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Beschreibung des Oberamts Böblingen/Kapitel B 17

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« Kapitel B 16 Beschreibung des Oberamts Böblingen Kapitel B 18 »
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17. Sindelfingen, [1]

Stadt, Gemeinde II. Classe, nebst der Gold- und der Rieth-Mühle, 1/2 Stunde nördlich von Böblingen, ist der Sitz eines Cameralamts, eines Amtsnotars und des Oberamtswundarztes, welcher zugleich auch praktischer Arzt ist. [2]

Auf einem flachen Bergrücken, der sich zwischen den leicht eingefurchten Thälchen der Schwippe und des Sommerhofenbachs von Norden nach Süden zieht, liegt die Stadt unter 26° 45′ 48,51″ östlicher Länge und 48° 42′ 40,11″ nördlicher Breite; ihre Höhe über dem Mittelmeer beträgt am Kirchthurm 1574 württembergische oder 1388 Pariser Fuß. Nordöstlich von ihr erhebt sich der Schloßberg (die Burghalde), ein Vorberg der Schönbuchsterrasse, auf dem einst eine den Grafen von Calw gehörige Burg stand, von der noch ein Theil des Burggrabens und einige unbedeutende Mauerreste sichtbar sind. Von der Südwestseite gesehen, gewährt die Stadt mit ihrer alten Kirche, den ehemaligen Klostergebäuden und einigen alten hervorragenden Häusern, in Verbindung mit dem bewaldeten Hintergrunde und dem fruchtreichen, milden Vordergrunde, eine freundliche Ansicht. Die Lage der alten, noch bis zu den 30ger Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts mit Graben und Mauern| umgebenen Stadt, nebst eines Theils der südöstlich angrenzenden Vorstadt, ist eine gegen Südwesten geneigte, während der größere Theil der Vorstädte beinahe eben liegt. Ihre Anlage ist im Allgemeinen ziemlich unregelmäßig, namentlich die der innern Stadt, welche, mit Ausnahme der gerade durchführenden langen Straße, meist gekrümmte, theils breite, theils durch vorgebaute Häuser verengte, winklige Gassen hat. Dennoch hat sie mit ihren alten, soliden, beinahe durchgängig aus Eichenholz, nicht selten mit steinernem Unterstock erbauten Häusern etwas heimliches, eine ehemalige Wohlhäbigkeit verrathendes. Einzelne Gebäude sind wegen ihres schön gefügten, zum Theil mit Schnitzwerk und Inschriften gezierten Gebälkes sehenswerth. Auch die Vorstädte haben noch mehrere alte Gebäude; doch sind die meisten aus neuerer Zeit, indem hier in den letzten 20 Jahren über 100 Häuser gebaut und mehrere ganz neue Straßen angelegt wurden. Früher hatte die Altstadt zwei sogenannte Doppelthore, das obere und das untere Thor, von denen das letztere schon früher, das obere aber bei dem Abbruch der Stadtmauern abging; ein gleiches Schicksal hatte der Diebsthurm an der nordöstlichen Stadtmauerecke, auch dem untern Thurm steht der Abbruch bevor. Obgleich diese Veränderungen in mancher Beziehung nützlich und verschönernd seyn mögen, so läßt sich doch nicht in Abrede ziehen, daß hiedurch der Ort das eigentliche Gepräge einer alten Stadt verloren hat. Was die Ortsstraßen betrifft, so sind die Vorstädte gut macadamisirt und gekandelt, die der innern Stadt gepflastert, jedoch hier minder reinlich, weil man häufig wegen Mangels an Raum die Düngerstätten nicht von der Straße entfernen kann. Am nördlichen Ende der Stadt steht die alte ehrwürdige Pfarrkirche, ehemalige Stiftskirche zum heiligen Martin. Sie wurde in den Jahren 1080–1083 im früh-romanischen Styl erbaut, der sich, obgleich in der Folge manches an dem Bau verändert wurde, doch noch ziemlich rein erhalten hat. Ihre Grundform ist die der ältesten Basilikenanlagen mit einem Mittelschiff und 2 Seitenschiffen, die sich im Osten mit 3 halbrunden Chornischen schließen. Ein eigentlicher Chorraum fehlt der Kirche, indem derselbe in das Mittelschiff verlegt ist; das ehemalige Daseyn einer Krypta unter demselben läßt sich deutlich erkennen, da nicht allein außen die jetzt zugemauerten Fenster derselben sichtbar sind, sondern auch an den beiden ersten Pfeilern die ehemalige Erhöhung des Chors noch zu bemerken ist. Die Seitenmauern des hohen, aber schmalen Mittelschiffs ruhen auf scharfkantigen Arcadenbögen, die von 14 viereckigen, an den Ecken durch Dreiviertelssäulen abgerundeten Pfeilern getragen werden. Zwischen diesen, mit Würfelknäufen| versehenen Dreiviertelssäulen tritt je ein Stück Pfeilergesims hervor. Die Seitenschiffe mit hohen rundbogigen Fenstern sind etwa um die Hälfte niederer als das mit kleinen Rundbogenfenstern versehene Mittelschiff und haben, wie dieses, eine flache Decke. Die ursprünglichen Fenster an dem südlichen Seitenschiff sind zum Theil in oblonge verwandelt worden. Von den mit Halbkuppel-Gewölben gedeckten Absiden hat die mittlere 3 spitzbogige Fenster, die, wie es scheint erst später in solche verändert wurden, die beiden Seitennischen dagegen haben je 1 rundbogiges, in der ursprünglichen Gestalt erhaltenes Fensterchen. Der aus grobkörnigem Keupersandstein in Form eines Tisches gefertigte Altar, mit einer einfachen, auf 4 runden schmucklosen Säulen ruhenden Steinplatte, hat zwar durchaus keinen Kunstwerth, ist aber wegen seiner Einfachheit und ursprünglichen Form, wie sie zur Zeit der Einführung des Christenthums üblich war, einer der interessantesten in Württemberg. In der Mitte der Altarplatte befindet sich eine oblonge, gegenwärtig zugemauerte Öffnung, unter der früher der Reliquienkasten (sepulcrum) angebracht war. Die in germanischem Styl gehaltene Kanzel gehört einer spätern Periode an. Im Jahre 1829 erhielt die Kirche eine von Walker in Ludwigsburg gefertigte vortreffliche Orgel, welche die Gemeinde gegen 5000 fl. kostete. Von den Wandgemälden müssen namentlich die 12 Apostel, welche über den Arcadenbögen mehr als lebensgroß angebracht waren, von Kunstwerth gewesen seyn, was noch einige schwache unter der Tünchung hervorstechende Umrisse sichtlich nachweisen. Es wäre wohl der Mühe und der Kosten werth, wenigstens von einigen dieser Bilder die Übertünchung wegnehmen und sie wieder herstellen zu lassen. – Sonst hat die Kirche in ihrem Innern nichts Interessantes. Die weißen Wände dieses, seines früheren Schmucks gänzlich beraubten Tempels sind kahl und kalt und nur die Großartigkeit, verbunden mit der einfachen, alterthümlichen Architektur desselben, sowie der Gedanke, hier einen bald 800jährigen Bau vor Augen zu haben, vermögen noch den Beschauer in eine tiefe ernste Stimmung zu versetzen. An der nördlichen Seite ist die massive mit einem Kreuzgewölbe versehene Sacristei angebaut, in der 2 im Renaissancestyl gehaltene Kästen bemerkenswert sind. Das Äußere der Kirche ist ebenso einfach wie das Innere, die glatten Wände des Schiffs haben außer den Rundbogenfriesen unter den Dachgesimsen, keine Verzierungen. An den Dachfriesen der Absiden fehlen diese Rundbögen und nur eine schmale Verzierung von neben einander gestellten, die Ecke gegen Außen gekehrten Würfeln ziehen unter diesen hin. Dagegen laufen Halbsäulen an ihnen hinauf, welche | blinde Arcaden über den Fenstern und über den dazwischen liegenden leeren Räumen tragen. An einer der Nebenabsiden befindet sich ein spitzbogiger Eingang, über dem die Zahl 1576 eingehauen ist, die ohne Zweifel das Jahr angibt, in welchem diese Thüre eingebrochen wurde; zu dieser Zeit mögen auch die Rundbogenfenster der mittleren Absis in spitzbogige verwandelt worden seyn. Die Giebelseite des Mittelschiffs ragt über die Halbkuppeln der Absiden namhaft hervor und hat außer einem vertieften griechischen Kreuz in dem stumpfwinkligen Giebelfelde keine Verzierungen. An der vorderen, westlichen Giebelseite, wo in dem Giebelfelde das gleiche Kreuz angebracht ist, befindet sich der ursprüngliche Haupteingang, ein rundbogiges Portal, dessen Gewände sich in schmucklosen rechten Winkeln abstufen. An der südlichen Seite des Langhauses steht ein massiver Anbau mit zwei Stockwerken, von denen das untere mit einem rippenlosen Kreuzgewölbe bedeckt ist. Durch diese Vorhalle, die ehemals als Taufkapelle diente, gelangt man zu einem spitzbogigen in die Kirche führenden Eingang. Obgleich dieser Eingang einer spätern Periode angehört, so scheint doch, daß sich die hölzerne Thüre mit sehr schön gearbeitetem Broncebeschläg noch aus der romanischen Periode erhalten habe. Das obere Stockwerk mit flacher Decke hat an der Ostseite eine Nische. Der massive viereckige Thurm mit einem hohen sechsseitigen Zeltdache hat von unten heraus nur schußschartenartige Lichtöffnungen, in den obern Stockwerken aber rundbogige Fenster, welche theils zugemauert, theils verändert wurden. Er stand ursprünglich frei von der Kirche und sein 25′ über der Erdfläche angebrachter Eingang scheint von dieser aus entweder gar nicht, oder nur durch eine Brücke zugänglich gewesen zu seyn. Später wurde der Raum zwischen Kirche und Thurm ausgefüllt und beide sind nun durch einen gemauerten Gang in Verbindung gesetzt. Auf dem Thurme hängen 4 Glocken, von denen die größte folgende Inschrift hat: „anno domini 1450 Lucas. Marcus. Mateus. Johannes.“ Zwei weitere tragen ebenfalls die Namen der vier Evangelisten, jedoch ohne Jahreszahl, sie scheinen übrigens nach den Schriftzügen noch älter zu seyn, als erstere. Auf der vierten steht „Sindelfingen 1798.“[3] Die Baulast der Kirche hat die Gemeinde und die Stiftungspflege je zur Hälfte zu tragen. An die westliche Ecke der Pfarrkirche ist das ehemalige Chorherrnstift, das später als Oberamteigebäude diente und gegenwärtig Sitz des Cameralamts ist, angebaut.| Nördlich der Kirche steht der herrschaftliche Fruchtkasten (ehemals Klosterkasten), ein großer massiver Bau, dessen hohes Dach die übrigen weit überragt. Westlich von dem Fruchtkasten befindet sich die von Holz erbaute Zehentscheuer; diese und noch einige andere früher zum Kloster gehörigen Gebäude sind nebst dem Klosterhof und dem ausgedehnten Klostergarten mit einer meist noch erhaltenen Mauer umfriedigt und zeugen genügend von der Bedeutung und Wohlhabenheit des ehemaligen Chorherrnstifts. [4]

