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Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 30

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Zaberfeld,
mit Reisenmühle,
Gemeinde III. Kl. mit 767 Einw., wor. 4 Kath. und 33 Israeliten. – Ev. Pfarrdorf mit Marktrecht; die Kath. sind nach Stockheim eingepfarrt und die Israeliten der Synagoge Freudenthal zugewiesen. 23/4 Stunden südwestl. von der Oberamtsstadt gelegen.
Der mittelgroße Ort liegt im oberen Zaberthal und wird durch die Zaber in zwei Gruppen getheilt, von denen die weit größere auf der rechten Seite des Flüßchens theils in die Thalebene, theils an einem sanft gegen Norden geneigten Thalabhang hingebaut ist, während die kleinere Gruppe, der frühere Weiler Federbach, auf der linken Seite der Zaber größtentheils in der Thalebene liegt. Das Zaberthal ist hier enge und der Stromberg und Heuchelberg sind einander sehr nahe gerückt, auch tritt der schön geformte freistehende Spitzenberg keck in die Thalebene herein, zur malerischen Lage des Dorfs wesentlich beitragend. Der Ort selbst ist freundlich und hat mehrere hübsche, im städtischen Stil erbaute Häuser, die von den übrigen meist kleineren, jedoch nicht unsauberen, ziemlich abstechen. Durch den Ort führt der| Länge nach die gut unterhaltene Güglingen–Maulbronner Landstraße, von der im Ort die Vicinalstraße nach Michelbach ablenkt; auch die übrigen Ortsstraßen sind in gutem Zustande.

Die so ziemlich inmitten des Dorfes links von der Straße nach Sternenfels stehende Kirche hat wieder ein im vorigen Jahrhundert (1744–45) erweitertes und umgebautes breites Schiff, an das sich im Osten ein altgothischer Thurm aus dem 13. Jahrhundert, ganz ähnlich den Thürmen in Weiler und Pfaffenhofen, anschließt und an diesen Thurm setzt sich östlich ein halbachteckiges 1505 erbautes spätgothisches Chörchen, so daß wir mindestens drei verschiedene Bauzeiten anzunehmen haben. Vom ersten Bau zu Ende des 13. Jahrhunderts erhielt sich der Thurm, in dessen erstem Geschoß wieder ein starkes Rippenkreuzgewölbe auf Konsolen ruht; der Schlußstein zeigt vier schöngezackte Ahornblätter (ähnlich, aber doch etwas anders, als in Weiler und Pfaffenhofen) ausgemeißelt, und auf dem Dachboden erkennt man noch an der Westwand des Thurmes das alte Schutzgesimse des schlanken Giebels der ursprünglichen Kirche. An diesen Thurm wurde nun im Jahre 1505 von Meister Hans Wunderer ein gar hübsches halbachteckiges Chörchen angebaut, das sich mit drei schmalen ungetheilten Spitzbogenfenstern gegen Osten öffnet. In ihren Bogenfeldern sieht man schönes Zackenmaßwerk und im mittleren anmuthig verschlungenes Astwerk, über dem ein Engel ein Wappenschildchen hält, mit dem Zeichen des Baumeisters Hans Wunderer und der Jahreszahl der Erbauung M.CCCCC.V. Das Dach des Chörchens ist ganz von Stein und endigt in einen eckigen Knopf. Innen hält ganz oben in der Leibung dieses Fensters ein Engel den Sternenfels’schen Wappenschild. In die Südwand des Thurmes ist ein großes Spitzbogenfenster eingesetzt, darüber steht die Jahreszahl 1598 und unten auf der Brüstung sieht man eine Eidechse ausgemeißelt.

Über dem im geschweiften Spitzbogen geschlossenen Westportal des Schiffes steht 1744, das Jahr des Umbaues bezeichnend.

