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BLKÖ:Zdekauer, Karl Constantin Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 59 (1890), ab Seite: 236. (Quelle)
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Zdekauer, Karl Constantin Ritter von (Finanzmann, geb. 18. October 1819, gest. in Prag 6. December 1870). Ein Sohn des Begründers des Bankhauses, Moriz, und Bruder Friedrichs [siehe diesen S. 232], widmete er sich dem Studium der Rechte und wurde nach abgelegter Gerichtspraxis zum Doctor an der Prager Hochschule promovirt. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1845 gab er seiner Laufbahn eine andere Richtung, trat in das Geschäft als öffentlicher Theilhaber und stand mit seinen speciellen Kenntnissen, zu denen sich ein staunenswerthes Gedächtniß und ein ungewöhnlicher Ueberblick auf financiellem und national-ökonomischem Gebiete gesellten, seinem Bruder Friedrich bei dessen Arbeiten und Unternehmungen erfolgreich zur Seite. Als mit dem volkswirthschaftlichen Aufschwunge und mit der Vermehrung der Communicationsmittel Prag eine ungeahnte Bedeutung gewann und das Bedürfniß rascherer und umfangreicherer Geldbeschaffung die Errichtung zuerst von Bankfilialen, dann aber von selbständigen Banken nothwendig machte, da, vor diese neue und umfassende Aufgabe gestellt, erwies sich glänzend seine schöpferische Thatkraft. Im Jahre 1854 wurde er Censor der Prager Nationalbankfiliale, 1863 trat vornehmlich durch seine Anregung und seine Bemühung die böhmische Escomptebank ins Leben, als deren Präsident er bis an sein Lebensende thätig blieb, und deren Umfang und Gedeihen sich stetig immer mehr entwickelte, so daß sie zur Zeit als eines der angesehensten Institute dieser Art in der Monarchie hervorragt. [237] An den meisten Humanitäts- und Wohlthätigkeitsvereinen war er als Mitglied betheiligt; um den zur Erhaltung und Wahrung des Deutschthums so wichtigen und energisch thätigen deutschhistorischen Verein Böhmens erwarb er sich erhebliche Verdienste, er wirkte als eines der eifrigsten Mitglieder und Förderer desselben auch im Comité zur Gründung einer höheren Töchterschule in Prag; an dem in der Biographie seines Bruders Friedrich geschilderten Aufschwung des Eisenbahnwesens in Böhmen hatte auch er wirksamen Antheil und die Buštěhrader Bahngesellschaft wählte ihn zum Verwaltungsrathe. Als 1866 Böhmen plötzlich zum Kriegsschauplatz wurde, die öffentlichen Cassen- und Geldinstitute vor dem der Hauptstadt in ungeahnter Schnelle – weil ja feindlicherseits Alles vorausgeplant und eingeleitet war – sich nähernden Feinde in Sicherheit gebracht werden mußten, war er es, der den dadurch entstandenen Schwierigkeiten unerschrocken gegenübertrat und mitten in der aller Handelsverbindungen beraubten Stadt durch ebenso umsichtige als energische Vorkehrungen im entscheidenden Augenblicke die zu Staats- und Gemeindezwecken nöthigen Geldmittel beschaffte und durch seinen Rath und Einfluß der feindlichen Macht gegenüber für die Regelung der Geldverhältnisse und die Wiederaufnahme des Handels mit Erfolg wirkte. Diese vielseitige und verdienstliche Wirksamkeit fand allerhöchsten Ortes wiederholte Würdigung: 1865 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens, 1867 den Orden der eisernen Krone dritter Classe und infolge dessen den erbländischen Ritterstand; 1869 wählte ihn der böhmische Landtag zum Director der Hypothekarbank; in gleicher Stellung befand er sich auch bei der böhmischen Sparcasse, und 1870 wurde er Vicepräsident der Prager Handelskammer. Ein plötzlicher Tod rief ihn im vollen Mannesalter von 54 Jahren aus dem Leben. Seiner Ehe mit Anna geborenen Artus, die als Präsidentin des Prager deutschen Frauen-Erwerbvereines und des deutschen Mädchenlyceums nach Frauenart das Wirken des Gatten ergänzte, entstammen drei Kinder: Konrad und Karl und Amelie, Gattin des Doctors der Medicin Otto Kahler, zur Zeit Professors der Medicin an der Wiener Hochschule.