiß und Sparsamkeit meist einen ehrbaren Wandel führen und viel Sinn für Religion haben, der sich übrigens sehr häufig bis zum strengen Pietismus steigert. Ihre Vermögensumstände sind im Allgemeinen ziemlich gut, und die Haupterwerbsquellen bestehen in Ackerbau und Viehzucht. Der Grundbesitz des begütertsten Grundeigenthümers beträgt 60 Morgen.

Die Landwirthschaft wird sehr gut betrieben, übrigens ist der deutsche Wendepflug immer noch ziemlich allgemein und wird für tauglicher gehalten, als der theilweise angewendete Flanderpflug. Dagegen sind zwei der Gemeinde gehörigen Walzen häufig im Gebrauch. Neben dem Stall-Dünger und der Gülle, welche in ziemlich gut angelegten Düngerstätten fleißig gesammelt wird, kommt noch Pferch, Hallerde, etwas Gips und Compost in Anwendung.

| Nach der Dreifelderwirthschaft werden die gewöhnlichen Cerealien und von diesen besonders Dinkel, Hafer und Gerste gebaut; Ackerbohnen zieht man theils in der Brache, theils gemischt mit dem Hafer, Erbsen, Linsen, Wicken etc. werden im Haferfeld gebaut. Die zu 1/4 benützte Brache wird mit Futterkräutern, Angersen, Kraut (Spitzkohl), Hanf für den eigenen Bedarf, wenig Flachs, Kohlraben und ziemlich viel Reps angeblümt. Früher war der Repsbau noch bedeutender und gewährte öfters einen jährlichen Ertrag von 800 Scheffel; gegenwärtig werden nur noch 100 bis 150 Scheffel jährlich verkauft. Auf einen Morgen rechnet man Aussaat 6–8 Simri Dinkel, 4 Simri Hafer, 11/2–2 Simri Gerste, 4 Simri Weizen, 4 Simri Roggen und 5 Simri Einkorn; der durchschnittliche Ertrag beträgt per Morgen 8–10 Scheffel Dinkel, 4–5 Scheffel Hafer (wegen der mit demselben gebauten Ackerbohnen ist der Ertrag geringer), 6 Scheffel Gerste, 3–4 Scheffel Weizen (gedeiht nicht besonders gern), 6 Scheffel Einkorn und 3–4 Scheffel Roggen. Die höchsten Preise der Äcker sind 500 fl., die mittleren 200–250 fl. und die geringsten 80–100 fl.; Dinkel, Hafer und Gerste wird sehr viel nach Außen verkauft.

Der eigentliche Wiesenbau ist nicht sehr ausgedehnt; dagegen sind ziemlich viele Wechselwiesen, hier Ackerwiesen genannt, die nach 10–20 Jahren wieder zu Äckern umgewandelt werden, vorhanden. Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, von welchen etwa 20 Morgen bewässert werden, geben sehr gutes Futter und ertragen im Durchschnitt per Morgen 25–30, ausnahmsweise bis 40 Cent. Heu und 12–15 Cent. Öhmd. Die Preise bewegen sich von 100–600 fl. per Morgen.

Die Obstzucht ist beträchtlich, das Obst, namentlich Mostsorten und unter diesen besonders Luiken und Knausbirnen, gedeiht gerne; feines Obst ist selten. Die jungen Stämme werden aus verschiedenen Gegenden und häufig als wilde Stämme aus den nahe gelegenen Waldungen bezogen und veredelt. Von Steinobst gedeiht hauptsächlich die häufig angepflanzte Zwetschge. Das Obst wird im Ort verbraucht.