Von Kunstwerken und Denkmälern sind zu nennen im Thurm ein 15 Fuß hohes treffliches gothisches Sakramenthaus, oben mit einer von zwei schönen langgelockten Engeln gehaltenen Tafel mit folgender Inschrift:

Dieß sackerment huß hat gemacht hanß steinmetz von zaberfelt. anno 1476.

Dabei das Zeichen des Meisters.

Sonst ist das zierlich durchbrochene Werk noch mit drei Rittergestalten, und dem h. Sebastian geschmückt. Die von einem Rippenkreuzgewölbe überspannte Sakristei wird von einer mit sehr altem kraftvollem Schmiedeisenwerk beschlagenen Holzthüre verschlossen. Im Thurm befinden sich Grabmäler, so das 4 F. hohe eines betend dargestellten Kindes, des junckher Veit von Sternenfels, des Veiten Sohn,| † 21. Juli 1560, dann das 7 Fuß hohe eines von Sternenfels (Statue in Ritterrüstung auf einem Hund stehend), † 30. November 1566, und das des Bernhard v. St. Auf dem Boden der Kirche liegt vor dem Altar die Grabesplatte des Johann Karl v. St., Württembergischer Hofjunker und Lieutenant bey der Leibgarde zu Pferd, geb. 16. Juni 1682, fällt in der Schlacht bei Höchstätt, an empfangener Kopfwunde, verstorben in Stuttgart 30. Sept. 1705, beigesetzt in Zaberfeld 6. Oct. 1705. Ferner, von Brettern geschützt, das sehr schöne und trefflich erhaltene Denkmal des Veit von Sternenfels. Der Ritter kniet in reicher schöner Rüstung vor einem Krucifix, den Helm zu Füßen, rechts und links die Wappen der Ahnen väterlicher und mütterlicher Seits und oben der auferstandene Erlöser mit der Fahne. Die Inschrift lautet:

Als man zalt 1571 auf mittwoch zuo abents zwischen eilf ur den 11ten tag july verschied der edel und vest Veit von Sternenfels, seines alters fünfzig jar. Neben dem Krucifixe steht: O fili Dei miserere mei und oben am Bilde des Auferstandenen:

Morte surgens das vitam mundo.

Von den drei Glocken auf dem Thurm hat die erste, sehr große, die Umschrift in gothischen Minuskeln:

Osanna heis ich
in unser frauen er leut ich
bernhart lachaman gos mich. 1513.

Auf der zweiten Glocke steht: Gloria in Excelsis Deo. Zaberfeld den 20. Junii 1699 Bernhard von Sternenfels und seine Frau Eva Margareta Catharina von Sternenfels, geb. Kechler von Schwandorf.

Durch Feur und Flammen bin ich geflossen,
Stephan und Nicolaus Arnold (h)aben mich gegossen. Anno 1699.

Auf der dritten Glocke:

Juncker Johan Adam von Sternenfelz zu Zavwerfelt lies mich gissen.
Durchs Fever flos ich.
M. Georg Knaup zu Speier in Knittlinga gos mi. Anno 1607.

Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Der gut ummauerte Begräbnißplatz, in dem sich auch eine Sternenfels’sche Gruft befindet, liegt außerhalb westlich des Orts.

Das frei und angenehm auf der Anhöhe südwestlich bei der Kirche gelegene sehr ansehnliche Pfarrhaus ist ein 1587–1619 massiv aus Stein in gutem Renaissancestil erbautes ehemaliges von Sternenfelsisches Schloß, über dessen im Rococogeschmack gehaltenen, von zwei kräftigen Birnbäumen beschatteten und mit zwei toskanischen Säulen| besetzten Portal das Sternenfelsische und ein weiteres, 3 Hundsköpfe enthaltendes Wappen nebst der Jahreszahl 1717 angebracht ist. Gegen das Dorf hin zeigt es einen hohen mit Kugeln belegten Renaissancegiebel. Im Innern des Pfarrhauses enthält die Decke eines Gemachs ein großes Ölgemälde mythologischen Inhalts, Jupiter mit Juno darstellend; in einem andern Zimmer sieht man eine Holzthüre im Renaissancegeschmack mit trefflich geschnitztem, von Delphinen geziertem Aufsatz. Im Friese steht in schöner Schrift:

O Mensch Gedenk, Betracht dein Endt,
Hoffnung des Lebens Auf Christum Wendt. 1591.

