Zum Inhalt springen

Beschreibung des Oberamts Blaubeuren/B 29

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
« B 28 Beschreibung des Oberamts Blaubeuren B 30 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
29. Themmenhausen,

ein evangel. Pfarrdorf aus der Alp, 23/4 St. nordöstlich von Blaubeuren mit 311 Einwohnern. Den großen Zehnten bezieht der Staat, den kleinen haben die Pfarreyen Bermaringen und Tomerdingen. Die meisten Gefälle hat das Spital Ulm; 1 Hof ist Lehen der v. Schad.

Der Ort liegt auf der Ebene der Ulmer Alp, und hat kein anderes als Cisternenwasser. Der Name des Orts wird in ältern Schriften wie gewöhnlich sehr verschieden geschrieben gefunden: Themmenhausen, Thämmenhausen, Timenhausen, Dymenhausen etc. Das Dorf hat 1 Kirche, 1 Schule, 2 Schildwirthschaften und ist sehr wohlhabend. Die Kirche St. Nikolai ist zwar Pfarrkirche, die Pfarrey ist aber mit der Pfarrey Bermaringen verbunden. S. Bermaringen. Die Baulast der Kirche hat der Staat. Themmenhausen gehörte vormals zu dem Gebiete der Reichsstadt Ulm, Amt Bermaringen, die Deutschordens-Commende Ulm hatte aber mehrere Güter daselbst. Die Kirche war in ältern Zeiten Filial von der Deutschordenskirche Tomerdingen, und die dortige Pfarrey bezieht noch von dieser Zeit her Zehnten zu Th. In Folge der Reformation, wobey Th. zur evangelischen Lehre überging, ist es von Tomerdingen getrennt und zur besondern Pfarrey gemacht worden, jedoch so, daß diese von dem Helfer in Bermaringen versehen wurde. Es hatte übrigens schon vorher seine eigene Kaplaney, die im J. 1436 von der Gebauerschaft des Dorfs mit der Bestimmung gestiftet wurde, daß der Deutschordens Commenthur zu Ulm, der das Patronat der Pfarrkirche hatte, auch die Lehenschaft der Kaplaney haben solle. Der Kirchensatz war zwischen der Commende Ulm und der Reichsstadt Ulm getheilt, | bis jene ihre Hälfte im J. 1576 auch an diese abtrat, worauf dann die Bestellung eines besondern Pfarrers in der Person des Helfers in Bermaringen erfolgte. Die Zehnten gehörten zu 1/4 der D.O.-Commende, zu 3/4 dem Kloster Urspring, später dem Stift Wiesensteig, an welches das Kloster Urspring seinen Theil, 1760, verkaufte.

Th. gehörte vor Zeiten den Grafen v. Helfenstein; diese verkauften es an Hans von Stein zu Ronsperg, dieser 1444 an Walter Ehinger in Ulm, dessen Wittwe 1451 an Hans v. Stein von Klingenstein, dieser 1466 an die Catharinenpflege in Ulm, und diese endlich mit allen Rechten und dem halben Kirchensatz an die Stadt Ulm. Die Grund- und Lehensherrschaft vertheilte und veränderte sich daneben mannigfaltig. In ältern Zeiten müssen auch die Grafen von Werdenberg Theil an dem Orte gehabt haben; denn ein Streit derselben wegen „Dimenhausen“ wird, laut Urkunde vom J. 1371, von den Grafen Ulrich v. Helfenstein und Albrecht v. Löwenstein dahin verglichen, daß die Deutschordens-Unterthanen dem Heinrich von Werdenberg den Friedhaber und die Rauchhenne zu geben haben. Ehemals soll Th. auch ein Schloß gehabt haben und dieses der Sitz einer adeligen Familie gewesen seyn, welche Güter und Rechte im Orte hatte. Der letzte Besitzer wäre David Weikmann gewesen, der im J. 1612 starb und die Güter der Kirchenpflege Ulm überließ, welche sie in neuern Zeiten größtentheils verkaufte. S. Arneck. Eine Urkunde vom Jahr 1372 fängt an: „Ich Hans der Graf von Tymenhausen, Bürger zu Ulm.“ Im 30jährigen Kriege wurde auch Th. so ganz zu Grunde gerichtet, daß es bis auf unsere Zeit zu thun hatte, um wieder zu der vorigen Bevölkerung zu gelangen.