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Beschreibung des Oberamts Brackenheim/Kapitel B 12

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Klein-Gartach
mit Kirschenhof und Seebachmühle,
Gemeinde II. Kl. mit 945 Einw., wor. 3 Kath. – Stadt, ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Stockheim eingepfarrt. 2 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt gelegen. Sitz einer Postexpedition und eines Wundarztes.

Das Wappen der Stadt enthält einen silbernen mit Zinnen versehenen Thurm mit schwarzen Thüren und Fenstern auf grünem Erdreich stehend, mit einer Linde auf jeder Seite im rothen Feld. Nach 1335 wurde dem Wappen über dem Thurm noch ein Schild mit den württembergischen Hirschhörnern beigefügt.

| An der Vereinigung des Seebachs (Mühlbach) mit der Lein liegt auf einem zwischen beiden Gewässern flach hinziehenden Terrainausläufer die kleine, gedrängt gebaute Stadt, auf deren südlicher Seite der Heuchelberg, auf der nördlichen der Leinberg sich erheben und ihre sanften Ausläufer gegen die Stadt senden; hiedurch entstand gleichsam eine Thalweitung, in der die leicht gegen Süden geneigte Stadt eine angenehme nach Norden geschützte Lage gefunden hat. Die ursprüngliche ummauerte Stadt bildet beinahe ein Quadrat und ist mit Ausnahme der etwas breiteren Hauptstraße meist von engen, jedoch ziemlich regelmäßig angelegten Gassen durchzogen. Die Gebäude sind meist alt und minder ansehnlich, jedoch einzelne in interessantem alterthümlichem Stil ausgeführt, wie z. B. das in der Hauptstraße gelegene dreistockige, vielleicht ein altes Herrenhaus der Grafen von Neipperg. Der steinerne Unterstock hat hübsche Eselsrückenfensterchen, die oberen Stockwerke zeigen sehr zierlichen Holzbau noch im gothischen Stil und an einem Eckbalken steht 1513; die wenig zugängliche Ostseite ist noch am besten erhalten und zeigt an ihren mit gothischem Maßwerk geschmückten Balken die Wappen von Neipperg und Kleingartach. – Ein Haus in der Nähe trägt eine steinerne Tafel im Renaissancegeschmack mit folgender Inschrift:

Im 1600 und ersten Jar
Hat M. Bernhart Erhart gar
Und Marg: so im vertraut,
Mit Got das Haus gebaut,
Inen und irem samen
Geb Got ewigs leben. Amen.

Von der ursprünglichen Stadtmauer ist nur noch ein kleiner Theil erhalten, der Stadtgraben aber gänzlich eingefüllt und zu Baum- und Gemüsegärten umgewandelt. Die Stadt hatte 2 Thore, das untere und das obere Thor, letzteres stand an der Westseite, das andere an der Ostseite der Stadt; über den Thoren erhoben sich starke Thürme, von denen der des oberen Thors im vorigen Jahrhundert, der des unteren im Winter 1807 abgebrochen wurde, während die Thore selbst in den zwanziger Jahren abgingen.

Außerhalb der ummauerten Stadt waren bis Ende des vorigen Jahrhunderts nur wenige einzelne Häuser und erst im Lauf dieses Jahrhunderts entstanden an der West- und Südostseite kleine Vorstädte. Die Ziegelhütte in der westlichen Vorstadt war schon 1696 längst vorhanden.

Die mit Weinreben reizend umrankte Pfarrkirche liegt am nordöstlichen Ende der Stadt und ist noch ganz im spätgothischen Stil erhalten, an ihrem im geschweiften Spitzbogen gehaltenen Südportale steht Anno domini 1468. Ihr im Osten stehender, mit seinem ersten| Geschoß den Chor vertretender 130 Fuß hoher Thurm geht gegen oben ins Achteck über, hat vier gefüllte gothische Schallfenster und endigt in ein hohes achtseitiges Zeltdach. Das Schiff der Kirche zeigt noch zum Theil gothisch gefüllte Fenster und rechts neben dem Südportal ein kleines hübsches Grabmal mit der Inschrift:

Anno domini 1541 ist gestorben hans lang Schulteis.