An das Pfarrhaus lehnt sich ein schöner 21/8 Morgen großer Garten und ein geräumiger gepflasterter Hofraum mit einigen Ökonomiegebäuden, die theilweise von dem jeweiligen Pfarrer benützt werden dürfen, und hieran stoßen noch 25/8 M Feld, die ebenfalls zum Pfarrdienst gehören. Der ganze Komplex (Gebäude, Garten und Hof) ist mit einer Mauer umfriedigt und bildet jetzt einen sehr ansehnlichen, wohlgeschlossenen Pfarrhof, dem man seine ursprüngliche Bestimmung allenthalben ansieht. Auch das über alle andern Gebäude hervorragende Pfarrhaus trägt mit der nahe stehenden Kirche zu der malerischen Ansicht des Dorfs vieles bei. Die Baulast hat der Staat. Das frühere Pfarrhaus wurde vor 1618 von Walter von St. und seinem Bruder erbaut, ist jetzt in Privathänden, und an seinem Storchennest erkennbar. Das schöne, i. J. 1840 mit einem Kostenaufwand von 8230 fl. massiv erbaute Schul- und Rathhaus steht an der Hauptstraße und enthält, außer den Gelassen für den Gemeinderath, 2 Lehrzimmer und die Wohnung des mit einem Lehrgehilfen unterrichtenden Schulmeisters. Ein Backhaus, eine Kelter mit 2 Bäumen, ein Armenhaus und ein Schafhaus sind vorhanden.

Gutes Trinkwasser liefern ein laufender, 5 Pump- und ein Schöpfbrunnen, überdieß fließt die 1/2 Stunde südwestlich vom Ort auf der Markung entspringende Zaber durch den Ort; außer ihr fließen über die Markung der Ransbach, der Muttersbach, der Mörderhauser Bach und an der Markungsgrenze der Michelbach. Über die Zaber sind innerhalb des Orts 3 steinerne Brücken, außerhalb desselben eine hölzerne Brücke angelegt.

Die im allgemeinen geordneten und fleißigen Einwohner, von denen gegenwärtig 2 über 80 Jahre zählen, ein Israelite sogar 91 Jahre alt ist, finden ihre Haupterwerbsquellen in Feldbau, Viehzucht, Obst- und etwas Weinbau; von den Gewerben sind außer den nöthigsten Handwerkern, unter denen die auch nach außen arbeitenden Weber und Maurer am zahlreichsten, zu nennen: 3 Schildwirthschaften, worunter eine mit Bierbrauerei, ein Kauf- und 4 Kramläden und 2 außerhalb des Orts gelegene Mühlen mit je 2 Mahlgängen und einem Gerbgang. Die Israeliten treiben Handel| mit verschiedenen Gegenständen. Die Vermögensverhältnisse sind, ziemlich befriedigend, indem der vermöglichste Bürger 25 Morgen, der Mittelmann 15 Morgen und die minder bemittelte Klasse 5 Morgen Grundeigenthum besitzt, so daß auch die Ärmeren die Mittel zu ihrem Auskommen haben. Gemeindeunterstützung erhalten gegenwärtig 12 Personen.

Die ziemlich große, mit wenig Ausnahme hügelige, großtentheils sehr bergige, von Thälern und Thälchen vielfältig durchzogene Markung, in welche der Stromberg und der Heuchelberg theilweise eingreifen, hat einen mittelfruchtbaren, vorherrschend aus den Zersetzungen der verschiedenen Keuperschichten bestehenden Boden, der daher theils leicht sandig, theils schwerthonig ist. An einzelnen Stellen erscheint auch ein fruchtbarer Lehm. Die spärlich vorhandenen Sandsteinbrüche befriedigen das örtliche Bedürfniß. Die klimatischen Verhältnisse sind die gleichen wie in dem nahen Weiler.