Die Gemeinde ist im Besitz von 844 Morgen Waldungen, welche zum größten Theil mit Laubhölzern, Eichen, Buchen, Birken, Salweiden, Aspen, Haseln etc. und nur etwa 200 Morgen mit Laub- und Nadelhölzern gemischt, bestockt sind. Das Oberholz besteht meist aus Eichen, weniger aus Buchen. Es werden jährlich 140 Klafter und 8–9000 Stück Wellen geschlagen und an die Bürgerschaft als Gabholz ausgetheilt, so daß jeder Ortsbürger 1/2 Klafter| Scheitholz und 36–40 Stück Wellen erhält. Überdies werden noch alljährlich 80–90.000 Ernteweiden aus den Waldungen an die Einwohner abgegeben.

Zur Schäferei wird die Brach- und Stoppelweide benützt, welche 300–350 Schafe nährt; jeder Bürger darf nach dem Betrag seiner Steuer Schafe einschlagen, wofür er der Gemeindepflege für das Schaf 1 fl., für das Lamm 30 kr. zu entrichten hat, was derselben nebst der Pferchnutzung jährlich 800–900 fl. einträgt.

Was die Viehzucht betrifft, so werden zwar ziemlich Pferde gehalten, aber nicht im Ort gezüchtet. Die sehr ausgedehnte Rindviehzucht besteht in einem tüchtigen, meist rothgelben Neckarschlag, der durch vier Simmenthaler Farren gekreuzt und veredelt wird. Die Farrenhaltung ist an zwei Bürger von der Gemeinde gegen eine Entschädigung von jährlich 190 fl. verdungen. Der Handel mit Vieh ist nicht beträchtlich; es werden meist nur Kälber und etwas Mastvieh verkauft. Butter kommt auf die Wochenmärkte nach Calw, Herrenberg, Stuttgart etc., und ein Ortsbürger betreibt in mäßiger Ausdehnung die Käserei.

Die Zucht der Schweine war, ehe sich die Kartoffelkrankheit zeigte, namhaft, gegenwärtig hat sie sehr nachgelassen; Ferkel werden neben den im Ort gezogenen auch noch von Außen gekauft und entweder als Läufer oder gemästet wieder verkauft, überdies werden ziemlich viele Mastschweine in’s Haus geschlachtet.

Geflügel (Hühner, Gänse, Enten) wird sehr viel gehalten und mit demselben, besonders aber mit Eiern, Handel getrieben. Die Bienenzucht ist im Abnehmen.

Die Gewerbe dienen, mit Ausnahme einer Gipsmühle, nur den örtlichen Bedürfnissen; früher wurde das Küfergewerbe stark betrieben und kamen viele Fässer nach Außen zum Verkauf. Im Ort bestehen vier Schildwirthschaften, worunter zwei mit Bierbrauereien, und drei Kramläden.

Durch den Ort führt die Landstraße von Calw nach Herrenberg und überdies führen Vicinalstraßen nach Gärtringen, Nufringen, Haslach, Sindlingen, Ober-Jettingen, Sulz und Gültlingen, welche dem Ort seinen Verkehr hinlänglich sichern.

Die Gemeindepflege besitzt 6–7000 fl. Kapitalvermögen und außer den Waldungen 27 Morgen Gemeindegüter, welche jährlich etwa 250 fl. eintragen. Daneben werden etwa 400 fl. jährlich Gemeindeschaden umgelegt (vergl. Tab. III.). Das Kapitalvermögen der Stiftungspflege beträgt über 9000 fl., wobei Kuppingen zu 4/7, Ober-Jesingen zu 2/7 und Affstätt zu 1/7 betheiligt ist. Unter dem| Stiftungsvermögen befinden sich Armenstiftungen, von deren jährlichen Zinsen 150 fl. für Brod und 14 fl. für Bücher und Papier unter Theilnahme der ebengenannten Pfarr-Filialien an Unbemittelte ausgetheilt werden.

Zu der Pfarrei hat das Patronat- und Nominationsrecht die Krone; der erste evangel. Pfarrer war Bened. Majer von 15..–1561 (Binder Württ. Kirchen- und Lehrämter 1, 489).

Das Ortswappen ist eine Lilie.

