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BLKÖ:Vannetti, Joseph Valerian Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vanossi, Anton
Band: 49 (1884), ab Seite: 258. (Quelle)
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Vannetti, Joseph Valerian Ritter von (Schriftsteller, geb. zu Roveredo 14. April 1719, gest. daselbst 15. Juli 1764). Ein Sohn wohlhabender Eltern – sein Vater wurde um 1721 von Kaiser Karl VI. geadelt – beendete er an den Lehranstalten seiner Geburtsstadt seine Studien, die sich namentlich, der damaligen Zeitrichtung entsprechend, der classischen Literatur zuwandten. Nebenbei betrieb er mit großer Vorliebe Musik. Ein Freund der Wissenschaft und Literatur, schriftstellerte er nichts weniger als berufsmäßig, vielmehr zum Zeitvertreib [259] und eigenen Genügen, wie es die Arbeiten darthun, die er veröffentlichte und wir weiter unten anführen werden. Wesentlich hervorzuheben ist seine Initiative zur Bildung der Akademie degli Agiati. Er war innig befreundet mit Franz Saibante und dessen Schwester Laura Bianca, welch Letztere von keinem Geringeren als von Hieronymus Tartarotti [Bd. XLIII, S. 98], Roveredos berühmtestem Manne, in das Studium der schönen Wissenschaften eingeführt wurde. Diese Drei zogen noch zwei Geistliche: Gotthard Festi, den nachmaligen Erzieher Clementino Vannetti’s [s. d. S. 256], und Joseph Givanni (1722–1787), der durch seine Gedichte im Roveredaner Dialekte bekannt geworden, ins Vertrauen und bildeten gegen Ende 1750 eine literarische Gesellschaft, aus welcher sich binnen Kurzem eine Akademie entfaltete. Es war immerhin ein kleines literarisches Wagniß, da eine schon früher von dem vorgenannten Tartarotti gebildete Gesellschaft Dodonaeum, welcher dieser selbst als Silvester Dodonaeus angehörte, keinen Bestand hatte. Vielleicht eben in der Vorsorge, daß es mit ihrem Plane nur sehr langsam vorwärts gehen werde, nannten sich die Mitglieder die Langsamen (gli Agiati, lateinisch Lenti) und wählten auch ein diesem Namen entsprechendes Emblem, nämlich eine große Schnecke, welche eine Pyramide hinaufkriecht. Nun wurden auch die Statuten verfaßt und nach Wien gesendet, um die kaiserliche Bewilligung zu erlangen. Ueber dem Unternehmen waltete ein glücklicher Stern: Joseph von Hormayr [Bd. IX, S. 275], der Großvater des Historikers, verwendete sich für dasselbe, ebenso der mit Vannetti befreundete Joseph von Sperges [Band XXXVI, S. 138], und im Jahre 1753 langte mit einem huldvollen kaiserlichen Diplom die feierliche Bestätigung der Akademie herab. Joseph Valerian, welcher, wie später sein Sohn Clementino, die Stelle des Secretärs an dem Institute versah, war es nicht lange gegönnt, sich seines Werkes zu freuen, denn er starb in voller Manneskraft, im Alter von 45 Jahren. Seine Hauptschrift ist unbestritten folgende: „Memorie appurate intorno al santuario della Madonna della Corona in Monte Baldo“ (Mantua 1772), in welcher er alles Wunderbare, was der Johanniter Andrea Vigna über das auf dem Monte Baldo befindliche Madonnenbild im Jahre 1568 niedergeschrieben, mit geschichtskundiger Hand abstreift und die Haltlosigkeit aller dem Bilde nacherzählten Wundergeschichten nachweist. Diese Schrift vollendete Joseph Valerian nicht, sondern es that dies nach dessen Tode ein anderer Roveredaner Namens Bridi, welcher sie auch im Druck herausgab. Außerdem sind von Vannetti burleske Gedichte, eine gelehrte Barbologie oder Geschichte des Bartes und eine von Sprachforschern geschätzte Abhandlung über den Roveredaner Dialekt erschienen. Im Jahre 1754 verehelichte er sich mit der Tochter seines Freundes Saibante, mit der geistvollen Laura Bianca, die ihm einen einzigen Sohn Clementino [s. d. Vorigen S. 256] gebar. Sie überlebte ihren Gatten um 34, ihren Sohn als 74jährige Greisin um zwei Jahre. 1738 hatten Vannetti’s Mitbürger denselben zum Provveditore ihrer Stadt erwählt, doch die Muße dieses seines amtlichen Berufes widmete er ausschließlich der von ihm ins Leben gerufenen Akademie.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 511.