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BLKÖ:Wydenbrugk, Oskar von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wydra, Stanislaus
Band: 59 (1890), ab Seite: 38. (Quelle)
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Noch ist des geistvollen Staatsmannes und ehemaligen großherzoglich weimarischen Staatsministers Oskar von Wydenbrugk (unterscheidet sich von den österreichischen durch verschiedene Schreibung der Endsylbe brugk statt bruck) zu gedenken: Er ist 1815 zu Aschenhausen in Thüringen geboren und durch sein Festhalten an Oesterreich in schlimmen Tagen bleibender Erinnerung würdig. Im denkwürdigen Jahre 1848 vertrat er im Frankfurter Parlament Weimar, die Hauptstadt seines Landes. Als es sich in demselben um die Frage handelte, ob Oesterreich ganz oder theilweise bei Deutschland bleiben solle, erklärte er, nur ein föderativer Bundesstaat sei möglich, dem jedenfalls das deutsche Oesterreich angehören müsse; die Regierungsgewalt aber sei zwischen Oesterreich und Preußen bei wechselndem Präsidium zu theilen. Als er im Herbst, wie er es während der Dauer des Parlaments öfters zu thun pflegte, wieder nach Weimar sich begab, um dort Amtsgeschäfte zu erledigen, traf er auf dem Eisenacher Bahnhof mit mehreren Mitgliedern des Frankfurter Parlaments, darunter mit Robert Blum zusammen. „Wohin wollen Sie?“ fragte er. „Wir gehen nach Wien“, entgegnete Robert Blum. Wydenbrugk sah ihn ernst an und sagte dann halb scherzend: „Ach, bleiben Sie doch zu Hause. Sie werden am Ende dort erschossen.“ Und wenige Wochen später wurde Blum in der Brigittenau erschossen!!! Im Jahre 1854 trat Wydenbrugk von seinem Ministerposten zurück und übersiedelte nach Tegernsee in Bayern, wo er den Deiblerhof gekauft hatte. 1859 gab er das Berggut auf und ging nach München, wo wir den geistvollen Staatsmann in der Tafelrunde der Männer der Literatur und Kunst, welche der edle König Max II. um sich versammelt hatte, finden. Als 1859 die deutsche Bewegung einen neuen Anstoß erhielt und der Gegensatz zwischen Groß- und Kleindeutsch mit aller Leidenschaftlichkeit debattirt wurde, berief Wydenbrugk, dem ein Deutschland ohne Oesterreich eine Sünde schien, mehrere Gesinnungsgenossen nach Rosenheim zu einer Vorbesprechung, welcher im October 1862 die Versammlung von fünfhundert Großdeutschen zu Frankfurt folgte. Hier verfocht er in glänzender Rede: daß die Reform allen deutschen Staaten das Verbleiben in der vollen Gemeinsamkeit möglich erhalten müsse. Als dann im folgenden Jahre der Fürstencongreß zu Frankfurt a. M. stattfand, an welchem alle Fürsten mit Ausnahme des Königs von Preußen Theil nahmen, beobachtete Freiherr von Wydenbrugk aufmerksam [39] den Gang der Dinge. Als dann die Erbfolgefrage von Schleswig-Holstein auftauchte, da der Dänenkönig die legitime Erbfolge des Erbprinzen von Augustenburg, den das ganze deutsche schleswig-holsteinische Volk zum Fürsten verlangte, nicht anerkennen wollte, der deutsche Bund Execution gegen die renitenten Dänen beschloß, Oesterreich und Preußen in Schleswig-Holstein einrückten und das besiegte Dänemark seine Rechte an die Herzogthümer am 30. October 1864 nicht dem Bunde, sondern an Oesterreich und Preußen abtrat (für Oesterreich ein wahres Danaergeschenk), kam es dem Erbprinzen Friedrich vornehmlich darauf an, einen eifrigen und gewandten Bevollmächtigten am Wiener Hofe zu haben, und die Wahl fiel auf Wydenbrugk, der sie auch annahm und am 11. November von München nach Wien übersiedelte. Bis 1867 blieb derselbe in Wien, dann kaufte er sich die Schöffau zwischen Oberaudorf und Kiefersfelden an der Tiroler Grenze; dort lebte er noch ein Jahrzehnt in abgeschlossener Ruhe dem politischen Treiben fern, bis er am 9. Juni 1876 die Zeitlichkeit segnete. In den Tagen, da er noch in Weimar segensreich gewaltet, sah man in den höchstgelegenen Wirthshäusern im Walde sein Bildniß an der Wand mit dem einmal von ihm gesprochenen geflügelten Worte, das man auch hierzulande beherzigen mag: „Krebsschäden heilt man nicht mit Rosenwasser“. Als er 1851 nach Bayern übersiedelte, führte er die Tochter des bayrischen Ingenieurobersten von Hörmann als Gattin heim. [Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta. 4°.), Beilage vom 21. und 22. Juli 1876, Nr. 203 u. 204: „Oskar von Wydenbrugk“. Von F. v. L. – Illustrirte Zeitung (Leipzig. J. J. Weber) 25. März 1848: „Weimarischer Landtag“, daselbst das sprechend getroffene Bildniß Wydenbrugk’s im Holzschnitt. – Laube (Heinrich). Das erste deutsche Parlament (Leipzig 1849, Weidmann, kl. 8°.) Bd. I, S. 208 und 302; Bd. III, S. 132, 211. – Porträts. 1) Unterschrift: „O. v. Wydenbrugk“. C. A. Schwerdgeburth sc. (4°.). – 2) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: „v. Wydenbrugk“. Nach Biow’s Lichtbild. Hickmann (gez.). Gedruckt von Ed. Eust. May in Frankfurt a. M. (4°.). – 3) Unterschrift: „v. Wijdenbrugk (sic). Mitglied der const. Nationalversammlung“. Steindruck von E. Walther Weimar (8°.).]