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BLKÖ:Vécsey von Hajnácskeő, August Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 50 (1884), ab Seite: 43. (Quelle)
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Vécsey von Hajnácskeő, August Graf (k. k. General der Cavallerie, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Leszniow in Polen am 22. August 1775, gest. in Wien am 15. Jänner 1857). Der einzige Sohn des Freiherrn Siegbert von Vécsey aus dessen erster Ehe mit Sophie geborenen Freiin von Révay, trat er, noch nicht fünfzehn Jahre alt, am 12. März 1790 als Fähnrich in das 28. Linien-Infanterie-Regiment Wilhelm Graf Wartensleben und wurde schon am 24. April desselben Jahres zum Unterlieutenant bei Czartoryski-Kürassieren befördert, in welcher Eigenschaft er in der Suite seines Vaters, eines tapferen Soldaten, den das höchste militärische Ehrenzeichen, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, schmückte, den Türkenkrieg mitmachte. Am 14. März 1793 zum Oberlieutenant bei Erzherzog Leopold-Huszaren Nr. 2 avancirt, fand der siebzehnjährige Jüngling am 20. August Gelegenheit, eine schöne Waffenthat auszuführen: als nämlich an diesem Tage bei der Affaire von Jokrim im Elsaß der beim Walde stehende Feind zu weichen begann, warf sich Vécsey aus eigenem Antriebe mit seinem Zuge auf denselben, schlug ihn in die Flucht, nahm ihm nach weiterer Verfolgung und hartnäckigem Kampfe vier Kanonen und vier Pulverkarren ab und brachte von der übriggebliebenen Bedeckung einen Officier und dreißig Gemeine als Gefangene ein. Am 1. März 1794 finden wir ihn als Second-Rittmeister in seines Vaters Huszaren-Regimente Nr. 4, mit welchem er die Feldzüge der folgenden drei Jahre mitmachte. 1799 deckte er den Schwarzwald bei Basel mit einem Streifcommando von eineinhalb Escadronen Huszaren und zwei Compagnien Infanterie. Bei dieser Gelegenheit stand er dem Gros der feindlichen Division des Generals Ferrino gegenüber und vereitelte alle Versuche desselben, dieses Streifcommando aufzuheben, auch gelang es seiner Bravour, bei verschiedenen blutigen Angriffen eine ansehnliche Zahl feindlicher Soldaten zu Gefangenen zu machen. Zu dieser Zeit befreite er auch den berühmten Philosophen und Physiognomiker Lavater aus französischer Gefangenschaft durch einen Handstreich, welchen er mit einigen Huszaren außerhalb Basel, wo Lavater unter Aufsicht war, mit großer Kühnheit ausführte. Am 29. Juli 1799 griff der Feind mit einer halben Brigade Vécsey’s Streifcommando auf allen Punkten mit dem größten Nachdrucke an, während gleichzeitig eine andere feindliche Colonne die gleichfalls zum Zwecke der Streifung bei Zell postirte Uhlanentruppe verdrängte. Auf die Nachricht von dem daselbst errungenen Vortheile griff erneuert und mit doppelter Zuversicht und Kraft der Feind die Position Vécsey’s an, welcher nun, ganz aus eigenem Antriebe, den Kampf annahm und nach achtstündigem hartnäckigen Ringen den Feind in dessen alte Stellung zurückwarf, welche Waffenthat Erzherzog Karl in einem Tagesbefehle auf das ehrenvollste anerkannte. Am 4. October 1799 wurde Vécsey zum ersten Rittmeister im Regimente ernannt. Am 16. dieses Monats ging Oberst Graf Eszterházy bei Neckarshausen dem in der Stärke von drei Cavallerie-Regimentern daselbst stehenden Feinde mit drei Escadronen und einer Cavalleriebatterie entgegen und warf dessen vorderste Abtheilungen, welche, bei dem Haupttheile sich sammelnd, wieder vereint Eszterházy angriffen und zum Rückzuge zwangen. In diesem Momente brach noch ein französisches Huszaren-Regiment [44] aus Neckarshausen hervor und eilte in den Rücken der