Derselbe führt einen Bären im Wappen.

Vor der Kirche lag früher ein Grabstein mit einer weiblichen Figur und der Jahreszahl 1420. Das Innere bietet nichts bemerkenswerthes, der Taufstein ist alt und hohl, der Triumphbogen niedrig und halbrund, und mag wohl noch das Überbleibsel der ursprünglichen Kirche sein. Von den drei Glocken sind die beiden größeren gegossen von Johan Philip Magnus in Stugardt. Anno 1760. Die dritte goß Heinrich Kurtz in Stuttgart 1846; auf ihr steht:

Ich rufe nah und fern
Zum Lob des Herrn.

Die Unterhaltung der Kirche, die stark aus dem Städtchen hervorragt und zusammen mit demselben ein anmuthiges Bild gewährt, ruht auf der Gemeinde.

Der von einer Mauer umfriedigte mit vielen Grabmälern geschmückte Begräbnißplatz liegt nahe der Kirche außerhalb an der nordöstlichen Ecke der Stadt; das ebenfalls bei der Kirche stehende Pfarrhaus ist ein schönes zweistockiges Gebäude, dessen Unterhaltung dem Staat obliegt. Über der Thüre steht die Jahreszahl 1792 und im Pfarrgarten ist ein korinthisches Kapitell aus der Renaissancezeit zu sehen. Das 1845 mit einem Aufwand von 16.000 fl. erbaute Schulhaus enthält 2 Lehrzimmer und eine Reserveschule, die Wohnung des ersten Schulmeisters und die Gelasse für den Gemeinderath; der zweite Schulmeister wohnt in einem der Gemeinde gehörigen Wohnhaus. Überdieß sind noch vorhanden: eine Kelter mit 3 Bäumen im ehemaligen Kellereikasten, ein Back-, Wasch- und Schafhaus.

Gutes Trinkwasser liefern hinreichend 12 Pumpbrunnen; auch die Markung ist reich an Quellen, von denen der am südlichen Fuß der Leinburg gelegene Leinursprung die bedeutendste ist. Überdieß fließt in geringer Entfernung nördlich vom Ort die Lein und südlich am Dorf der Seebach vorüber; letzterer nimmt auf der Markung den Gruppenbach auf. Früher bestanden im Seebachthälchen zwei Seen, der Schweizersee und der untere See, die längst trocken gelegt sind (s. auch unten).

Vicinalstraßen nach Niederhofen und weiter nach Schwaigern, nach Stockheim und nach Eppingen im Großherz. Baden sichern dem Ort den Verkehr mit der Umgegend. Steinerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücken sind 3 über den Seebach und 3 über die Lein vorhanden.

| Die lebhaften und betriebsamen Einwohner nähren sich hauptsächlich von Feldbau, Weinbau und von der Viehzucht, während die Gewerbe, mit Ausnahme von 12 auch nach außen arbeitenden Webern, nur den nöthigen örtlichen Bedürfnissen dienen. Es bestehen, außer der schon genannten Ziegelei, 4 Schildwirthschaften, eine Bierbrauerei mit Wirthschaft, 6 Branntweinbrennereien, ein Holzhändler, ein Fruchthändler, ein Kaufmann, ein Krämer und die unterhalb des Orts gelegene Seebachmühle mit 2 Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Ölmühle und einer Hanfreibe.

Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind mittelgut und im allgemeinen zureichend; der vermöglichste Einwohner besitzt 50 Morgen, der sog. Mittelmann 12 M. und die unbemittelte Klasse 1 M. Grundeigenthum.