Die Landwirthschaft wird mit Anwendung des Brabanterpflugs gut betrieben; man baut außer den gewöhnlichen Getreidearten Kartoffeln, Futterkräuter (dreibl. Klee, Luzerne, Esparsette), Angersen und Hanf für den eigenen Bedarf. Von den Felderzeugnissen kommen jährlich etwa 400 Scheffel Dinkel und 300 Scheffel Haber nach außen zum Verkauf. Der ausgedehnte Wiesenbau liefert sehr viel gutes Futter, von dem ein namhafter Theil nach außen abgesetzt wird. Der nicht bedeutende Weinbau beschäftigt sich hauptsächlich mit Silvanern, schwarzen Rißlingen und Elblingen und liefert einen leichten, jedoch nicht unangenehmen Wein, der hauptsächlich im Ort verkauft und verbraucht wird. Auf den Morgen rechnet man etwa 3000 Stöcke, die den Winter über bezogen werden. Der höchste Ertrag eines Morgens beträgt 8 Eimer und die Preise eines Eimers bewegten sich in den letzten 10 Jahren von 25–40 fl. Von größerer Bedeutung ist die im Zunehmen begriffene Obstzucht, die in günstigen Jahren einen namhaften Verkauf nach außen gestattet; man pflanzt vorzugsweise Mostsorten, namentlich viel Äpfel, und von Steinobst Zwetschgen. Die Jungstämme bezieht man theils aus der örtlichen Baumschule, theils werden sie selbst nachgezogen.

Die Gemeinde besitzt 260 Morgen gemischte Waldungen, die jährlich 100 Klafter und 5000 Stück Wellen ertragen; der ganze Holzertrag wird verkauft und liefert der Gemeindekasse eine jährliche Rente von 1500 fl. Überdieß bezieht die Gemeinde aus der Brach- und Stoppelweide 591 fl., aus dem Pfercherlös 300 fl. und aus verpachteten Gemeindegütern 40 fl.

Die gut betriebene Rindviehzucht bildet einen besonderen Erwerbszweig und beschäftigt sich mit einem tüchtigen Neckarschlag, der durch 2 Farren von gleicher Race nachgezüchtet wird. Der Handel mit Vieh ist von Bedeutung und wird nicht allein in die Umgegend,| sondern hauptsächlich auch in das Badische getrieben. Ein Ortsschäfer läßt auf der Markung im Sommer 150, im Winter 3–400 St. Bastardschafe laufen. Auch die Schweinezucht bildet eine nicht unbedeutende Einnahmsquelle, man züchtet die halbenglische Race und verkauft jährlich für 6–8000 fl. Ferkel nach außen; auch gemästete Schweine kommen über den eigenen Bedarf ziemlich viel zum Verkauf.

Der Ort hat das Recht, alljährlich im Monat Mai einen Krämer- und Viehmarkt abzuhalten.

Einige unbedeutende Stiftungen, deren Zinse an die Ortsarmen ausgetheilt werden, sind vorhanden.

Eine alte Straße, die sog. Burgstraße, führte von der alten Zaberthalstraße über den Vogtsberg nach Mörderhausen und weiter nach Sternenfels. Auch kommt ein Todtenweg vor, auf dem früher die Bewohner von Mörderhausen ihre Todten nach Leonbronn, wohin sie eingepfarrt waren, getragen haben sollen. Auf dem östlich am Ort sich frei erhebenden Spitzenberg stand eine Burg, von der früher noch einige Reste sichtbar waren, gegenwärtig erinnert nur noch der Name „Burghalde“, den der Abhang des Spitzenbergs trägt, an die ehemalige Burg.

