Zum Inhalt springen

BLKÖ:Wardener, August Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 53 (1886), ab Seite: 82. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
August Wardener in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wardener, August Freiherr|53|82|}}

Wardener, August Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Straßburg 1785, gest. zu Karlsburg in Siebenbürgen am 28. December 1848). Die Familie Wardener stammt aus Frankreich und gehörte daselbst dem höheren Adel des Landes an. Der Urgroßvater des Obigen. Baron Reud de Wardener (gest. 177.), war königlich französischer Parlamentär; der Vater Claude Baron de Wardener (geb. 1733, gest. zu Preßburg 1813) verließ als französischer Oberstlieutenant unter Ludwig XVI. beim Ausbruch der ersten französischen Revolution mit seiner Gemalin Katharina geborenen Marquise du Boucher (gest. 1849) sein Vaterland und trat in kaiserlich österreichische Kriegsdienste. Kaiser Leopold II. bestätigte ihm 1791 die althergebrachte Freiherrnwürde, indem er ihm gleichzeitig den Freiherrnstand verlieh. In Frankreich führte die Familie noch den Beinamen Reud, legte ihn aber seit ihrer Auswanderung ab. Freiherr August widmete sich gleich seinem Vater dem Waffendienste, trat in die kaiserliche Armee und zeichnete sich schon als Lieutenant [83] im Infanterie-Regimente Nr. 55, heute Gondrecourt, am 25. October 1813 im Gefechte bei Santa Mama besonders aus, trug da aber auch in demselben eine schwere Verwundung davon. In seinem Range vorrückend, wurde er 1843 Generalmajor und Brigadier zu Podgorze in Galizien und operirte im November 1848 als Feldmarschall-Lieutenant, zu welcher Würde er, wie Helfert berichtet, gelangte, nachdem er eilfmal übersprungen worden, in Siebenbürgen, in welches Land er aus der Bukowina einrückte und in welchem er seine Streitkräfte am 5. November zu Borgoprund mit denen Urban’s vereinigte, die von da an seinen Vortrab bildeten. Ueber seine Operationen daselbst, welche vornehmlich die Einnahme Klausenburgs betrafen, ist wenig zu berichten. Oesterreichische Quellen setzen sie herab, die des Feindes behandeln sie glimpflicher. Freiherr von Helfert schreibt, daß „General Wardener von Haus schwach, sich von Personen, die sich an ihn drängten und ihm hofirten, in jeder Weise beschwatzen ließ und ohne es zu wissen den Feinden seiner eigenen Sache in die Hände arbeitete“. Unter jenen Personen, welche sich an den General drängten, ist auch der Engländer Richardson gemeint, über dessen zweideutiges Verhalten das Werk: „Revolutionskrieg in Siebenbürgen“ Bd. I, S. 181–201 bemerkenswerthe Details gibt. Wardener mußte, als Bem mit seinen ungarischen Truppen in der zweiten Hälfte des December vorrückte, mit seinem schwachen Corps, wenn er nicht aufgerieben werden sollte, sich von Klausenburg zurückziehen. Das Schicksal ersparte ihm vielleicht noch schlimmere Stunden, denn auf dem Wege zwischen Thorda und Nagy-Enyed stürzte er, vom Schlage gerührt, vom Pferde und wurde nach Karlsburg gebracht, wo er auch am 28. December seinen Geist aufgab. General Wardener war seit 1827 mit Luise geborenen von Czernits und Orváth (gest. 1851) vermält, und stammen aus dieser Ehe drei Söhne: Freiherr Hippolyt Claude Charles (geb. 22. October 1828); Freiherr Edmund (geb. 10. Mai 1833) und Freiherr Rudolph (geb. 18. März 1837). Dieser Letztere diente gleichfalls in der kaiserlichen Armee und hielt sich im Jahre 1859 als Oberlieutenant bei Kaiser Franz Joseph-Uhlanen Nr. 4 im Feldzuge gegen Italien so brav, daß ihm die allerhöchste Belobung zutheil wurde.

Helfert (Jos. Alex. Freiherr). Die Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph I. (Prag 1872, Tempský) [oder die Geschichte Oesterreichs vom Ausgange des Wiener Octoberaufstandes 1848. III. Theil) S. 109 bis 113. –Derselbe. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung (Prag 1876, 8°.) [oder Geschichte Oesterreichs u. s. w., IV. Theil) S. 338–342, Anhang S. 99, Anmerkung 169. – Czetz (Johann). Bem’s Feldzug in Siebenbürgen in den Jahren 1848 und 1849 (Hamburg 1850, Hoffmann und Campe, 8°.) S. 56, 58, 66, 86, 107.