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Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 9

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9. Donzdorf,
mit 13 Zugehörungen. Gesammt-Einwohner 1947.

a) Donzdorf, katholischer Marktflecken mit 1700 Einwohnern (worunter 1 Protestant), 3 Stunden nordwestlich von Geislingen, sehr freundlich gelegen, in dem lieblichen, obstreichen Lauterthale am Fuße des hohen Messelberges. Die Lauter fließt an der nördlichen Seite des Marktfleckens. Ihn selbst durchläuft der Pfarrbach, welcher aus dem bei Unterweckerstell entspringenden Simonsbach und dem am Messelberg hervorquellenden Seitzenbach gebildet wird, und gleich unterhalb des Ortes bei der untern Mühle in die Lauter einmündet.

Donzdorf liegt an der Straße von Göppingen nach Heidenheim, bildete den Hauptort der ehemaligen Herrschaft Donzdorf und ist Mediatbesitz der Grafen von Rechberg, welche hier ihren Wohnsitz haben.[1] Der Flecken wird eingetheilt in das Oberdorf, gegen den Gottesacker hin, und in das Unterdorf, welches letztere alles begreift was unter dem Rathhaus liegt.

Er ist der Sitz des rechbergischen Ober-Rentamtes, eines Amtsnotariats, und gehört in das Kameralamt Geislingen, Dekanat Eybach, Forstamt Lorch.

Am großen und kleinen Zehnten haben die Grundherrschaft, der Pfarrer und die Kirchenpflege je auf bestimmten Grundstücken Theil, viele Güter sind auch zehentfrei; ausserdem haben die Unterthanen noch Grund- und andere Gefälle (S. 88) zu entrichten.

Der Ort ist etwas enge gebaut und hat 222 Haupt- und 42 Nebengebäude, und 15 Back- und Waschhäuser. | Das gräfliche Schloß ist ein längliches Viereck mit 4 Thürmen; es wurde im Jahre 1569 von Hans von Rechberg zu Aichen erbaut; an dasselbe stoßt der große herrschaftliche Garten mit schönen Anlagen, welcher 12–13 M. begreift.

Der Nahrungsstand hebt sich in neuerer Zeit. Der Feldbau und die Obstbaumzucht werden sehr eifrig betrieben, die früher an der Weinhalde gelegenen Weinberge sind in Baumgärten, Wiesen und Fruchtfelder umgeschaffen. Die Viehzucht ist bedeutend, auch befindet sich eine Käserei im Orte. Außerdem ist hier seit längerer Zeit eine Damastleinwandfabrik und seit ein Paar Jahren eine Baumwollenwaarenfabrik. Ehemals war die Frucht- und Obstbranntweinbrennerei verbunden mit der Mastung ein ergiebiger Nahrungszweig, welcher aber dermalen sich fast ganz verloren hat. Fruchtmühlen hat der Ort drei. Theils auf der Ortsmarkung, theils zu Grünbach und Hagenbuch werden schöne und brauchbare gelbe Sandsteine zu Quadern gebrochen.

Die Ortsmarkung zu welcher von den Parzellen nur Hürbelsbach, Schmelzofen und Vogelhof gehören, hat 34941/8 Morgen, darunter 821 M. Waldungen; der schöne, gegen Gingen zu gelegene Wald, der Marren genannt, gehört der Grundherrschaft.

Die Gemeinde hat 2655 fl. Schulden, bürgerliche Benefizien bestehen keine.

Von milden Stiftungen besitzt die Pfarrkirchenpflege Donzdorf 17.000 fl., die Armenstiftung 4600 fl. und der Schulfonds 1070 fl. Kapitalvermögen.

Das Patronatrecht der Pfarrei und der Kaplanei steht der Familie Rechberg zu, die Kaplanei wurde von Margarethe von Rechberg und ihren Söhnen, Georg und Veit von Rechberg, im Jahr 1506 gestiftet.

