Zum Inhalt springen

BLKÖ:Unterkircher, auch Unterkirchner, Caspar

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Unterberger
Nächster>>>
Unterreiner, Joseph
Band: 49 (1884), ab Seite: 94. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Kaspar Unterkircher in der Wikipedia
Caspar Unterkircher in Wikidata
GND-Eintrag: 122860985, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Unterkircher, auch Unterkirchner, Caspar|49|94|}}

Unterkircher, nach Anderen auch Unterkirchner, Caspar (gelehrter Theolog, geb. zu Prad in der Pfarre Agums unfern der Ortlerspitze im Vintschgaue Tirols am 6. Jänner 1774, gest. zu Trient am 14. September 1836). Seine Mutter Marie geborene Primisser, brachte den Sohn zu ihrem Bruder Johann Baptist II. Primisser [Bd. XXIII, S. 304], welcher [95] zu Innsbruck als Professor wirkte. Daselbst beendete Caspar Gymnasium, Philosophie und Theologie. Während der philosophischen Jahrgänge bekleidete er eine Hauslehrerstelle in der Familie Joh. Baptists Grafen von Bissingen. Nach Abschluß der theologischen Studien erhielt er am 6. October 1799 die Priesterweihe. Anfänglich diente er als Seelsorger in seiner Heimat Prad, bald aber wendete er sich dem Lehramte zu, wurde 1801 Professor der Poesie am Gymnasium zu Innsbruck und 1806 nach dem Rücktritte seines Oheims von der Professur der griechischen Sprache dessen Nachfolger in dieser Stellung. 1807 erlangte er die philosophische Doctorwürde und las neben seinem Gymnasialamte auch auf der Universität über lateinische und griechische Philologie. Bei der späteren Neubesetzung des Gymnasiums wurde ihm die zweite Humanitätsclasse übertragen, an welcher er jahrelang fungirte, bis ihn der Fürstbischof Luschin [Bd. XVI, S. 164] als Professor des Bibelstudiums des neuen Bundes nach Trient berief, wo er bis an sein Lebensende wirkte. In seinem Fache war Unterkircher auch schriftstellerisch thätig, und hat er folgende Werke herausgegeben: „Die ächten Schriften der apostolischen Väter Clemens von Rom, Ignatius und Polycarpus, nebst der ächten Märtyrergeschichte der zwei letzteren. Aus der Grundsprache übersetzt und mit Anmerkungen versehen“ (Innsbruck 1817, 8°.); eine zweite verbesserte und mit einer Vorrede des Fürstbischofs Bernard Galura versehene Auflage besorgte Johann Hoffmann und ließ sie 1848 in Innsbruck erscheinen; – „Hermeneutica biblica generalis juxta formam studii theologici in imperio Austriaco praescriptam“ (Oeniponti 1831, edit. 2da 1834; editio IIIa per J. Hoffmann 1846, 8°.); – „Uebersicht des katholischen Religionssystems“ (Innsbruck 1820, Wagner, 8°.), gemeinschaftlich mit Mrh. Feichtel; – „Introductio in Biblia N. T. ad usum scholarum edita“ (Oeniponti 1835, Wagner, 8°. mg.). Auch mehrere Gelegenheitsgedichte sind von Unterkircher im Druck erschienen. Bergmann schildert diesen grundgelehrten Priester als einen Mann, der nebstbei voll Gemüth und sehr heiteren Geistes, gerade und offen war, und dies von Jedermann verlangte. An wem er eine Falschheit inne ward, dem entzog er für immer sein Vertrauen. Er that viel für seine Verwandten, so ließ er auch seinen Neffen Martin Unterkircher, welcher Johann Baptist Primisser’s jüngste Tochter Therese heiratete, auf seine Kosten studiren. Seinen kleinen Nachlaß bestimmte er theils für die Kirche, theils für seine Verwandten.

Waitzenegger (Franz Jos.). Gelehrten- und Schriftsteller-Lexikon der deutschen katholischen Geistlichkeit (Landshut 1820, Thomann, 8°.) Bd. II, S. 464 [nach diesem geb. 1774]. – Staffler (Johann Jacob). Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felician Rauch, 8°.) Bd. I, S. 169 [nach diesem geb. 1775].