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BLKÖ:Wurzbach-Tannenberg, Karl Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 59 (1890), ab Seite: 23. (Quelle)
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Wurzbach-Tannenberg, Karl Freiherr (k. k. Landespräsident in Krain, geb. in Laibach am 28. October 1809, gest. daselbst am 16. Mai 1886), der älteste Sohn des Rechtsgelehrten Maximilian und Bruder des Verfassers des „Biographischen Lexikons Oesterreichs“. Nachdem er sich in seiner Vaterstadt wissenschaftlich vorbereitet halte, bezog er die Hochschule in Wien, an welcher er am 4. December 1832 die Doctorwürde aus den philosophischen, am 29. Juli 1833 jene aus den politischen und rechtswissenschaftlichen Studien erlangte. Nach beendeter juridischer Privatpraxis widmete er sich mit Vorliebe der Landwirthschaft und wirkte als Mitglied der k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Krain (seit 2. Mai 1833) und als Gutsbesitzer unausgesetzt für die Förderung der Landescultur, wurde im December 1869 zum Präsidenten genannter Gesellschaft, nach Ablauf der Functionsdauer 1875 und 1881 wiedergewählt und blieb es bis zu seiner letzten Krankheit 1886. Auch war er seit 1852 Mitglied der krainischen Sparkasse. Zu den im Jahre 1849 von der kaiserlichen Regierung angeordneten Berathungscommissionen in Organisirungs- und Gesetzgebungsangelegenheiten wurde er stets als Vertrauensmann beigezogen und war von November 1849 bis December 1853 Mitglied der Grundentlastungs-Landescommission, von Mai 1855 bis September 1861 der Grundentlastungsfonds-Direction als Vertreter der Berechtigten, von Juni 1855 bis August 1861 der Grundentlastungs-Regulirungs- und Ablösungscommission als Vertreter der Verpflichteten, von März bis December 1869 der Berathungscommission zur Ueberwachung und Förderung des Forstwesens, von October 1869 bis November 1881 der Grundsteuer-Landescommission, von November 1881 bis Mai 1883 der Grundsteuer-Reclamationscommission. In der Grundentlastungs-Landescommission trug er als Vertreter der Berechtigten wesentlich zur raschen und alle Theile befriedigenden Abwickelung dieses wichtigen Geschäftes bei. Seit 1861 nahm er regen und hervorragenden Antheil am politischen Leben. In diesem Jahre wurde er vom krainischen Großgrundbesitze in den Landtag, von diesem in den Landesausschuß gewählt und von der Curie des Großgrundbesitzes in den Reichsrath entsendet. Am 9. April 1864 legte er sein Reichsrathsmandat nieder, als ihm aber dasselbe vom Großgrundbesitze am 13. April desselben Jahres wieder übertragen wurde, blieb er im Abgeordnetenhause des Reichsrathes bis zum Ablaufe der ersten Reichsrathsperiode. In Anerkennung seiner Thätigkeit als Landtags- und Reichsrathsabgeordneter erhielt er am 24. September 1862 eine Vertrauens- und Dankadresse des Laibacher Gemeinderathes, mit Diplom vom 31. December 1865 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rudolfswerth und am 1. März 1866 eine Dankadresse von der Stadt Idria für die Unterstützung der an das Abgeordnetenhaus gerichteten Petition gegen den beabsichtigten Verkauf des Quecksilberbergwerkes und der Forstdomäne Idria, und für Unterstützung einer von der Stadt Idria an den krainischen Landtag gerichteten Petition gegen die Verdrängung des Unterrichtes der deutschen Sprache aus der Hauptschule dieses Ortes. Am 3. April 1861 ernannte ihn Seine Majestät der Kaiser zum Stellvertreter des Landeshauptmannes von Krain, und nach dessen Rücktritt am 15. November 1866 zum Landeshauptmann, in welcher Würde er, nachdem er 1867 vom Großgrundbesitze wieder in den Landtag gewählt worden, am 15. Februar desselben Jahres neuerdings bestätigt wurde. Im Landtage verblieb er bis 19. Mai 1871, an welchem Tage ihn Seine Majestät zum kais. kön. Landespräsidenten in Krain ernannte. Im folgenden Jahre erbat er sich aus Gesundheitsrücksichten die Enthebung von diesem Amte, welche ihm auch mit ah. Entschließung vom 27. Juni 1872 unter gleichzeitiger Verleihung der österreichischen Freiherrnwürde gewährt wurde. In den schwierigen Stellungen als Landeshauptmann und Landespräsident machte er es sich zur Aufgabe, auf die durch das zweisprachige Element scharf geschiedenen, ja sich feindselig gegenüberstehenden Parteien im Lande versöhnend einzuwirken und die nationalen Bestrebungen auf ihr naturgemäßes Gebiet zu leiten. Seine Ueberzeugung aber, daß die Pflege der deutschen Sprache und Bildung für die Entwickelung und Wohlfahrt seines Heimatlandes und des Reiches unerläßlich sei, brachte er auch auf die Gefahr hin, von der nationalen Partei angefeindet zu werden, bei jeder sich ihm darbietenden Gelegenheit zum Ausdruck. Obwohl er sich nach seiner Enthebung von der Stelle des Landespräsidenten hauptsächlich der Verwaltung seiner Güter widmete, nahm er doch fortwährend Antheil an den politischen Vorgängen und wendete sich um so entschiedener gegen die slavisirenden Bestrebungen, als dieselben immer unzweideutiger und für den Frieden des Landes und den Bestand des Gesammtstaates bedrohlicher herantraten. Fern von jeder nationalen Gehässigkeit, die Berechtigung der nationalen Entwickelung vollkommen anerkennend, erblickte er aber in der deutschen Sprache und Bildung die unabweisbar nothwendige Grundlage der Einheit, Macht und Wohlfahrt der Monarchie, und dies umso mehr, als ja die ganze Cultur des Landes auf deutschen Elementen aufgebaut ist. Auch auf humanitärem Gebiete blieb er nicht unthätig. Nebst mehrfachen Spenden für verwundete Soldaten errichtete er im Kriegsjahre 1866 die Kaiserin Elisabeth-Invaliden- und Armenstiftung. 1878 trat er als Förderer dem freiwilligen Sanitätsdienste des deutschen Ritterordens bei, der ihm in demselben Jahre das Marianerkreuz verlieh. Diese Verdienste nach verschiedenen Richtungen fanden mehrfache Würdigung. Außer der schon erwähnten Freiherrnwürde erhielt er von Seiner Majestät dem Kaiser 1868 das Ritterkreuz des Leopoldordens. 1853 ward ihm das Ritterkreuz des herzoglich Anhalt’schen Bärenordens verliehen. Der Fischerei- und der Bienenzuchtverein in Krain ernannten ihn zum Ehren- und die k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Wien zum correspondirenden Mitgliede. Seit 28. October [25] 1838 mit der Herrschaftsbesitzerstochter Marie Jermann vermält, hatte er aus dieser Ehe eine Tochter Seraphine, welche im Alter von 21 Jahren verblich, und einen Sohn Alfons (geb. 27. April 1852), welcher derzeit Landtagsabgeordneter in Krain ist.

Laibacher Volksblatt im Mai 1886: „Nekrolog“.– Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses, Sitzung am 3. Juli 1862, S. 3421–3426, 3428. – Neue Freie Presse, 1866, Nr. 520: „Correspondenz aus Laibach 8. Februar 1866“. – Dieselbe, 1871, Nr. 2635: „Correspondenz aus Laibach 21. December 1871“.