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BLKÖ:Vilímek, Joseph Richard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vilímek, Anton
Band: 50 (1884), ab Seite: 297. (Quelle)
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Vilímek, Joseph Richard (čechischer Schriftsteller, geb. zu Vamberk in Böhmen am 1. April 1835). Die ersten Schulen besuchte er in seinem Geburtsorte, dann setzte er seine Studien zu Reichenau und Schönberg in Mähren fort und vollendete sie in Prag. Das schriftstellerische Gebiet betrat er frühzeitig, und zwar 1855 mit der Zeitschrift: „Zlaté klasy“, d. i. Goldene Aehren, in welcher er kleinere Gedichte, Märchen und verschiedene andere Aufsätze unter dem Pseudonym Velešovský veröffentlichte. Ueber die abergläubischen Bräuche im Böhmerlande sammelte er 1856 sorgfältig Materialien, und J. B. Houska theilte dieselben in der čechischen Museal-Zeitschrift (Časopis českého [298] Museum) mit Umtriebe, die er sich hatte zu Schulden kommen lassen, veranlaßten die Polizei, ihn auf ein Jahr aus Prag zu verbannen und in seinem Geburtsorte zu interniren, den er nur auf sehr kurze Entfernungen und nicht über die Dauer von 24 Stunden verlassen durfte. Aus diesem Exil schrieb er nun, da er sonst nichts unternehmen konnte, für die von Šestak [Bd. XXXIV, S. 159] redigirten „Pražské noviny“, d. i. Prager Zeitung, dieses einzige čechische politische Blatt jener Tage. Ein Artikel, welchen er in demselben über die Errichtung einer Hauptschule in seinem Geburtsorte Vamberk geschrieben, zog ihm einen erneuerten Verweis der Behörde zu. Im Jahre 1857 kehrte Vilímek nach Prag zurück, wo er im Februar 1858 in Gemeinschaft mit Joseph Svátek [Bd. XLI, S. 22] die Herausgabe der „Humoristické listy“, d. i. Humoristische Blätter, begann, die anfangs zu zehn Heften im Jahre herauskamen, vom zweiten Jahrgange bis zur Hälfte des dritten als unpolitisches Blatt, von da ab bis zum sechsten Jahrgang als politisch-satyrisches Wochenblatt, worauf sie, einem behördlichen Verbote, von dem sie bedroht schienen, zuvorkommend, für einige Zeit ihr Erscheinen einstellten. Im Jahre 1859 gründete er unter Mitwirkung des als Hauptmitarbeiter gewonnenen Johann Neruda [B. XX, S. 188] die Zeitschrift „Obrazy života“, d. i. Bilder des Lebens, welche später Letzterer allein im Verlage des Anton Augusta in Leitomischl fortsetzte. 1864 gab Vilímek an Stelle seiner humoristischen mit einem Male drei politisch-satirische Blätter „Bič“, d. i. Die Geißel, „Blesk“, d. i. Der Blitz, und „Rolničky“, d. i. Die Schellen, zugleich heraus. Als dann bei dem Umschwunge der politischen Verhältnisse in Oesterreich nach dem Jahre 1859 auch eine freiere Presse erwachte, setzte er die Herausgabe der humoristischen Blätter fort, welche, wenn Verfasser dieses Lexikons nicht irrt, noch zur Stunde erscheinen. Für die Preßvergehen, welche sich Vilímek von Zeit zu Zeit hatte zu Schulden kommen lassen, wurde er wiederholt zu kürzerer und einmal zu mehrmonatlicher Haft verurtheilt, was Alles ihm die billige Glorie des politischen Märtyriums verlieh. Von seinen übrigen literarischen Arbeiten sind anzuführen: „Humoristický kalendář“, d. i. Der humoristische Kalender, den er in den Jahren 1859, 1861 und 1868 herausgab; – „Nová růže stolistá čili sto nevázaností v řeči vázané“, d. i. Die neue hundertblättrige Rose oder hundert in die Rede gewundene Unbedeutenheiten; – der humoristische Almanach „Krakonos“, d. i. Rübezahl, und drei Theile „Besedník“ d. i. Das Declamationsbuch, in dessen Redaction ihn Jos. Barák, H. Přerhof und Ed. Just unterstützten. Auch veröffentlichte er noch zwei Auflagen des Gesangbuches „Hlahol“, eine Sammlung Lieder unter dem Titel: „Veselý zpěvák“, d. i. Der fröhliche Sänger, den Text zu dem großen Gemälde: „Oslava vlasti českých“, d. i. Der Ruhm der böhmischen Länder, zwei Jahrgänge des Stybl’schen Kalenders „Prorok“, d. i. Der Prophet; – „Živé stíny“, d. i. Lebende Schatten; – „Písně a popěvky volební“, d. i. Lieder und Gesänge, in mehreren Auflagen; – „Nejlepší české humoresky“, d. i. Die schönsten čechischen Humoresken, mit Illustrationen, von F. Kólar; – dann besorgte er die Herausgabe der čechischen Lust- und Schauspiele (Komedií a her) des Matth. Kopecký [299] [Bd. XII, S. 428] in zwei Theilen u. s. w. Andere Arbeiten seiner Feder finden sich zerstreut in čechischen Blättern, wie im „Čas“, d. i. Die Zeit, in „Rodinná kronika“, d. i. Familien-Chronik, u. s. w. 1866 wurde Vilímek im Wahlbezirke Reichenau und Kostelec an der Orla in den böhmischen Landtag gewählt, und im nämlichen Jahre gründete er auch die Umělecká, beseda, den Künstlerclub in Prag, um den er sich große Verdienste erwarb. 1872 eröffnete er aber daselbst seine eigene Druckerei, in welcher er neben anderen Schriften seine mehrerwähnten „Humoristické listy“ und den damit verbundenen „Kalendář“ verlegt. Auch eine deutsche Flugschrift hat ihn zum Verfasser, der Titel derselben ist: „Der Sprachenklangmesser in der böhmischen Orthographie. Sendschreiben eines böhmischen Philologen an einen deutschen Humoristen. Motto: Strč prst skrz krk, böhmischer Schnackspruch“ (Prag 1861, Jeřabek, 8°.), mit welchem Motto Vilímek in humoristischer Weise sich und seine Sprache kritisirt hat.

Šembera, (Alois Vojtěch). Dějiny řeči a literatury československé. Věk novější, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. Neuere Zeit (Wien 1868, gr. 8°.) S. 304.
Porträte. Vilímek’s Bildnisse im Holzschnitte brachten die „Rodinná kronika“, 1864, und der „Světozor“, 1869.