Außer drei auf der Markung liegenden Muschelkalksteinbrüchen befindet sich noch in der Nähe des Orts ein Lettenkohlensandsteinbruch und eine Lehmgrube. Erdfälle kommen mehrere vor.

In der Nähe des Orts, namentlich in den sogenannten hintern Weingärten, bei dem Kalkofen etc. stößt man nicht selten auf Grundreste römischer Gebäude, bei denen schon römische Münzen und andere Anticaglien gefunden wurden.

Etwa 1/8 Stunde westlich vom Ort wird eine Flur „St. Bernhard“ genannt, hier soll eine Kapelle gestanden sein.

Im Jahr 1749 wurde an der Straße nach Gültlingen ein trocken gemauertes Steingrab aufgedeckt, das Reste eines menschlichen Skeletts und ein kurzes Schwert (Sachs) enthielt.

Am südlichen Ende des Dorfes stand die wegen ihres hohen Alterthums berühmte 80 Fuß lange und 30 Fuß breite Kapelle, deren letzten Reste in den Jahren 1792–1796 leider abgebrochen wurden (s. Württ. Jahrb. 1830, 424–430). Auf einer kaum noch sichtbaren, kleinen, im Kreis laufenden Erhöhung, dem letzten Rest des ehemaligen Chorschlusses, läuft jetzt der Bretterzaun hin, der ein Gärtchen, in welches der Raum der Kapelle umgewandelt wurde, einschließt. Sattler hat in seiner 1784 herausgegebenen topographischen Geschichte von Württemberg S. 316 der Nachwelt eine, wiewohl mangelhafte Zeichnung von den letzten Resten dieses Alterthums überliefert, und schreibt, wie auch Andere, die Erbauung der Kapelle den Römern zu. Schon nach dieser Zeichnung, sowie nach den Beschreibungen dieses sogenannten Heidentempels, erscheint es aber weit wahrscheinlicher, daß die Überreste dem halbrunden Chorschluß (Abside) und dem südlichen halbrunden Schluß des Querschiffs einer in der früh romanischen Periode erbauten Kirche (Basilika) angehörten. Zu dieser Ansicht berechtigen hauptsächlich die halbrunden Säulen mit Wulstenknäufen, welche von dem Sockel bis zu dem Dachfries hinauflaufen, und das in der Mitte der Absis angebrachte Rundbogenfenster mit schräge eingehenden Gewänden, wie sie regelmäßig an romanischen Kirchenbauten vorkommen. Ebenso charakterisiren die| räthselhaften Menschen- und Thierfiguren den früh romanischen Baustyl. Jeder Zweifel über die Erbauungszeit der Kirche dürfte aber durch die hier beigefügte Zeichnung[1] der westlichen Giebelseite vollends gehoben werden, welche ein treues Bild einer früh romanischen (christlichen) Kirche oder Kapelle liefert.
| Auch stößt man zuweilen in der nächsten Umgebung auf Gräber, die hinlänglich bekunden, daß nach ächt christlichem Ritus hier ein Begräbnißplatz war, der, ehe die gegenwärtige Kirche nebst Kirchhof angelegt wurde, zur Beerdigung der Ortseinwohner diente.

Das Dorf Kuppingen erscheint urkundlich seit dem Jahre 961. Am 17. Mai dieses Jahrs bestätige Kaiser Otto I. einen Gütertausch zwischen dem Bischof Harpert von Chur und dem Kloster Schwarzach, welches ersterem, unter andern, Güter in Kuppingen abtrat (loca in Nagelekeuue in vico Chuppinga). Darauf erhielt das Hochstift Chur eine Schenkung von zwei Freigelassenen, Rambrecht und Adelbrecht (in comitatu Anselmi in villa Chuppinga), wozu derselbe Kaiser Otto am 22. April 966 seine Bestätigung ertheilte (Wirt. Urkundenbuch, 215. 217). Der Graf Anselm, in dessen Gau Kuppingen lag, ist ein Ahnherr der Tübinger Pfalzgrafen, welche später Kuppingen besaßen.

