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Beschreibung des Oberamts Göppingen/Kapitel B 13

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13. Gemeinde Gammelshausen,

evangel. Dorf mit 355 Einw., wor. 9 Kath., liegt 11/2 St. südlich von Göppingen und eine Viertelstunde von Dürnau, gehört in die III. Classe der Gemeinden und zum Forstamt Kirchheim. Der große und kleine Zehente, welcher einst zur Hälfte dem Stifte Boll und zur Hälfte den zwei Maierhöfen dieses Stiftes zustand, wird vom Staate und den Inhabern der letztern zu gleichen Theilen bezogen. Eben diese theilen sich auch in den Heuzehenten. Die grundherrlichen Rechte stehen theils dem Staate und theils den Grafen von Degenfeld Schomburg zu, indem sie dießfalls einen Bestandtheil des Rittergutes Dürnau (oben S. 171) bilden. Die Gemeinde hat seit 1817 von ersteren für 449 fl. 15 kr. und von letzteren für 1878 fl. 16 kr. abgelöst. (S. auch S. 80.)

Die Lage, der Boden, die landwirthschaftlichen und die gewerblichen Verhältnisse von Gammelshausen sind ganz so beschaffen, wie jene in Dürnau; die Einwohner sind aber wohlhabender und ebenso wohlthätig wie dort. Dieselben erreichen ein hohes Alter (oben S. 36). Von den Gewerben sind, außer einer Mahlmühle und einer Bleiche, viele Schäfer und ziemlich viele Weber und Strumpfweber, deren Geschäftsbetrieb jenem in Boll gleicht, zu bemerken. Die Zahl der Hauptgebäude ist 51, die der Nebengebäude 26. Die kleine, in der Mitte des Ortes stehende, Kirche wurde 1700 auf der Stelle der alten neu erbaut. Wegen der Armuth des Heiligen liegt der Gemeinde die Baulast ob.

Das Dorf ist Filial von Dürnau und war bis 1798 nach Boll eingepfarrt, wo bis dahin auch die Leichen beerdigt wurden. Im J. 1504 war hier eine eigene Caplanei, deren Pfründhaus 1524 an das Stift Oberhofen verkauft wurde. Jetzt hat die Gemeinde einen eigenen Begräbnißplatz. Die Katholiken gehören zur Kirche Groß-Eislingen. Seit 1839 ist, neben der Elementarschule, auch eine Industrieschule vorhanden.

Gammelshausen, in älteren Zeiten auch „Gamolshausen,“ war einst ein Besitzthum der Herzoge von Teck und kam von diesen 1321 mit Boll an Württemberg. Es wurde aber mit Dürnau (oben S. 173) 1479 an die von Zillenhardt verkauft und blieb nun mit Dürnau vereinigt, mit welchem es sofort alle Schicksale getheilt hat und unter württemb. Hohheit zurückgekommen ist. Die grundherrlichen | Rechte waren, soweit sie nicht der Herrschaft Dürnau zustanden, hauptsächlich in den Händen des Stiftes Boll. Dieses besaß hier im J. 1444 2 und 1/3 Höfe und 3 kleinere Lehengüter. Das Frauenkloster Kirchheim kaufte 1334 von Luitfried von Heiningen eine Sölde, welches sein gnädiger Herr, Herzog Conrad von Teck, genehmigte. Auch die Brüderschaft zu Boll besaß 1510 ein Gütchen. Die 3 Hofgüter, welche der Hospital Göppingen besitzt, gehören diesem schon längst als ein Bestandtheil des Widdums der Kirche zu Lothenberg.

Über die Petrefacten s. oben S. 27.


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