Auf dem Stromberg steht an einem steilen felsigen Abhange, an der Markungsgrenze zwischen Zaberfeld und Häfnerhaslach, 3/4 Stunden südwestlich vom Ort, ein hoher Stein, der sog. Rittersprung, mit der Inschrift:

Anno 1581 beschach ain ritterlicher Sprung von Bernhart von Sternenfels.

Auf der anderen Seite sieht man das württembergische Wappen mit der Jahreszahl 1584. Nach der Sage soll dieser Bernhart von Sternenfels, von seinen Feinden verfolgt, diesen kecken Sprung mit seinem Pferde gewagt haben und glücklich entkommen sein.

Der Ort erscheint zuerst in magenheimischem Besitze, bis ihn Zeisolf von Magenheim den 19. Okt. 1321 mit Ochsenberg und anderen benachbarten Orten an den Markgrafen Friedrich II. von Baden verkaufte (s. Ochsenberg). In der Folge hatte er zum Theil wenigstens das Schicksal Ochsenbergs: gräflich vaihingische, dann württembergische Lehensoberherrlichkeit, enzberg-urbachischer, dann sternenfelsischer Lehensbesitz. Gegen 1360 gab Albrecht von Enzberg, der Alte, genannt von Streichenberg, was er allhier von dem Grafen Eberhard dem Greiner von Württemberg zu Lehen hatte, – sowie das halbe Dorf Ramsbach – demselben auf, mit der Bitte, es dem Gemahl seiner Tochter Adelhaid, Wolf von Urbach, zu Lehen zu geben (was dann auch geschah), und erhielt weiter den 19. Juni 1360 von diesem Grafen die Erlaubniß, das Zugeld seiner Tochter auf 27 Eimer Weingelds allda – sowie auf 16 Malter Roggen und 3 Pfd. Hllr. zu Ramsbach (s. u.) – von Vaihingen rührende| Lehen, zu versichern. Um dieselbe Zeit empfingen aber auch von demselben Grafen Eberhard der Ritter Hofwart das halbe Dorf Zaberfeld als Lehen für seinen Tochtermann, einen andern Albrecht von Enzberg, ferner Albrecht des Mesners [von Güglingen] Sohn seinen Theil des Dorfes, Kirchensatz, Leute und Güter, als von Vaihingen rührende Lehen (St.-A.). Den 3. Jan. 1390 hatte Hennel von Sternenfels das halbe Dorf mit dem Kirchensatz und den 11. Juli 1392 das ganze Dorf mit demselben – sowie das Dorf Ramsbach – im Lehensbesitze. Von nun an blieb es bis zum J. 1749 württembergisches Mannlehen der Familie, zum Theil unter verschiedene Mitglieder derselben getheilt, und gehörte als solches zum Ritterkanton Kraichgau. Sternenfels war hier regierender Ober-, Grunds-, Gerichts- und Vogtsherr, hatte allein den Stab, alle Obrigkeit, Herrlichkeit, Gebot, Verbot, hohe und niedere Gerichte, Frevel, Strafen und Bußen.

In Bezug auf den Zehenten hatte Sternenfels am großen Zehenten 2/3, die Pfarrei 1/3, am Weinzehenten Sternenfels und die Pfarrei je 1/2, den kleinen Zehenten die Pfarrei allein. Zur Zeit des Verkaufs an Württemberg hatte der Ort 82 Häuser, worunter 23 zu 2 Haushaltungen eingerichtet, 46 Scheuern, und hatte als Simplum an die Ritterschaft 269 fl. 5 kr. 6 Hllr. zu zahlen.

Das Ortswappen ist das sternenfelsische.

Das hiesige Schloß wurde von Johann Adam von Sternenfels in den J. 1587–1619 erbaut (vrgl. oben) und von Mitgliedern der Familie längere Zeit bewohnt. Im J. 1621 wurde es von der mannsfeldischen Armee geplündert und mußte der Inhaber Hans Walter von Sternenfels flüchten (Occupat. Episc. Spirens. Frankenthal 1621. 4. S. 6).

