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Beschreibung des Oberamts Freudenstadt/Kapitel B 33

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Schömberg,
Gemeinde III. Kl. mit 313 Einw., wor. 1 Kath. a. Schömberg, Pfarrdorf, 218 Einw. b. Hinter-Röthenberg, Weil., 21 Einw. c. Hinter-Steinwald, Weil., 19 Einw. d. Mittel-Steinwald, Weil., 21 Einw. e. Vorder-Steinwald, Weil., 34 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O.A. Horb, eingepfarrt.


Auf der Hochebene, gleichsam auf der Wasserscheide zwischen den Flußgebieten der großen und der kleinen Kinzig, liegt 2 Stunden südlich von der Oberamtsstadt das nicht große Pfarrdorf, welches eigentlich nur aus Taglöhnerhäuschen und 5–6 sehr ansehnlichen Bauernhöfen besteht, von denen die Sohlhöfe, der Kilgushof und der Blumenhof in einiger Entfernung von dem Dorf vereinzelt liegen. Die Gebäude der einzelnen Höfe gehören zu den ansehnlichsten des Bezirks und verrathen auf den ersten Anblick die Wohlhabenheit ihrer Besitzer. Beinahe in der Mitte des weitläufig gebauten, gleichsam nur aus einer Straße bestehenden Dorfs, liegt die Kirche nebst Begräbnißplatz und das Pfarrhaus.

Nachdem im Jahr 1822, den 24. Juni, der Blitz in die Kirche schlug und sie gänzlich abbrannte, wurde die gegenwärtige noch in demselben Jahre zu bauen angefangen und im Jahr 1824 vollendet; | sie ist im modernen Styl ohne Chor erbaut, hat hohe, rundbogige Fenster, deren Bogentheile hölzerne Füllungen und gefärbte Glasscheiben enthalten. Der an der Ostseite stehende, ebenfalls neu erbaute Thurm trägt ein mit Blech beschlagenes Bohlendach, aus dem eine sog. Laterne emporwächst. Das sehr geräumige, freundliche Innere der Kirche ist weiß getüncht und hat an der flachen Decke eine blaue mit goldenen Sternen besetzte Bemalung. Altar, Kanzel und Orgel sind im germanischen Geschmack (blau mit goldenen und bronzenen Verzierungen), sehr ansprechend ausgeführt, so daß das Ganze einen freundlichen Eindruck macht. Die Unterhaltung der Kirche hat die Stiftungspflege.

Der ummauerte Begräbnißplatz, welchen ebenfalls die Stiftungspflege zu unterhalten hat, ist mit mehreren sehr schönen Grabmonumenten geziert und auch für die Filialien von Schömberg bestimmt.

Das ansehnliche Pfarrhaus, welches der Staat im Jahr 1802 neu erbaute und zu unterhalten hat, liegt von allen Seiten frei an der Hauptstraße. Von den vorhandenen 2 Schulhäusern enthält das eine, im Jahr 1814 erbaute, neben den Schulgelassen für ältere Schulkinder die Wohnung des Schulmeisters, das andere, im Jahr 1852 um 1500 fl. angekaufte, die Elementarschule und die Wohngelasse des Unterlehrers. Ein Gemeinderathszimmer befindet sich in dem Gasthause.

Das Trinkwasser, welches mehrere Zieh- und Pumpbrunnen liefern, ist sehr mittelmäßig und bleibt in ganz trockenen Jahreszeiten aus, dagegen ist auf den Sohlhöfen ein laufender, 1/2 Stunde weit aus dem Steinwald hergeleiteter Brunnen von dem Hofbesitzer auf seine Kosten errichtet. Übrigens befinden sich auf der Gemeindemarkung mehrere Quellen, auch entspringen auf derselben der Hüttenbach, der Röthenbach und der Lohmühlebach (Hardtstallbach).

Vermöge der hohen, freien Lage ist das Klima rauh und die Gegend um Schömberg heftigen Stürmen ausgesetzt. Die Sommertage sind sehr heiß, die Nächte aber kühl, daher Erkältungen und Entzündungskrankheiten bei den Einwohnern nicht zu den Seltenheiten gehören; namentlich werden dieselben öfters von Schleim- und Nervenfiebern heimgesucht. Im Allgemeinen sind übrigens die Einwohner kräftige, verständige Leute, die sich durch Feldbau, Viehzucht und besonders durch Holzhandel, wie durch Arbeiten in den Waldungen ihr Auskommen sichern. Was die Vermögensumstände betrifft, so befinden sich 5–6 wohlhabende, theilweise reiche Bauern im Ort; die übrigen meist unbemittelten arbeiten als Taglöhner in Wald und Feld. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 100 Morgen | Felder und 400 Morgen Waldungen; der geringste 50 Morgen Felder und 100 Morgen Waldungen. Die begüterten Waldbauern lassen alljährlich mehrere Flöße durch den Röthenbach in die Kinzig bis Schenkenzell gehen, wo sie an badische Holzhändler abgesetzt werden. Zur Förderung des Holzes aus den Waldungen sind mehrere Riese angelegt, von denen dem Besitzer des Solhofes das bedeutendste angehört.

