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Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 2

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2. Altenstadt,

evangelisches Pfarrdorf mit 852 Einwohnern, 1/2 Stunde nordwestlich von Geislingen, liegt im Filsthal an der Landstraße, von welcher die Vicinalstraße nach Überkingen und Eybach gleich oberhalb des Ortes ausgehen und hat durch die beiden in das Filsthal einmündenden Seitenthäler der Rohrach und der Eyb eine sehr freundliche Lage. Die Fils biegt bei dem Orte ihre bisher nordöstliche Richtung in eine westliche. Unterhalb des Dorfes nimmt sie die Eyb auf. Der Ort gehört in das Dekanat und Kameralamt Geislingen, Forstamt Kirchheim und ist der Sitz eines Revierförsters.

Die Zehnten, den großen, und seit die Pfarrbesoldung regulirt ist, auch den kleinen, bezieht die Herrschaft, so wie einige Gülten eben diese und der Spital in Geislingen, vergl. die Tabelle S. 87.

Die Gebäude, deren es 204 sind, stehen meist zu beiden Seiten der Landstraße, daher der Ort sehr lang ist, aber keine Breite hat.

Die Markung besteht aus 2414 M. und hat sehr fruchtbare Äcker und Wiesen, welche letztere meist mit Obstbäumen besetzt sind. Viele Einwohner haben kleine Baumschulen, bedeutend ist die des Schullehrers Lamparter. Vom Obst wird vieles theils frisch, theils gedörrt nach Baiern ausgeführt.

Die Einwohner sind rührige, fleißige Leute. Viele derselben verdienen ihr Brod in den nahegelegenen Tuffsteinbrüchen. Die vor einigen Jahren eingerichtete Kunstmühle treibt einen bedeutenden Mehlhandel.

Die Gemeinde hat einige Activkapitalien, die Stiftung besitzt außer einigen Gülten ein Vermögen von 2990 fl., | und es liegt auf ihr die Baulast der Kirche. Die Baulast des Pfarrhauses hat der Staat. Das Schulhaus, welches zugleich als Rathhaus dient, wird von der Gemeindekasse erhalten.

Über die Fils führt in der Nähe des Orts eine große steinerne Brücke.

Altenstadt war schon in frühester Zeit ein bedeutender Ort der Grafschaft Helfenstein; es wird sogar angenommen, Altenstadt sey der Mutterort von Geislingen, habe früher Alt-Geislingen geheißen; wenigstens wird in einer Urkunde von 1292 (abschriftlich im Stuttgarter Staatsarchiv), worin Graf Ulrich von Helfenstein des Klosters Bebenhausen Hof Adelingeshart (Aglishart O.A. Urach) freite, ein Dominus Syfridus de Alten Giselingen genannt, dessen Sitz Alten-Giselingen auf unser Altenstadt gedeutet wird.

Der Ortsname Altenstadt wird in dem Stiftungsbrief der Kapelle auf dem Schloß Helfenstein vom Jahre 1355 (Veesenmeyer Versuch etc. S. 4, Kerler Urkunden S. 9) mit vetus civitas übersetzt. Damals war A. längst im Besitz einer Parochialkirche, in welche, und nicht nach Geislingen, die Stammburg Helfenstein eingepfarrt wurde. Der Pfarrherr (rector ecclesiae) in Altenstadt im genannten Jahre hieß Beringer. Daß Kuchen mit Spitzenberg bis zur Abtrennung im Jahr 1430 nach Altenstadt eingepfarrt war, spricht für die Bedeutung dieser Pfarrkirche, an welcher in ältern Zeiten neben dem Pfarrer ein Frühmeßkaplan angestellt war.

Im Jahr 1532 fing hier die Reformation an. Nach der Nördlinger Schlacht wurde die hiesige Kirche zum heil. Martin den 3. September 1634 in Asche gelegt durch die kaiserlichen Soldaten, welche, erbost, daß man bei ihrem Einmarsch im Orte Sturm schlug, sagten „sie wollen den Glocken schon den Ton geben.“ Das jetzige Kirchengebäude stammt erst aus dem Jahr 1661; seine Kanzel hat hübsche Holzschnitzereien im Renaissancestyl.

Die jetzige Revierförsters-Wohnung jenseits der Fils | und abgesondert vom Dorf auf einer Anhöhe, welche eine schöne Aussicht über das Filsthal darbietet, war bis zum Jahre 1532 ein Nonnenkloster für 6 Minoritinnen. Bei der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und die Wohnung dem Pfarrer eingeräumt, im Jahre 1822 wurde durch Tausch die Pfarrwohnung in das jetzige Pfarrhaus in der Nähe der Kirche verlegt. Vom Jahr 1810–33 war das evangelische Dekanat mit der Pfarrstelle verbunden.

Altenstadt, ein althelfensteinischer Ort hatte seit 1396 mit Geislingen den gleichen Wechsel der Herrschaften, unter welchen es stund. In der ulmischen Zeit gehörte es nach der Eintheilung von 1774 zum Amte Süßen, früher war hier ein eigener ulmischer Amtmann.

In den ersten Zeiten der taxisschen Posteinrichtung war in Altenstadt eine Poststation. Bereits im Jahr 1589 kommt Hans Vogel als Postmeister allhier vor, in den Jahren 1652–64 Christoph Müller in gleicher Eigenschaft.


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