Zum Inhalt springen

BLKÖ:Zubrzycki, Dionys

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Zuccala, Giovanni
Band: 60 (1891), ab Seite: 292. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Dionys Zubrzycki in Wikidata
GND-Eintrag: {{{GND}}}, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Zubrzycki, Dionys|60|292|}}

Zubrzycki, Dionys (Geschichtsschreiber, geb. im Dorfe Batiatycze im Żółkiewer Kreise Galiziens 1777, gest. in Lemberg am 16. Jänner 1862), Nachdem er das Gymnasium in Lemberg 1795 beendet hatte, trat er in städtische Dienste, und zwar beim Magistrat von Brzozów im Sanoker Kreise. Dort wurde er zum Stadtsyndicus befördert und vom Magistrat zum Vormund [293] der minderjährigen Kinder des Grafen Poniński bestellt. Da er die weitläufigen Güter der Erben mit Umsicht und nutzbringend verwaltete, erhielt er von ihnen als Entgelt ein Gut zur lebenslänglichen Nutznießung, auf welchem er sich niederließ und mit Erfolg Landwirthschaft betrieb. Als er aber der Kränklichkeit seiner Gattin halber sein Gut aufgeben mußte, übersiedelte er nach Lemberg, wo ihm der Magistrat das Vorwerk Sygniowka in Pacht gab, auf welchem er nun seine landwirthschaftlichen Erfahrungen verwerthete. Um diese Zeit begann er einzelne landwirthschaftliche Artikel für Fachblätter zu schreiben und ließ auch einige Schriften landwirthschaftlichen Inhalts über Anbau des Klees, des Hanfes u. d. m., dann eine Uebersetzung des Handbuches über Landwirthschaft von Jos. Burger im Druck erscheinen. Als ihm aber Frau und Kinder wegstarben, gab er das Landleben und die landwirthschaftliche Beschäftigung ganz auf und wurde Geschichts- und Alterthumsforscher. Da ihm zur Geschichtsschreibung, weil er nur die Gymnasialclassen beendet hatte, die genügende wissenschaftliche Vorbildung fehlte, so trat er 1829 als Mitglied in das Stauropignianische Institut in Lemberg ein, in welchem er im folgenden Jahre die Oberaufsicht über die Institutsdruckerei erhielt. In derselben waltete er mit großer Umsicht, vermehrte und verbesserte sie, verschönte die Lettern und veredelte den Verlag durch den Druck guter Bücher. Nebenbei ordnete er das Archiv der Bruderschaft, wobei er sich mit allem Eifer auf das Studium der das sogenannte Roth-Rußland betreffenden Urkunden verlegte. Die erste Frucht dieser sorgfältigen Forschungen war eine größere Abhandlung: „Die griechisch-katholische Stauropigial-Kirche in Lemberg und das mit ihr vereinigte Institut“, welche im Jahrgang 1830 des „Neuen Archivs für Geschichte und Staatenkunde“ (Wien, 4°.) abgedruckt ist, und wovon eine polnische Uebersetzung in den „Rozmaitości lwowskie“ (1831) und aus diesen im „Lwowianin“(1837) erschien. Es ist dies die erste ausführliche urkundlich belegte Nachricht über das hochwichtige bis dahin unbeachtet gebliebene Institut. In seinen Forschungen fortfahrend, stellte er sich die weitere Aufgabe, die Lücken der bibliographischen Werke von Bandtke, Lelewel, Sopikow und Strojew zu vervollständigen, und so gab er das Buch heraus: „Historyczne badania o drukarniach rusko-slawianskich w Galicy“, d. i. Kritische Forschungen über die russo-slavischen Druckereien in Galizien (Lemberg 1836, 8°.), wovon eine russische Uebersetzung im Petersburger Tagblatt des Ministeriums für Volksaufklärung erschien; seine weiteren Arbeiten sind: „Rys do historyi rodu ruskiego w Galicyi i Austryi, d. i. Grundriß zur Geschichte des ruthenischen Volkes in Galizien und Oesterreich (Lemberg 1837, 8°.), wovon aber nur das erste Heft herauskam; das ganze Werk indessen gab später Prof. Bodiański in russischer Uebersetzung zu Moskau (1845) heraus, darin sind die politische und Kirchengeschichte Roth-Rußlands von der Einführung des christlichen Glaubens bis auf unsere Zeiten dargestellt; – „Dyplomataryusz Galicyiski“, d. i. Galizisches Urkundenbuch; dasselbe, in zwei starken Bänden zusammengestellt, übergab Zubrzycki der k. k. Regierung mit der Bitte um einen Druckbeitrag; als er darauf einen ablehnenden Bescheid erhielt, trat er mit russischen Gelehrten [294] in Verbindung, und von dieser Zeit an wurden seine geschichtlichen Arbeiten und Urkunden