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BLKÖ:Vesque von Püttlingen, Karl von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 207. (Quelle)
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Vesque von Püttlingen, Karl von (Kunstdilettant , geb. zu Wien am 4. April 1805). Der jüngere Sohn des k. k. ersten Hofbibliothekscustos und Hofrathes Johann von Vesque aus dessen Ehe mit Theresia von Leenheer , und Bruder des unter dem Namen Hoven berühmten Componisten Johann Freiherrn Vesque von Püttlingen . Da er frühzeitig großes Talent für die bildende Kunst, vorzüglich in der Composition, bekundete, so ließ man ihn gewähren, und er bildete sich vornehmlich in derselben aus. Den ersten Unterricht[WS 1] im Zeichnen erhielt er von dem genialen Peter Fendi [Bd. IV, S. 173), dann besuchte er die Malerschulen Waldmüller ’s und Amerlings . Hierauf begab er sich nach München und wandte sich, durch den Verkehr mit dem ihm befreundeten Schwind angeregt, mit Vorliebe dessen Kunstrichtung zu. Im Jahre 1836 trat er in der Ausstellung der Akademie der bildenden Künste zum ersten Male mit dem Oelbilde „Ein sterbendes Kind“ und einem Porträt in die Oeffentlichkeit; diesen folgte ebendaselbst 1837: Porträt des Herrn J. Ghys; – „Der Heimkehrende“; – 1839: „Goldschmieds Töchterlein“, nach dem Gedichte von Uhland; – 1841: „Bischof Kolonitsch sammelt die nach der Belagerung Wiens 1683 im türkischen Lager zurückgebliebenen Christenkinder“, und 1842: „Francesca von Rimini“, nach Dante’s „Göttlicher Komödie“; – „Griseldis von Parcival verstossen“, angeregt durch Halm’s dramatische Dichtung „Griseldis“. Noch vollendete er 1844 einen Carton: „Tasso’s Tod“; ein feierlicher Zug kommt ins Kloster San Onofrio, um den Dichter zur Krönung abzuholen, diesen aber hat bereits der Tod in seine Arme genommen; eine Composition von ergreifender Einfachheit und Würde. Ein hartnäckiges Nervenleiden, welches den jungen Künstler erfaßte, gestattete ihm nicht länger die Ausübung der Kunst nach dieser anstrengenden Richtung und zwang ihn, das Malen in Oel aufzugeben, worauf er sich der Aquarellmalerei zuwandte. In derselben blieb er nun fortan thätig und schuf eine große Anzahl poetischer und sinniger Compositionen, in welchen er bald Scenen aus der reichen Sagenwelt, bald phantasievolle Personificationen der Naturkräfte darstellte, so z. B.: Gnomen in einem Eisenhammer; die verfallene Mühle mit dem Geisterspuk; aufsteigende Nebel im Hochgebirge; die tanzenden Willis; die Johanniswürmchen. Die meisten dieser Aquarelle befinden sich zerstreut im Privatbesitze. Als die Künstlergenossenschaft Wiens im Jahre 1854 der Kaiserin Elisabeth zu deren Vermälung ein Album zu überreichen beschlossen hatte, lieferte auch Vesque eine anmuthige in Farben ausgeführte [208] Zeichnung: Elfen segnen die Kaiserburg, nach Shakespeare’s „Sommernachtstraum“. Mit reger Theilnahme folgte er den Kunstbestrebungen seiner Zeit, welche in ihrer sich allmälig vollziehenden Umgestaltung einen großartigen Aufschwung nahmen, und legte auch in seiner Freude an schönen Kunstwerken eine Sammlung von Kupferstichen an, die manches werthvolle und seltene Blatt enthält. Karl von Vesque vermälte sich mit Theresia Genovefa (geb. 26. März 1814), einer Tochter des k. k. Justizhofrathes Anton Freiherrn von Plappart-Leenheer, doch sind aus dieser Ehe keine Kinder vorhanden.

Frankl (Lud. Aug.). Sonntagsblätter (Wien, 8°.) III. Jahrg. (1844), Beilage „Kunstblatt“ S. 215. – Kataloge der Jahresausstellungen der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (8°.). 1836, Nr. 222 und 281; 1837, S. 26, Nr. 302; 1839, S. 21, Nr. 258, S. 25. Nr. 217; 1841, Nr. 232; 1842, Nr. 227.
Porträte. 1) Gemalt von Peter Fendi im Jahre 1822 und ein zweites von Friedrich Amerling, beide in Oel ausgeführt und im Besitz der Familie. – 2) Lithographirt von Kriehuber (Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Untericht.