Die ausgedehnte, gegen Osten an das Großherzogthum Baden grenzende Markung ist größtentheils bergig, theilweise hügelig und hat im allgemeinen einen mittelfruchtbaren Boden, der vorherrschend aus den schweren, thonigen Zersetzungen des Gipsmergels, auf dem Rücken des Heuchelbergs aus einem leichten Sandboden (Zersetzung des Keuperwerksteins) und an den flachen Ausläufern der Berghänge aus Lehm besteht. In den Thalebenen haben sich Alluvionen abgelagert, die an einzelnen Stellen sumpfig sind und saures Futter erzeugen. Zwei Keuperwerksteinbrüche, die gute, auch auswärts gesuchte Bau- und Werksteine liefern und 2 Lehmgruben sind vorhanden.

Das Klima ist mild, weil aber das Leinthal sich gerade gegen Nordosten öffnet und der Luftströmung in dieser Richtung besonders zugänglich ist, so kommen zuweilen schädliche Fröste und starke kalte Winde vor; Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten; den 14. Juli 1873 war jedoch hier ein sehr verheerender.

Mit großem Fleiß und unter Benützung verbesserter Ackergeräthschaften (Brabanterpflug, Walze, Futterschneidmaschine etc.) wird die Landwirthschaft betrieben und außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln kommt noch Kompost, Gips und Asche in Anwendung. Neben den verschiedenen Getreidearten werden noch gebaut Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen, Zuckerrüben, Cichorie, Hanf und Mohn. Von den Felderzeugnissen können über den eigenen Bedarf etwa 600 Schfl. Dinkel, 50 Schfl. Gerste und 600 Schfl. Weizen jährlich nach außen abgesetzt werden, während von den Brach- und Handelsgewächsen nur ein kleiner Theil zum Verkauf kommt. Der ausgedehnte Wiesenbau liefert ein mittelgutes, theilweise saures Futter. Weniger namhaft ist der Weinbau, der übrigens einen guten Wein liefert, dessen Preise sich in den letzten 10 Jahren von 22–70 fl. pr. Eimer bewegten; ein Morgen erträgt in guten Jahrgängen gegen 7 Eimer. Auf dem Morgen pflanzt man 2400 Stöcke meist Elbinge, Silvaner, schwarze| Rißlinge und Drollinger, die jedoch den Winter über nicht bezogen werden. Der Wein wird hauptsächlich nach Baden verkauft. Auch die Obstzucht ist nicht sehr ausgedehnt, weil das Obst gegenüber von anderen Orten des Bezirks nicht besonders gedeiht; man pflanzt hauptsächlich Luiken, Palmischbirnen, Knausbirnen und Zwetschgen und bezieht die Jungstämme aus der vorhandenen Gemeindebaumschule. Der Obstertrag wird im Ort verbraucht.

Die Gemeinde besitzt 11663/8 Morgen Laub- und gemischte Waldungen, die jährlich 120 Klafter und 8000 St. Wellen ertragen; hievon erhält jeder Bürger etwa 1/4 Klafter und 25 St. Wellen, das übrige Holz wird verkauft, was der Gemeindekasse eine jährliche Einnahme von 3–4000 fl. sichert. Überdieß bezieht die Gemeinde aus den an fremde Schäfer verpachteten Weiden 615 fl., aus der Pferchnutzung 250 fl. und aus verpachteten Gemeindegütern 670 fl.

Die Pferdezucht ist unbedeutend, aber die mit einer Kreuzung von Neckarschlag und Simmenthalerrace sich beschäftigende Rindviehzucht in ganz gutem Zustande und wird durch 3 Farren von gleicher Race zu erhalten gesucht. Der Handel mit Vieh ist nicht beträchtlich, ebenso die Viehmastung. Auf der Markung laufen den Sommer über 150, den Winter über 400 St. Bastardschafe; die Wolle kommt nach Heilbronn zum Verkauf.

Die Stadt hat das Recht im Monat April einen Krämermarkt abzuhalten. Marktrecht erhielt sie schon im Jahr 1447.

Von besonderen Stiftungen sind nur 1000 fl. vorhanden, deren Zinse zur Unterstützung von Ortsarmen verwendet werden.