Außer den schon angeführten Klostergebäuden sind ebenfalls Eigenthum des Staats: 1) das in der Vorstadt an der Straße von Böblingen nach Maichingen gelegene Stadtpfarrhaus, ein altes, schon 1579 um 1400 fl. erkauftes Gebäude; 2) das gut eingerichtete Diaconathaus, welches früher zu den Klostergebäuden gehörte, und frei und angenehm ganz in der Nähe der Kirche steht. Eine zweite massiv gebaute Zehentscheuer befindet sich am obern Thor und eine dritte nebst Fruchtkasten (früher Universitätsscheuer) in der unteren Gasse.

Von Gemeindegebäuden sind zu nennen:

1) Das Rathhaus, 1843/44 im modernen Rundbogenstyl auf der Stelle des frühern Begräbnißplatzes neu erbaut. Das massive dreistockige Gebäude ist eine besondere Zierde der Stadt und wird wohl unter den Rathhäusern des Bezirks die erste Stelle einnehmen. Im sogenannten Bürgersaale ist ein gutes Ölgemälde ausgehängt, welches früher unbeachtet in der Kirche lag; es enthält die Brustbilder der regierenden Herzoge von Württemberg von Eberhard im Bart bis Eberhard III. In demselben Saale befinden sich 5 ziemlich gute Glasgemälde, welche von dem alten Rathhause dahin gebracht wurden. Sie sind aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und enthalten das Sindelfinger Stadtwappen, das Wappen eines Thomas Löcher von Baberg, ferner die Abzeichen der Bauern, der Weingärtner und der Töpfer.

2) Das Schulhaus, 1790 in der Nähe der Kirche erbaut; in ihm befinden sich die lateinische, die Real- und die lateinische Elementarschule, ferner 4 deutsche Schulzimmer, die Wohnungen des Präceptors und des Elementarlehrers.

3) Das alte Rathhaus, in welchem gegenwärtig 2 Schulzimmer und die Wohnungen für 2 Unterlehrer eingerichtet sind, liegt mitten in der alten Stadt; es wurde nach einer an der südwestlichen Ecke angebrachten Jahreszahl 1478 erbaut und trägt noch das entschiedene Gepräge eines mittelalterlichen Gebäudes.| Das untere steinerne Stockwerk hat zwei spitzbogige Eingänge, von denen die eichene Thüre des südwestlichen mit gutem Schnitzwerk verziert ist. Die obern Stockwerke zeigen einen äußerst soliden Eichenholzbau und zwischen dem nicht übertünchten, schön gefügten Gebälke noch Spuren von ehemaliger Bemalung. Im Innern ist noch die alte Einrichtung so ziemlich geblieben, auch die Küche und der Tanzboden, auf dem früher die Tänze bei Hochzeiten und bei dem sogenannten Kuchenritt (s. u.) abgehalten wurden, sind noch vorhanden. Ein Nebenhaus, das zum Rathhaus gehörte und durch einen bedeckten Gang mit demselben verbunden ist, wurde nach einer in das solide eichene Gebälk eingesetzten Jahreszahl 1592 erbaut und trägt ebenfalls schöne Spuren von blumenreicher Tünchung.

