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BLKÖ:Vyšek, Anton Dobroslav

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 35. (Quelle)
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Vyšek (lies Vyschek), Anton Dobroslav (čechischer Schriftsteller, geb. zu Kutrovice bei Smečna im Prager Kreise 1809). Ein Bauernsohn, besuchte er das Piaristengymnasium zu Schlan. 1823 begab er sich zur weiteren Ausbildung nach Prag, aber sein Vater, Ernährer einer zahlreichen Familie, berief ihn wieder zu sich, um an ihm eine Hilfe bei seinen landwirthschaftlichen Arbeiten zu haben. 1827 trat Vyšek bei dem landwirthschaftlichen Amte zu Konopišt in den praktischen Dienst, in welchem er mehrere Jahre blieb, bis er in der Eigenschaft eines Secretärs des Grafen Franz Hartig [Bd. VII, S. 399], Gouverneurs der Lombardie, nach Mailand ging. Dort besuchte er bei seinem Drange nach künstlerischer Beschäftigung als Dilettant die Brera und befreundete sich mit manchem hervorragenden Künstler, wie Hayez, Molteni, Marchesi, Sogni, Servi, Rossi, mit denen er auch von Zeit zu Zeit einen Kunstausflug unternahm. In solcher Gesellschaft gewann er für die Kunst immer größeres Interesse, copirte, von dem Einen und dem Anderen aufmerksam gemacht, manches Meisterwerk, entdeckte und kaufte, soweit es seine Mittel zuließen, auch ein und das andere gute Original, so daß er es allmälig zu einer ganz stattlichen Sammlung von Bildern und Kunstgegenständen [36] brachte. Im Jahre 1838 unternahm er in Gemeinschaft mit dem Grafen Taverni und dem Maler Rossi eine Reise nach Rom und Neapel, welche er in seiner später zu Prag herausgegebenen Schrift: „Dvanáct let ve Vlaších“, d. i. Zwölf Jahre in Italien (Prag 1861, J. Schmied), ausführlich beschrieb. Nach Mailand zurückgekehrt, verband er sich mit Dr. Nava zur Herausgabe der Zeitschrift „La Rivista Europea“, welche Kunst und Wissenschaft in ihren Bereich zog, schrieb gleichzeitig für die von Tyl herausgegebenen „Květy“, d. i. Blüten, und zeichnete für die Leipziger „Illustrirte Zeitung“. Als dann Graf Hartig nach Wien zurückberufen wurde, trat Vyšek zu Mailand in den Staatsdienst. 1846 schloß er Bekanntschaft mit Pater Menzinger, damals Feldcaplan bei Reisinger-Infanterie, und begann mit dessen Unterstützung die Herausgabe čechischer Bücher in genannter Stadt, so erschienen Menzinger’s Schriften und Andachtsbücher für das k. k. Militär, Vyšek’s „Milan a jeho okolí“, d. i. Mailand und seine Umgebung (Mailand 1847, mit 4 Abbildungen, Bernardoni); – auch bereitete Letzterer seine gemeinschaftlich mit Ersterem verfaßte „Mluvnice česko-vlaská s příslušným slovníkem“, d. i. Čecho-italienische Sprachlehre mit dazu gehörigem Wörterbuch, zum Drucke vor, aber die Herausgabe unterbrach der Aufstand vom 18. März 1848, bei welcher Gelegenheit er als kaiserlich österreichischer Beamter festgenommen, ins Gefängniß abgeführt und seiner ganzen Habe wie seiner Sammlungen beraubt wurde. Am 10. April aus seiner Haft entlassen, reiste er über die Schweiz und Bayern in seine Heimat ab. In Prag schloß er sich nun der nationalen Bewegung an. In der Slovanská lipa regte er als Mitglied der Kunstsection die Gründung eines Vereines für vaterländische Kunst und ständige Kunstausstellungen an, aber sein Antrag verhallte im Lärm der politischen Wirren. In den Octobertagen ging er als Mitglied einer Deputation nach Wien, dann nach Olmütz. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Hauptmann der 17. Compagnie der Prager Nationalgarde erwählt und war überhaupt Mitglied fast aller nationalen Vereine und Mitstifter des historischen Vereines in Prag. Sein freisinniges Vorgehen in Wort und Schrift zog ihm mancherlei Anfeindungen behördlicherseits zu, was ihn zuletzt zum Austritte aus dem Staatsdienste veranlaßte. Er lebte nun einige Jahre im Ruhestand in Graz, beschäftigte sich da mit kunsthistorischen Arbeiten und mit der Ordnung seiner gesammelten Materialien zu einer Kunstgeschichte Böhmens. Von Graz aus unternahm er 1868 eine Reise nach Triest und Venedig, hielt sich längere Zeit in Laibach und Cilli auf, mit der Erforschung und Abzeichnung alter Kunstdenkmäler beschäftigt. Während er die baulichen Alterthümer in Steiermark erforschte, brachte er ein ansehnliches Material zu Stande zu seinem Werke: „Monumentální statistika někdejších slovanských osad v Horním Štýrsku“, d. i. Monumentalstatistik einiger slavischen Gemeinden in Obersteiermark. 1869 kehrte er in seine Heimat Böhmen zurück, ordnete daselbst seine kunstgeschichtlichen Forschungen und begann an einem biographischen Lexikon böhmischer Künstler zu arbeiten. Wie weit er in seiner Arbeit fortgeschritten, ist mir nicht bekannt.

Porträt. Vyšek ’s Lichtbild befindet sich vor seinem Buche: „Dvanáct let ve Vlaších“.