Unter diesen Pfalzgrafen fiel bei der am 23. Februar 1334 vorgenommenen Theilung an den Pfalzgrafen Konrad I. das Dorf Kuppingen, Leute und Gut mit dem hiesigen Kirchensatz, und den zu diesem gehörigen zum Theil bei Nufringen, Ober-Jesingen und Affstätt gelegenen Widumsgütern und Zehenten (Schmid Urk. 166), welches sodann des Pfalzgrafen gleichnamiger Sohn den 10. Febr. 1382 mit Herrenberg an Württemberg verkaufte.

In Kuppingen saßen die häufig genannten Lehensmannen der Pfalzgrafen von Tübingen, die Hemmlinge. Ahnherren derselben sind Werner und Rudolf, um 1120 in einer Kloster Hirschauer Urkunde vorkommend (Auszug in Cod. Hirsaug 39a). Etwas später erscheint Rudolfus de K. ministerialis marchionis (von Ronsberg, siehe bei Altingen), welcher Äcker in der Gegend an das Kloster Ottobeuren verkaufte (Feyerabend Ottob. Jahrb. 2, 212), und um 1180 wieder ein Werner (Cod. Hirsaug. 63b). Ein Heinrich von Kuppingen beschenkt um 1130 das Kloster Zwiefalten mit 1/4 der Kirche in Köngen u. a. (Berthold Zwifaltens. bei Pertz Mon. 12, 109). Konrad, Albrecht und Werner, Gebrüder von Kuppingen, sind den 8. Mai 1233 zu Herrenberg Zeugen des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen (Stadelhof. Hist. Roth. 1, 132). In der Mitte des 13. Jahrhunderts war Ulrich von Kuppingen Probst in Sindelfingen, als welcher er jedoch resigniren mußte (Chron. Sindelf. ed. Haug). Genannten Albrechts Söhne waren Werner, Trutwin, Kraft (Kirchherr in Kuppingen) und wohl auch Heinrich (letzterer in Urk. von 1288.| 1301. Mone Zeitschr. 4, 120, Schmid 269, in letzterer Urk. als Herr von Kuppingen, gen. Grosbrot).

Mehrere Glieder dieser Familie nannten sich „Freie“[2]. Ihr Wappen war in die Länge getheilt und hatte im rechten Felde einen auf den zwei Hinterfüßen stehenden Bracken, im linken drei Querstreifen. Sie besaßen hier mehrere Hofstätten, eigene Leute, die Vogtei mit allem Recht im Holz und am Walde und hatten einen Maier; auch in Affstätt und in Ober-Jesingen hatten sie Leibeigene (Schmid 290, Urk. 92).

In der fehdevollen Zeit am Schluß des 13. Jahrhunderts überwarf sich obiger Trutwin, genannt Hemmling, ein Waffengenosse Markgraf Rudolfs von Baden, mit Pfalzgraf Rudolf dem Scheerer von Tübingen, überfiel und verwundete ihn den 22. Febr. 1288 bei Malmsheim (Chron. Sindelf.). Der Streit über Mein und Dein, wahrscheinlich der Zunder dieses Kampfes, spann sich noch weiter fort bei dem Lehensherrn und in der Familie des Lehensmanns, und letztere bot in ihrer Veste, welche bei der Kirche stund, dem erstern Trotz. Ein Richtungsbrief zwischen Pfalzgraf Rudolf von Tübingen einerseits und Wernher dem Hemmling und Albrecht, seinem Bruder, andrerseits vom 5. Juni 1306 vermittele endlich dahin: die Ritter von Kuppingen sollten gegen Empfang von 70 Pfund sich verziehen alles Rechts, das sie an der Burg zu Kuppingen (am Kirchhof) und dem dortigen Kirchensatz und dessen Zugehörung und dem Drittheil des Zehenten hatten. Die Burg sollten sie gebrochen haben, das Fachwerk bis Jacobi d. J., und die steinernen Mauern bis Martini des folgenden Jahres. Wogegen die Hemmlinge ein neues einfaches Wohnhaus bauen dürften und sollten, welches seinen Eingang zur ebenen Erde habe, weder mit Schießscharten versehen, noch durch eine Mauer beschützt; der Graben dieses Hauses dürfte aber blos so tief und weit werden, als ein Mann mit einer Schaufel herauswerfen könne (Schmid Urk. 94). Darauf verkaufte der ebengenannte Wernher den 22. Febr. 1314 an den obigen Pfalzgrafen Rudolf für 57 Pfund guter Pfenninge die Vogtei über das Dorf, seine dortigen Leibeigenen und all’ seine Hofstätten, welche er in Kuppingen hatte, mit Ausnahme einer einzigen (vor dem Kirchhof), auf welcher er| saß und welche sein freies Eigenthum bleiben sollte (Schmid Urk. 92). Trutwin Hemmeling, wahrscheinlich ein Sohn Albrechts und Neffe Wernhers, veräußerte am 18. Mai 1335 mit Willen seines Bruders Heinrich all’ sein Gut in Dietlingen und in der Umgegend. Kunegunde, Wernhers sel. von Kuppingen Tochter, kommt 1328 als Gemahlin Rollers von Gilstein vor (Schmid 473).