von der archäologischen Commission in Petersburg in den Acten des östlichen Rußlands und in den Denkschriften in Kiew abgedruckt und auch in das oberwähnte Tagblatt des Ministeriums für Volksaufklärung 1839 bis 1841 aufgenommen; – „Kronika Stauropigii“, d. i. Die Chronik des Stauropigiums, aus dem Polnischen übersetzt in den Lesestücken der historischen und Alterthumsgesellschaft in Moskau in den Jahren 1847 und 1848 von Bodiański; – „Wiadomośc historyczno-krytyczna o dawnych dziejach Czerwonej Rusi do konca XV. wieku“, d. i. Historisch-kritische Nachricht von der alten Geschichte Roth-Rußlands bis zum Ende des 15. Jahrhunderts (ebd.); – „Poczatek Unii“, d. i. Anbeginn der Union; im Jahre 1842 übertrug der Lemberger Magistrat Zubrzycki die Ordnung des alten Stadtarchivs, die daselbst 1843 und 1844 aufgefundenen Quellen gab er in polnischer Sprache heraus; – „Kronika miasta Lwowa“, d. i. Chronik der Stadt Lemberg, eine wahre Fundgrube wichtiger Vorgänge zur Geschichte Galiziens; – „Von der jüdischen Bevölkerung in Polen“, in Jordan’s „Jahrbüchern für slavische Literatur“ (1845); – „Von der Veränderung des Volksthums“ (ebd. 1847), wurde ins Polnische und Russische übersetzt. An den Ereignissen in Lemberg im Jahre 1848 hatte Zubrzycki keinen unmittelbaren Antheil, er gehörte aber zu der damals errichteten glówna rusinska rada (großer russischer Nationalrath) und gab in deutscher Sprache die politische Flugschrift: „Die ruthenische Frage in Galizien von einem Russinen“ (Lemberg 1848, 8°.) heraus. Als dann das Project, Galizien nach den zwei Nationalitäten zu theilen, zur Sprache kam, beleuchtete er diese Frage in der Schrift: „Granice między polskim i ruskim narodu w Galizii“, d. i. Grenzen zwischen dem polnischen und russinischen Volke in Galizien (Lemberg 1848), welche auch in deutscher Sprache erschien. Darauf übernahm er die Redaction der russinischen Zeitschrift „Zora Halicka“, d. i. Galizische Morgenröthe, die aber in kurzer Zeit einging, worauf er seine politischen und historischen Artikel für die damals von Guszalewicz herausgegebene „Psczola ruska“, d. i. Russinische Biene, schrieb. Sein Einfluß aber auf das russinische Schriftthum und die durch ihn aufgeworfene russinische Nationalitätenfrage war durchaus kein geringer, umsomehr als er 1849 russisch zu lernen begann, sich mit dem bekannten russischen Historiker Michael Pogodin befreundete und unter dessen Anleitung als der erste Galizianer russisch zu schreiben anfing. Als 73jähriger Greis machte er sich daran, die Geschichte der galizischen Russinen in dieser Sprache zu schreiben; das Stauropignianische Institut übernahm den Verlag dieses Werkes und gab es unter dem Titel: „Storia drewniaho halicko-ruskaho kniazestwa“, 3 Theile (Lemberg 1852–1854) heraus; dasselbe führt die Geschichte der Russinen bis zum Jahre 1337 fort. Da aber diese Arbeit weder in Galizien noch in Rußland entsprechenden Absatz fand und das Institut dadurch große Einbuße erlitt, wurde das vierte Heft, welches die Zeit von 1337–1387 enthält, nur noch in 200 Exemplaren gedruckt und die Fortsetzung ganz eingestellt. Seine letzte Schrift führt den Titel: „Anonim kneznenskij i Johan Dlugosz, latinskija []ypiski i. t. d.“ (Lemberg 1855, 8°.). [295] Daß die Polen in Galizien die Bestrebungen Zubrzycki’s, seiner Nation die ihr gebührende Geltung zu verschaffen, nicht mit freundlichen Blicken betrachteten, ist wohl begreiflich, umsomehr kam man ihm von russischer Seite entgegen, und die russischen wissenschaftlichen Vereine und gelehrten Gesellschaften schickten ihm ihre Diplome, und die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Sanct Petersburg ernannte ihn zu ihrem Mitgliede. Obgleich in den letzten Jahren sehr leidend und mit gebrochenen physischen Kräften, erreichte Zubrzycki doch das hohe Alter von 84 Jahren.

Rycharski (L. F.). Literatura polska w historyczno-krytycznym zarysie, d. i. Die polnische Literatur im historisch-kritischen Umriß (Krakau 1868, gr. 8°.) Bd. II, S. 262. – In E. M. Oettinger’s „Moniteur des Dates“ 42me livraison Août 1868“, S. 37, 1. Spalte erscheint er irrig als Zubozycki angeführt.