4) Dem alten Rathhaus gegenüber steht das frühere Amthaus.

5) Das öffentliche 1838/39 erbaute Backhaus enthält im untern Stock 5 Backöfen, im zweiten 3 Zimmer für die Industrie-und Kleinkinderschule.

6) An der Schwippe in der untern Vorstadt baute die Gemeinde 1837 ein öffentliches Waschhaus mit 6 Kesseln.

7) Ein Armenhaus steht in der Vorstadt; der Farrenstall im Klosterhof.

Von Privatgebäuden sind besonders hervorzuheben: das Gasthaus zum Schwanen, die Apotheke von Selzlin und das Fabrikgebäude von Heid und Spring.

Nach der Sage soll das Kaufmann Neef’sche Haus ein Nonnenkloster gewesen seyn, was übrigens unrichtig zu seyn scheint, da Sindelfingen nie ein Nonnenkloster, dagegen aber ein Benedictinerkloster hatte; letzteres mag in dem Neef’schen Hause, dem man das Klösterliche wohl ansieht, bestanden haben. Noch geht ein unterirdischer Gang von dem Keller des ehemaligen Chorherrnstifts bis zu dem Keller des Neef’schen Hauses, der sowohl an seinem Anfang als an seinem Ende noch sichtbar ist und überdieß an mehreren anderen Stellen noch nachgewiesen werden kann.

Der Begräbnißplatz lag früher an der Kirche; er wurde noch bis 1810 für Honoratioren und andere Personen, welche hier Begräbnisse hatten, benützt; der Hauptbegräbnißplatz befand sich seit 1595 am östlichen Ende der Stadt, mußte aber wegen Mangels an Raum verlassen werden. Es wurde daher ein neuer weiter östlich gelegener im Jahr 1826 angelegt und 1843 so namhaft erweitert, daß er gegenwärtig 21/4 Morgen im Meß hält. Von dem früheren Hauptbegräbnißplatz ist nun ein Theil durch das Rathhaus überbaut und der übrige Theil als Baumschule benutzt.

| Mit gutem Trinkwasser, welches aus 2 laufenden und 16 Zieh-Brunnen gewonnen wird, ist die Stadt hinreichend versehen. Von den laufenden Brunnen befindet sich der eine im Klosterhof, der andere, der vierröhrige Marktbrunnen mit dem lebensgroßen,

steinernen Standbilde Herzog Ulrichs, in der Vorstadt an der Maichingerstraße.[5] Im Jahr 1831 wurde ein artesischer Brunnen erbohrt, der sehr gutes Wasser liefert, übrigens nicht ganz zu Tage geht und deßhalb als Ziehbrunnen benützt werden muß. Hinsichtlich des Mineralbrunnens im Klosterhof verweisen wir auf den allgemeinen Theil. Überdieß fließt noch durch die untere Vorstadt die Schwippe und an der östlichen Seite der Stadt der Sommerhofenbach, welcher hinter dem ehemaligen Klostergarten zu einem 5 Morgen 7 Ruthen großen Weiher geschwellt wird. Früher gehörte der See zum Kloster, jetzt ist er Eigenthum des Seemüllers, der ihn als Reservoir für seine Mühle benützt und Karpfen und Hechte in demselben zieht.

Die sehr namhafte Markung der Stadt hat von Osten nach Westen eine Länge von 31/4 Stunden und beinahe durchgängig eine Breite von 11/4 Stunden. S. Tabelle Nr. II. Die Feldgüter sind mit Ausnahme der östlich und südöstlich von der Stadt gelegenen, meist eben und haben im Allgemeinen einen sehr fruchtbaren, tiefgründigen Diluviallehmboden; nur die Vorberge der Keuperterrasse, wie die Burghalde, der Goldberg, die unteren Gehänge des Marterthals etc. zeigen häufig einen magern Keupermergel oder einen schweren, etwas kalten rothen Thonboden. In den wiesenreichen Thalgründen lagert Torf und Moor. Das Klima ist gesund aber ziemlich rauh, scharfe, vom Schwarzwald herziehende Winde sind häufig und durch das Marter- und das Sommerhofen-Thal werden stets etwas heftige Luftströmungen erhalten. Frühlingsfröste schaden daher nicht selten den Obstbäumen und den feineren Gewächsen; die Erntezeit tritt um 6–8 Tage später ein, als in der Umgegend. Hagelschlag kommt selten vor.

Auf der Markung wird im sogenannten Spitzholz grobkörniger Keupersandstein gebrochen, welcher überhaupt, besonders in den Stadtwaldungen häufig ansteht und nöthigen Falls abgebaut werden könnte. Töpferthon gräbt man in den Gemeindewaldungen, und Lehm für die Ziegelei zunächst der Stadt. Von besonderer Erheblichkeit ist aber der Torf, welcher in einem sanft eingeteichten Wiesengrund 1/4 Stunde westlich der Stadt abgebaut wird.| Schon im Jahr 1626 hat der berühmte Baumeister Schickhard von Herrenberg zu Sindelfingen Torf stechen lassen (s. Württ. Jahrbücher Jahrg. 1819 S. 285) und zu diesem Ende einen besondern Kalkofen und ein großes Haus erbaut. Aber schon 1630 hörte man mit dem Torfstechen auf und richtete den Platz wieder zu Wiesen her. Erst 1766 wurde eine Deputation abgeordnet, welche das Torflager durch Abbohren aufs Neue untersuchte (s. Württ. Jahrb. 1818 S. 253) und das Ergebniß so günstig fand, daß man noch in demselben Jahre mit Schwenninger Arbeitern den Torfstich auf herrschaftliche Rechnung anfing. Das Unternehmen wollte übrigens bei den damaligen wohlfeilen Holzpreisen nicht rentiren, demungeachtet wurde der Stich fortbetrieben und endlich die Torfgrube mit der Bedingung verpachtet, daß der Torf um einen gewissen Preis in die K. Gärtnereien geliefert werden mußte. Später stellte man den Betrieb der Grube unter die Aufsicht eines eigenen Inspektors und endlich im Jahr 1845 überließ der Staat den 266/8 Morgen großen Stich der Stadtgemeinde Sindelfingen um 17.850 fl. 9 kr. Der Torf, welcher im Durchschnitt 6–10 Schuh mächtig und sehr gut ist (über dessen Bestandtheile s. den allgem. Theil) findet das Tausend zu etwa 1 fl. 36 kr. – 1 fl. 40 kr. in der Umgegend, besonders in Stuttgart, Hohenheim und Böblingen Absatz. Die jährliche Ausbeute betrug früher im Durchschnitt etwa 800.000, gegenwärtig nur noch 400.000 Wasen. Ungefähr 10 Taglöhner und 20–30 Kinder finden auf dem Stich Beschäftigung und Verdienst.
Einwohner und Nahrungsstand.