Die über den Rücken des Heuchelbergs entlang ziehende römische Heerstraße bildet theils eine Strecke lang die südliche Markungsgrenze, theils greift sie in die Markung selbst ein. Altgermanische Grabhügel liegen 5 in dem Stadtwald „Ochsenberger Wald“; im Jahr 1870 wurden einige von Dr. Meh geöffnet und in denselben menschliche Skelette, Glasperlen, eine mit Asche gefüllte thönerne Urne etc. gefunden. Auf dem nördlich der Stadt sich erbebenden Leinberg stand die Leinburg (Lüneburg), von der nur noch spärliche Mauerreste und der Burggraben vorhanden sind; das Landbuch von 1624 meldet schon, daß von der Burg nur noch Spuren von Mauern und Gräben zu sehen seien. Am Fuß des Leinbergs kommt in der Nähe des Leinursprungs die Flurbenennung „in den Häusern“ vor, hier soll nach der Volkssage einst eine Stadt gestanden sein. Unfern (südlich) von der Stadt wird eine Flur „Martinskirchle“ genannt, an dieselbe stößt der Martinsberg, was auf die abgegangene Martinskapelle hinweist (s. u.). Ein Stadtbuch von 1678 ist vorhanden.

Zu der Gemeinde gehört, außer der schon angeführten Seebachmühle,

der Kirschenhof, 1/2 Stunde südlich von der Stadt auf dem| Heuchelberg gelegen; der Hof wurde 1819 von Georg Adam Bauerschmid angelegt, der daselbst viele Kirschenbäume pflanzte; daher der Name. Übrigens lassen die Kirschenbäume, wenn sie einmal ein gewisses Alter erreicht haben, an Fruchtbarkeit nach, weil der Boden nicht tiefgründig genug ist und von Keuperwerkstein unterlagert wird. Bauerschmid rettete schon mehreren Menschen das Leben, die des Winters auf dem Heuchelberg sich verirrten und in Gefahr waren zu erfrieren.

Die Stadt, früher Garta, Gartha, Gartaha, Gardaha, Gardach geschrieben, wird schon in älterer Zeit bisweilen zum Unterschied von den anderen Gartach als „Gartaha superior“ (Cod. Lauresh. nr. 3655), „Gardach sub Luneburc“ (Mone 11, 165) bezeichnet.

In dem Kl. Lorscher Traditionencodex kommt eine ziemliche Anzahl von Schenkungen an dieses Kloster „in pago Gardachgowe in villa Gardacha“, „in marca Gardaha“ namentlich aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts vor, die erste vom 22. Nov. 766, allein nur einmal heißt es ausdrücklich, das Kloster habe aus einer Hube und einem eigenen nicht als Lehen gegebenen Allodialgut „in superiori Gardaha“ (s. o.) jährlich 30 Denarien zu beziehen, sonst ist bei diesen aus Häusern, Mühlen, Äckern, Wiesen, Wäldern, Wassern, Weinbergen (im J. 788), bestehenden Schenkungen nicht sicher, auf welches Gartach sie sich beziehen; als Namen von Schenkgebern kommen z. B. vor: Urolf und Massim, Engilbert, Frint, Herenbert, Liwicho, Ratboto, Stalhart (Cod. Lauresh. nr. 2772 ff.) Etwas jünger sind und fallen etwa in den Schluß des 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts einige Schenkungen allhier an das Kloster Hirsau, in dessen Traditionencodex Neckar-Gartach schon mit seinem jetzigen Namen und Groß-Gartach als Michelngarta oder Walgartha vorkommen, so daß die Gartach ohne nähere Bezeichnung auf Klein-Gartach bezogen werden können. Es sind dies die Schenkungen einer Hube durch Sigwart von Aurich, der halben Kirche, eines eigenen Lands und zweier Weinberge „in comitatu Bretheim in villa Gartaha“ durch Konrad von Merlenheim im J. 1109, mehrerer Huben und Weinberge durch 3 Gebrüder von Mühlhausen, Marcolf von Talaker, und Beatrix, Kuno’s Wittwe. (Cod. Hirs. 31a. 36a. 39a. 68b. 70a.). Doch vertauschte dieses Kloster den 19. Jul. 1438 seine hiesigen, wie andere benachbarte Güter und Gülten an die Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg (St.-A.). – Ein dritter geistlicher Besitz aus früher Zeit ist der des Stifts Wimpfen: im J. 1299 wies demselben eine in Gartach wohnende Nonne zur Feier ihrer Jahreszeit einen Zins aus einem Weinberg in Banholtz zu, welcher Name noch heutzutage auf der Ortsmarkung vorkommt (Mone 11, 165). Bis ins 19. Jahrhundert war dieses Stift, beziehungsweise sein Rechtsnachfolger, das Großherzogthum Hessen-Darmstadt, hier zehentberechtigt zugleich mit dem Deutschmeister,| welcher schon im J. 1479 als Besitzer eines hiesigen Hofes erscheint, im J. 1516 sich mit dem Stift wegen der Novalien vergleicht und noch bei Beginn des vorigen Jahrhunderts als zehentberechtigt vorkommt. – Dagegen dürfte dasjenige Garda, welches in den ältesten Urkunden des Klosters Alpirsbach öfters genannt wird (Wirt. Urkb. 1, 315. 328. 363), schwerlich das unsrige sein.

