Zum Inhalt springen

BLKÖ:Untersberger, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 49 (1884), ab Seite: 101. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Joseph Untersberger in Wikidata
GND-Eintrag: 139651136, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Untersberger, Joseph|49|101|}}

Untersberger, Joseph (Bildhauer in Gmunden, Geburtsjahr unbekannt), Zeitgenoß. Ueber den Lebens- und Bildungsgang dieses Künstlers, welcher in Gmunden sein Atelier aufgeschlagen hat, sind wir nicht näher unterrichtet. Ein gothischer Altar, den er im Auftrage eines Landmanns in der Pfarre Wallern für eine daselbst zu Ehren der Mutter Gottes erbaute Capelle im Jahre 1862 vollendete, lenkte zunächst die Aufmerksamkeit auf den Künstler, der ein Werk geschaffen, welches über das Niveau jener Dutzendarbeiten geht, wie sie auf dem Lande von gewöhnlichen Holzschnitzern zu Stande gebracht werden. Der Altar enthält drei Statuen, die mittlere stellt Maria dar in ruhiger Haltung aus der Erdkugel mit der Schlange und dem Halbmonde. Die Statue vom Sternennimbus bis zur Sandale des rechten Fußes trägt den Typus echt kirchlicher Marienbilder. Zur Rechten der h. Jungfrau steht der Lieblingsjünger des Herrn, Johannes, zur Linken die h. Francisca Romana. Beide in antiker Gewandung sind in Ausdruck, Haltung und Faltenwurf echte Kunstgebilde. Von seinen ferneren Arbeiten kennen wir aus dem Jahre 1864: vier kleine gothische Altäre für die Pfarrkirche in Steyr; eine Dreikönigsgruppe mit Maria und dem Jesuskinde, in polychromer Ausführung; aus dem Jahre 1870: eine h. Maria mit dem Jesuskinde, kunstvoll in Basrelief ausgeführt, mit einem zierlichen Rahmen in Holz. Untersberger schickte letzteres Werk in das österreichische Museum, wo es die Aufmerksamkeit des um die Förderung der Kunst in Oesterreich hochverdienten Oberstkämmerers Franz Grafen Crenneville erregte, über dessen Antrag es Seine Majestät der Kaiser ankaufen ließ. Der Künstler erhielt aus diesem Anlasse die große goldene Medaille mit dem Bildniß des Monarchen und dem Wahlspruche: „Viribus unitis“, auch ward ihm damals eine Lehrerstelle am k. k. Museum im Fache der Holzschnitzerei angetragen. In der Kunstgewerbe-Ausstellung des österreichischen Museums für Kunst und Industrie im Jahre 1871 war von ihm die Skizze eines Altarbildes für eine Kirche in Oberösterreich zu sehen, und eine Serie von Photographien mehrerer plastischer Arbeiten gewährte einen Einblick in seine künstlerische Thätigkeit. Unser Bildhauer wird auch Unterberger geschrieben, sein richtiger Name jedoch ist Untersberger.

Gmundener Wochenblatt, XII. Jahrg., 12. August 1862, Nr. 32: „Ein gothischer Altar“. – Christliche Kunstblätter (Linz, Hummer’s Witwe und Donner, 4°.) 1864, Nr. 8: „Vor der Traun“. – Gmundener Zeitung 1870, Nr. 8: „Gmunden 21. Februar“. – Neue Freie Presse 1870, Nr. 1964: „Oesterreichisches Museum“.