Aus der Geschichte des Ortes ist folgendes hervorzuheben. Im J. 1514 brach auch hier der Arme Konrad aus, ohne daß übrigens besondere Übelthaten vorgekommen wären. Die Aufrührer wurden eingesperrt, jedoch den 8. Sept. 1514 gegen Ausstellung einer Urphede entlassen; sie mußten den Wein ersetzen, den sie einem Hans Daumen ausgetrunken, zur Strafe gewisse Gülten an die Herrschaft entrichten. Einige der Anführer wurden etwas härter angelegt: hatten Geldstrafen zu zahlen, durften kein anderes Messer als ein Brodmesser tragen, durften nicht mehr in die gemeine öffentliche Zeche kommen u. s. w. In den J. 1523 und 1579 fanden Vergleiche zwischen der Ortsherrschaft und den Unterthanen namentlich wegen der Frohnen statt. – Im J. 1602 wurde eine neue Vogtordnung, welche vornehmlich in Betreff der Ruggerichte Vorschriften gab, den 19. April 1610 wie für Ochsenberg u. s. w. eine Erbordnung zwischen Ehegatten, welche ohne letztwillige Verfügung sterben, eingeführt (vrgl. Klunzinger 3, 238–241).

| Wie in anderen edelmännischen Orten gab es hier seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ziemlich viele Juden; auch zogen zu Anfang des 18. Jahrhunderts die noch hier vorhandenen Familien Jaggy und Burgäzzy aus der Schweiz hierher.

Der Deutschmeister hatte hier einen Erblehenhof und bezog noch im 17. Jahrhundert 8 Eimer, 8 Maas Wein jährlicher Gefälle.

Unter den im J. 1351 aufgeführten Geistlichen des Zabergäus (vrgl. ob. VII, 2) erscheint der Kirchherr zu Zaberfeld und sein Pfarrer. Das Patronat der Pfarrei stund seit dem Ende des 14. Jahrhunderts der Familie Sternenfels als württembergisches Lehen zu, wogegen sie die Frühmesse samt dem neuen Altar als Eigenthum hatte (Lgb. v. 1573).

Ein früher selbständiger Weiler, welcher zuerst „vor der Bach“ dann aber „Federbach“ geschrieben worden, soll jetzt ganz in Zaberfeld aufgegangen sein (Klunzinger 3, 245).

Zu der Gemeinde gehört:

Die Reisenmühle, mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, 1/8 Stunde unterhalb des Mutterorts an der Zaber gelegen.

Nach dem Lagerbuch von 1573 gab es zu Zaberfeld 3 Mahlmühlen, von denen zwei Sternenfels zinsbar waren, und in dem Landbuch von 1624 wird die Reisenmühle ausdrücklich in dieser Eigenschaft genannt. Alle diese Mühlen waren für Ochsenberg, Zaberfeld und Michelbach Bannmühlen. – Schon im J. 1437 verkaufte das Kloster Hirsau 38 Schfl. Haber auf Zaberfelder Mühle an Schwarzfriz von Sachsenheim (Klunzinger 3, 238).

Zu der Zaberfelder Markung gehören heutzutage drei besonders versteinte Markungen, Mörderhauser, Ramsbacher und Muttersbacher Markung, von welchen die beiden ersten jedenfalls an abgegangene Orte erinnern.