Die Stadt selbst erscheint zuerst in markgräflich badischem Besitze. Den 18. Apr. 1332 verkaufte Markgraf Hermann IX. von Baden an Rudolf des Klankes Tochtermann zu Heilbronn 8 Pfd. Herrengeld, 1/3 an Roggen, an Dinkel und an Haber aus allen seinen Gütern allhier und zu Niederhofen um 80 Pfd. Hllr.; den 3. Sept. d. J. verpfändete er mit seinem Vater, dem Markgrafen Friedrich II. auf Wiederlosung an Albrecht Bruzze die Stadt Gartach und die Burg Lüneburg und das Halbtheil aller Nutzungen von beiden für eine Schuld von 700 Pfd. Heller, welche den 18. d. M. um 50, den 5. Sept. 1333 noch um 200 Pfd. erhöht wurde. Den 22. Dec. 1335 verkaufte der genannte Albrecht sein Pfandrecht an die Stadt mit Zugehörungen um 950 Pfd. Hllr. an den Grafen Ulrich III. von Württemberg. Wohl als Pfandschaft kommt die Stadt im J. 1380 in der Widdumsverschreibung für die Gräfin Antonia von Württemberg vor (s. ob. VII, 1.). Im Anfang des 15. Jahrhunderts war sie ein vom Bisthum Worms herrührendes Lehen Konrads von Weinsberg, welcher den 8. Jan. 1411 vom Bischof Johannes, den 22. Aug. 1427 vom Bischof Friedrich mit Schloß Gutenberg, Neckar-Gartach, Lüneburg und Gartach darunter belehnt wurde (Albrechtsche Papiere der k. öff. Bibliothek. Schannat Episc. Worm. 1, 246). Im J. 1442 erscheint Klein-Gartach wieder als württembergisch.

Den 6. Mai 1485 verpfändete Graf (sp. Herzog) Eberhard im Bart die Stadt mit Niederhofen und Stethen, nichts ausgenommen als die Leihung der Kirchen, um 7500 fl. an Hans von Gemmingen zu Gutenberg, welcher während dieser Zeit auch Jagdgerechtigkeit auf dem Strom- und Heuchelberg erhielt. Während der österreichischen Herrschaft in Württemberg kam Jos von Lobenberg im Namen Österreichs in den Besitz dieser 3 Orte, und Erzherzog Ferdinand bewilligte dem Bernhard Göler von Ravensburg dieselben von Wolf von Gemmingen an sich zu lösen, allein der letztere widersetzte sich dieser Einlösung und es wurde ihm die Pfandschaft von der österreichischen Regierung im J. 1529 um 1000 fl., von Herzog Ulrich im J. 1539 auf 16.000 fl. erhöht. Den 24. Jan. 1556 erstreckte Herzog Christoph Wolfs Söhnen, Dietrich und Pleickart von Gemmingen, die Pfandschaft noch einmal auf 15 Jahre, allein den 6. Mai 1571 löste sie Herzog Ludwig wieder ein.

