Zum Inhalt springen

BLKÖ:Tumicelli, Jacopo

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Tumpitsch, Mirko
Band: 48 (1883), ab Seite: 110. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Jacopo Tunicelli in Wikidata
GND-Eintrag: 142367400, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tumicelli, Jacopo|48|110|}}

Tumicelli, Jacopo (Maler, geb. zu Villafranca nächst Verona im Jahre 1784, gest. zu Padua im November 1825). Dem Wunsche seiner vermögenslosen Eltern zu genügen, widmete er sich den Studien, um bald nach Vollendung derselben zu einer Anstellung zu gelangen. Aber als er zwanzig Jahre alt war, litt es ihn nicht länger bei den Vorbereitungen zu einem Berufe, für den er nicht die geringste Neigung in sich fühlte, und trotz aller Vorstellungen seiner Eltern, die sich mit seiner Wahl nicht befreunden konnten, griff er zum Pinsel, dem er bis an sein Lebensende treu blieb. Saverio della Rosa, ein Veroneser Maler und Schüler Cignaroli’s, führte ihn in die Elemente der Kunst ein. Aber bald drängte es den Jüngling fort von Verona, welches ihm nicht bot, was er suchte, und so begab er sich nach Mailand, wo er für seine künstlerische Laufbahn viel edlere und bedeutendere Vorbilder fand. Da ihm das Malen mit Oelfarben für sein Bestreben, so bald als möglich sich auf eigene Füße zu stellen, nicht förderlich erschien, erwählte er die Miniaturmalerei, denn erstens nahm ein kleines Gemälde bei aller Sorgfalt in der Ausführung weniger Opfer an Zeit und Geld in Anspruch, und dann konnte ein Werk, für welches sich doch ein verhältnißmäßig weit geringerer Preis stellen läßt als für ein großes Oelbild, um so eher auf baldigen Absatz rechnen. Seine erste Meisterarbeit in Miniatur war eine „h. Magdalena“ und fiel so gelungen aus, daß er im Auftrage des Professors Marsano dieselbe wiederholte. Als Bernardino Renier die erstere später von des Künstlers Brüdern zum Geschenke erhielt, erwiderte er dasselbe mit einem Ehrensolde von hundert Ducaten. Mit gleichem Erfolge malte Tumicelli Miniaturbildnisse, und von diesen kennt man jene des Dichters Hippolyt Pindemonte, des Salvator Viganò, des Barons Lederer und der berühmten Herzogin Giovane, welche auch seine Schülerin wurde. Ungeachtet seiner Erfolge in dem erwähnten Genre wollte er doch auch Oelbilder malen und führte mehrere Versuche aus. Indessen begab er sich, um Linderung für ein Leiden, welches ihn seit Jahren quälte, zu finden, nach Padua, wo er den berühmten Arzt Dr. Zecchinelli zu Rathe zog. Daselbst lernte er nun auch den vorerwähnten Venetianer Patrizier Bernardino Renier kennen. An diesem, der bald des Künstlers ungewöhnliche Begabung durchschaute, fand er einen Gönner, der ihn nicht nur mit allen möglichen Mitteln förderte, sondern auch zum Lehrer seiner talentbegabten Tochter erwählte. Zu gleicher Zeit übertrug ihm derselbe die Ausführung eines allegorischen Gemäldes: „Die Zeit enthüllt der Geschichte die Wahrheit“. Mit allem Eifer verlegte sich Tumicelli auf die Arbeit, die auch ihrer Vollendung entgegenging, während jedoch das Uebel des Künstlers immer stärkere Fortschritte machte und trotz aller Bemühungen des Arztes, der nichts unversucht ließ, ihn am Leben zu erhalten, sein Opfer forderte. Tumicelli aber ahnte seinen nahen Tod, und um seinem tieferschütterten Pfleger ein letztes Zeichen seiner Dankbarkeit zu geben, ging er wenige Tage vor seinem Ende daran, denselben zu zeichnen, und so war denn Dr. Zecchinelli’s Porträt des Künstlers letztes Werk. Nicht groß ist die Zahl der Werke Tumicelli’s. In seinem Nachlasse fanden sich mehrere [111] Miniaturen vor, darunter ein „Marienkopf“ von wunderbarer Schönheit und ein Mignonbildniß, das den Künstler selbst in dessen jungen Jahren darstellte. Unter den Oelbildern sind zu nennen: „Die Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja“, „Der h. Johannes der Täufer in der Wüste“ und „Das Bildniss der Veroneserin Ferrari-Rosini“. In der Vollkraft seines Lebensberufen noch Großes in seiner Kunst zu leisten, wurde Tumicelli hingerafft. Auf dem Campo santo zu Padua, wo er begraben liegt, bewahrt ein Denkstein, den Berardino Renier ihm setzen ließ, die Erinnerung an den Maler, welchen wir in Werken über Kunst und Künstler vergebens suchen. Im „Ateneo di Venezia“ las Agostino Sagredo in der Sitzung vom 5. Jänner 1821 einen Vortrag über das Leben und die Werke Tumicelli’s.

Tipaldo (Emilio de). Biografia degli Italiani illustri nelle scienze, lettere ed arti del secolo XVIII o de’ Contemporanei ec. ec. (Venezia 1836, tipogr. di Alvisopoli, gr. 8°.) tomo III, p. 283: „Necrologia di J. Tumicelli da Antonio Meneghelli“.