Die Stadt Sindelfingen hatte nach der neuesten Liste auf den 3. Decbr. 1848 – 4310 Orts-Angehörige, und zwar 2124 männliche und 2186 weibliche. Am 3. Decbr. 1846 betrug die Zahl derselben 4305 (2114 männliche, 2191 weibliche), welche mit Ausnahme von 6 Katholiken sämmtlich dem evangelischen Bekenntnisse angehören. Davon waren damals abwesend 597, dagegen Fremde anwesend 235, mithin belief sich die Zahl der Ortsanwesenden auf 3943. Die Anzahl der Familien war 1846 865, die der Ehen 705. Es kamen daher damals auf 1 Ehe 6,1, auf 1 Familie 5,0 Angehörige.

In dem Jahrzehnd von 1836/46 zählte man im Durchschnitt jährlich 181,2 Geburten, worunter 15,4 uneheliche. Es treffen hienach auf 1000 Einwohner 44,5 Geburten (oder 1 Geburt auf 22,5 Einwohner). Unter 100 Geburten waren 8,5 unehelich, oder die Unehelichen verhalten sich zu den ehelichen wie 1 : 10,8.

Gestorben sind hier jährlich, nach dem erwähnten Durchschnitt| 131,3 wonach auf 1000 Einwohner 32,3 Todesfälle kommen (oder 1 Todesfall auf 31,0 Lebende) und zwar treffen auf 1000 Personen männlichen Geschlechts 31,9, auf eben so viele weiblichen Geschlechts 32,6 Sterbefälle. Auf 100 Sterbefälle kommen 138 Geburten.

Der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung betrug in dem Jahrzehend 1836/46 499 und zwar 236 männliche, 263 weibliche Personen. Die Abnahme durch Auswanderung betrug 53 (es sind 62 männliche mehr aus-, dagegen 9 weibliche mehr eingewandert). Der Zuwachs überhaupt belief sich hier auf 460 (170 männl., 290 weibliche).

Übersechzigjährige Leute zählte man hier am 3. Dec. 1846 371 (193 männliche, 178 weibliche); es kommen daher auf 1000 Einwohner 86 dieser Altersklasse, während auf eben so viel im Bezirk 70 und im ganzen Lande 76 kommen.[6]

Ausgezeichnete Sindelfinger sind:

Heinrichmann, Jak., geb. 1482, Kanzler und Generalvicar der Augsburger Bischöfe Christoph und Otto, auch als Schriftsteller bekannt, namentlich durch seine institutiones grammaticae. Er starb 1561. (Braun Gesch. der Bisch. von Augsburg 3, 599.)

Gros, Karl Heinr., geb. den 10. November 1765, Sohn des hiesigen Helfers. Ursprünglich Theologe und nach vollendeten Universitätsjahren 1788 Instructor des jetzigen Königs Wilhelm und des Prinzen Paul, studirte er 1793 noch die Rechte, wurde 1796 Professor derselben in Erlangen, 1802 Landschaftsconsulent, 1804 abermals Professor in Erlangen, 1817 wieder in sein Vaterland zurückberufen, wo er bald zum geheimen Rath befördert wurde, welche Stelle er bis zu seinem Tod (1840, November 9.) bekleidete. Er war ein guter Patriot und vortrefflicher Lehrer; als Schriftsteller machte er sich durch sein Naturrecht einen Namen. (Schmidtlein, Vita C. H. Grosii Erlang. 1843 4°.)

Schott, Christian Friedrich Albert, geb. den 30. April 1782, Sohn des dortigen Oberamtmanns, Procurator bei dem K. Obertribunal in Stuttgart, durch seine Thätigkeit als ständischer Abgeordneter, überhaupt durch sein politisches Wirken zuletzt als| Parlamentsmitglied, auch außerhalb seines engeren Vaterlandes bekannt (s. Conversationslexikon der neuesten Zeit).

Die Einwohner sind im Allgemeinen fleißig, eingezogen und gut geschult; ihre Vermögensumstände gehören zu den mittelmäßigen, es gibt wenige Reiche, aber auch wenige Bettler. Feldbau, Viehzucht, Weberei und etwas Holzhandel bilden die Hauptnahrungsquellen.

Die Landwirthschaft wird gut betrieben und hebt sich täglich mehr; neue zweckmäßigere Pflüge sind allgemein und gut eingerichtete Düngerstätten finden immer mehr Eingang. Außer dem gewöhnlichen Dünger wird zur Erhaltung und Verbesserung des Bodens häufig die Jauche, ziemlich viel Torfasche und etwas Gyps angewendet. Im üblichen Dreifeldersystem baut man Dinkel, Hafer, Gerste, Roggen, Weizen und Einkorn. Zur Aussaat rechnet man pr. Morgen 8 Simri Dinkel, 6 Simri Hafer, 3–4 Simri Gerste, 4 Simri Roggen, 4 Simri Einkorn und eben so viel Weizen; der durchschnittliche Ertrag wird pr. Morgen zu 7–8 Scheffel Dinkel, 5 Scheffel Hafer, 3–4 Scheffel Gerste, 31/2 Scheffel Roggen, 4 Scheffel Weizen und 5–6 Scheffel Einkorn angegeben. In der zur Hälfte angebauten Brache werden Kartoffeln, Futterkräuter, Angersen und etwas Hanf gezogen; überdieß baut man noch in besonderen Ländern Kraut und Hanf. Die Bierbrauer ziehen in neuerer Zeit mit gutem Erfolg Hopfen, den sie selbst verbrauchen. Dinkel und Hafer kommt theilweise auswärts zum Verkauf. Die geringsten Ackerpreise sind 80 fl., die mittleren 200 fl. und die höchsten 350 fl. pr. Morgen. Die Wiesen können nicht bewässert werden und geben im Durchschnitt beim ersten Schnitt 20–24 Centner, beim zweiten 10–12 Centner gutes Futter pr. Morgen. Eine Ausnahme machen die Torf- und Moor-Gründe, welche meist saures Futter erzeugen. Ihre Preise bewegen sich von 100–350 fl. pr. Morgen. An den Freßbergen, in der obern und untern Halde wurde früher auf etwa 60 Morgen Weinbau getrieben, der vor 70 Jahren einging. Im Jahre 1801 legte man wieder 5 Morgen Weinberg an, die erst 1810 (weil sie bis dahin erfroren waren) ungefähr 11/2 Eimer ertrugen, dagegen 1811 10 Eimer ganz gutes Gewächs lieferten. Da aber die Reben von dem damaligen starken Wildstand sehr beschädigt wurden und überhaupt kein gutes Fortkommen zeigten, so ließ man sie 1820 abermals eingehen und hat seitdem keinen weiteren Versuch mehr gewagt. Sindelfingen hatte eine eigene Kelter, die neben dem Schafhaus stand. Die Obstzucht, welche sich nur mit Mostsorten und etwas Zwetschgen beschäftigt, ist unbedeutend, da die häufigen Frühlingsfröste und die rauhe Zugluft störend auf sie einwirken. Die| Gemeinde besitzt 52165/8 Morgen Waldungen, die mit Ausnahme einiger jüngeren Nadelholzkulturen mit Laubhölzern bestockt sind. Mehrere Bestände leiden noch an den Folgen früherer allzu großer Wildfuhr und nachlässiger Bewirthschaftung, dagegen sind einzelne Hochwaldbestände musterhaft schön. Ihre gegenwärtige Bewirthschaftung ist gut und einem eigens von der Stadt aufgestellten Förster anvertraut, der die verwahrlosten Plätze täglich mehr in Aufnahme zu bringen sucht. Die Mast wurde 1843 dem Staat um 150 fl. abgekauft.