Die nicht ausgedehnte, in großen Parcellen bestehende, rings mit Waldungen umgebene Feldmarkung ist durchgängig eben und hat im Allgemeinen einen leichten, rothsandigen, mit Lehm vermengten Boden, der neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln mit Mergel, Asche und den Abfällen aus der chemischen Fabrik zu Ödenwald verbessert wird. Die Düngerstätten sind meist zweckmäßig, mit besonderer Rücksicht auf die Gewinnung der Jauche angelegt.

Die Landwirthschaft wird willkürlich und möglichst gut betrieben; man baut vorherrschend Roggen und Hafer, weniger Dinkel und Gerste, Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen, Kohlraben und ziemlich viel Flachs, welch letzterer gut gedeiht. Bei einer Aussaat von 4–5 Sri. Roggen, 7 Sri. Hafer, 7 Sri. Dinkel und 4 Sri. Gerste, wird der durchschnittliche Ertrag einen Morgens zu 21/2 Scheff. Roggen, 4 Scheff. Hafer, 4–5 Scheff. Dinkel und 41/2 Scheff. Gerste angegeben.

Da nur geschlossene Güter vorhanden sind, so werden dieselben wenig verkauft; die Preise eines Morgens dürften übrigens gegenwärtig 100 fl. betragen, während dieselben früher auf 200 fl. zu stehen kamen. Die Felderzeugnisse reichen zur Befriedigung der örtlichen Bedürfnisse nicht hin, daher noch ziemlich viel Getreide von Außen aufgekauft werden muß.

Der ausgedehnte Wiesenbau liefert gutes, nahrhaftes Futter und zwar durchschnittlich 25–30 Cent. Heu und 10 Cent. Öhmd pr. Morgen; die Preise sind wie bei den Äckern. Nur die Thalwiesen können bewässert werden. Die Obstzucht ist ganz unbedeutend und gewährt nur in günstigen Jahren einigen Ertrag.

Die mit einer gewöhnlichen Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht ist ziemlich gut und erlaubt einen nicht unbedeutenden Handel mit Vieh. Das Rindvieh, namentlich jüngeres, wird theilweise noch in die eigenen Waldungen ausgetrieben.

Die Schweinezucht hat abgenommen und die Bienenzucht wird nicht ausgedehnt betrieben.

Von Gewerben ist außer einer Schildwirthschaften eine durch Dampf getriebene Mahl- und Sägmühle zu nennen, welche sich auf | den Solhöfen befindet. Neben dem beträchtlichen Holzhandel wird auch Köhlerei getrieben.

Durch Vicinalstraßen nach Freudenstadt, Alpirsbach und Reinerzau ist der Ort mit der Umgegend hinlänglich in Verkehr gesetzt. Der Gemeindehaushalt ist geordnet, indem die Gemeinde 2000 fl. Kapitalien, und die Stiftungspflege neben 600 Morgen Waldungen 25.000 fl. Vermögen besitzt. Aus den Revenuen des Stiftungsvermögens und der Waldungen, welche 3–4000 fl. jährlich ertragen, werden nicht nur die Ortsarmen unterstützt und unbemittelten Kindern Schulgelder bezahlt, sondern auch Kirche und Schule unterhalten. Die jährliche Gemeindeschadensumlage beträgt 300 fl. (s. Tab. III. über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt).

In dem 1/4 Stunde südwestlich vom Ort gelegenen Walde Heilenberg soll nach der Volkssage eine Stadt gestanden seyn; man findet daselbst noch geringe Spuren von Schutthäufen, einen alten verschütteten Brunnen (Gallbrunnen) und einen nicht hohen, aber sehr ausgedehnten Wall, der ein Viereck einschloß, von dem je eine Seite gegen 1000 Schritte lang ist.

Westlich vom Ort stand auf einem Bergvorsprung gegen das Röthenbachthälchen eine Burg, von der nur noch einzelne Steine zuweilen aufgefunden werden; die Stelle wird beim Schlößle genannt und der zunächst liegende Wald heißt Alteburg.