Die Baulast des Pfarrhauses liegt dem Pfarrer, die des Kaplaneigebäudes der Grundherrschaft ob.

In die Pfarrei gehören sämmtliche Parzellen der Gemeinde Donzdorf.

| Die Pfarrkirche, zum heiligen Martin, war ursprünglich ein sehr altes Gebäude, wurde aber im Jahr 1777 nach der Höhe und Länge erweitert und ist jetzt geräumig und geschmackvoll. Der Kirchthurm hat ein 6eckiges Pyramidendach und ist 170 Schuh hoch. Die Kirche ist die Gruft der Grafen von Rechberg und Rothenlöwen; es befinden sich in ihr viele rechbergische Epitaphien; die zwei ältesten von Johannes † 1348 und Johannes † 1374, welches letztern Bruder Engelhart Probst zu Faurndau war, sind erst in neuerer Zeit aus der Kirche in Faurndau dahin gebracht worden. Sie bilden ein längliches Viereck, in dessen Mitte das rechbergische Wappen ausgehauen ist. Die Randumschrift des einen lautet: ANNO DNI MCCCXLVIII OB [iit] IONES [Johannes] MILES (hier eine Lücke, es fehlt wohl: de Rechberg in die san) CTI MATHEI APLI [apostoli], die des andern: ANNO DNI MCCCLXXIIII O [biit] IONES (Lücke, es fehlt wahrscheinlich miles de Rechberg in die) SCTI PAVLI APOSTOLI. Auch enthält die Kirche 2 altdeutsche Gemälde auf Goldgrund. Sie ist Eigenthum der Stiftung, welche auch die Baulast hat. Doch hat die Grundherrschaft zu dem Bauwesen im Jahr 1777 einen bedeutenden Beitrag gegeben.

Auf dem Gottesacker steht die Kapelle zur heiligen Barbara; eine frühere im Jahr 1585 erbaute Kapelle wurde im Jahr 1748 abgebrochen und an ihrer Stelle die jetzige neu erbaut. Die Unterhaltung besorgt die Pfarrkirchenpflege.

Die älteste Urkunde, in welcher Donzdorf genannt wird, ist vom Jahr 1281; in derselben heißt der Ort Tunstorf. Seinen Ursprung hat er wahrscheinlich den beiden nahe gelegenen Bergschlössern Scharffenberg und Ramsberg zu verdanken. Seit alten Zeiten gehört Donzdorf einem großen Theile nach der Familie Rechberg, vielleicht aber ursprünglich den Grafen von Helfenstein; im Jahr 1281 verkaufte Siegfried von Weißenstein den Weiler Windreute an den helfensteinischen Amtmann Albert zu Geislingen und die Verkaufs-Urkunde besiegelte Magister | Waltherus de Tunstorf, welcher in dieser Verbindung ebenfalls ein helfensteinischer Beamter in Donzdorf gewesen zu seyn scheint, jedenfalls kein Geistlicher war, denn sein Name steht unter vielen weltlichen, namentlich nach einem Magister Waltherus minister de Ravinstain (Orig. in Stuttg.). Wie Tunsdorf zum zweiten Male, den 14. December 1293, genannt wird, als Ausstellungsort einer Schenkungsurkunde an Kloster Kaisersheim, so sind es die Grafen von Helfenstein und deren Diener (nobiles domini Vlricus et filius ejus Vlricus, comites de Helfenstein, Heinricus, dapifer comitis de Helfenstein dictus Urcunt, Albertus minister de Giselingen, welche in Donzdorf der Schenkung als Zeugen anwohnen. (Lang Reg. Boic. 4, 547.) Überhaupt besaßen die Grafen von Helfenstein bis zu ihrem Aussterben Lehengüter in Donzdorf, so trugen z. B. die von Schwendi ansehnliche Höfe von ihnen zu Lehen bis zum Jahr 1446, wo sie den von Schwendi von Veit und Ulrich von Rechberg mit lehnsherrlichem Konsens abgekauft wurden (Rink in Gottschalks Ritterburgen 5, 119); noch im Jahr 1602 wurden helfensteinische Lehngüter in Donzdorf an Kaspar Bernhard von Rechberg veräußert. Wenn nun gleich das Haus Rechberg erst durch Kauf in beträchtliche helfensteinische Besitzungen in Donzdorf eintrat, so schließt diß nicht aus, daß Rechberg schon in den ältesten Zeiten neben den Grafen von Helfenstein Güter und Rechte daselbst hatte, wenn man bedenkt, wie zertheilt die Güter der ansehnlichsten Familien zwischen und unter einander lagen, und in welcher Nähe von Donzdorf wir uralte Besitzungen des Hauses Rechberg antreffen. Die Schicksale von Donzdorf, als es bereits größtentheils rechbergisch geworden war, sind folgende. In der ersten bekannten brüderlichen Theilung um 1327 fiel es Konraden von Rechberg zu Staufeneck und Ramsberg zu. Als dessen Söhne Gebhard und Albert um 1351 abermals theilten, so kam ein halber Theil von Donzdorf an Gebhard und der andere an Albert. Alberts Linie zu | Staufeneck starb 1599 aus, seinen Antheil an Donzdorf erhielt die Verzichtstochter Anna von Wernau, geb. von Rechberg, von deren Nachkommen er auf eine ähnliche Weise an die Familie Specht-Bubenhofen überging, von welcher ihn der verstorbene königl. bairische Obersthofmeister Graf Max von Rechberg im Jahr 1797 wieder einlöste. (Rink S. 103.) Vor 1797 war Donzdorf der Sitz ebensowohl eines bubenhofenschen Amts, als eines rechbergischen Oberamtes gewesen.

