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BLKÖ:Wehrenfennig, Johann Theodor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wehli, Matthias
Band: 53 (1886), ab Seite: 246. (Quelle)
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Wehrenfennig, Johann Theodor (k. k. Superintendent der evangelischen Kirche A. C. in Oberösterreich, geb. in Gosau am 27. April 1794, gest. in Goisern am 26. Jänner 1856). Seinem Vater Julius Theodor, welcher als Pastor in Gosau wirkte, setzte der jüngere Sohn und Amtsnachfolger – Johann Theodor war der ältere Sohn – in der Schrift: „Dankbares Andenken an Julius Theodor Wehrenfennig, durch fünfzig Jahre evangelischer Seelsorger in Oberösterreich“ (Linz 1835) ein schönes Denkmal der Kindesliebe. Die Mutter Babette, eine geborene Günzel, stammte aus Augsburg. Ueber das Familienleben im Predigerhause bemerkte eine berühmte Dichterin, welche öfters daselbst übernachtete: „Wahrhaftig, in diesem Hause müßte sogar der verstockteste Frevler bald zum Heiligen werden“. Da die Amtseinkünfte dürftig und der Kinder viele waren, so ward der Sohn schon frühzeitig in die heilsame Schule der Entbehrungen genommen. Den ersten Unterricht im Latein erhielt er von seinem Vater, dann kam er durch Vermittlung von Freunden in das Alumneum an dem Gymnasium zu Regensburg in Bayern, wo schon der Jüngling den künftigen bewundernswerten Kanzelredner ahnen ließ, da seines trefflichen Vortrages wegen, wenn es bei feierlichen Anlässen galt, ein Gedicht oder eine Rede richtig und schön vortragen zu lassen, aus seiner Classe von den Professoren immer Wehrenfennig gewählt wurde. Die theologischen Studien machte er an der Universität zu Tübingen unter Stendel, Bengel, Flatt, Storr, Bahnmaier und anderen protestantischen Koryphäen dieser Hochschule. Daselbst entfaltete sich seine Rednergabe immer mehr und mehr und fand solche Anerkennung, daß ihn nicht selten die Pfarrer aus Tübingens Umgebung beriefen, um sie in Erkrankungs- oder Verreisungsfällen auf der Kanzel zu vertreten. Während seines Aufenthaltes an genannter Hochschule erhielt er einen Ruf als Seelsorger der Gemeinde Schladming in Steiermark. [247] Er folgte demselben, vermälte sich auch alsbald mit Therese, Tochter des Seniors Overbeck in Goisern, und als dieser daselbst starb, wählte ihn die Gemeinde zum Amtsnachfolger des Verewigten. Er waltete seines Amtes in so ausgezeichneter Weise, daß sein Andenken in den älteren Gliedern der Gemeinde noch heute lebendig ist; erst in den letzten Jahren, als sein Leiden immer drückender wurde, nahm er seinen jüngsten Sohn Moriz zur Stütze in dem Amte, zu welchem denselben auch, in dankbarer Erinnerung an die Verdienste des Vaters, nach dessen Tode die Gemeinde berief. Wie schon bemerkt, war Wehrenfennig ein ausgezeichneter Redner, leider ließ er von seinen Kanzelreden nur deren fünf im Jahre 1838, und auch diese nur zu dem Zwecke drucken, um durch den Erlös des Verkaufes zum Bau eines neuen Predigerhauses in Goisern beizutragen. Das Schulhaus daselbst vergrößerte er auch durch ein zweites geräumiges Lehrzimmer; für die Schule in Obertraun gewann er die Theilnahme hoher Personen, durch deren jährliche Beiträge sich allmälig ein Fond bildete, der die Bestellung eines eigenen Lehrers ermöglichte. Infolge seines verdienstlichen von Hoch und Nieder anerkannten Wirkens in seiner eigenen Gemeinde, wie für die Bekenner seines Glaubens in ganz Oberösterreich überhaupt, dann als Vertreter der evangelischen Kirche dieses Kronlandes auf dem Landtage 1848 in Linz, wie bei den kirchlichen Berathungen auf der Synode in Wien 1848 und 1849 wurde er im Jahre 1855 von Seiner Majestät dem Kaiser zum Superintendenten der evangelischen Kirche A. C. in Oberösterreich ernannt. Letzterer Würde sollte er nicht lange sich erfreuen. Nach sechsunddreißigjähriger kirchlicher Thätigkeit in seiner Gemeinde segnete er im Alter von 62 Jahren das Zeitliche. Sein Hingang aber wurde nicht allein von seinen Pfarrkindern tief beklagt, sondern von Allen, welche den würdigen protestantischen Priester und vollendeten Kirchenredner kennen gelernt und predigen gehört hatten.

Zur Erinnerung an Johann Theodor Wehrenfennig, k. k. Superintendenten der evangelischen Kirche A. C. in Oberösterreich und Pastor der Gemeinde Goisern nächst Ischl. Von Overbeck (Linz 1857, Jos. Wimmer, 8°.). [Dabei die Leichenpredigt von Traugott Gustav Trautenberger und die Grabrede von J. Karl L. Overbeck.]
Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namens und Charakters: „J. Theodor Wehrenfennig, | Superintendent“. Jos. Bauer (lithogr.). Anstalt von Reiffenstein und Rösch in Wien (8°.).