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BLKÖ:Weninger, Franz Xaver

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wenig, Johann Baptist
Band: 54 (1886), ab Seite: 292. (Quelle)
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Weninger, Franz Xaver (Priester der Gesellschaft Jesu und Missionär, geb. zu Wildhaus in Steiermark am 31. October 1805). Nachdem er an der Wiener Universität die theologischen Studien beendet und aus denselben auch die Doctorwürde erlangt hatte, trat er im Alter von 28 Jahren zu Gratz in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er nach Ablegung der Gelübde zunächst als Lehrer Verwendung fand. Mehrere Jahre hindurch trug er zu Tarnopol in Galizien philosophische Disciplinen, dann zu Innsbruck in Tirol Theologie vor, daselbst versah er auch das Predigtamt und war im Beichtstuhle thätig. Als die Bewegung des Jahres 1848 die Vertreibung der Jesuiten aus den kaiserlichen Staaten zur Folge hatte, wurde er von seinem Orden als Missionär nach Amerika geschickt. 1852 kam er in die Vereinigten Staaten, wo er unter den Deutschen eine Thätigkeit im Missionsamte entwickelte, die geradezu nach den erzielten Erfolgen ans Erstaunliche grenzt. Dabei war seine Stellung eine nichts weniger als ungefährliche; so, als er während der Mission in St. Louis in dem Stadttheile wohnte, in welchem die meisten Religionsspotter seßhaft waren, schoß Jemand eines Tages in dem Momente, da Weninger in sein Zimmer trat, von außen ein Kugel durchs Fenster. „Wie das gemeint war“, schreibt er selbst zwar, „weiß ich nicht“. Nun aber immerhin läßt es sich errathen. Er war lange [293] Zeit der einzige Priester, der als Missionär die Vereinigten Staaten bereiste. Auf den Wanderungen, die er durch die ganze Union, und zwar immer allein unternahm, ließ er sich durch die Anstrengungen des Missionsdienstes nicht anfechten, hielt oft im Tage drei bis vier Predigten und schlummerte selten wo anders als sitzend im Beichtstuhle, und auch da nur ein paar Stunden. Vornehmlich widmete er seine Thätigkeit den Deutschen, obwohl er andere Nationen nicht ausschloß und hie und da auch in englischer und französischer Sprache predigte. Dabei war er auf Einfachheit und Schlichtheit der Sitten im Clerus besonders bedacht und trat jenen Oberen, welche sich überhoben und durch Prunk oder sonst es den Andern vorausthaten, bei jeder Gelegenheit kühn und unerschrocken entgegen, insbesondere aber jenen Priestern fremder Nationen, welche durch Geringschätzung der deutschen Sprache und Sitte sich bei den englisch sprechenden Amerikanern in Ansehen zu setzen suchten. So stand denn auch Pater Franz in Nordamerika selbst bei Jenen, die nicht zu den Seinen zählten, in hoher Achtung. Frühzeitig hatte er die schriftstellerische Laufbahn betreten und noch vor Eintritt in den Orden im Alter von erst 17 Jahren die Herausgabe einer „Prediger-Bibliothek“ begonnen, welche bei Ferstl in Gratz 1831 erschien und in 19 Bänden die Predigten von Gretsch, Haberkorn und Wansiedel in neuer Ausgabe enthielt. Als Schriftsteller entwickelte Weninger aber auf seinem Gebiete eine ungemein rege Thätigkeit. Indem wir von den vielen Andachts-, Gebet-, Missions- und anderen Büchlein, die er bei jeder Gelegenheit in die Welt schickte, Umgang nehmen, führen wir nur die erheblicheren von ihm veröffentlichten Druckschriften an, und zwar: die völlige Umarbeitung der von P. Matthäus Vogel verfaßten „Heiligen Legende“, mit 71 Abbildungen in 11 Heften (Gratz 1839, Kienreich, gr. 8°.); – „Die christliche Jungfrau nach dem Vorbilde der h. Angela“ (ebd. 1842); – „Römisches Martyrologium oder Verzeichniss aller... durch Heiligkeit und Martertod gekrönten Christgläubigen“ 2 Hefte (ebd. 1842, gr. 8°.); – „Die vollkommene Klosterfrau nach Anleitung der Regel des h. Augustinus“ (Innsbruck 1844, Rauch, 12°., mehrere Aufl.); – „Vollständiges Handbuch der katholischen Religion für Katecheten u. s. w.“ (2. Aufl. Regensburg 1862, gr. 8°.); – „Grosser Katechismus der katholischen Lehre...“ (ebd. 1861); – „Kleiner Katechismus der katholischen Lehre“ (eb. 1861); – Katholicismus, Protestantismus und Unglaube...“ (5. für Deutschland best. Aufl., Mainz 1869, 8°.); – „Die Unfehlbarkeit des Papstes als Lehrer der Kirche und dessen Beziehung in einem allgemeinen Concilium“ (Einsiedeln 1869, 8°.). Ganz eigenartige Werke dieses in jeder Hinsicht merkwürdigen und rastlos thätigen Gottesmannes sind seine „Originellen kurzgefaßten praktischen Marianischen Festreden. Zur Feier des Maimonats“, wovon drei Jahrgänge erschienen; dann die „Originellen kurzgefaßten praktischen Festtagspredigten für das ganze Kirchenjahr“, die „Originellen kurzgefaßten praktischen Sonntagspredigten“ und die „Originellen kurzgefaßten praktischen Standespredigten für Ehemänner, Ehefrauen, Jünglinge und Jungfrauen. Für jeden dieser Stände 36 monatliche Conferenzen“. Von allen diesen vorgenannten homiletischen Schriften sind mehrere Auflagen erschienen. Ferner soll er Kirchenlieder zur Orgel in deutscher Sprache und unter dem Pseudonym Michael Sintzel eine Biographie des h. Franciscus [294] de Hieronymo herausgegeben haben. Seine zahlreichen in deutscher, englischer und französischer Sprache in den Vereinigten Staaten erschienenen theologischen, didaktischen und Homiletischen Schriften entziehen sich unserer Kenntniß. P. Weninger war auch seinem Aeußeren nach eine merkwürdige Erscheinung. Von eiserner Kraft, von einer geradezu allen Unbilden des Wetters und Klimas trotzenden Gesundheit, ertrug er Strapazen gleich den eingeborenen Indianern. Oft predigte er 25mal in der Woche und nahm noch bis tief in die Nacht die Beichte ab, ohne, wie er es selbst sagte, sich besonders angestrengt oder geschwächt zu fühlen. Jetzt müßte der Pater 82 Jahre alt sein; ob er noch lebt, wissen wir nicht.

Stoeger (Joh. (Nep.). Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, 4°.) p. 394. – Katholische Blätter (Linz, 4°.) 164, Nr. 59.