Aber auch eine Linie der gebhardischen 2 Hauptlinien starb mit Aloysius im Jahr 1732 aus, und des letztgenannten Besitz kam durch seine 2 Töchter Maria Anna (vermählt mit dem Grafen Paul Nikolaus von Reichenstein), Maria Theresia Ursula Violanta (verheirathet an den Freiherrn von Baumgarten) an deren Gemahle. Erstgenannte Tochter mit ihrem Gemahl und die 6 Kinder (5 Söhne und 1 Tochter) der zweiten verkauften den 18. Juli 1735 ihre Hälfte von Donzdorf nebst Zugehörigem, worunter Scharfenberg, Hürbelsbach, Ober- und Unterweckerstell, Hochberg, Hagenbuch, Güter zu Grünbach u. s. w. für 128.000 fl. an Herzog Karl Alexander von Württemberg (Urkunden im Archiv des Ritterkantons Kocher). Allein der Ritterkanton Kocher machte das Recht der Wiederlosung hiebei geltend, wollte von einem durch Württemberg angebotenen Äquivalent nichts hören, wandte sich deßhalb an den Kaiser, und setzte durch, daß Württemberg ihm die Herrschaft nach dreijährigem Besitze um den Kaufschilling überlassen mußte. Jedoch schon im Jahr 1745 kaufte die Mutter des obengenannten Obersthofmeisters, welcher im Jahr 1797 den spechtischen Antheil erwarb, dem Ritterkantone den Antheil, welchen derselbe erkauft hatte, wieder ab.

Nunmehr war, seit 1797, Rechberg Grundherr von ganz Donzdorf. Das Haus hielt zum Ritterkanton Kocher, an welchen sich um 1552 Hans von Rechberg zu Illereichen angeschlossen hatte.

Als adeliche Vasallen der Familie Rechberg aus | früherer Zeit, welche, wenn sie nicht selbst in Donzdorf wohnten, doch Lehengüter von Rechberg besaßen, sind zu nennen z. B. die Oberhuser, die Alchingen, die Fladen.