Was die Viehzucht betrifft, so ist die der Pferde keine eigentliche zu nennen, dagegen ist die Rindviehzucht von bedeutender Ausdehnung; sie beschäftigt sich mit einer guten Landrace, welche durch 9 von der Gemeinde gehaltene Farren gezüchtet und verbessert wird. Der Handel mit Vieh ist besonders auf den Viehmärkten im Ort ziemlich namhaft. Etwa 600 Stücke Bastardschafe führt ein Schäfer auf fremde Weide, da die Schafweide auf der Stadtmarkung seit 1842 aufgehoben ist. Die Wolle kommt in der Nachbarschaft und auf dem Kirchheimer Wollenmarkt zum Verkauf. Die Schweinezucht hebt sich neuerer Zeit etwas; es befinden sich gegenwärtig in der Stadt 2 Eber und 10 Mutterschweine, außer diesen werden viel Bayerschweine aufgekauft, gemästet und meist im Ort selbst verbraucht.

Gewerbe. Von den Gewerben steht oben an die Seidenfabrik von Heid und Spring, welche auf etwa 50 Stühlen mit Jacquardmaschinen alle mögliche Seidenfabrikate, hauptsächlich Kleiderstoffe, Schirmzeuge etc. verfertigt und zum großen Nutzen der Gemeinde 40–50 Ortsangehörigen Arbeit und Lohn verschafft. Der Absatz der Fabrikate geht sowohl in das In- als auch in das Ausland. In der Vorstadt steht an der Schwippe die Rößlesmühle und an der östlichen Seite der Stadt liegen am Sommerhofenbach die See- und die Bleich-Mühle; sie haben je 2 Mahlgänge und 1 Gerbgang, welche übrigens nicht selten wegen Mangels an Wasser stille stehen.[7] Eine Ziegelei, die für die Stadt und die nächsten Nachbarorte brennt, befindet sich in der Vorstadt. Schildwirthschaften sind 9 vorhanden, unter diesen 3 mit Bierbrauerei; eine weitere Brauerei besteht neben einer Gassenwirthschaft.

Die Handwerker dienen meist nur dem örtlichen Bedürfnisse, eine Ausnahme machen die Weber, welche zum Theil nach Eßlingen, Plieningen, Hechingen, Mühringen und Carlsruhe ihre| Fabrikate liefern, sie arbeiten meist auf Bestellung und verfertigen besonders Bett- und Kleider-Zeuge, Teppiche, Tischzeug etc. Mehrere arbeiten auf den Handel und kaufen noch Leinwand auf; einen sehr ausgedehnten Leinwandhandel treibt Christian Burger, der auch Lieferungen für das Königliche Militär übernimmt. Messerschmied Grieb versendet seine sehr guten Arbeiten, unter denen sich namentlich chirurgische Instrumente befinden, häufig nach Außen.

Der active Handel beschränkt sich auf vorgenannte Industrieprodukte, ferner auf Holz, Früchte, Heu und Torf. Die Durchfuhr besteht besonders in Holz, Brettern und Kohlen, die vom Schwarzwald in das Unterland gehen. Eingeführt werden hauptsächlich Colonial- und Specerei-Waaren.

Die neueste Gewerbeliste führt folgende selbstständige Gewerbe auf:

   M.    G.          M.    G.
Apotheker 1 1 Metzger 8 2
Barbiere 2 Musiker 2
Baumwolleweber 46 32 Mühlen 6 14
Beindrechsler 1 2 Nadler 1
Bierbrauer 4 Nagelschmiede 6 5
Bortenwirker 1 Pflästerer 7
Branntweinbrenner       17 Rothgerber 5 2
Brodbäcker 34 Sattler 4
Buchbinder 3 1 Schäfer 1 1
Fabriken 1 2 Schildwirthschaften 9
Färber 4 4 Schneider 18 7
Feldmesser 1 Schlosser 8 3
Flaschner 2 1 Schreiner 10 4
Glaser 4 1 Schuhmacher 36 11
Hafner 5 2 Seckler 4
Handlungen 14 7 Seiler 5 2
Hauderer 6 2 Seifensieder 1
Holzdrechsler 5 1 Siebmacher 1
Hufschmiede 6 3 Speisewirthe 5
Hutmacher 1 Steinhauer 3 2
Ipser 1 1 Strumpfweber 5
Kammmacher 1 Tuchmacher 4 1
Kartenmacher 1 Uhrenmacher 1 1
Keßler 1 Wagner 5 2
Kleinhändler 18 Wein-, Bier-, Brannt-
Kübler 4  wein- und Obstmost-
Küfer 5 3  Schenken 12
Kornmesser 2 Ziegler 3 2
Kupferschmiede 3 Zimmerleute 4 7
Leineweber 238 111 Zuckerbäcker 2 2
Lohnmetzger 7 —————
Maurer 15 7       Zusammen 635 249
Messerschmiede 5
| Da der Gesammtgewerbesteueranschlag für Sindelfingen am 1. Juli 1848 1253 fl. 6 kr. betrug, so kommt auf ein Gewerbe im Catasteransatz 1 fl. 581/2 kr. Die Gewerbesteuer betrug 771 fl. oder für einen Gewerbetreibenden durchschnittlich 1 fl. 123/4 kr.

Die Märkte (8 Viehmärkte, von denen 4 mit Krämermärkten) sind ziemlich stark besucht, besonders wird der Handel mit Vieh lebhaft betrieben. Ein Wochenmarkt wird jeden Samstag abgehalten.

Gemeinde- und Stiftungs-Haushalt. Die Finanzen der Gemeindecorporation sind geordnet; unter den Einwohnern wird nicht nur kein Stadtschaden umgelegt, sondern es werden auch die Amtsschadens- und Amtsvergleichungs-Kosten aus der Stadtkasse bestritten. Ihre Revenuen fließen hauptsächlich aus den ansehnlichen Waldungen, die jährlich 896 Klafter und 59.000 Stück Wellen abwerfen. Hievon erhält jeder Bürger 1/2 Klafter und 50 Stück Wellen, der Rest wird im Durchschnitt für 8000 fl. verkauft. Aus Gemeindegütern kommen in die Stadtcasse jährlich etwa 2500 fl. und der reine Ertrag des Torfstichs mit den dazu gehörigen verpachteten Wiesen beträgt immerhin 1000 fl. Überdieß hat die Stadt über Abzug der Passiva noch 12.000 fl. Capitalien.

