Zum Inhalt springen

BLKÖ:Wickerhauser, Rudolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wickerhauser, Moriz
Band: 55 (1887), ab Seite: 237. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Rudolf Wickerhauser in Wikidata
GND-Eintrag: 1055094954, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wickerhauser, Rudolf|55|237|}}

Wickerhauser, Rudolf (Schriftsteller, geb. in Wien am 15. September 1817, gest. in Leipzig am 19. December 1858. Ein Bruder des Vorigen, erhielt er in Wien eine sorgfältige und vielseitige Erziehung, weshalb ihn auch seine Eltern die Gymnasialstudien zu Hause durchmachen und erst, als er den philosophischen Curs beginnen sollte, öffentlich die Collegien an der Wiener Hochschule besuchen ließen. Sein ungemein empfängliches, poetisch gestimmtes Gemüth kam doch erst recht zum Durchbruche, als er mit seinem später als Orientalist bekannt gewordenen Bruder Moriz durch die österreichischen Alpenländer, die Schweiz, dann nach Paris und London eine Vergnügungsreise unternahm, auf welcher auch das Zeichentalent, welches er schon als Knabe durch gründlichen Unterricht gut ausgebildet hatte, mit erneuter Stärke erwachte und seine Liebe zur Malerei wieder nährte. Nach der Heimkehr von der Reise besuchte er vorerst die k. k. Akademie der bildenden Künste zu Wien, nahm dann längere Zeit Privatunterricht im Oelmalen und trieb neben Musik und Poesie auch fleißig die Landschaftsmalerei. Da er sich aber dabei wenig Ruhe gönnte, zog er sich ein schweres Leberleiden zu, das zuletzt einen so bedenklichen Charakter annahm, daß ihm die Aerzte das Malen gänzlich untersagten. Wiederholte Besuche der Karlsbader Thermen in den Jahren 1842 und 1843 und dann eine Erholungsreise durch ganz Deutschland, auf welcher er vornehmlich auf die plastischen Künste in Galerien und Museen sein Augenmerk richtete, kräftigten einigermaßen seine Gesundheit, wenngleich sein [238] Leiden nie ganz wich. Aber der Wechsel der nordische Scenerie sagte seinem contemplativen Wesen so zu, daß er seit 1846 in verschiedenen Städten Deutschlands längeren Aufenthalt nahm, vorherrschend mit Arbeiten für Journale sich beschäftigend. Um die Fünfziger-Jahre endlich machte er sich bleibend in Leipzig seßhaft, wo er in ziemlicher Zurückgezogenheit schriftstellerisch thätig lebte. Dem conventionellen Welttreiben stand er mit Entschiedenheit, ja mit abwehrender Schroffheit gegenüber, und nur mit Wenigen, die seinem Wesen und seiner Richtung zusagten, verkehrte er. Die Zahl seiner selbständig erschienenen Arbeiten beschränkt sich auf folgende zwei Werke, die er unter dem Pseudonym Emanuel Raulf herausgab: „Granit und Marmor. Gedichte“ (Leipzig 1854), worin seine Naturlieder eine reiche poetische Kraft bekunden, die ganz auf eigenen Füßen steht; die Eindrücke hatte der Poet vornehmlich auf jener mit seinem Bruder unternommenen Vergnügungsreise empfangen; – „Aus der Mappe eines Kosmopoliten. Erzählungen, Novellen, Genrebilder and Humoresken“ (Leipzig 1857, 12°.), folgende Stücke enthaltend: Ein seltsames Duell. Zwei Angedenken aus den Meeresfluthen. Das Testament des Bettlers. Die Blume der Freundschaft. Der schwarze Paul. Das zerbrochene Uhrglas. Zwei Handwerksburschen. Licht und Dunkel und Starkgläubig, in denen sich bei manchen Sonderbarkeiten das consequente Streben zeigt, die Rechte der Natur gegenüber der conventionellen Unwahrheit zur Geltung zu bringen. Eine beachtenswerthe Seite seines Talentes war übrigens die kritische. Seine Kritiken, von denen uns vornehmlich die gehaltvollen in den Brockhaus’schen „Blättern für literarische Unterhaltung“ im Gedächtniß sind, charakterisirt ein wohlwollend kritischer Geist, dem ein originell humoristischer Ausdruck und ein Reichthum ursprünglicher Geistesblitze ein eigenartiges Gepräge gibt. Im Uebrigen scheinen seine letzten Lebensjahre viel durch physisches Leiden getrübt gewesen zu sein, wofür auch sein frühzeitiger Tod spricht. Wickerhauser ist in Leipzig auf dem neuen Kirchhofe beerdigt. In der Schreibung seines Namens herrscht viel Verwirrung, wir finden ihn als Emanuel und als Rudolf Wickenhauser und Wickerhauser. Er heißt in Wirklichkeit Rudolf Wickerhauser und führte den Pseudonym Emanuel Raulf.

Kurz (Heinrich). Geschichte der neuesten deutschen Literatur von 1830 bis auf die Gegenwart. Mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1872, Teubner, schm. 4°.) S. 51a.