Aus den Rechtsalterthümern von Donzdorf ist zu erwähnen, daß den 13. Juni 1483 die Gemeinde Donzdorf mit Bewilligung Hugos von Rechberg und seiner Mutter Margaretha beschließt, ihre Urtheil von dem Gericht in Göppingen als Obergericht zu holen, doch mit Vorbehalt der Appellation an die von Rechberg.

Der Ort, wie das übrige rechbergische Gebiet, hatte schon mancherlei Drangsal zu erdulden. Eine im Jahr 1515 ausgebrochene Empörung der Unterthanen gegen ihre Herrschaft, der Zug des schwäbischen Bundesheeres gegen Württemberg (1519), der schmalkaldische (1546) und noch mehr der dreißigjährige Krieg schlugen dem Gebiete und besonders dem Orte Donzdorf harte Wunden; während des 30jährigen Kriegs wüthete auch die Pest, so daß im Jahr 1634 gegen 700 Menschen wegstarben.

Über die Mediatisirung des rechbergischen Gebiets im Jahr 1806, in Folge deren Donzdorf im Jahr 1806 an Baiern, welches von 1808–1810 hier ein Mediatgericht eingesetzt hatte, gekommen war, später, den 6. Nov. 1810 von Württemberg in Besitz genommen wurde, vergleiche S. 109.

b) Grünbach, ein katholischer Weiler mit 6374/8 M. eigener Markung und 75 Einwohnern, 1/2 Stunde von Donzdorf, rechts am Wege nach Weißenstein, mit einer Kapelle zum Apostel Petrus, hat gute Felder, Wiesen und Baumzucht und eine Stiftung mit 6500 fl. Vermögen. Im 15. Jahrhundert befand sich hier ein berühmtes Gesundbad, worüber Heinrich von Rechberg im Jahr 1481 einen kaiserlichen Schutzbrief „über das Wildbad im Nenninger Thal bei Grünbach“ erhielt. Die Badgebäude sind verschwunden; der Badbrunnen, der aus 3 Röhren fließt, hat vortreffliches Trinkwasser.

c) Hagenbuch, Weiler mit 3375/8 M. eigener Markung und 36 katholischen Einwohnern, 1/4 Stunde von Donzdorf | links über der Lauter, am Wege nach Weißenstein an der Öffnung des Winzinger Thales, besteht aus einer Mühle und 2 Bauernhöfen mit fruchtbaren Äckern, Wiesen und Baumgärten.

d) Hochberg mit 1514/8 M. eigener Markung und 18 Einwohnern, 1/4 Stunde nördlich von Donzdorf, an dem Hochberge gelegen, besteht aus zwei Höfen, dem untern und dem obern Hochberg, welche sich von Feldbau und Viehzucht nähren.

e) Hürbelsbach, 1/4 Stunde westlich von Donzdorf, ist ein herrschaftliches Jägerhaus, von 2 Personen katholischer Konfession bewohnt, neben welchem die gothische Kapelle zum h. Lorenz (Eigenthum der Stiftspflege St. Martin in Donzdorf) steht. Die Kapelle enthält einige altoberdeutsche Gemälde. In dem Thürmchen der Kapelle hängen 2 Glocken, deren größere laut der Inschrift im Jahr 1493 in Eßlingen gegossen wurde. Praedium Hurwinesbach kommt in dem Stiftungsbriefe des Kl. Anhausen als Theil der Ausstattung desselben vor (nach der Urkunde des Mitstifters Bischof Walthers von Augsburg 1133–50, Orig. im Stuttg. Staats-Archiv, Besold. Doc. S. 331) und der Zehnte umher heißt noch der Anhauser Zehnte. In früherer Zeit hatte Hürbelsbach einen eigenen Pfarrer, welchen Kloster Anhausen, später seit 1418 einigemal Hochstift Constanz einsetzte (1418 Otto episcopus Constantiensis confert Ulrico Klotz presbytero ecclesiam parochialem in Hürbelspach cessante id facere abbate in Anhusen et mandat vicario suo generali, ut illum investiat. und 1465 Vicarius episcopi Const. committit curam et regimen incolarum in Hürbelspach quoad provisionem divinorum obsequiorum plebano in Süssen etc. Urkunden des K. Staatsarchivs). Die Kapelle mit dem Jägerhaus liegt auf einer Anhöhe am Marren und hat eine vortreffliche Aussicht. Nicht weit von der Kapelle liegt das der Grundherrschaft gehörige große Schafhaus. Unter der Kapelle läuft der Bach Hürbelsbach vorbei, welcher im Marren entspringt.