Die Stiftungspflege, welche etwa 13.000 fl. Vermögen besitzt, leidet an einem Deficit, das die Stadtcasse jährlich mit etwa 1200 fl. deckt. An Stiftungen sind vorhanden: eine Brodstiftung, nach welcher der Staat jährlich den Ortsarmen 21 Scheffel 1 Simri 3 Vierling Dinkel und 5 Scheffel 7 Simri 2 Vierling Roggen nebst 23 fl. 48 kr. reicht. In Folge der Theuerung ist 1847 eine Brodstiftung für Arme ins Leben getreten, deren Fonds gegenwärtig 160 fl. beträgt. Eine besonders verwaltete Stiftung von 10.000 fl. ist die, welche Christian Friederich Reif im Jahr 1812 mit der Bestimmung machte, daß ihre Zinse alljährlich theils an seine Verwandte, theils an Ortsarme ausgetheilt werden sollen.

Als Wappen führt die Stadt die 3 württembergischen Hirschhörner, schwarz im weißen Felde.

Der große Zehente auf hiesiger Markung steht theils dem Staat Namens der Universität Tübingen, theils der Stiftungspflege Sindelfingen zu. Aus eigenem Rechte hat der Staat nur einige Particularzehenten, sowie den kleinen Zehenten zu erheben.

Grundherrliche Gefälle beziehen die Universität Tübingen, sowie die Stadt und Stiftungspflege Sindelfingen.

Kirchliche und Schul-Einrichtungen. An der Parochie, zu der keine Filialien, sondern nur die Stadt mit ihren Parcellen Gold- und Rieth-Mühle gehören, stehen ein Stadtpfarrer und ein Helfer. Das Patronat beider kirchlichen Stellen| ist landesherlich. Die Einführung der evangelischen Lehre fällt mit der allgemeinen Reformation des Landes zusammen; als erste evangelische Stadtpfarrer führt Binder an: vor dem Interim Martin N. 1540–45, Joh. Beck 1545–48, Alb. Messerschmid 1548. Unter und nach dem Interim Jacob Bengel 1549–50. Die Reihe der Diacone beginnt mit Jacob Kappler 1557–90.

Von Schulanstalten befinden sich in Sindelfingen:

1) Eine combinirte lateinische und Real-Schule, bestehend aus a) einer Präceptoratsklasse, b) einer Realschule und c) einer lateinischen Elementarschule, je mit einem Lehrer.

2) Von deutschen Schulen: 1 Knaben-, 1 Mädchen-, 2 Mittel- und 2 Elementar-Schulen mit 2 Schulmeistern und 4 Unterlehrern. Eine lateinische Schule besteht in Sindelfingen seit etlichen Jahrhunderten, sie erhielt 1601 einen eigenen Präceptor (Jacob Kaufmann). Vorher waren die Diaconi zugleich Präceptoren und Schulmeister. Der jeweilige Präceptor ist zugleich Vicar an der Pfarrkirche.

Eine Industrieschule wurde 1827, eine Kleinkinderschule 1837 errichtet.

Wohlthätigkeits-Anstalten und Vereine. Außer den schon angegebenen Brodstiftungen besteht ein Armenhaus und ein Frauenverein zur Unterstützung Unbemittelter. Eine städtische und eine Privat-Leihkasse und zwei Liederkränze sind vorhanden; eine Bürgerwehr ist 1848 ins Leben getreten.

Anstalten für den Verkehr. Ein Omnibus geht wöchentlich drei Mal nach Stuttgart und außer diesem noch zwei fahrende Boten. Vicinalstraßen führen nach Böblingen, Vaihingen, Darmsheim, Maichingen und nach Leonberg; letztere ist ein Theil der ehemaligen Poststraße von Stuttgart über Sindelfingen nach Böblingen und Herrenberg. Sie ging im Jahr 1810/11 ein und wurde, mit Umgehung von Sindelfingen, von Stuttgart über Vaihingen nach Böblingen geführt, was der Stadt sehr zum Nachtheil gereichte. Um diesen Verlust einigermaßen zu ersetzen, legte die Gemeinde eine Vicinalstraße nach Vaihingen an und brachte noch überdieß namhafte Opfer für die Ausführung dieser Straße auf Vaihinger Markung. Hiedurch erhielt die Stadt, namentlich in der Badezeit, einen lebhafteren Verkehr, der ihr aber durch die in neuester Zeit angelegte Straße von Vaihingen nach Böblingen abermals geschmälert wird.

Auf der Markung befinden sich 5 steinerne Brücken, 1 innerhalb, die übrigen außerhalb der Stadt.

Zu der Stadt gehören: b) die Goldmühle, 1/4 Stunde südöstlich von Sindelfingen am Goldbach gelegen, der hier 2 Mahlgänge| und einen Gerbgang treibt, übrigens öfters wegen Mangels an Wasser seinen Dienst versagt.

c) Die Riethmühle liegt eine ½ Stunde südwestlich von der Stadt am Rande eines weit gedehnten moorigen Wiesengrunds (Ried), daher ihr Name. Sie hat 2 Mahlgänge und 1 Gerbgang, die das ganze Jahr hindurch von der Schwippe in Thätigkeit erhalten werden.

Auch in der Gegend um Sindelfingen hatten sich die Römer an mehreren Punkten wohnlich niedergelassen, was entschiedene, von ihnen noch zurückgebliebene Spuren hinlänglich nachweisen (s. hierüber den allgemeinen Theil). Von besonderer Erheblichkeit muß die römische Niederlassung „auf Aldingen,“ nur einige 100 Schritte südlich von Sindelfingen, gewesen seyn, da gerade auf dieser Stelle mehrere Straßen zusammenlaufen, was die Wichtigkeit des Wohnplatzes am sichersten beurkundet. Schon die Benennung Aldingen (Altingen) deutet auf ein hohes Alter hin und scheint hier ganz analog zu seyn mit Altenburg bei Canstatt, wo bekanntlich eine ausgedehnte römische Niederlassung stand. Zunächst Aldingen, auf Hurnach, fand man ebenfalls Überreste aus der Römerzeit und nordwestlich an Hürnach angrenzend lag der längst abgegangene Ort „Ensingen,“ der ohne Zweifel auch römischen Ursprungs ist. Weitere Spuren von römischen Wohnorten wurden entdeckt: auf dem Flurdistrikte „Todwar“ ¾ Stunden westlich von Sindelfingen und beim sogenannten „Schelmenthörle“ ½ Stunde nördlich der Stadt, letztere Stelle liegt übrigens schon auf Maichinger Markung. Außer diesen Punkten haben sich auf der Markung noch mehrere Flurbenennungen erhalten, die auf ehemalige Wohnplätze schließen lassen, von denen übrigens, da alle Spuren aus früherer Zeit bis jetzt fehlen, nicht nachgewiesen werden kann, in welcher Periode sie bestanden haben; z. B. ½ Stunde nordwestlich von Sindelfingen „Hinter Weil“ östlich von dieser Stelle „zu Sommerhofen,“ westlich von Aldingen „Hofstetten“ und endlich deutet der erst vor kurzem abgegangene Hinterlinger See auf einen Wohnort Namens Hinterlingen hin. Unfern dieses Hinterlinger Sees befinden sich in den Fuchsbergen mehrere Grabhügel, die nach den Untersuchungen des Verfassers für germanisch erklärt werden müssen; ähnliche Grabhügel kommen nicht weit von dieser Stelle auch in der Winterhalde vor, wir dürfen daher hier eher einen Wohnplatz aus der früh alemannischen Zeit vermuthen. Vor etwa 10 Jahren wurde auch in der Stadt ein altes, in den Lehm eingesetztes Steingrab aufgedeckt, das ein männliches Gerippe mit starkem Knochenbau enthielt, an dessen Armknochen in der Nähe der Handwurzel broncene Ringe waren.

| Sindelfingen gehörte in frühester Zeit zur Grafschaft Calw und war einer der Sitze dieser Grafen.