drei Escadronen. Schon war Graf Eszterházy mit vielen Huszaren und drei Cavalleriegeschützen abgeschnitten, da warf sich der mit einer vierten Escadron im Rückhalte aufgestellte Rittmeister Vécsey dem Feinde mit solcher Bravour in die Flanke, daß sich derselbe mit Verlust von sehr vielen Todten und fünfzig Gefangenen zur Flucht wandte. Ohne diesen in so entscheidendem Momente auf eigene Verantwortung unternommenen muthvollen Angriff Vécsey’s würde der Feind gegen Schwetzingen vorgedrungen sein und den Rückzug der in Mannheim und Neckarau stehenden österreichischen Truppen, sowie der Artillerie-Reserve, äußerst gefährdet haben. Der Escadron wurden hiefür ohne Commission eine goldene und sechs silberne Tapferkeitsmedaillen verliehen. Fürst Schwarzenberg erwähnt dieser heldenmüthigen That Vécsey’s in seinem Tagesbefehle und in seinem Berichte an den Hofkriegsrath. Am 26. Jänner 1801 trat Vécsey als Major in das combinirte Honter und Graner Insurrectionsbataillon, bei dem er aber nur kurze Zeit blieb, da er am 13. März dieses Jahres in seiner Charge zu Vécsey-Huszaren rücktransferirt wurde. Im Feldzuge 1805 that er sich neuerdings glänzend hervor. Am 3. November zog die alliirte russische Armee sich von Enns zurück, und zwei Escadronen des 4. Huszaren-Regiments bildeten die Arrièregarde; der Feind griff selbe mit drei Cavallerie-Regimentern bei Asten, anderthalb Stunden von Enns, an; nach wiederholten Attaquen wurden diese zwei Escadronen in die Flucht geschlagen und heftig verfolgt; schon war der Feind nahe bei Enns und drohte, mit unserer Arrièregarde zugleich die Brücke zu passiren, als Vécsey, mit seiner Division eben von einem detachirten Posten einrückend, die Gefahr des Augenblickes erkannte und sich sofort mit Ungestüm auf den Feind stürzte, nach mehreren kühnen Attaquen demselben bedeutenden Schaden zufügte und den unberechenbaren Vortheil erreichte, daß nicht nur die in der Stadt Enns und auf der Brücke gehäufte russische Artillerie und Bagage Zeit gewannen, ungehindert ihren Marsch fortzusetzen, sondern daß auch die russische Infanterie und Artillerie sich am rechten Ufer der Enns aufstellen und nun die Zerstörung der Brücke wirksam unterstützen konnten. Am 25. November rückte Vécsey zum Oberstlieutenant im Regimente vor. Als am 2. December die Franzosen durch das zweite Szekler-Infanterie- und ein russisches Jäger-Regiment von der Anhöhe vor Tellnitz abgedrängt wurden, gelangten sie unter Begünstigung eines dichten Nebels mit zwei Infanteriecolonnen in den Rücken der vorgegangenen Bataillone der Verbündeten. In diesem Augenblicke der Entscheidung, wo schon die in Reserve befindliche russische Infanterie zurückwich, erwartete Vécsey nicht erst eine Weisung, sondern attaquirte mit seiner Division unter dem dichtesten Kugelregen die feindliche linke Infanteriecolonne mit so viel Bravour und Nachdruck, daß der größte Theil derselben gefangen genommen oder zusammengehauen und auf diese Art sowohl die ganze Vorrückung des linken Flügels erleichtert, als auch die Befreiung der im Rücken genommenen Bataillons bewirkt wurde. Für die glänzende Waffenthat bei Enns sowohl, als für jene bei Tellnitz, welche beide Vécsey abermals aus eigenem Antriebe und ohne Befehl mit so viel Geistesgegenwart und Kühnheit ausführte, erhielt er in der 71. Promotion [45] vom April 1806 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Vécsey war es auch, der nach der Schlacht von Austerlitz durch Kaiser Franz mündlich bezeichnet wurde, ihn mit einem zusammengesetzten Commando von 150 Huszaren zu der denkwürdigen Unterredung mit Kaiser Napoleon am 4. December 1805 bei der