| f) Kuchalp, ein hochgelegener Weiler mit 11385/8 Morgen eigener Markung und 31 theils katholischen, theils evangelischen Einwohnern, erstere sind nach Donzdorf, letztere nach Gingen eingepfarrt. Der Weiler liegt 3/4 Stunden von Donzdorf auf der Alp, in der Nähe der mächtigen Felsspitze, des Hohensteins, welcher eine herrliche Aussicht darbietet. Nach dem Saalbuch und dessen Renovation gehört der große Zehnten auf der ganzen Markung der Herrschaft, Namens des ehemaligen Pfarrkirchenbaupflegamts in Ulm. Es besteht hier unter dem Namen Verlosung eine besondere Begünstigung für die Zehntpflichtigen, indem erst mit der 14ten und 15ten Garbe zu verzehnten angefangen wird, und zwar bei jedem Jauchert. Den Kleinzehnten beziehen die Pfarreien Kuchen und Gingen gemeinschaftlich. Im Pfandbrief, welchen im Jahre 1382 die Grafen von Helfenstein der Stadt Ulm ausstellten, sind auch genannt „alle Lüt und Gut zu Kuchalb, was sie da haben,“ welche sodann im Jahre 1396 dem Ulmer Gebiet einverleibt wurden.

Von Kuchalp (alt auch Kuchalme) schrieb sich eine Familie, von der ein gewisser Albert als helfensteinischer Vogt oder Amman in Geislingen zwischen 1281–1297 sehr häufig in Urkunden erscheint (Albertus Kuchalber oder Kuchalmer minister comitis in Giselingen; vergl. über ihn z. B. Rink S. 57 und Lang Reg. Boic. 4, 263. 4, 379. 4, 415. 4, 417. 4, 547. 4, 493. 4, 495. 4, 589. 4, 655).

Im Jahre 1598 trafen Rechberg, Degenfeld und Ulm folgende Bestimmung: Die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit sollte jede der drei Herrschaften auf den ihr zugehörigen Gütern haben, auf der Gemeinde aber alle drei gemeinschaftlich und zu gleichen Theilen und Rechten; den Stab sollten sie abwechselnd führen, zuerst Rechberg, dann Degenfeld, hierauf Ulm, jede Herrschaft 1 Jahr. Die Vergehen in- und ausserhalb Etters auf jeder Herrschaft Gut oder auf der Gemeinde wurden bestraft: Blutfrevel mit Waffen 4 fl., jeder trockene Frevel 2 fl., wo einer den | andern mit Werfen trifft 8 fl. Würde einer ein Friedgebot, von der Obrigkeit geschehen, brechen, so soll er um 10 fl., und wer den andern einen Lügner heißt, um 1 fl. gestraft werden etc.

g) Zur Kuchalper Markung gehört der in der Nähe liegende Tegelberghof oder Tegelhof mit 2 Wohnungen und 4 protestantischen Bewohnern.

h) Messelhof, großes Rittergut des Grafen von Rechberg von Donzdorf, mit eigener Markung, 3/4 Stund auf der Alp gelegen, wohin die Kupfersteige führt; zum Gut gehören 8656/8 Morgen, und es wohnen daselbst 13 Einwohner. Es ist altes Eigenthum der Familie, wurde aber beim Aussterben des ramsbergischen Nebenzweiges an Pappenheim und später an Bubenhofen vererbt und vor 52 Jahren wieder von Rechberg angekauft. Eine Viertelstunde vom Hofe aufwärts liegt einer der höchsten Punkte der Gegend, der Messelstein mit einem Kruzifix, von welchem man eine sehr ausgebreitete Aussicht genießt (S. 26).

