Zum Inhalt springen

BLKÖ:Vurum, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Vurm
Nächster>>>
Vydra
Band: 52 (1885), ab Seite: 33. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Joseph Vurum in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Vurum, Joseph|52|33|}}

Vurum, Joseph (Bischof von Neutra, Humanist, geb. zu Tyrnau in Ungarn 1763, gest. zu Neutra 1838). Er studirte Theologie zu Preßburg und Wien und wurde nach erlangter Priesterweihe 1788 bischöflicher Secretär, dann dem Lehramte sich widmend, 1791 Professor der Theologie am Lyceum zu Neutra; 1805 Domherr zu Erlau, Canonicus a latere und Director des Lyceums, 1807 Abt von Kompolt, 1810 Rath bei der königlichen Statthalterei in Ofen und Titularbischof von Sardica, 1816 Stuhlweißenburger, 1821 Großwardeiner und 1827 Neutraer Diöcesanbischof, bald darauf wirklicher geheimer Rath. Der Rahmen dieser nicht eben gewöhnlichen, doch bei einem so hochbegabten, mit allen Tugenden des Priesters ausgestatteten Manne auch erklärlichen [34] Laufbahn schließt aber eine Reihe von Handlungen ein, welche seinen Namen bleibender Erinnerung werth machen. Vurum entfaltete überall, wo er hinkam, eine segensreiche Thätigkeit. Jede der Diöcesen, welcher er vorstand, erhielt Beweise seines humanen Wirkens. So stiftete er, sobald er Bischof geworden, in einem Gebirgsorte seiner Diöcese, dessen Bewohner, da es ihnen an Unterricht fehlte, den Behörden viel zu schaffen machten, eine Pfarre und eine Schule; dann, als 1831 auch seine Diöcese von der Cholera heimgesucht wurde und viele Kinder durch dieselbe ihre Eltern und Versorger verloren, für die Verlassenen ein Waisenhaus. Er kaufte zu diesem Zwecke in der am Waagflusse im Trencsiner Comitate gelegenen Stadt Silein das Jesuitenkloster, richtete es mit großen Kosten für mehr als hundert Zöglinge ein, versah es mit den nöthigen Capitalien und eröffnete es am 4. October 1833. Um dieselbe Zeit stiftete er in Neutra eine Mädchenschule, welche schon im ersten Jahre ihres Bestehens von mehr als zweihundert Mädchen besucht wurde, und auch eine Zeichenschule. Außerdem verlieh er jährlich viele Stipendien an arme Studenten, versorgte Kirchen mit Glocken und den nöthigen Paramenten, ließ in den Schulen und den Pfarreien seiner Diöcese gute Bücher vertheilen, um den Sinn für Lecture zu wecken und die Sitten zu mildern und zu veredeln. Selbst ein unermüdeter Arbeiter, erschien er überall, wohin ihn die Pflicht und sein hohes geistliches Amt riefen, so wohnte er der ungarischen Kirchenversammlung bei, welche berufen wurde, um in wichtigen Angelegenheiten der Landeskirche zu berathen und die entsprechenden Beschlüsse zu fassen, erschien in seiner Eigenschaft als Kirchenfürst auf den verschiedenen Landtagen und wirkte auch als Mitglied der Reichsdeputation, welche die nöthigen Veränderungen in den Gesetzen ausarbeitete. Er war ein besonderer Wohlthäter der Slovaken, welche eben den Haupttheil der Bevölkerung in seiner Diöcese bildeten und sich in einem Zustande sittlicher und cultureller Verwahrlosung traurigster Art befanden. Er betrachtete es als Hauptaufgabe seines Lebens, die Armen allmälig aus diesem moralischen Elende zu menschenwürdigem Dasein zu erheben. Zum Besten und zur Unterstützung bedürftiger Priester und Lehrer in seiner Diöcese widmete er ein Capital von 76.000 fl. Auch verschönerte er die Stadt Neutra, in welcher er als Bischof wohnte, und schrieb eine Geschichte seiner Diöcese und ihrer Kirchenfürsten. In diesem Werke, welches unter dem Titel: „Episcojoatus Nitriensis ejusque Praesulum memoria“ im Druck erschien, weist er nach, daß im Neutraer Gebiete bereits im vierten Jahrhunderte das Christenthum verbreitet war.

Přecechtel (Rupert M.). Rozhled dějin českoslovanské literatury a životopisy českoslovanských výtečníkuv, d. i. Ueberblick auf die Geschichte der čechoslavischen Literatur und Lebensbeschreibungen čechischer Koryphäen (Kremsier 1872, Jos. Sperlin, 12°.) S. 157. – Egyházi értekezések és tudósítások, d. i. Geistliche Abhandlungen und Nachrichten (Weszprim 1823) Bd. I, S. 172. – Emlékkönyv, d. i. Erinnerungsbuch (Erlau (Eger) 1865) S. 293.
Porträt. Unterschrift: „Jos. Vurum Eppus M. Varad“. Ferd. Báró de Lütgendorf Posonii 1826, sc. (gr. 8°.) seltenes, schön geschabtes Blatt.