Mühle von Nasedlowitz in Mähren zu begleiten, wo er den von 20.000 en échiquier aufgestellten Garden umgebenen Corsen sah. Am 1. November 1807 erhielt er seine Eintheilung zu dem damaligen Kienmayer-Huszaren-Regimente Nr. 8, und am 31. Juli 1808 rückte er in demselben zum Obersten und Regimentscommandanten vor. Nach kaum zehn Monaten seiner Wirksamkeit in dieser Charge wurde er, 33 Jahre alt, auf dem Schlachtfelde von Aspern durch Erzherzog Karl, welcher Augenzeuge der Waffenthaten Vécsey’s in diesem verheerenden Kampfe war, außer der Tour zum General befördert, worauf er bis zur Schlacht von Deutsch-Wagram die Vorposten des sechsten Armeecorps befehligte. Am 5. Juli 1809 hielt er vorwärts der Dörfer Aspern und Eßlingen mit dem Regimente Kienmayer-Huszaren, einem Bataillon Warasdiner-St. Georger und zwei Compagnien Brooder Grenzer die Vorposten gegen die Auen. Nachdem sich die Franzosen sowohl Stadt-Enzersdorfs, als der Redouten, welche zwischen demselben und Eßlingen lagen, bemächtigt hatten, beschossen sie die Vorposten des sechsten Armeecorps unter Vécsey; diese hielten das heftigste Kanonenfeuer mit Standhaftigkeit bis zum anbefohlenen Rückzuge der Division Kottulinsky aus, und Vécsey bildete nun mit den bisherigen Vortruppen die Arrièregarde. Obgleich der Feind dieselbe mit zahlreichem Geschütze und überlegener Cavallerie während des Rückzuges fortwährend beunruhigte, so wurde dieser doch in bester Ordnung bis Hirschstetten fortgesetzt, hier aber bemerkte General Vécsey, daß der Feind sich zu einer Attaque ordne und vorzüglich wegen dessen Ueberlegenheit an Cavallerie Gefahr drohe. Er ließ daher die acht Compagnien Grenzer Massen formiren, und gleich darauf griff auch die feindliche Cavallerie die zwei Escadronen Kienmayer-Huszaren, welche die Nachhut bildeten, an. Vécsey schritt mit denselben zum Angriffe, da jedoch mehrere feindliche Reserven zur Attaque vorrückten, führte er auch die Reserveabtheilungen des Regiments Kienmayer-Huszaren wechselweise mit so glänzendem Erfolge vor, daß der Feind, nachdem er seine Cavallerieattaquen mehrmals vergeblich wiederholt hatte, mit Verlust von vielen Todten, Verwundeten und Gefangenen zurückgeworfen wurde. Während diese Reitergefechte das ganze Regiment Kienmayer beschäftigten, rückte auch eine beträchtliche feindliche Cavalleriecolonne gegen die Masse des Warasdiner-Sanct Georger Bataillons an. Vécsey eilte zu demselben und ließ die Masse zur Vertheidigung sich bereiten. Der Feind wurde mit gefälltem Bajonnete empfangen und durch das wohlunterhaltene Kleingewehrfeuer mit so bedeutendem Verluste abgewiesen, daß von diesem Augenblicke an der fernere Rückmarsch ungestört fortgesetzt werden konnte. Diese von ihrem General so trefflich geleitete Arrièregarde, welche die feindlichen Attaquen so tapfer zurückschlug, deckte dadurch den Rückzug der Division Kottulinsky und hielt den Gegner von der weiteren Verfolgung und von einem Angriffe auf das sechste Armeecorps ab. Am 17. April 1813 wurde Vécsey von Kaiser Franz in [46] Berücksichtigung der eifrigen und ersprießlichen Kriegsdienste in den „Grafenstand“ erhoben. Als der Feind nach dem siegreichen Kampfe am 6. September 1813 bei Feistritz im Drauthale die österreichische Armee in eine absolute Defensive versetzt hatte, blieb derselbe Meister des Drauthales und von dem so wichtigen Punkte des Loibels. Um daher eine Position am rechten Ufer zu erlangen, wurde Vécsey mit zwei Bataillons Reisky, zwei Compagnien des 9. Jägerbataillons und dem Uhlanen-Regimente Erzherzog Karl beordert, die Drau bei Stein zu passiren und bei Tittersdorf eine Stellung gegen das Thal