i) Oberweckerstell, 1/4 Stunde von Kuchalp auf der Alp gelegen, besteht aus zwei Höfen und einer Sölde am Waldenbühel, welche der Vogelsang heißt, mit 487 Morgen 18 Ruthen eigener Markung und 8 Einwohnern. Die dortige Dreifaltigkeits-Kapelle wurde im Jahre 1816 abgebrochen. Vor 1379 war Weckerstell helfensteinisch, von da an wurde es rechbergisch.

k) Scharfenberg,[2] ein altes verfallenes Bergschloß nebst einem am Schloßberg liegenden Bauernhof, dem s. g. Scharfenhof, mit 280 Morgen eigener Markung und 7 kathol. Einwohnern, liegt 1/2 Stunde von Donzdorf auf einem schmalen scharfen Alpvorsprung, oberhalb des Marrenwaldes, mit lieblicher, ausgedehnter Aussicht in das Filsthal hinunter. Nur hinten, gegen Süden, hängt der, die | Ruine tragende Berg, welcher die Form eines Zuckerhutes hat, dem die Spitze abgenommen ist, durch eine geneigtere Fläche mit dem höhern Gebirge zusammen.

Den großen Zehnten bezieht der Staat, den kleinen die Pfarrei Gingen.

Eine von diesem Scharfenberg genannte Familie erscheint zuerst im Jahre 1194, in welchem ein Dominus Gotefridus de Scharphinberc an Kloster Lorch laut Urkunde des Abtes Heinrich (in einer Abschrift des 15. Jahrhunderts auf dem K. Staats-Archiv vorhanden) mehrere seiner Leute übergibt. Im Anfang des 14. Jahrhunderts erscheint die Burg als castrum Scharphenberg bereits im rechbergischen Besitz, sie wurde zu dieser Zeit von Graf Ulrich von Helfenstein und Eberhard von Staufeneck dem Albrecht von Rechberg im Sturme weggenommen, was aus der Veranlassung erzählt wird, daß damals dem Herrn von Rechberg der Pfandschaftbrief, welcher ihm über die Herrschaft Hellenstein und Böhmenkirch von K. Adolf ausgestellt war, vernichtet wurde, worauf genannter Herr bei K. Heinrich VII. klagte und um eine andere Versicherung der 800 Mark Silber bat, was den König bewog, den 29. Merz 1312 zu Pisa die Verpfändung, deren Urkunde noch vorhanden ist, zu erneuern. Nachher muß Scharfenberg an die Grafen von Helfenstein gekommen seyn, denn im Jahre 1379, den 11. Juli, verkaufte Gräfin Anna von Helfenstein, geborne von Oettingen, an Gebhard von Rechberg „Scharpfenberg die Vestin Lut u. Gut mit Buw der darzu gehöret vnd Eschenbach diu gut Lut u. Gut mit aller Zugehörde waz wir do haben, u. Wekerstal, diu gut Lut u. Gut mit allen Zugehörden u. mit der Capelle doselbens zu Wekerstal“ um „3000 weniger 80 Gulden, ungerischen und beheimisch gut Gelts an Gold“ (Urk. im rechberg. Archiv). Von nun an blieb Scharfenberg ununterbrochen bis zum Jahre 1732 bei Haus Rechberg. Von Gebhard ging es auf seinen Sohn Albrecht über, und nach dessen Ableben, bei der Theilung der Güter unter die Söhne, auf Hugo, welcher halb Donzdorf nebst | vielen andern Herrschaften erhielt, meistens zu Scharfenberg wohnte und eine kleine Nebenlinie Rechberg-Scharfenberg bildete, welche erst im Jahr 1549 mit Hans von Scharfenberg, seinem Urenkel, erlosch. Die Schwester dieses Hans, Margaretha von Rechberg, war mit Hans von Rechberg zu Illeraichen vermählt. Sie beerbte ihren Bruder und brachte hiedurch ihrem Manne Scharfenberg mit halb Donzdorf und dem noch übrigen scharfenbergischen Antheile zu. Hans zu Illeraichen († 1574) verließ das Schloß Scharfenstein und baute sich im Jahre 1569 das in Donzdorf. Von dieser Zeit an war das verlassene Scharfenberg blos die Wohnung eines Burgvogts und Burgkaplans, später eines Jägers.

