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BLKÖ:Vorliček, Franz Ladislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vorliček, Johann
Band: 51 (1885), ab Seite: 295. (Quelle)
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Vorliček, Franz Ladislaus (čechischer Schriftsteller, geb. zu Blatno am 2. April 1827, gest. 20. Mai 1866). Die Elementarschulen legte er in seinem Geburtsorte zurück, in welchem er auch 1840–1841 die von Ferdinand Freiherrn von Hildprandt gegründete landwirthschaftliche Anstalt besuchte. 1842 ging er zur Fortsetzung seiner Studien nach Strakonitz. Als aber seine Eltern mit einem Male von Feuer und Ueberschwemmung heimgesucht wurden, sah er sich in seinem ferneren Fortkommen auf sich selbst angewiesen. Er bestand daher in Strakonitz den üblichen Lehrercurs und nahm zunächst eine Lehrerstelle in der Glashütte zu Weinberg an. 1846 aber begab er sich nach Prag, wo ihm die Unterstützung des Professors Koubek [Bd. XIII, S. 54] und des Sängers Karl Strakatý [Bd. XXXIX, S. 225] den Aufenthalt ermöglichte. 1849 besuchte er das eben neu ins Leben gerufene Lehrerseminar zu Budec, und dann wirkte er einige Jahre lang als Privatlehrer in der Familie des Professors Klicpera [Bd. XII, S. 88]. Später fand er eine Stelle in der Redaction der „Prager Zeitung“ (Pražské noviny) und richtete nun sein Hauptaugenmerk auf das Schulwesen. Im Feuilleton aber brachte er Uebersetzungen aus dem Polnischen, welche dann auch in Buchform erschienen, und zwar von Korzeniowski: „Dcera věřitelova. Novella“, d. i. Die Tochter des Gläubigers. Novelle (Prag); – „Novelly“, d. i. Novellen (Prag 1864); – von Kraszewski: „Ďábel. Pověst z času Stanislava Augusta, d. i. Der Teufel. Erzählung aus der Zeit des Königs Stanislaus August (Prag 1863); – „Kordecký. Historická pověst“, d. i. Kordecký. Historische Erzählung (1861); – „Mistr Twardowski, polský černokněžník Pověst z podání lidu“, d. i. Twardowski, der polnische Schwarzkünstler. Erzählung [296] aus Volksüberlieferungen; – von Czajkowski: „Švédove v Polště. Historický roman z počátku druhé polovice XVII. století“, d. i. Die Schweden in Polen. Historischer Roman aus dem Anfang der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts (1862); – von Rzewuski: „Listopad. Historický Roman“, d. i. November. Historischer Roman, 2 Theile (Prag 1854); – „Samuel Zborowski, hejtman kozákův Záporozských“, d. i. Samuel Zborowski, Hetman der Zaporoger Kosaken, 2 Theile (ebd. 1855). Außerdem redigirte er die Herausgabe der gesammelten Schriften von Koubek in vier Theilen, welche 1857–1859 im Bellmann’schen Verlag erschien. Daneben arbeitete er an čechischen pädagogischen Zeitschriften fleißig mit. Im Jahre 1857 erhielt er eine Lehrerstelle an der Schule zu Nymburg und blieb an derselben, seit 1857 als ihr Director, bis zu seinem Tode. Vorliček besitzt Verdienste um die Hebung des Volksschulwesens. Auf seine Veranlassung wurde in Nymburg eine Bibliothek errichtet und ein Fond angelegt zur Gründung einer selbständigen Mädchenschule. Der im Sommer 1861 erfolgte Tod seiner Gattin machte ihn schwermüthig, allmälig zeigten sich so bedenkliche Zeichen von Geistesverwirrung, daß er im Herbst 1864 der Irrenanstalt in Prag übergeben werden mußte, wo er im Alter von 38 Jahren Erlösung von seinen Leiden fand.

Lumír (Prager belletr. Zeitschrift, schm. 4°.) 1865. – Světozor (Prager illustrirte Zeitung, kl. Fol.) 1870, S. 179. – Zlatá Praha, d. i. Das goldene Prag (Prager illustrirte Zeitung) 1865, S. 131.