Vor Errichtung des Stiftes und Erweiterung des Ortes zu einer Stadt stund hier eine Burg, auf welcher Graf Adalbert Arinbart von Calw († 1099) mit seiner Gemahlin Wiltrud von Bouillon wohnte. Nach einem in dieser Zeit öfters vorkommenden Brauche ließen diese um 1059 die Veste abbrechen und errichteten dafür ein Benediktinerkloster. Der Ort selbst, so weit er nicht an dieses Kloster vergabt wurde, nebst Umgebung blieb noch fortwährend calwisch, für die Grafenfamilie wurde ein neuer Wohnsitz hier aufgerichtet.

Ums Jahr 1133, bei dem Streite Graf Adelberts von Calw mit dem Gemahl seiner Base Uta, Herzog Welf VI., über das calwische Hauserbe, wovon Herzog Welf die Hälfte ansprach, hatte der letztere die damalige Burg Sindelfingen in Besitz genommen, wurde aber darin von Adelbert überfallen und mußte fliehen, während Sindelfingen niedergebrannt wurde. (Stälin Wirt. Gesch. 2, 371.) Bald darauf gelangte indeß dieser Welf wieder in den Besitz Sindelfingens; auch sein Sohn, Welf VII., verfügte über hiesige Güter, er verschenkte wenigstens drei Höfe an das Kloster Weingarten. (Hess Mon. Guelf. 148.) Diese welfischen Besitzungen gingen als bald sich consolidirendes Lehen an die Pfalzgrafen von Tübingen über, denn schon 1243 besaßen diese die hiesige Schutzvogtei, was Haug zu Chron. Sindelfingen. 43 aus der Urkunde Pfalzgraf Rudolfs von 1243 Jan. 6. bei Bürgermeister Cod. dipl. equestr. 2, 236 folgert, nach welcher dieser Bertholden von Neuhausen seinen Hof dem Stift Sindelfingen zu übergeben erlaubt. Von Pfalzgraf Götz von Tübingen († 1316) kam Sindelfingen an seinen Tochtermann Ulrich von Rechberg, von welchem es im Jahre 1326 der gleichnamige Sohn bei der Theilung der väterlichen Güter erhielt. Von diesem kaufte die Stadt Graf Ulrich von Württemberg und Johann von Rechberg, des jüngern Ulrichs Bruder, im November 1351 für 5000 fl.; der Graf von Württemberg erhielt zugleich das Versprechen, daß er auch den Antheil Johanns von Rechberg nach dessen Absterben (welches bald erfolgte) erhalten solle. (Sattler Grafen 1, 160.)

In württembergischer Zeit hatte Sindelfingen das Schicksal ein paarmale vorübergehend weggegeben zu werden; im Jahre 1365 überließ Graf Eberhard von Württemberg die Stadt nebst der Burg Zavelstein lebenslänglich zu einem Leibgeding dem Grafen Götz von Tübingen, Graf Götz gab jedoch solche im Jahre 1369 wieder an Graf Eberhard zurück, sich bloß eine jährliche Leibrente ausbedingend; das anderemal, im Jahre 1410 wurde| sie an Egnolf von Falkenstein für 2000 fl. verpfändet. (Steinhofer 3, 355. 612.)

Gleich Böblingen (s. oben) wurde Sindelfingen mehrmals (1394, 1436, 1483) württembergischen Fürstinnen als Widem verschrieben.

Zur Stadt, mit gleichen Rechten wie Tübingen, wurde Sindelfingen erhoben durch Pfalzgraf Rudolf von Tübingen im April 1263 (Crusius Paral. 37); König Rudolf ertheilte hierüber am 1. März 1274 seine Bestätigung (Senkenberg Sel. jur. et hist. 2, 223). Im Jahre 1266 wurde der Stadtgraben angelegt; ins Jahr 1284 fällt die Ummaurung auf der Böblinger Seite (Sindelfinger Chronik). Erlaubniß zu Abhaltung eines Wochenmarkts jeden Mittwoch, und eines Jahrmarkts im September ertheilte Graf Ludwig von Württemberg den 2. Januar 1450.

Herzog Christoph wählte die Stadt einige Male zum Sitz eines Landgerichts „als eine gelegene und gefällige Mahlstatt;“ das erste Landgericht wurde vom 11. November bis 20. December 1555 gehalten; derselbe Herzog gab im Jahr 1556 der Stadt das Recht, den württembergischen Landtag mit einem Abgeordneten zu beschicken.

Im Jahre 1605 wurde die Stadt Sindelfingen zu einem besondern Oberamt, welches übrigens keine Amtsorte hatte, gemacht; damals erhielt es, statt des bisherigen Schultheißen, einen eigenen Vogt.

Noch vor ein paar Jahrzehnten bestund hier ein Volksfest, der sogenannte Kuchenritt; eine unverbürgte Sage nennt den Herzog Ulrich als den Stifter, welcher während seiner Verbannung sich einmal in nahegelegenen Wäldern verirrt habe und von Sindelfinger Burschen auf den rechten Weg geleitet worden sey. Drei Mühlen bei Sindelfingen und eine zu Dätzingen mußten alljährlich am Pfingstdienstag (ursprünglich am Montag) je einen großen Kuchen von bestimmtem Gewicht liefern, welcher Vormittags von berittenen Sindelfinger Burschen abgeholt, an Stangen befestigt und mit Bändern geschmückt wurde. Mit Musik an der Spitze und von andern Reitern begleitet zogen dann die Kuchenritter in Sindelfingen ein und ritten dreimal um den großen Brunnen am Kloster, der mit dem steinernen Standbild Herzog Ulrichs geziert ist. Hierauf verfügten sie sich zu einem Gastmal und Tanze, wozu ursprünglich das Rathhaus, an dessen Stelle später ein Wirthshaus trat, eingeräumt wurde. Speisen und Trank wurden auf herrschaftliche Kosten gereicht, auch eine sogenannte Freinacht gestattet. (Schwäb. Chronik 1841. S. 581.)

Bei dieser Stadt verdient auch Erwähnung, daß hier im| Jahre 1786 die älteste Windmühle in Altwürttemberg erbaut wurde. (Schwäb. Chronik 1786. S. 27.)