Stadt wird Klein-Gartach bereits im J. 1332 genannt; der damalige Schultheiß hieß Wortwin. Den 27. Juni 1447 erlaubte| Graf Ludwig von Württemberg der Stadt jährlich auf Sonntag nach Pfingsten als ihren Kirchweihtag, einen Jahrmarkt zu halten (Sattler Gr. 4. Forts. Beil. 58); als derselbe in Abgang gekommen war, erneuerte Herzog Friedrich auf Bitte der Stadt am 21. Febr. 1595 das alte Privileg, verlegte den Markt jedoch auf Dienstag nach dem Dreieinigkeitsfest. Gemäß Urtheils des Hofmeisters, Kanzlers und der Räthe vom 11. Jul. 1556 wurden die Gemeinden Niederhofen und Stethen für nicht schuldig erklärt, zum Bau der Kleingartacher Stadtmauern beizutragen, was die Stadt auf Grund des oben (VII, 3) genannten Befehles vom J. 1483 von ihnen verlangt hatte; es gab übrigens noch im folgenden Jahrhundert lange Verhandlungen hierüber. Mit obigen beiden Orten zusammen hatte Klein-Gartach einen Abgeordneten zum Landtag zu senden.

Durch die verschiedenen Kriege hatte auch dieses Städtchen schwer zu leiden. Im J. 1641 wohnte hier nur ein einziger Mann und hielten sich die wenigen Einwohner, die noch am Leben waren, zu Brackenheim und Güglingen auf; nach dem 30jährigen Kriege hatte der Ort von 117 Bürgern noch 33; von 271 M. Weingarten waren 243, von 700 M. Äcker 423, von 153 M. Wiesen 25 verwüstet, von 150 Gebäuden 45 unbewohnt und 49 zu Grunde gerichtet. Den 4. Juni 1674 plünderten die Lothringer hier.

Der früher hier befindliche schon im J. 1442 genannte See hielt nach dem Landbuch von 1624 in seinem ganzen Begriff mit dem Damm 16 Morgen, allein nur 10 Morgen waren mit Wasser gefüllt, das übrige war sumpfig, zum Theil trocken. Im J. 1626 wurde derselbe von Herzog Johann Friedrich Morgen für Morgen aufschlagsweise an Gartacher Bürger verkauft, worauf die Gemeinden Gartach, Niederhofen und Stethen anstatt der bisher geleisteten Frohnen zu dem See eine jährliche Abgabe von je 3, beziehungsweise 6 fl. an die Kellerei Brackenheim zu liefern sich verpflichteten (St.-A.).

Mitglieder einer adeligen Familie, welche sich nach der Stadt schrieb, sind nur wenige bekannt: Volpert und Billunc, Zeugen in Urkunden Nendants von Böckingen und Konrads von Beutelsbach, etwa aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts (Cod. Hirs. 49b. 67b.); Adelhaid von Gartach im Nekrolog der Abtei Lichtenthal (Schannat Vind. litter. coll. 1, 168).