Windisch-Kappel und gegen das obere Drauthal zu nehmen. Nachdem er in Erfahrung gebracht hatte, daß der Feind das Gros seiner Streitkräfte über den Loibel gegen den bei Podpetsch stehenden General Baron Fölseis und den bei Weichselburg ausgestellten General Csivich ziehe und dieselben ernstlich bedrohe, so entwarf er, unsere kritische Lage erkennend, sofort den Operationsplan und führte ihn auch aus. Es wurden nach seinem Plane, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken, eigene Colonnen zu Demonstrationen bei der Hohlenburger Brücke und Roßeg, dann zur Tournirung des Loibels und der Magdalenaschanze beordert, während das Gros der Brigade im Drauthale vorzudringen hatte. Nach sechzehnstündigem höchst beschwerlichen Marsche war die Umgehung vollbracht, der Angriff erfolgte am 19. September 1813 auf allen Punkten zu gleichen Stunde, und das Resultat desselben war, daß nicht nur die Räumung des Drauthales bewerkstelligt, die Communication des Feindes ins Savethal unterbrochen, die Umgehung des Loibels und die Besitznahme der Magdalenaschanze erreicht, sondern auch die Absicht des Vicekönigs gegen unseren linken Flügel vereitelt wurde, worauf die österreichischen Truppen die Offensive ergreifen konnten. Es ist dies eine der ruhmreichsten Episoden der Kriegsgeschichte damaliger Zeit. An den ferneren Kämpfen desselben, sowie des folgenden Jahres 1814 gegen Frankreich in Italien nahm Vécsey ebenfalls den thätigsten Antheil. 1815 führte er bei dem Rheinübergange bei Basel das Commando der Avantgarde. Zum Feldmarschall-Lieutenant am 19. November 1820 ernannt, übernahm er nach Ausbruch des Aufstandes in Piemont im April 1821 das Commando der Colonne, welche bei Pavia über den Ticino zu setzen hatte; am 8. d. Mts. erreichte das Gros Novi, und die Vorhut besetzte die Bochetta, wodurch der Fall von Alessandria und die Beruhigung von Piemont beschleunigt wurde. Am 4. Mai desselben Jahres zu Sr. Majestät dem Könige von Sardinien, Karl Felix, entsendet, stellte er zu dessen Verfügung die Division, mit welcher er Piemont zu besetzen beordert war. Den 9. März 1829 wurde er Inhaber des 3. Huszaren-Regiments, den 10. December 1838 wirklicher geheimer Rath; zwei Jahre später, am 2. April 1840, von seiner Bestimmung als Truppendivisionär zu Pesth zum General der Cavallerie und Capitän der königlich ungarischen adeligen Leibgarde in Wien befördert, verblieb er bei diesem Corps, bis er bei Auflösung desselben nach 59jähriger Dienstzeit und mitgemachten fünfzehn Campagnen in den Ruhestand versetzt wurde, in welchem er, 83 Jahre alt, sein ruhmvolles Leben beschloß. Aus seiner Ehe mit Amalie Colson hatte er fünf Söhne, von welchen der älteste, Karl, Sohn und Enkel eines Theresien-Ritters, während [47] der Vater noch lebte, ein tragisches Ende durch die Hand des Henkers fand.

Hirtenfeld (J.) Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. II, S. 793; und 1745. – Derselbe. Oesterreichischer Militär-Kalender für das Jahr 1859 (Wien, kl. 8°.) S. 128. – Militär-Zeitung (Wien, gr. 4°.) 1857, Nr. 5, S. 39. – Oesterreichische militärische Zeitung. Herausgegeben von Schels (8°.) 1843, Bd. III, S. 51. – Thürheim (Andreas Graf). Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 8°.) Bd. II: „Huszaren“. S. 80, 85, 86, 88, 100, 101, 213, 214, 221. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntagsblätter (Pesth, gr. 4°.) 5. April 1857, Nr. 14: „Hajnácskeői gróf Vécsey Ágoston“.
Porträt. Unterschrift: „Hajnácskeői gróf Vécsey Ágoston“. Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen [auch in „Vasárnapi ujság“, 1857, Nr. 14 (schöner, kräftiger Holzschnitt)].