Schömberg, als marcha Sconenberg im J. 1085 unter den Orten vorkommend, wo das Kloster Reichenbach Güter erhielt, gehörte zur Herrschaft Loßburg, deren Schicksale theilend es im Jahre 1501 von Gangolf von Geroldseck an das Kloster Alpirsbach verkauft wurde. (Hiesige Rechtsalterthümer von 1539 s. bei Grimm Weisthümer 1, 392.)

Das Kirchenpatronat kam gleichfalls an das Kl. Alpirsbach und mit diesem an Württemberg, wie es auch h. z. T. der Krone zusteht. Im J. 1573 bekam der Ort seinen ersten evangelischen Pfarrer, früher war er von dem Kloster Alpirsbach versehen und von 1561–1573 Filial von Reinerzau gewesen.

Von den zu der Gemeinde gehörigen 4 Weilern liegt

b) Hinter-Röthenberg 1/2 Stunde westlich von dem Mutterort auf einem Gebirgsrücken zwischen der kleinen Kinzig und dem Röthenbach. Der Ort, welcher nach der Sage früher ein ausgedehntes Dorf und der Sitz eines Edelmannes gewesen sein soll, besteht gegenwärtig aus 2 sehr ansehnlichen Bauernhöfen, deren Felder sich an die schönen Gebäude, wovon eines die Jahreszahl 1608 trägt, anschließen, und rings mit Waldungen umgeben sind. | Die Felder sind nicht ausgedehnt und in ihren Bodenverhältnissen, wie in den Erträgnissen, denen des Mutterorts ziemlich gleich, dagegen besitzen die beiden Hofbauern gegen 600 Morgen Waldungen, die sie mit ihren Knechten und Taglöhnern das ganze Jahr hindurch beschäftigen, indem sie zugleich mit dem gewonnenen Holz Handel treiben.

Die schulpflichtigen Kinder haben die Schule in Schömberg zu besuchen, auch werden die Verstorbenen auf dem Begräbnißplatz daselbst beerdigt.

Südlich vom Ort soll sich das ehemalige Dorf ausgedehnt haben, auch auf der Bergspitze zwischen dem Röthenbach und der kleinen Kinzig ein Schloß gestanden seyn; es finden sich aber außer einzelnen Erhöhungen keine Spuren mehr, nachdem die früher noch vorhandenen Bausteine zu dem Aufbau des einen Hofs verwendet wurden.

Nach älteren Urkunden verkauften am 15. Mai 1298 Konrad und Burkhard die Schenken Gebrüder alle ihre Rechte in R. und eine leibeigene Frau in Schömberg an Hugo von Thalheim; und am 12. Febr. 1343 veräußerten des verstorbenen Haug von Bellenstein Tochter Clementia und ihr Sohn Haug von Thalheim Vogtei, Güter und all ihre Rechte in Hinterröthenberg sammt dem Wald Huttenbach um 24 Pf. Heller an das Kl. Alpirsbach (Crusius, Annal. Suev. 3, 242).

c) Hinter-Steinwald, liegt 5/4 Stunden südwestlich von der Oberamtsstadt und eine Stunde nordwestlich von dem Mutterort. Eine Vicinalstraße führt von dem Ort auf den sog. Schöllkopf, wo sie in die Freudenstadt-Alpirsbacher Landstraße eingeht.

d) Mittel-Steinwald, ist eine Stunde südlich von Freudenstadt und eine Stunde nördlich von Schömberg gelegen.

e) Vorder-Steinwald, liegt an der Vicinalstraße von Freudenstadt nach Schömberg gerade in der Mitte zwischen beiden Orten. Der Weiler ist etwas bedeutender als die beiden vorgenannten und hat ein Wirthschaftsgebäude, wie auch ein ehemaliges, gegenwärtig von einem Waldschützen bewohntes Försterhaus.

Diese drei in dem großen Steinwald gelegenen Weiler waren ursprünglich nur einfache Hütten von Köhlern und Holzhauern, die sich in diesem Walde ansiedelten und einige öde Plätze zunächst ihrer Wohnungen urbar machten, woraus sie zur Oberforstbeamtung einen jährlichen Canon zu entrichten hatten. So bildeten sich allmählig die im Walde versteckten Weiler, deren Bewohner noch gegenwärtig neben ganz unbedeutendem landwirthschaftlichem Betrieb sich hauptsächlich durch Arbeiten in den Waldungen ihr spärliches Auskommen sichern.

| Die Kinder besuchen die Schule des Mutterorts und die Verstorbenen werden auf dem Begräbnißplatz daselbst beerdigt.

Im Jahre 1721 war noch keine menschliche Wohnung in dem Steinwald vorhanden, dagegen wird im Jahr 1744 diese Colonie schon als Filial von Schömberg angeführt.


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