Mörderhausen, Morderhausen, Mordershausen, 1/2 Stunde südwestlich von Zaberfeld, kommt als Ort im J. 1289 vor (ob. S. 305). Im J. 1532 bat Hans Rainer von Zaberfeld, ihm diese, dem Fürstenthum Württemberg mit aller Gerechtigkeit und Zugehörde eigenthümlich zugehörige, aber länger denn Menschengedenken abgegangene und verlegene Markung gegen einen Jahreszins zu leihen, worauf er auf dieser Hofstatt ein Haus errichten wolle. Später erscheint hier die sternenfelsische Familie mit Lehensbesitz. Wie zu Leonbronn hatte Württemberg auf dieser Markung das Gelait, die landsträßliche und forstliche Obrigkeit allein, sonst aber die Obrigkeit, Gerechtigkeit, Gebot, Verbot, Frevel, Bußen und Strafen mit Sternenfels gemein; auch hinsichtlich der malefizischen Übelthäter, Processirung| und Exequirung galt dasselbe wie dort. Dagegen wurde hinsichtlich der untergänglichen und freventlichen Handlungen durch die Untergänger bez. Gerichtspersonen von Leonbronn und Zaberfeld, wenn anders es wegen des Wetters möglich war, auf hiesiger Markung unter freiem Himmel das Gericht gehalten (Lgb. v. 1576). Von Zehenten bezog auf dieser Markung an Wein und Fruchtzehenten Sternenfels 2/3 und hievon der Pfarrer zu Zaberfeld 1/3, das weitere Drittel Sternenfels und der Deutsche Orden, am kleinen Zehenten Sternenfels 2/3, die Pfarrei 1/3 (Lgb. v. 1573). Die von Württemberg bisher eigenthümlich genossenen Rechte und Gefälle auf Mörderhauser Markung verlieh dasselbe den 14. Juli 1720 dem Joh. Bernhard von Sternenfels als Mannlehen (s. ob. S. 307).

Ober-Ramsbach, 1/4 Stunde südlich von Zaberfeld im Ransbachthälchen gelegen, war magenheimisch, bis es mit Zaberfeld von Zeisolf von Magenheim den 19. Okt. 1321 an Markgraf Friedrich II. von Baden verkauft wurde. Es theilte in der Folge das Schicksal Zaberfelds (s. dieses, insbesondere wegen der Urkunden v. 1360 und 1392). Aufgeführt wird „das Dorf Ramsbach“ noch in dem letzten sternenfelsischen Lehensreverse, vom 16. Juni 1736, obgleich es als solches zu bestehen schon längst – seit wann, ist nicht sicher, jedenfalls aber schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts – aufgehört hatte. – Am hiesigen Zehenten hatte Sternenfels 2/3, die Pfarrei Zaberfeld 1/3 (Lgb. v. 1573).

Im 13. Jahrhundert schrieb sich eine adelige Familie nach Ramsbach; zwar ist nicht sicher, ob dieselbe ihren Sitz hier oder zu Nieder-Ramsbach bei Cleebronn gehabt hat, doch dürften ihre Beziehungen zu Dertingen O.-A. Maulbronn eher auf Ober-Ramsbach hinweisen. Es gehören hieher: Rüdeger von R., den 6. Okt. 1246 Zeuge Erkingers von Magenheim; Heinrich, Rudolf, Luggart und Heilwig, Geschwister, welche den 14. Okt. 1285 auf Güter zu Dertingen zu Gunsten des Klosters Herrenalb verzichten; „Heinrich von R., der alte Heinrich“, und sein Sohn Ruuelin von R. den 14. Juli 1307 Zeugen des Grafen Burkhard IV. von Hohenberg und seiner Schwiegertochter, Maria von Magenheim; der Edelknecht Konrad von R., den 31. Mai 1332 Lehensmann Bernhard Gölers von Ravensburg für Güter zu Dertingen, die er dem Kloster Herrenalb übergibt (Mone 4, 183. 193. 2, 232. 6, 208).

Von der Markung Muttersbach, an dem gleichnamigen Bächlein, ist in geschichtlicher Beziehung nichts sicheres bekannt; nach dem Lagerbuch von 1573 bezog die Pfarrei 1/3, Sternenfels 2/3 des hiesigen Weinzehenten.


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