Im Jahre 1732 wurde Scharfenberg, wie die eine Hälfte von Donzdorf, an die von Reichenstein und Baumgarten vererbt, im Jahre 1735 an Württemberg verkauft, bald darauf durch den Ritter-Kanton am Kocher wieder ausgelöst, und aus dessen Besitz durch Joh. Bero Ernst von Rechberg zu Weißenstein nach kurzer Abtrennung wieder an die rechbergische Familie zurückerkauft. Auf den Tod des genannten Herrn von Rechberg, welcher den 12. Mai 1745 erfolgte, ließ sich sein Sohn, Graf Maximilian von Rechberg am 5. Juni von den Unterthanen zu Scharfenberg huldigen, und im Jahre 1808 trat er seinen Besitz seinem Sohne Graf Aloys von Rechberg ab.

Ein Theil des Schlosses wurde noch vor wenigen Jahren von einer Försterswittwe bewohnt, die aber, weil der Blitz mehrere Male hinter einander in das Gebäude schlug, gezwungen wurde, solches zu verlassen. Nun liegt alles in Ruinen von bedeutendem Umfang, und die schönen Reste zieren die ganze Gegend.

Die Geschichte von Scharfenberg erzählt Rink in Gottschalks Ritterburgen Bd. 5. S. 113–124.

l) Schmelzofen, eine Sölde mit 123/8 Morgen und 10 kathol. Einwohnern, 1/4 Stunde von Donzdorf, steht auf dem Platze der ehemaligen Schmelzwerke, welche durch den Simons- oder Simetsbach getrieben wurden. Noch bis | zum Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde am Messelberg auf Eisen gegraben, welches durch seine Güte bekannt war und zu allen Gattungen von Eisenwaaren verarbeitet wurde, der einreißende Holzmangel nöthigte aber das Schmelzwerk aufzugeben.

m) Unter-Weckerstell, 1/2 Stunde von Donzdorf, gegen Süden, zwischen dem Waldenbühel und Kuchalper Gebirg, Weiler von 4 Bauernhöfen mit 31 kathol. Einwohnern, mit fruchtbaren Gütern und Baumgärten. Auf einer Erhöhung liegt die alte St. Georgen-Kapelle, in welcher bereits 1407 Albrecht von Rechberg eine Meßstiftung erneuerte. Die Stiftung hat 8400 fl. Vermögen.

Im Jahre 1393 verkauft „Conntz von Degenfeld dem ehrsamen frommen Mann Walther dem Rehler sein Gut Weckerstall zu vnnder Weckerstall.“

n) Vogelhof, 1/2 Stunde von Donzdorf, mit 217/8 M. und 10 kathol. Einwohnern, Eigenthum eines Söldners; er liegt östlich von Unterweckerstell, 200 Schritte von Oberweckerstell entfernt, schon auf der Alp mit einer herrlichen Aussicht gegen Norden und Westen.


  1. Die Geschichte des gräflichen Hauses Rechberg wird bei der Oberamtsbeschreibung von Gmünd dargestellt werden.
  2. Mit diesem Scharfenberg ist nicht zu verwechseln ein gleichnamiges Scharfenberg im Elsaß; von letzterem scheinen sich Bertolf und Heinrich von Scharfenberg zu schreiben, welche in hohenstaufischen Urkunden als Zeugen vorkommen.


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