Das merkwürdigste von Sindelfingen ist das dortige, ursprünglich weltliche Chorherrnstift. Es war, wie schon erwähnt, zuerst ein Benediktinerkloster hier, aber der Stifter des Klosters selbst verpflanzte noch die hiesigen Benediktiner nach Hirschau und setzte 1066 weltliche Chorherren an deren Stelle. Er ließ eine Stiftskirche, das noch jetzt stehende Gebäude, romanischen Styls, erbauen, welches am 4. Juli 1083 durch den Erzbischof Gebhard von Salzburg und den Bischof Adelbero von Würzburg dem heiligen Martin zu Ehren geweiht wurde (Schickardt, Diaconus in Sindelfingen, Jubelpredigt auf das zurückgelegte 7. Jahrhundert der Kirche zu Sindelfingen, nebst einer kurzen Geschichte derselben. Stuttgart, Erhard. 8.); damals war übrigens der Bau noch nicht vollendet und die Crypte wurde erst im Jahre 1110 durch den Bischof Gebhard von Constanz in Anwesenheit des Bischofs Adalbert von Worms dem heil. Johannes zu Ehren eingeweiht. Neben der Kirche baute sich der Stifter ein Wohnhaus.

Die Oberaufsicht über das Stift führte der Bischof von Constanz, welchem es ein Viertel Mark Silbers jährlich zu reichen hatte; in der Urkunde Kaiser Friedrichs I. von 1155 November 17. für das Hochstift Constanz wird diese Abgabe, welche den Constanzer Domherrn zu Gut komme, ausdrücklich erwähnt.

Die Schirmvogtei hatten ursprünglich die Grafen von Calw, dann Herzog Welf VI. († 1191), hierauf die Pfalzgrafen von Tübingen, von welch letzteren das Stift viel zu leiden hatte. Als nach dem Anfang des 14. Jahrhunderts die von Rechberg die Schirmvogtei überkamen, hörten zwar die Plackereien auf, dagegen wurde wegen der Anhänglichkeit Ulrichs von Rechberg des jüngern an König Ludwig den Bayer das Stift wie die Stadt mit dem Interdict belegt, welches erst 1349 durch Vermittlung des Grafen Götz von Tübingen, der im Jahre 1345 deßhalb an den päpstlichen Hof gereist war, aufgehoben wurde. (Sattler Grafen 1, 150.) Im Jahre 1351 gelangte diese Schirmvogtei an Württemberg.

Die Reihe der hiesigen Pröbste eröffnen Buggo, Wolfram, Friedrich, Gotfried, Philipp, durch seine Mutter Luitgard Enkel des Pfalzgrafen Gotfried von Calw etc. (die folgenden siehe in der Chronik Sindelfingens S. 4 ed. Haug und Sattler topogr. Gesch. 327).

Sindelfingen besaß eine Lehranstalt von umfassendem Plane, in welcher auch z. B. Arzneikunde gelehrt worden zu seyn scheint. Im Jahre 1427 kommt vor: Albert Bluminger, rector scholarum ecclesie in S. et notarius publicus, im Jahre 1432: Meister Johann Spenlin Probst zu Stuttgart, Baccalaureus göttlicher Kunst und| Lehre der Bucharznei, Chorherr des Stifts zu Sindelfingen (Schannat Sammlung alter historischer Schriften 1, 148). In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte hier ein ausgezeichneter Annalist, der Stiftsherr Conrad von Wurmlingen, welcher nicht nur für die Schicksale des Stiftes, sondern auch für die schwäbische Geschichte seiner Zeit überhaupt sehr schätzbare Aufzeichnungen niederschrieb. (Ausgaben: Chronici Sindelfingensis quae supersunt primum edidit Car. Frid. Haug. Tubingae 1836. 4., und bei Böhmer Fontes 2. 464–472.)

Die Stiftsgüter lagen bei Böblingen, Altdorf, Dagersheim, Darmsheim, Deufringen, Ehningen, Maichingen und Neuweiler; im Oberamt Leonberg: bei Leonberg (nebst Kirche), Hirschlanden, Weil dem Dorf (dortige Kirche einverleibt 1243); im Oberamt Stuttgart: bei Feuerbach (Kirche incorporirt 1421), Vaihingen (Kirche incorporirt 1439); im Oberamt Nürtingen: die Kirche in Neckarthailfingen (erworben 1428); im Oberamt Canstatt: bei Canstatt; im Oberamt Besigheim: bei Wahlheim etc.

Als Graf Eberhard im Bart in Tübingen eine Universität gründen wollte, erhielt er auf seine Bitte von Papst Sixtus IV. die Erlaubniß 8 Canonicate sammt der Propstei und 8 Caplaneipfründen und zwei Drittheile des Stifts für diesen Zweck zu verwenden, und verlegte im Jahre 1476 das Stift nach Tübingen. In Sindelfingen errichtete er mit einigen wenigen Abfällen des alten stiftischen Besitzes, statt des frühern weltlichen, ein regulirtes Chorherrnstift, welches er und seine Mutter Mechtild den 1. August 1477 von Frohndiensten, Atzung und Steuern freiten; dieser neuen Stiftung gilt folgende am Eingang in den Klosterhof befindliche Gedächtnißtafel, welche zwei vor dem Bilde des Erlösers knieende Personen in erhabener Arbeit darstellt und folgende Inschrift trägt: ILLVSTRISSIMA DNA MECHTILDIS NATA PALENTINA RENI AC ARCHIDVCISSA AVSTRIAE ET ILLVSTRIS EBERHARDVS COMES DE WIRTEMBERG ET EJVSDEM FILIVS HVJVS SACRI COENOBII POST PRIORIS COLLEGII TRANSLATIONEM AD TUWINGEN RESTAVRATORES ATQVE CANONICAE REGVLAE INSTITVTORES ANNO DOMINI MCCCCLXXVII. Bei der Reformation wurde dieses Stift aufgehoben.

Außer dem Stifte befand sich in Sindelfingen noch ein Barfüßermannskloster, das übrigens von keiner Bedeutung war. (Besold. Virg. 561.)

In protestantischer Zeit wurde neben der Stadtpfarrei im Jahre 1557 ein Diaconat gegründet.


  1. Literatur. Schönhut, O. F. H., Kleine Chronik der Stadt und des Stifts Sindelfingen. Böblingen 1834. 8.
  2. Früher bildete Sindelfingen ein eigenes Oberamt, welches 1807 aufgehoben wurde.
  3. Über die Kirche zu Sindelfingen s. auch v. Mauch Einladungsschrift der K. polyt. Schule in Stuttgart etc. (1849). S. 11.
  4. Über die Inschrift am Eingang in den Klosterhof s. unten.
  5. Im Jahr 1544 ist der Marktbrunnen gemacht und 1558 das Wasser von dem Schellert in diesen Brunnen geführt worden; 1583 Sept. 7. wurde das Bild auf gedachtem Brunnen erneuert. (Löher S. 269.)
  6. Die schwäbische Chronik von 1786 gibt S. 86–87 ein summarisches Verzeichniß der in Sindelfingen Geborenen, Gestorbenen und Copulirten, in welchem unter Anderm von den Jahren 1606 und 1610 angeführt wird, „es seyen so Viele an der Pest gestorben, daß sie nicht aufgeschrieben werden können.“ Ferner wird bemerkt: „Sindelfingen war vor dem 30jährigen Krieg so volkreich als in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Im Jahr 1680 war die Anzahl der Seelen überhaupt 1120, im Jahr 1750 waren es 1889 und gegenwärtig (1786) sind es 2535.“
  7. Früher bestand auch eine Windmühle, die 1/8 Stunde nordwestlich der Stadt lag, aber schon vor etwa 50 Jahren abging.