Im J. 1351 wird ein Pfarrer zu Gartach unter Luneburg und sein Frühmesser aufgeführt (s. ob. VII. 2), und durch Bischof Dietrich I. von Worms wurde die hiesige Kirche, deren Kollatur dem Stift Wimpfen schon früher zustand, den 29. Jun. 1362 diesem Stift inkorporirt. Allein im 15. Jahrhundert war hier nur eine von einem Frühmesser versehene Martinskapelle und im Übrigen waren die Einwohner an die Pfarrei Niederhofen gewiesen. Da gestattete das Stift den 21. Dec. 1460 mit Genehmigung des| Bischofs Reinhard von Worms auf Graf Eberhards von Württemberg und der Stadt Gartach Bitte die Sonderung der letzteren von der Pfarrei Niederhofen und die Errichtung einer eigenen Pfarrei hierselbst, stattete die neue Pfarrei mit etlicher Hilf und Steuer aus und behielt sich die Lehenschaft derselben bevor. Den 22. Nov. d. J. erklärte der genannte Graf, daß dem Stift in Zukunft wegen der Pfarrkompetenz, Behausung, Gebäu und sonst keinerlei Zumuthungen mehr gemacht werden sollten, daß die Gemeinde Gartach ihr Pfarrhaus samt Kirchthurm und Chor im Bau und Wesen zu erhalten und den Niederhofenern erstmals ein ziemlich Pfarrhaus zu bauen habe, wozu ihnen das Stift 15 Pfd. Hllr. und das alte Pfarrhaus geben sollte, während in Zukunft nur noch für den erstmaligen weiteren Bau des Pfarrhauses eine Verpflichtung zu Holzlieferung bestehen sollte. – Eine eigene Frühmesse wird noch im Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt. Den 23. Jun. 1535 forderte Herzog Ulrich das Stift auf, die katholischen Pfarrer allhier abzuschaffen und evangelische Prädikanten anzunehmen, widrigenfalls er dies selbst vornehmen würde (St.-A.). Im J. 1673 trat Wimpfen – nach einer Angabe im Kleingartacher Stadtbuche theils weil die Stadt die Salarirung des Pfarrers und die Baulast des Pfarrhauses gehabt, theils weil das Stift öfters unbrauchbare Geistliche geschickt, die man habe wieder entfernen müssen – die Kollatur der Pfarrei gegen die darauf haftenden Beschwerden an die Stadt ab, daher seit dieser Zeit dieselbe – eine der wenigen des Landes – das (durch den Gemeinderath und Bürgerausschuß ausgeübte) Recht hat, ihren Pfarrer selbst zu wählen, vorausgesetzt natürlich höhere Bestätigung.

Mitglieder der Familie, welche sich nach der obengenannten Burg (Luneburc 1231, 1299, Lüneburg 1332, später auch Leinburg 16. Jahrh.) schrieb, begegnen uns nur wenige urkundlich sicher nachweisbare. Ludwig von L. erscheint im J. 1231 als Zeuge K. Heinrichs VII. (Wirt. Urkb. 3, 287) und übergibt den 1. Aug. 1241 seinen Hof in Nordheim an das Kloster Maulbronn, welch letzteres er zu seiner Ruhestätte bestimmt. In den J. 1282 und 1283 kommen minderjährige Kinder des verstorbenen Engelhard von L. vor (St.-A.). Zwar nennt Klunzinger (2, 156 ff.) noch eine Reihe von Mitgliedern dieser Familie, allein dieselben dürften wohl richtiger mit der nach der Leinburg O.A. Göppingen sich nennenden Familie in Verbindung zu bringen sein. Im J. 1295 werden Weinberge auf dem Stahlbühl bei Offenau als einstens im Besitz der Herren von L. befindlich aufgeführt, sowie ein advocatus de Luneburc genannt.

Wie die Stadt Gartach gehörte die Leinburg ursprünglich den Markgrafen von Baden und wurde mit ihr am 3. Sept. 1332 an Albrecht Bruzze versetzt, allein nach Urkunden vom 4. Apr. und 16. Aug. 1334, sowie 27. März 1337 war sie damals von dem| Markgrafen Hermann IX. dem Konrad von Enzberg gen. von Heinrieth versetzt (St.-A.). Bei der Landestheilung von 1442 wird die Burg nicht genannt; vielleicht war sie damals schon nicht mehr in bewohnbarem Zustande.

Das Stift Wimpfen besaß nach seinem Urbar von 1295 ein Lehen „in civitate Luneburg“ und ebenso wird im J. 1299 genannt ein „Diethericus Faber, in civitate Luneburc residens“ (Mone 11, 166).


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