Elsbeth und Margareth, die Töchter desselben Wernhers, verkauften den 17. Dez. 1350 nach dem Tode ihres Vaters an den Pfalzgrafen Konrad von Tübingen um 170 Pfund ihren hiesigen Hof, eine Gilt von 8 Malter Roggen und mit Ausnahme ihres Wohnhauses und weniger Äcker alle ihre hiesigen Güter überhaupt, was alles ihr freies Eigenthum war (Schmid Urk. 178). Vielleicht gehört noch hieher Fritz Hemmling, welcher 1388 bei Döffingen erschlagen wurde (Crus. Annal. Suev. 3, 310); später verschwindet das Geschlecht.

Im Jahre 1364 verkaufte Graf Burkhard von Hohenberg Leibeigene zu Kuppingen an Pfalzgraf Konrad den ältern von Tübingen, und 1367 wurde von demselben Grafen Burkhard, als er die Herrschaft Wildberg veräußerte, Heinz von Hailfingen an den Käufer mit einem Lehenhof zu Kuppingen überwiesen (Reichsständ. Archival-Urk. 1, 16. 17).

Der hiesige „Flaischelinshof“ ging von den gräflich Hohenbergischen Dienstmannen von Ow zu Lehen; Volkart und Benz von Ow belehnten 1349 und 1363 damit Cunz Volmar von Unter-Jettingen, und so fort, bis ihn Caspar von Ow, zu Hechingen gesessen, an Pfaff Cunrat Volmar zu Nagold und Volmar von Gilstein um vier gute rheinische Gulden veräußerte (Schmid 473).

Das Kloster Reuthin bekam einen hiesigen Hof, welchen ihm Luitgart, Albrecht Rüßen von Calw Wittwe, für 160 Pfund Heller am 27. April 1334 verkaufte (St.-A.).

An hiesiger Kirche bestund vor Zeiten eine Frühmesserei und wenigstens schon im 14. Jahrhundert eine St. Gotthardskapelle (Schmid 433).



  1. Die etwas unkünstlerisch ausgeführte Originalzeichnung befindet sich in dem städtischen Archiv zu Herrenberg.
  2. 1247, Nov. 1. Dominus Wernherus liber de K. Zeuge des Ritters Wolpot genannt von Wurmlingen für das Kloster Kirchberg (St.A.). 1285, April 21. Guta vidua Alberti militis liberi de Cuppingen consensu Wernheri Trutwini Craftonis rectoris ecclesiae in K. et aliorum filiorum beschenkt das Stift Sindelfingen (St.A.). 1314, Febr. 22. Albrecht der frige von Kuppingen (Schmid Urk. 94, vergl. 93).


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